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Der Israelit · 1935-10-31 · Heft 44 (31.10.1935) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 44 (31.10.1935)
Date
1935-10-31
Page
– (sequence 11)
Language
German
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31. Oktober 1935 Der Israelit Nr. 44 Seite 11 Die Verhandlungen über den Abschluß eines H a ndelsabkommens zwischen Palästina und Aegypten sind bereits ziemlich weit gediehen. Voraussichtlich werden im November ägyptische Vertreter in Palästina eintreffen, um die endgültige Textierung des Abkommens zu vereinbaren. Einer Meldung der arabischen Tageszeitung „Feiestin" zufolge wurden in Li b an on 21 jüdische junge Leute bei dem Versuch, die palästinensische Grenze ohne Erlaubnis zu überschreiten, verhaftet. Palästinaregierung verwarnt die arabische Presse. Jerusalem, 25. Oktober. Die arabische Presse hat ihren kriegerischen Ton etwas gemildert, nachdem die Regierung die Zeitungen, insbesondere die ,,A-Difaa" ernstlich gewarnt hatte, die im Zusammenhang mit der Jaffaer Muniiionsschmuggefeffäre getriebene ijudenfeindliche Hetze fortzusetzen. Die Regierung hat ein Communique veröffentlicht, in dem die Angelegenheit kurz dargestellt und mitgeteilt wird, daß vier Personen, deren Namen nicht genannt werden, unter dem Verdacht der Mitschuld an dem Schmuggel verhaftet worden sind. Der Adressat der Sendung konnte noch nicht ausfindig gemacht werden. Der stellvertretende High Commissioner, Chefsekretär John Hathorn Hall, hat den Großmufti Hadsch Amin el Husseini und den arabischen Führer Dschemal Husseini empfangen und ihnen die Notwendigkeit auseinandergesetzt, die leidenschaftliche Agitation der letzten Tage einzustellen. Wieder ein Opier des Dumpings in Palästina. Jerusalem, 18. Oktober. Infolge des ausländischen Dumpings mußte die Fabrik für Kleider- und Wäschestoffe „Dschedda" bei Haifa geschlossen werden, nachdem erst vor kurzem die Seidenfabrik „Meschi" und die Wirkwarenfabrik „Gerew" dem Mangel an ausreichendem Zollschutz zum Opfer gefallen sind. Diesmal sind japanische und russische Konkurrenz die Ursache für die Betriebseinslellung. Die Ständige Kommission für Handel und Industrie ist zur Untersuchung der Ursachen der Schließung der Fabrik „Meschi" zusammengetreten, hat aber keinerlei Maßnahmen getroffen. Sie wird die Angelegenheit im November, wenn der Bericht einer Unterkommission vorliegen wird, nochmals besprechen. In Wirtschaftskreisen wird darauf hingewiesen, daß die Bemühungen der Kommission daran scheitern, daß immer nur die Einzelfälle behandelt werden, allgemeine Maßnahmen für einen wirksamen Industrieschutz jedoch außer Acht bleiben. Die internationale politische Lage und die Palästina-Einwanderungsquote. Jerusalem, 18. Oktober. Wie die ITA. erfährt, hat die Jewish Agency diesmal der Palästinaregierung keine Vorschläge in Bezug auf die Arbeitereinwanderungsschedule für das Halbjahr Oktober 1935 bis März 1936 unterbreitet. Sie hat vielmehr um die vorschußweise Zuteilung von Zertifikaten auf Rechnung der nächsten Quote ersucht. Die Zuteilung dieser Zertifikate soll erfolgen, sobald die internationale politische Situation sich geklärt haben wird. Es verlautet, daß die Regierung einen vorläufigen Vorschuß in Höhe mehrerer tausend Zei-- tifikate bewilligt habe. Eine offizielle Bestätigung dieser Gerüchte steht zwar noch aus, es ist jedoch aller Grund zu der Annahme vorhanden, daß sie der "Wirklichkeit sehr nahe kommen. Neuwahl des Rabbinischen Rats Palästinas. Jerusalem, 23. .Oktober. Im Hause des sephardischen Oberrabbiners Jacob Meir fand eine Sitzung des Rabbinischen Rates statt, in der beschlossen wurde, sofort Schritte zur Neuwahl des Rates einzuleiten. Der Waad Leumi wurde ersucht, seine Vertreter für die Wahlkommission zu benennen, die statutengemäß je zur Hälfte aus Mitgliedern des Rabbinischen Rates und des Waad Leumi ^bestehen muß, . ' Neue Siedlungen in Palästina. Jerusalem, 23. Oktober. In der Nähe von Petach Tikwa wurde eine neue jüdische Siedlung" feierlieh eingeweiht. Sie führt dsn Namen „Behadraga". Vor kurzem fand auch bei Kerkur die Gründungsfeier einer neuen Siedlung „Ain Irun" statt. Der Boden wurde zum Teil vom Nationalfonds, zum Teil von den Siedlern selbst, die für diesen Zweck .4000 Pfund investiert haben, erworben. Vorläufig leben in der neuen Siedlung 35 Familien, die Zahl soll jedoch in nächster Zeit auf das doppelte erhöht werden. Die Anlage der neuen Siedlung wurde ermöglicht, nachdem bei einer Brurmenbohrung in 175 Meter Tiefe eine Wasserader erschlossen wurde, die stündlich 500 Kubikmeter liefert. Vor einigen Jahren glaubte man, daß Kerkur Und seine Umgebung für die Anlage bewässerter Kulturen ungeeignet sei. Palästina-Regierung gibt der Stadt Tel Awiw* Regierungsboden in Pacht. Tel Awiw, 18. Oktober. Die Pialästina-Regierung hat der Stadt Tel Awiw 700 Dunam Boden am rechten Ufer des Jarkon in Pacht gegeben. Auf diesem Gebiet sollen Volkswohnungen für die jüdische Bevölkerung errichtet werden. Die Baupläne sind soeben vom Tel Awiwer Stadtrat genehmigt worden. Vermischtes. Frankfurt a. M., 29. Okt. Das Düsseldorfer Sgndergericht verurteilte, wie die „Frankfurter Zeitung" meldet, vier jugendliche Räuber, die nach offenbar sorgfältiger Vorbereitung am Abend des 9. September in Wuppertal-Barmen auf ein jüdisches Schuhgeschäft einen Ueberfall verübt hatten, zu hohen Zuchthausbezw, Gefängnisstrafen, Drei der Angeklagten, die widerrechtlich das große Parteiabzeichen der NSDAP, angelegt hatten, hatten dem Inhaber des jüdsichen Geschäftes erklärt, es handele sich um eine Durchsuchung nach kommunistischen Hetzschriften. Sie raubten 1800 Mark, wobei einer der Angeklagten ein Handtuch um den Hals des Geschäftsinhabers schlang, während ihn ein anderer mit dem Messer bedrohte. Das Sondergericht verurteilte die beiden Haupttäter zu je fünf Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust, einen dritten Angeklagten zu 2J4 Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust/ den vierten Angeklagten zu zwei Jahren Gefängnis. Berlin, 27. Okt. Das Landgericht in Frankfurt (Oder) hat den Antrag auf Erlaß einer einstweiligen Verfügung auf Entfernung des Namens einer Antragstellerin in der Rubrik „Volksgenossen, die den Umgang mit Juden pflegen oder in jüdischen Geschäften kaüfen" eines Stürmerkastens abgelehnt. Die Antragstellerin war mit ihrem Namen in dieser Rubrik mit dem Zusatz: Duzfreundin der Jüdin Regina W. aufgeführt. In der Begründung heißt es nach Meldung des „Beobachter" in Sorau u. a.: „Es gilt als eine selbstverständliche Ehrenpflicht eines jeden Volksgenossen, daß er auch in seinem persönlichen Verkehr mit Juden die erforderliche Zurückhaltung an den Tag legt und sogar persönliche Freundschaften mit ihren Treuebindungen der Treuepflicht gegen das eigene Volk zum Opfer bringt. Diese Forderung entspringt nationalsozialistischer Weltanschauung, die auf der geschichtlichen Erkenntnis fußt, daß die Juden als rassisch artfremdes Volk der Spaltpilz der Zersetzung — Ferment der Dekomposition (Mommsen) — der Kulturvölker sind, in denen sie leben. Deshalb ist es Aufgabe eines jeden deutschen Volksgenossen, überall das Seine zu tun, um den jüdischen Einfluß im öffentlichen Leben zurückzudrängen. Hierzu bedarf es aber auch der gesellschaftlichen (sozialen) Abschließung gegen den einzelnen Juden." Berlin, 24. Okt. Die „Weichsel-Zeitung" in Marienwerder berichtet von einer Gerichtsverhandlung, in der ein 67 Jahre alter Jude angeklagt war, einem acht Jahre alten Schüler unberechtigterweise eine Ohrfeige versetzt zu haben. Grund hierfür war das Einwerfen eines Fensters in der Synagoge durch andere Schüler. Der Angeklagte war so aufgeregt, daß er aus der Synagoge herauslief und den ersten besten Jungen, der ihm in den Weg kam, mißhandelte. Der Angeklagte, der 14 Tage in Schutzbezw. in Polizeihaft war, ist bisher unbestraft gewesen. Das' Urteil lautete wegen Körperverletzung auf eine Woche Gefängnis, die durch die Haftstrafe als verbüßt erachtet wurde. Es wurde bei der Urteilsverkündung zum Augdruck gebracht, daß kein Jude das Recht habe, einen deutschen Jungen zu schlagen. Das Urteil fiel deshalb so milde aus, wiel berücksichtigt werden mußte, daß der Angeklagte bisher noch unbestraft war und in der Erregung gehandelt hat," Hamburg, 23. Oki. Das Landesdirektorium des Keren Hatorah in Deutschland schreibt uns: Die Hachschara Siegburg benötigt dringend verschiedene Lern-Sforim und bittet durch uns um Ueberlassung von Chummesch Raschi, Mischnajaus, Gemoraus. Das Landesdirektorium des Keren Hatorah in Deutschland, Hamburg, Heinrich Barthstr. 21, ist bereit, Büchersendungen für diese Hachschara in Empfang zu nehmen. So mancher Haushalt, der jetzt leider zur Auflösung kommt, ist in der Lage, derartige Bücher abzugeben und wir hoffen daher, daß unsere heutige Aufforderung recht starken Widerhall findet. . Regensburg, 18. Okt. Der „Bayerische Anzeiger" in Regensburg berichtet von der Verurteilung eines gewissen Heinrich Wankerl von Scheuer zu sechs Wochen Gefängnis. Der Angeklagte stand längere Zeit mit einer jüdischen Tuchfirma in Augsburg in Verbindung, die erst unterbrochen wurde, als er wegen Amtsunterschlagung eine Strafe zu verbüßen hatte. Nach Aussetzung der Strafe schrieb er an die Firma einen Brief, in dem es hieß, der Finneninhaber werde sich vielleicht noch entsinnen können, daß er ihm im vorigen Jahre Greuelmärchen erzählte, und daß er ihn auch zu Devisenvergehen verleiten wollte. Weil nun sein Gewissen ihm nicht die erforderliche Ruhe lasse, müsse er den Firmeni&5&aber daran erinnern. Er möchte ihm aber auch weiter sagen, daß er augenblicklich einige hundert Mark notwendig brauchen könne und zwar bis zu einem bestimmten Zeitpunkt, Abgesehen davon, daß kein Nachweis dafür erbracht werden konnte, daß der jüdische Kaufmann irgend etwas Nachteiliges über den Staat oder seine Einrichtungen gesagt hatte, verfolgte der Brief nur den Zweck, ihn einzuschüchtern und ihn zur Hergabe der benötigten Summe zu zwingen. Wie der Staatsanwalt ausführte, handele es sich um einen Erpressungsversuch, der noch verwerflicher sei, weil ein deutscher Mann einen Juden erpressen wollte. Köln, 18, Okt, Im Zuge des Neuaufbaus des Kölner Gemeindewesens, der zuletzt zur Verschmelzung der verschiedenen Chewrot zu einer Einheits-Chewra führte, ist jetzt das Wohlfahrtsamt der Synagogengemeinde Köln e. V,, in dem seit 1858 alle einschlägigen Institutionen im Laufe der Zeit zentralisiert worden sind, aufgelöst worden. Es wurden Liquidatoren bestellt, die das Vermögen des Vereins an die Synagogengemeinde überführen sollen. Das Wohlfahrtswesen wird von der Gemeinde übernommen bezw. ausgebaut. Köln, 28. Okt. Zu unserem Berichte über den Beschluß des Kölner Jüdischen Frauenbundes zur Einrichtung von Mittelstandsküchen wird uns aus dem Leserkreise mitgeteilt, daß bei der Bekanntgabe dieser Einrichtung im Nachrichtenblatt der Kölner Gemeinde vom 18. Oktober ausdrücklich (und sogar gesperrt) darauf hingewiesen wurde, daß auch „nichtrituelle Küchen" geführt werden, was einen angesehenen orthodoxen Rabbiner veranlaßte, von der Kanzel herab gegen diese Küchen Stellung zu nehmen, Hildesheim, 27. Okt. Die „Landespost" in 'Hildesheim berichtet, daß ein Achtzehnjähriger, als er an dem am Bahnhof in Algermissen angebrachten Stürmerkasten vorüberkam, gesagt haben soll: „Die Juden sind unser Glück". Gegen ihn wurde ein Verfahren wegen groben Unfugs eingeleimt, und er erhielt einan Strafbefehl über drei Wochen Haft, Er beantragte darauf richterliche Entscheidung, weil er die Aeußerung nicht getan habe. In der Verhandlung vor dem Amtsgericht bekundeten aber zwei junge Leute unter Eid, daß der Angeklagte die Aeußerung gemacht habe, dagegen will ein Fünfzehnjähriger, der ihn begleitete, nichts von einem solchen Ausspruch gehört haben. Der Richter sah von einer Haftstrafe ab und erkannte auf RM. 50.— Geldstrafe. Berichtigung. Zu der Besprechung des „Hameaged"-Artikels über Psalm 126 in der jüngsten /Nummer des „Israelit" ist nachzutragen, daß der hier besprochene Aufsatz aus der Feder von S. S p e i e r stammt. Im Artikel „Aschkenasisch oder Sefardisch"? muß es bei der Wiedergabe der Ansicht des Regie^mgsrats a. D, Dr. S. Lichteristädter, München, richtig hei: ßen: Das erkläre sich daraus, daß die Galiläer eine Mischlingsbevölkerung aus alten Israeliten und assyrisch babylonischen (nicht ägyptisch-babylonischen Kolonisten gewesen seien. In Haifa ist das Meibergs Restaurant, 3 Rechow Arlosoroff, das unter Aufsicht Sr. Ehrw. H, Rabbiner Markus, Haifa steht, bestens zu empfehlen.

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