Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 45 (7.11.1935)
- Date
- 1935-11-07
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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■^«^S^JfcU Seite 2 Nr. 45 D er 1 s r a e Ii t 7. November 1935 Selbstverständlich möchte sich der ultranationale Flügel der 'Araber die Gelegenheit nicht entgehen lassen, aus dem abessinischen Konflikt einigen Profit für die arabische Sache herauszuschlagen. Die wilde Hetze in der arabischen Presse, verbunden mit der Hoffnung einer aus dem Kriege entstehenden Neuorientierung für Palästina im panarabischen Sinne ist allerdings auf einen energischen Verweis von der Regierung hin verstummt. Aber hinter geschlossenen Türen gehen die Machenschaften weiter, mit der Unterstellung, daß die Juden einseitig den englischen Interessen zu Ungunsten Italiens dienten. Die italienfreundliche Haltung bei den Arabern ist allerdings überall zu merken, nicht allein in Palästina, sondern in der gesamten arabischen Welt. Interessant ist in diesem Zusammenhange ein Vortrag des Gaptain Tracey Philipps in der Near Middle East Association, in der er auf Grund guter Erfahrung über die fjaltung nicht allein des Mufti von Jerusalem; sondern auch der anderen Führer der arabischen 'Welt Aufschluß geben konnte. Die ge samte islamische Welt nehme innerlich Stellung zu dem Kriege und setze ihre Hoffnungen an denselben, weniger in religiöser, als in politi scher Beziehung. Auch die Drusen seien in ihren Blättern vielfach für Italien eingetreten^ In Zentralarabie.n werde von König I b n Saud ein. Kongreß für November einberufen. Als offizieller Zweck des Kongresses wird eine Aussprache über das islamische Bewußtsein in den arabisch sprechenden Ländern angegeben. Der Vortragende ist jedoch der Ansicht, daß die ' wahren Ziele des Kongresses pänarabisch-politischer Natur seien und daß es unzutreffend wäre, ir dem Kongreß ein Mittel zur Förderung religiösislamischen Geistes, zu sehen. Das neue Griechenland und die Juden, S a 1 o n i k i , 3. ' November. Griechenland ist nun definitiv wieder eine Mon ar chi e. Für die Juden bringt diese altneue Regierungsform keine Aenderung, und ganz gewiß keine Verschlimmerung. An der am 3, November durchgeführten Volksabstimmung haben die Juden in großer Anzahl und mit stärkstem Interesse zu Gunsten der Monarchie teilgenommen. Die einzige jüdische Tageszeitung „Action-Prensa" brachte ihre Abstimmungsaufrufe unter dem Titel „Für den König!" unter Hinweis auf das vorbildliche Verhalten des Königshauses und der königlichen Regierung gegen die Juden unter Georg I., Konstantin und Georg IL Diese Stimmung bei den Juden würde »noch durch ein kurz vor der Abstimmung ergangenes Dekret des Regenten, General K Ö n d y 1 i s , erhöht, mit dem der antisemitischen Propaganda energisch entgegengetreten wird. Eine Abordnung der jüdischen Gemeinde wurde vom Redchswirtschaftsminister Darveris empfangen, der er versicherte: daß er wie das ganze königliche Kabinett bestrebt seien, allen gerechten jüdischen Wünschen Rechnung zu tragen. Rabbi Amiel zum Oberrabbiner von Tel Awiw gewählt. Tel Awi<w, 3. November. Die Jüdische Gemeinde Jaffa—'Tel Awiw hat in einer am 3/ November, abends, abgehaltenen Sitzung den bekannten Misrachi-Führer Rabbi Amiel aus Antwerpen als Nachfolger des im März d. J. gestorbenen Oberrabbiners Aforisori zum aschkenasi sehen Ob errab feiner von Tel Awiw gewählt. Neue Spur in der Jaffaer Munitionsschmuggel-Affäre. Jerusalem, 30, Oktober, Wie die palästinensische Presse mitteilt, ist im Laufe der Untersuchung über den vor kurzem versuchten Waffenschmuggel festgestellt worden, daß schon am 8. April eine Ladung von 200 Fässern Zement, in denen Waffen versteckt waren, und am 14. Juli eine zweite Ladung von 260 Fässern eingeschmuggelt wurden. Im Zusammenhang damit wurde eine zweite Tatsache aufgedeckt, die möglicherweise für das gesamte Ergebnis der Untersuchung von Bedeutung sein wird. Es wurde nämlich festgestellt, daß die Hafenbehörden von Antwerpen seinerzeit die belgischen Schiffskapitäne davon in Kenntnis gesetzt haben, daß laut einer Mitteilung der französischen Gesandtschaft in Brüssel an die belgische Regierung Nachforschungen in Antwerpen und Hamburg auf die Spur eines organisierten Waffenschmuggels von diesen Häfen in das französische Mandatsgebiet Syrien geführt haben. Diese für Syrien bestimmten Waffen waren in Zementfässer verpackt. Kundgebung gegen Verletzung der Sabbatruhe in Warschau. W a r s c h a u.,. 4. November. Am letzten Sabbat fand im Nalewki-Viertel in Warschau eine Kundgebung ^egen das Offenhalten jüdischer Geschäfte istatt. Nach dein G'ttesdienst in den verschiedenen Betsälen und chassidischen Klausen formierten sich die Teilnehmer zu einem großen Zug, an dessen Spitze Rabbiner schritten. Vor jedem offenen jüdischen Geschäft wurde halt gemacht, und die Rabbiner ersuchten die Inhaber, künftig ihre Geschäfte am Sabbat: geschlossen: zu halten, während die Menge auf der Straße das Ergebnis des in den meisten Fällen erfolgreichen Einschreitens^.abwartete,. In. dem rein jüdischen Nalewki-Viertel ist die Sabbätruhe von den 'Geschäftsleuten bis in die letzte Zeit allgemein beobachtet worden, obwohl in anderen Stadtteilen die jüdischen Kaufleute sich vielfach seit der Einführung der Zwangssonntagsruhe genötigt glaubte, die Geschäfte am Sabbat offen zu halten. ' ' Die Selbsthilfeaktion der Juden in Polen/ W a r s c h a u > 5. November; Die wirtschaftliche Sefbsthiilfekampagne des polnischen Judentums macht auch in den kleinen Proviflzofteil, wo das wirtschaftliche Elend unter der jüdischen Bevölkerung vielfach sehr scharfe Formen angenöriimen hat, erhebliche Fortschritte. Es wurde in diesen Ortschaften die 'unter den gegebenen Verhältnissen überraschend hohe Summe von über 350.000 Zloty aufgebracht, was ein Beweis;für die außerordentliche Opferwilligkeit der Juden in Polen und ihr Verständnis für die Bedeutung organisierter Selbsthilfe ist. In Polnisch-Obe r s c lh 1 es i en, das in den letzten Jahren eine starke Zuwanderung; von Juden aus Kongreßpolen und Galizien aufzuweisen hatte, haben bemerkenswerte Bemühungen um Zuführung dieser Bevölkerungsele^ mente zu produktiver Arbeit in der Industrie eingesetzt. Die Mittel, die in Oberschlesien durch die wirtschaftliche Selbsthilfeaktion aufgebracht wurden, sollen zum Teil zur Errichtung einer Fabrik verwendet Werden, in der Judeii in der Weberei ausgebildet werden sollen, um später in jüdischen Tuchfabriken in Bielitz beschäftigt zu werden. In Skoczow wird die Ausbildung jüdischer Jugendlicher in Korbflechterei und Ledjer-Galanteriewarenerzeugung geplant. In Tarnowskie-^Gory ist die: Errichtung einer Gartenr bauschule auf einem jüdischen Gut beabsichtigt. Das! .Jüdische Wirtschaftliche J Komitee hat längere Verhandlungen mit. den jüdischen Industriellen und Kaufleuten über die Einstellung jüdischer Arbeiter in ihre Betriebe zum Abschluß gebracht; Die jüdischen Unternehmer haben sich verpflichtet, ihr Personal durch "Vermittlung der jüdischen Berufs verbände zu ergänzen,. Gegen die Ausbeutung der Wirtschaftsnot in Rumänien zu antisemitischen Zwecken. Czernowitz, 4. November, In einer öffentlichen Rede wandte sich der frühere Justizminister Grigore Junian, der Führer der radikalen Bauernpartei, gegen die Ausbeutung der Wirtschaftsnot in Rumänien zw antiesmitischen Zwecken. Er erklärte: „Es ist leicht, die Schuld an allen Verhältnissen den Juden in die Schuhe zu schieben. Das ist dumm.. Prüfen Sie die Verhältnisse. Ichstamme aus einem Bezirk, in welchem es keine- Juden gibt. Ist die Lage der. Bauern dort besser? Nein, sie ist schlechter. Die Schulden sind dort ebenso drückend; und der Bauer ist ebenso arm wie in den anderen Landesteilen. Wer beutet die anderen Bauern dort aus? Die rumänischen' Bankiers. Wie wollen die extremistischen Parteien, deren einzige Formel „Nieder mit den Juden" ist, die kritischen Verhältnisse in meinem Bezirk lösen? Nicht der Nationalismus bildet den Kern des Problems, sondern die wirtschaftliche Lage. Wir müssen" gegen, die Ausbeuter kämpfen, gleichgültig, ob sie Juden oder Rumänen sind." Für Berufsumschichtung der nach Frankreich ausgewanderten Juden» Paris, 5, November. Die Zentralverwaltung der Ort-Union veranstaltete in Paris zu Ehren des Leiters des diesjährigen Ort-Drives' in Amerika, David A.. Brown, einen Empfang. David A, Brown berichtete über die Einchücke, de er auf seiner Reise durch Zentral- und Osteuropa gewönnen hat. Er habe feststellen wollen, inwiefern die gegenwärtige Tätigkeit des ORT den Nöten der jüdischen Bevölkerung in diesen Ländern entspricht und ob sienicht mit der Arbeit der anderen großen jüdischen Hilfsorganisationen kollidiere. Seine Beobachtungen hätten ihn in der Ueberzeugung bestärkt, daß er mit der Leitung des ORT-Campaign seine Pflicht einer .großenjüdischen Sache gegenüber erfülle, Prof. William 0 uali d brachte an Hand einer gründlichen Analyse der wirtschaftspolitischen Tendenzen in den osteuropäischen Staaten die große Bedeutung, des' ORT-Aufbauwerkes zum Ausdruck. Grandrabbin Julien W e i 1 und1 Grahd- •bbin L i b e r betonten die Wichtigkeit des U m s c h i c h t u n g s w e r k e s des ORT und gaben die Zusicherung, daß die Pariser jüdische Gemeinde die wertvolle Initiatiykraft des ORTstets ermutigen werde. :;' '■