Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 44 (31.10.1935)
- Date
- 1935-10-31
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 14 Nr. 44 Der Israelit 31. Oktober 1935 Sprechsaal, Jüdische Dienstboten. Zu Ihrem Artikel in der Nr. 40 „Jüdische Dienstboten" kann ich nicht umhin, einiges zu bemerken. Schreiber des Artikels hat es zwar mit dem zukünftigen Personal sehr gut vor, aber weiß er, aus welch gut jüdischen Häusern die Mädels kommen, die heute in den Haushalt gehen? Wissen Sie auch, daß es die Mädels als eine ganz besondere Mizwoh betrachten, daß sie in den Haushalt gehen? Heute könnten gerade alle Mädels Geschäftsstellen bekommen, gutbezahlte Posten, aber nein, unsere heutigen Mädels wissen, wo es fehlt, deshalb gehen sie in den Haushalt. Aber alle haben diese jungen Menschen, bevor sie Stellen annehmen, nicht nur auf jüdischgeistigem Gebiet, sondern auch die jüdische Küche, und auch Hausarbeit gelernt. Finden Sie es nicht selbst komisch, daß man diese Mädels natürlich zu den heiligen Handlungen herbeiholt, nachher können Sie wohl nach Ihrer Methode mit der „Mauze" in der Hand wieder abziehen! Sie hatten ihrer Freude Ausdruck verliehen darüber, daß endlich einmal jüdische Mädchen am jüdischen Herd stehen werden. Daß wissensmäßig und charakterlich gut ausgebildete Mädchen Spielgefährten Ihrer Kinder sein werden. Wir wissen sehr wohl, daß die nichtjüdischen Mädchen ganz vorzügliche Dienste geleistet haben. Jüdische Mädchen sollten aber dazu auch in der Lage sein. Schrecklich, daß dieses Vorurteil noch immer nicht beseitigt ist. Welches jüdische Mädchen, das ehrlich und pflichtgetreu zur Arbeit steht, hat denn je behauptet, daß man ihr nicht dasselbe zumuten könne wie einem nichtjüdischen Mädchen? Es kommt aber ganz darauf an, ob ein wohlwollender „Scholaum Alechem" im wahren Sinne des Wortes die Begrüßung bildet, oder ob ein übergroßes Mißtrauen sich über die Schwelle schwingt. Im ersteren Falle wird „Alechem Scholaum" Wirklichkeit werden, im letzteren Falle wird das Mädchen die „Mesusoh" bald wieder gefunden haben. Wie häcten wir uns gefreut, wenn wir hätten beobachten können, daß man sich mit uns freuen wird. So wissen wir schon vorher, daß man uns in Ermangelung einer besseren nichtjüdischen Kraft einstellen will; wahrlich ein Wonnegefühl! Wflff «oll die Arbeit da mit Freude verrichtet werden können? Ist es ein unbilliges Verlangen, wenn die Glaubensgenossin der jüdischen Hausfrau sich wünscht, des öfteren mal einen wv? besuchen zu dürfen? Jedes jüdische Mädel von heute .sehnt sieh nach Weiterbildung in jeder Hinsicht. Sollte man diesem Wunsche nicht entsprechen können, wo doch alles wieder dem Hause zugute kommt? Natürlich wird sie nur nach getaner Arbeit an sich denken. Aber leben — und leben lassen! Eine der zukünftigen Hausgehilfinnen. (Es scheint uns, daß Einsenderin unsere Ausführungen nicht ganz und gründlich gelesen hat, wie könnte sie sonst, indem sie sich gerade unsere Forderungen für die jüdischen Dienstboten zu eigen macht, diesen polemischen Ton anschlagen? Wir begnügten uns keineswegs damit, daß die jüdische Hausgehilfin nur zu religiösen Handlungen herangezogen werde, wir verlangten ausdrücklich Familienanschluß bis zur Tischgemeinschaft und Ueberlassung der Zeit zur geistigen Weiterbildung, und erwähnten nur deswegen die „religiösen Handlungen" als unzureichendes Minimum, weil uns von jüdischen Mädchen auch in diesem Punkte Klagen zugingen, Red.), Personalien, Nürnberg, 28. Okt. Die Festtage waren kaum verklungen, als die Alle tiefergreifende Nachricht unsere Kehilloh durcheilte, daß Frau Rabb. Dr. Klei n, nach kurzer Krankheit, schnell und unerwartet von ihrem irdischen Dasein abberufen wurde. Die Verblichene war die Tochter des bekannten Kempener Raw L. Münz eines Enkels von npn \nv> und war schon von Hause aus in G'ttesfurcht und G'ttvertrauen herangewachsen, Eigenschaften, die sie dann an der Seite unseres verehrten Raw mit der tiefen Frömmigkeit ihres Herzens pflegte und mit denen sie sich in den Prüfungen des Lebens stets bewährte. Sie war eine nn'33 "\bn na miaa im wahrsten Sinne des Wortes. Ihr Stolz und ihr Streben war das Sorgen für Gatten und Kinder, '"ri stehe unserem schwergeprüften Raw und den tieftrauernden Kindern bei. n-Min. Regensburg, 29. Okt. Aus Leserkreisen werden wir darauf aufmerksam gemacht, daß Herr Bezirksrabbiner Dr. M. Weinberg dieser Tage auf eine ununterbrochen vierzigjährige rabbinische Tätigkeit zurücksieht. Am 5.. November 1895 wurde er in Neumarkt in sein Rabbinat eingeführt; Er hatte seinen Amtssitz in Sulzbürg, später in Neuenmark und seit einigen Jahren in Regensburg, von wo aus er auch seine früheren Gemeinden betreut. Der allbeliebte, gelehrte und tatvolle Rabbiner ist auch über den Kreis seiner Gemeinden hinaus durch seine wissenschaftlichen Beiträge in literarischen Jahrbüchern und auch durch seine gelegentlichen Aufsätze im „Israelit" bekannt. Wir wünschen Herrn Rabbiner Dr. Weinberg einweiteres gesegnetes Wirken in ungemindert frischer Kraft. -mV Dnwi ARB 17 Kempen (Rh.), 28. Okt. Herr Simon Winter, dahier vollendet am kommenden Sabbat in voller geistiger und körperlicher Frische sein 91. Lebensjahr. Der rüstige Greis versäumt keinen G'ttesdienst und harrte am letzten Jomkippur den ganzen Tag auf seinem Platze in der Synagoge aus. Er hat die Feldzüge 1866 und 1870 mit Auszeichnung mitgemacht und erfreut sich größter Beliebtheit bei der gesamten Bevölkerung. Wir wünschen dem Jubilar, der ireu zum Thorajudentum hält, ein ferneres ungetrübtes Leben. , ttryitt» Tieienort, 22. Nov. Am 14. Tischri, mit Eintritt des ü'">i raip. verschied die hier allgemein sehr beliebte Frau Lina Levistein geb. Weiß. Sie war eine wohltätige Frau, die auch den hiesigen armen Nichtjuden viel Gutes erwiesen hat. Am ersten Tag t~?in jnao bv inan kam sie in Stadtlengsfeld zur letzten Ruhestätte neben ihrem zwei Jahre zuvor verschiedenen Gatten. Viele Christen gaben ihr das letzte Geleite. n":mn Gegen Kälte, Hunger, Obdachlosigkeit Jüdische Winterhilfe! Die Frankfurter Woche. Der Semesterbeginn unserer Lernvereine. Am Freitag abend nach Schul' eröffnete der M e - kor Chajim sein Wintersemester mit einem Mikrohvortrag, zu dem so viele Hörer erschienen waren, daß der große Hörsaal Friedberger Anlage die Menge nicht fassen konnte und viele umkehren mußten. Gegen 8.30 Uhr füllte sich der gleiche Raum schon wieder bis auf den letzten Platz mit einem jugendlichen Publikum, das zu der Freitagabendveranstaltung des J u g e n d a u s s c h u s s e s der I. R. G. erschienen war, Der Gemeinderabbiner, Herr J. H o - r o v i t z , eröffnete die Veranstaltung mit einer begeisternden Ansprache und Herr Dr. Jacob Rothschild sprach zu der Jugend über das Thema „Jugend feiert". Gesänge und gute Bewirtung hielten die Stimmung im Zuge. Es war ein Abend von Genuß und Gewinn besonders für die auswärtigen jungen Leute, die der heimatlichen Sabbatstube in der großen Stadt entbehren. Am Sabbatmorgen begann, wie immer, die Lernarbeit gleich nach Schul mit dem Diriimschaur des Herrn R.-A. Dr. Posen. Die Nachmittagsstunde, jetzt um vier Uhr, gehört in diesem Räume dem L i wj a t h C h e n , dessen Vorträge sich stets großen Zuspruchs erfreuen. Im Vereinslokale des Mekor Chajim doziert eine halbe Stunde vorher Herr Rabb. H. Mayer aus sp»\V». iDer Lernsabbat strahlt nach Sabbatausgang in den Werktag hinein. Abends 8.30 Uhr wurde im Vereinslokale der erste Samstagabendvortrag, dieses Mal YOn Herrn Rabb. Mayer, wiederum vor vollem Hause gehalten. Am Sonntag morgen nach Schul fand sich eine überaus große Zuhörerschaft zur Eröffnung des IM» pnnt-Schiur durch Herrn S. Schach nowitz ein. Der Dozent ließ dem Schiur eine kurze einleitende Ansprache über die Persönlichkeit des Verfassers und das Gesicht seiner Zeit vorangehen, die ungemein interessierte und die Voraussetzungen zum besseren Verständnis der Materie bot. Andere Veranstaltungen wie die Lehrgänge des Thora und Mussar sind aus dem Vereinskalender zu ersehen. Die Vortragszyklen des Jugendausschusses der I. R. G. werden demnächst beginnen. Und so geht der Lernbetrieb in gleichem Maße weiter, Tag für Tag. Sonntag nachmittag sechs Uhr findet im Mekor Chajim der Haftoravortrag, diesen Winter auch für Damen, statt. Gemoroh wird gelehrt und gelernt am Montag und Mittwoch abend um 7 Uhr von Herrn Rabb. Dr. Breuer, zu anderen Zeiten (siehe Vereinskalender); von R.-A. Dr. Posen, R.-A. Dr. Schlesinger und J. Sofer. Diesen Samstag abend, 8.30 Uhr, spricht Herr S. Schachnowitz im Vereinslokale, für Herren und Damen, über das aktuell gewordene Thema „Jüdische Farben und Fahnen". Mögen alle mit diesen Veranstaltungen und Lehrgängen aufstrahlenden Lichter so viel Licht und Freude in unsere Herzen leiten, wie wir sie heute in düsterer Zeit benötigen. Eine literarische Veranstaltung der Jüdischen Frauenvereinigung und Agudistischen Frauengruppe. Die erste Zusammenkunft der beiden genannten Vereinigungen am Montag abend bildete einen vielversprechenden Anfang ihrer Winterarbeit. Die Beteiligung war überaus stark. Die Präsidentinnen beider Vereine, Frau Paula Nußbaum und Frau Meta Posen-P r i n s bewillkommneten die Anwesenden und gaben ihrer Freude Ausdruck, so viele neue Mitglieder begrüßen zu dürfen. Frau Posen besprach noch das vorgesehene Winterprogramm und gab dem Be- ' dauern über den Wegzug des Herrn Jacob Rosenheim, dem die Agudistische Frauengruppe so viel zu verdanken hat, Ausdruck. Die Veranstaltung war als „Abend der jüdischen Schriftsteller" gedacht, auf dem in der Hauptsache gesetzestreue Denker und Schriftsteller mit Auszügen aus ihren Werken zu Worte kamen. Zuerst las Frau Regina Bär aus „Elijahu" von Dr. Isaak Breuer vor und nach der Erfrischungspause trug Frau Hulda Posen ein Kapitel aus „Feuerzeichen" von S. Schachnowitz vor. Es folgten dann noch einige Gedichte aus den Liederbüchern von Sturm a n n und Fritz Rosenthal, vorgetragen von Frau Regina Bär. Die Vorlesungen wie die Rezitationen, in künstlerischer Vollendung von beiden Damen durchgeführt, hielten das Auditorium in Bann und hinterließen einen nachhaltigen Eindruck. Allgemein wurde der Wunsch geäußert, solche Abende öfters zu veranstalten. Freitagabendveranstaltung. Im Rahmen der „Freitagabendveranstaltungen der I. R. G." ist die Ausgestaltung der am Sabbat na im Hörsaal Friedberger Anlage stattfindenden Veranstaltung von der Esra-Pirche Agudas Jisroe l übernommen worden. Leiter des Abends Chawer Hugo Adler. Beginn 20.30 Uhr. Religiöse Intensivwoche der Agudas Jisroel- Jugendgruppe. Die Neuorganisation der Agudajugend in drei Sektionen seit der Leipziger Tagung stellt die agudistische Jugendorganisation (jetzige Sektion A der Agudajugend) vor neue schwere Aufgaben. Große Teile der agudistischen Jugend werden Chaluzim und arbeiten daher im Noar Agudati (jetzt Sektion C der Agudajugend), so daß der Kreis unserer Mitarbeiter sehr klein ist. Die .Notwendigkeit einer Organisierung wird immer dringlicher; alle Indifferenten müssen herangezogen werden. Wir müssen die ganze orthodoxe nichtchaluzische Jugend Deutschlands erfassen, um überhaupt in Zukunft arbeiten zu können. Leider gibt es noch viele uns ideologisch Nahestehende, welche aus allerlei kleinlichen und persönlichen Gründen ihre Mitarbeit versagen. Hier muß die Leistung unsrer Gemeinschaft überzeugen. Wir wollen den Beweis erbringen, daß wir bereit sind, zu arbeiten, wenn uns eine genügende Anzahl Chawerim und Chaweroth mithilft. Um diesen Beweis zu liefern, veranstalten wir in der Woche vom 9. bis 16. November eine Religiöse Intensivwoehe, deren Aufgabe es ist, allen uns Nahestehenden Anregungen und Intensivierung ihrer geistigen Arbeit zu geben, die dann später in kleinen Kreisen weiterverarbeitet werden sollen. Das Programm (Aenderungen vorbehalten) sieht folgende Vorträge vor: 1. Abend: wsa, den 9. November: Dr. Isäac Breuer. Thema wird noch bekanntgegeben. 2. Abend: Sonntag, den 10. November: Gemeinderabbiner J. H o r o v i t z über das Thema „Die agudistische Jugendarbeit". 3. Abend: Montag, den 11. November: Rabbinatsassessor Dr. Posen über das Thema „Die Bedeutung der Austrittsgemeinde für die jüdische Jugend". 4. Abend: Dienstag, den 12. November: Redakteur S. Schachnowitz über das Thema „Die orthodoxe Organisation in der jüdischen Geschichte". 5. Abend: Mittwoch, den 13. November:. Jugendabend mit Referaten von Vertretern der einzelnen Sektionen der Agudajugend. 6. Abend: Donnerstag, den 14. November: Dr. S. Ehr mann über das Thema „Die Aufgaben der Agudas Jisroel für die Juden m. Deutschland". 7, Abend: B>"3»' den 16. Noveihber: Direktor Dr. Elias über das Thema „Die Bedeutung der Jugendgemeinschaft als Ergänzung von Elternhaus, Schule und Jeschiwah". — Alle Vorträge finden im Vereinslokal des Mekor Chajim, Hans Handwerkstr. 18, je um 8.45 Uhr abends statt. Landkinderhilfe der Landesorganisation der Agudas Jisroel. Die auf dem Lande mit großem Beifall aufgenommene Aktion der Landkinderhilfe, die der Jugend vom Lande durch zeitweilige Unterbringung in einer Großstadt mit pulsierendem jüdischem Gemeindeleben wieder Beziehungen zum jüdischen Leben und zur jüdischen Gemeinschaft schaffen will, wurde, im Monat Tischri in Frankfurt a. M. — übrigens auch in anderen Städten, worüber gesonderter Bericht erfolgen wird — wieder durchgeführt. Wir können mit Befriedigung feststellen, daß nicht nur die Eltern der betreuten Kinder ihrer Dankbarkeit Ausdruck geben, sondern auch die Familien, bei denen die Kinder über ü""> weilten, sprechen mit Freude von dem pädagogischen Nutzen, den ihre eigenen Kinder von der Aktion haben. Es sei an dieser Stelle den Familien, vor allem den Müttern, die, trotz der Alltagssorgen, die die Gegenwart in reichlicher Zahl aufwirft, der Verantwortung für die sich bewußt sind, denen es leider j noch schlechter geht, der herzlichste Dank von Seiten der Landesörganisation der Agudas' JisroeLausge- ' sprochen. * Wir gedenken rr1« zu raun wieder jüdischen Kindenherzen ein Stück seligen Tm»-Erlebens zu geben, und wir hoffen, daß noch zählreicher als bisher Frankfurter Familien dem Schrei der nach jüdi-