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Der Israelit · 1935-11-07 · Heft 45 (7.11.1935) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 45 (7.11.1935)
Date
1935-11-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
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PDer Israelit! Ein Centraiorgan für das orthodoxe Judentum / Begründet von Dr. Lehmann in Mainz Jy MB II __ /Mm aaas*^ II Hl llllllllllil MMIIIMIWIdltMIlltlWWIlWiWIilWWBIIilllBIlllWI W'l'll1'! ■ Ii UM1 iiI'IHilM »III WIIIIF UM IIWWIMHiWWilWWH—■■■I1HHII IIIIM'II l IftlPiiifUlW ttl U"jU P i Hi1 MiTMMWI Frankfurt a. M. 7. November 1935 11. Marcheschwan 5696 Nummer 45 1000 Einwanderungszertifikate vorschußweise. Jerusalem, 3. November, Die Palästinaregierung hat der Exekutive der Jewish Agency vorschußweise 10 00 Arbeiter - E i n w a n d e r u n g s z e r t i f i k a t e" ausgehändigt. Diese Zertifikate werden . auf die bisher im Hinblick auf die ungeklärte internationale Lage noch nicht festgesetzte Schedule für das Halbjahr Oktober 1935 bis April 1936 angerechnet. Wie die ITA. erfährt, sollen .500 von den neuen Zertifikaten an Juden aus D eutschland verteilt werden. Die künftige Stellung der Juden in der Wirtschaft. Zur Stellung der Juden im Wirtschaftsleben nach den Beschlüssen des Nürnberger Reichstags hat der Reichs -und Preußische Wir tschafts minister folgendes Schreiben an die Reichswirtschaftskammer gerichtet: „Die Nürnberger Gesetze und die demnächst ergehenden Ausführungsbestimmungen werden auch gewisse Neuregelungen in der Stellung der Juden im Wirtschaftsleben nach sich ziehen. Solange diese gesetzliche Regelung nicht erfolgt ist, haben alle Maßnahmen nachgeordneter Stellen gegen jüdische Geschäfte zu unterbleiben. Ich ersuche, die Gruppen der gewerblichen Wirtschaft hiervon in Kenntnis zu setzen." Der abessinische Krieg, London, 3. November. Die „Times" hat in einem Aufsätze die Behauptung aufgestellt, daß wohl die Zionisten England gegenüber loyal seien, während es die Revisionisten mit Italien hielten. Ein Dementi von revisionistischer Sete war in der Form wenig befriedigend. In der Eröffnungssitzung der Jahreskonferenz der Zionistischen Frauenorganisation Englands kam nun Professor B r o - detsky auf diese Dinge zu sprechen. Die Juden hätten nirgendwo, ob Zionisten oder Nichtzionisten, nur den leisesten Grund, gegen Italien, das auch in seiner neuen Regierungsform, wie früher und immer, den Juden vorbildlich gerecht "werde, voreingenommen zu sein. Das Verhältnis der Juden zu England sei aber durch das Palästinamandat bedingt. Jeder Versuch einer Verdunkelung der jüdischen Loyalität England wie Italien gegenüber müsse entschieden abgewiesen und bekämpft werden. Inzwischen werden vom High Commissioner Sir Arthur Wauchope die Sanktionen der Paläst inareg ierung gegen Italien bekannt gegeben. Sie bestehen in der Hauptsache in drei Punkten: 1. Ein Verbot der Ein- oder Ausfuhr von Kriegsmaterial rückwirkend vom 25. Oktober angefangen; 2. Verbot der Gewählung von Krediten an Italien; 3, Verbot der Einfuhr italienischer Waren. Die Einzelheiten der Sanktionsbestimmungen und ihre Handhabung werden in einer Sondernummer der ,,Palestine Gazette" veröffentlicht. So viel kann aber heute schon gesagt werden, daß durch die Sanktionen die Beförderung von Palästinaeinwanderern auf italienischen Schiffen in keiner Weise berührt-wird. Der Transitverkehr auf italienischen Schiffen, somit die Beförderung von Personen und Gepäck aus anderen Ländern als Italien, ist auch nach dem Inkrafttreten der Sanktionen zulässig. (Fortsetzung siehe Seite 2.) Aus dem Inhalt: Das neue Grichenland und die Juden Seite 2 Kronzeugen der religiösen Toleranz Seite 3 Konzerte in der Synagoge......Seite 3 Der veredelnde Sport........Seite 4 Länder, in denen die Agudas Jisroel das jüdische Leben beherrscht . Seite 5 Koheleth. Von Oberrabb.Dr. Carlebach . Seite 6 Liquidation jüdischen Besitzes ... Seite 7 Über die Ausführungsbestimmungen zu den Nürnberger Gesetzen Seite 2 u. 8 Rabbinerkonferenz in Skandinavien . Seite 8 Zehn Jahre Bnoth Agudas Jisroel . . Seite 9 Palästinaberichte..........Seite 10 Gesetzestrene und Iwrith in Erez Jisroel. Von Mordechai Neüberger in Jerusalem. Der Jerusalemer Stadtverwaltung, in der seit den letzten Wahlen die jüdischen Mitglieder aktiv mitzuarbeiten, lag ein Gesetzentwurf betreffend Einführung einer Erziehun^ssteuer vor, deren Einkünfte den einzelnen Bevölkerungskreisen im Verhältnis ihrer Beisteuer für Erziehunsgzwecke zur Verfügung gestellt werden sollten. Der Antrag auf Einführung dieser Steuer wurde abgelehnt, weil der Vertreter der Aguda seine Stimme gemeinsam mit den arabischen Stadträten gegen den Gesetzentwurf abgab. Die Stellungnahme der Araber, für deren Schulbedarf ja die Regierung in weitestem Umfange Sorge trägt, interessiert uns hier nicht. Der Agudavertreter begründete seine Ablehnung damit, daß der Entwurf gemäß den Vorschriften der Regierung- Erziehuhgsbeiträge nur an solche Schulen vorsehe, deren Unterrichtssprache eine der drei Landessprachen, also hebräisch, englisch oder arabisch sei. Als Agudist müsse er aber auch die Interessen derjenigen Eltern wahrnehmen, die ihre Kinder in Schulen mit jiddischer Unterrichtssprache schicken, die also Steuer zahlen müßten, ohne daß die Schulen ihrer Kinder auch aus den Erträgnissen bedacht werden könnten. Aus dieser Stellungnahme, die in ihren Folgen leider eine Gesundung des jüdischen, auch des thöratreuen Erziehungswesens und den Kampf gegen die Missionsschulen unmöglich macht, erfährt die agudistische Oeff entlichkeit, soweit sie es nicht schon wußte, daß die palästinensische Aguda auch heute noch die Interessen der Schulen wahrnimmt, in, denen nicht hebräisch, sondern Jargon Unterrichtssprache ist/. Dieser Vorfall soll als Ausgangspunkt dienen, um die gegenwärtige Stellung der Orthodoxie zur hebräischen Sprache neu zu beleuchten. In außerpalästinensischen Kreisen ist die Frage des Iwrith längst keine Frage mehr. Die hebräische Sprache ist nicht mehr nur die des sog. heiligen Bezirkes (Gebetssprache), sondern zu einem wesentlichen Teil Umjgangssprache. Offizielle agudistische Presseorgane, z. B. Darkenu, erscheinen in hebräisch, hebräische Sprachkurse sind allenthalben Bestandteil der offiziellen Gruppenprogramme. In den Spalten des „Israelit" wird keine Stimme gegen Iwrith laut, man klärt vielmehr die wissenschafliche Frage, welcher Aussprache der Vorzug zu geben sei. Aber auch hier in Erez Jisrael hat sich vieles gewandelt. Schon seit je erscheint die offizielle Agüdazeitung „Kol Jisrael" in Iwrith; die Korrespondenz der palästinensischen Agudainstanzen wird in Iwrith geführt, alle Bekanntmachungen ergehen nur in Iwrith. Offizielle Agudaschulen im ganzen Lande haben hebräisch als Unterirchtssprache eingeführt, und sowohl der Oberrabbiner der Aguda als auch ihre sonstigen geistigen und politischen Führer nehmen an Versammlungen der Aguda teil, in denen Iwrith Sprache der Referenten und der Diskussionen ist. Selbstverständlich ist, daß auch im Privatleben der Agudisten Iwrith sich (Fortsetzung siehe Seite 3,)

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