Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 44 (31.10.1935)
- Date
- 1935-10-31
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 Nr. 44 Der Israelit 31. Oktober 1935 rer beziehen es auf das vorhergehende elaukim, weil nun einmal der Mensch Ihm in nichts nachspüren kann. 8,2. ani pi melech schmaur! Nach dem ani zu ergänzen: sage dir, rate dir, oder wie uns scheint, das ani schmaur auseinandergezogen aus der Futuralform eschmaur, ich werde immer den Befehl des Königs befolgen. 8, 10. Das kwurim entweder (wie Raschi) wert verscharrt zu werden, so wie jumas hames der dem Tod Verfallene, oder aber wie das talmudische ki bura — Knäuel Häufung, dann im Sinne von: ich sah die Bösen z u h a u f. Nach Ibn Esra soll der Stamm k w-r auch Palast bedeuten, dann würde der feine Sinn herauskommen; in Palääte eingetan. (Fortsetzung folgt.) ^"'1 w, Korrespondenzen, Deutsches Reich. Die Eröffnung des Jüdischen WinterhilisweSrkes in Berlin. Berlin, 24. Oktober. Das Jüdische Winterhilfswerk ist in Berlin für das gesamte Reich am Abend des 23. Oktober unter Anwesenheit von Vertretern der führenden Organisationen im großen Saale des Brüdervereinshauses eröffnet worden. Nach künstlerischen Musikaufführungen ergriff der Präsident der Reichsvertretung, Rabbiner Dr. Leo Baeck, das Wort. Er sagte u. a.: In der eigenen Winterhilfe sei uns Gelegenheit gegeben, unser eigenes Ich zu bewähren, und so der wahren sittlichen Freiheit teilhaftig zu werden. Die Vorsehung lege uns niemals Erfülltes und Vollendetes in die Hand, immer nur die Gelegenheit, die Möglichkeit. In der verpaßten Gelegenheit liege die Schuld der Menschen und der Völker, zumal in der jüdischen Geschichte folgte die Katastrophe immer, wenn die Gelegenheit versäumt, die Stunde nicht begriffen wurde. Die Winterhilfe komme uns wie ein von G'tt geschickter Bote, um unsere Kraft zu erproben. Alles sei leichter zu ertragen, als ein Leben, das sinnlos geworden wäre. Sinnlos wäre aber unser jüdisches Leben, glaubten wir an ein unabwendbares Schicksal statt an das Gebot, das stets ein Aufbauen bedeute, das Gebot zu helfen, zu opfern. Wer es erfüllt, glaube nicht an ein Schicksal, sondern an die Zukunft, sei stärker als sein Schicksal. „Wir geben uns, -wenn wir anderen geben! Es war ein Fehler, daß wir bis dahin zu viel um die Achtung und Geltung bei den Anderen gebuhlt haben und weniger daran dachten, was wir uns selber schuldig sind. Wir zeigen Respekt vor uns selber dadurch, daß wir Opfer bringen. Jeder von uns ist jüdischer als er selber weiß, er braucht nur zu -sich selber zu gelangen, und dazu bietet die Winterhilfe den ersten Weg." Rabb. Dr. Baeck schließt mit einem Zitat aus Bialiks „Ruft auf das Volk!" seine überaus wirksame Ansprache. Darauf folgte eine Ansprache von Direktor Heinrich Stahl, der bei Erörterung der bereits bekannten Einselheiten der jüdischen Winterhilfe betonte, daß von dem Ergebnis der jüdischen Winterhilfe es abhängen werde, ob die Armen und wir alle Anderen verzweifeln sollen oder hoffen dürfen. Höher als der materielle sei der moralische Gewinn aller Wohlfahrtsbestrebungeq. und. besonders der Winterhilfe einzuschätzen. Die Kundgebung schloß mit einer Symphonie von Mozart. Liquidation jüdischen Besitzes. Berlin, 25. Oktober. Berliner Zeitungen berichten über Bestrebungen, große Firmen aus nichtarischem Besitze in andere Hände überzuführen, die zum Teile bereits die erwarteten Resultate gebracht haben. In diesem Zusammenhange sind die Ausführungen von Dr. Nonnenbruch im „Völkischen Beobachter" von Interesse. Dr. N. sieht die Zielsicherheit und Wirksam keit der nationalsozialistischen Politik dadurch be zeugt, daß der Rückzug der Juden aus dem Wirt schaftsieben in größerem Umfange eingesetzt hat, und daß irgendwelche beachtlicheren Wirtschaf tsstörun gen sich nicht gezeigt haben. Es heißt dann weiter „Verhältnismäßig einfach liegt die Frage der jüdischen Geschäftsverkäufe dort, wo es sich um Kleinbetriebe handelt, etwa um Einzelhandelsgeschäfte Diejenigen deutschen Volksgenossen, die ein früher jüdisches Geschäft erwerben wollen, können sich an die Beratungsstelle für Geschäftsverkäufe im Einzel handel wenden, die von der Arbeitsfront eingerichtet worden ist. Der „Wirtschafts'politische Dienst" schlägt vor, daß die jüdischen Verkäufer bei ihrem Ausztig aus Deutschland einen Teil des Verkaufserlöses in Deutschland stehen lassen sollen, damit aus dieser Summe Ansprüche, die der Käufer nach Recht und Gesetz an den Verkäufer stellen könnte, befriedigt werden könnten. Es soll so die Möglichkeit, daß der jüdische Verkäufer den deutschen Käufer übervorteilen könnte, ausgeschaltet werden, Es ist ohnehin unmöglich, daß der jüdische Verkäufer den vollen Geldbeutel mit ins Ausland nehmen kann. Die Devisennot verbietet es. Der deutschen Wirtschaft die Rohstoffversorgung zu ermöglichen, liegt uns auf jeden Fall näher am Herzen, als daß der Jude sein Geld ins Ausland bringt. Außerdem ist die Judenschaft selbst zum Teil mitschuldig daran, daß der glatte Transfer ihrer Verkaufserlöse ins Ausland unmöglich ist: indemsie Boykotthetze treibt, bemühen sie sich eifrig, die Schwierigkeiten, die dem Transfer der jüdischen Verkaufserlöse entgegenstehen, zu vergrößern. Diese Verkaufserlöse, die im Inlande bleiben, stehen also dem Rückgriff des Käufers offen, der durch amtliche Entscheidung als berechtigt anerkannte Ansprüche zu stellen hat. . . . Der Einzelhandel ist soweit in Ordnung, daß die jüdischen Einzelhandelsgeschäfte nicht aufgelöst zu werden brauchen, um einer Uebersetzung des Einzelhandels zu steuern. Anders ist es bei der Ausschaltung des jüdischen Einflusses bei größeren Werken. Das ist neben der rassenpolitischen auch eine wirtschaflspolitische Frage." y Der Ankauf größerer Werke durch Großunternehmungen und Konzerne sei im nationalsozialistischen Sinne nicht erwünscht. Der Verkauf von Aktienpakete pflege nicht den deutschen Einfluß dauernd zu sichern. Auch solle der Einfluß der Großunternehmungen nicht gesteigert werden. Es wäre nur ein halber Gewinn, wenn die Ausschaltung des jüdischen Einflusses in der deutschen Wirtschaft nur eine neue Transaktionswelle in der Wirtschaft im Gefolge hätte. Weiterhin hätten die Käuferwerke an den früher jüdisch bestimmten Werken in erster Linie ein marktpolitisches Interesse. Sie erweitern ihren Einfluß, um einen Konkurrenten loszuwerden. Die Kosten dafür habe die Arbeiterschaft in den früher jüdisch bestimmten Werken zu zahlen, die teilweise entlassen werde, damit die Produktionskapazitäten der Käuferwerke stärker ausgenutzt werden können. In diesem Zusammenhange wird der Vorschlag gemacht, daß demjenigen, der ein früher jüdisches Unternehmen aufkauft, die Verpflichtung auferlegt werde, während eines gewissen Zeitraumes keine deutschen, in den gekauften Werken beschäftigten Arbeiter und Angestellten zu entlassen. Dieser Zeitraum könnte auf zwei Jahre bemessen werden. Eine zweite Auflage an den Käufer soll dahin gehen, daß er alle jüdischen Angestellten zu entlassen hat, ihre Stellen aber mit deutschen Volksgenossen besetzen muß. Es sei heute noch vielfach so, daß in Werken unter jüdischem Einfluß gerade die leitenden Posten vorwiegend mit Juden besetzt sind. Wenn' den Käufern diese Verpflichtungen auferegt werden, dann werde der Kauf eines jüdischen Werkes nicht mit rein kapitalistischen Augen zu betrachten sein. Werde der Arbeitsplatz der gesamten deutschen Gefolgschaft in dem früher jüdisch bestimmten Werk gesichert und werde durchgesetzt daß diese früher jüdischen Werke zu keinen 'Handelsobjekten werden, dann sei wenigstens erreicht, daß diese Werke wie Einzelunternehmen behandelt werden, auch wenn sie von einem Großkonzern aufgekauft worden sind. Allerdings bleibe auch dann das Ziel, diese Werke in jeder Beziehung zu selbständigen Unternehmungen zu machen. Außerordentliche - Hauptversammlung des Centrai-Vereins. Berlin, 22. Oktober. Am 21. Oktober fand in den Räumen der Häuptgeschäftsstelle unter Leitung des Vorsitzenden, Justizrat Dr. Julius Brodnitz, die außerordentliche Hauptversammlung des Central-Vereins statt. Es wurde einstimmig beschlossen^ den bisherigen Vereinsnamen abzuändern in Centrai-Verein der Juden in Deutschland e. V. § 2 der Satzung erhält folgende Fassung: Der Verein bezweckt die Pflege des jüdischen Lebens sowie die seelische, rechtliche und wirtschaftliche Betreuung der in Deutschland lebenden Juden." Die Hauptversammlung beschloß ferner einige Satzungsänderungen, die eine Vereinfachung der Geschäftsführung sowie eine Stärkung der Befugnisse des Vorsitzenden zum Gegenstand haben. In der unmittelbar an die Hauptversammlung anschließenden Hauptvorstandssitzung wurden die Beschlüsse der Hauptversammlung genehmigt. Außerdem bestätigte der Hauptvorstand Justizrat Dr. Julius B r o d n i t z , Berlin als Vorsitzenden des Vereins und die Herren R.-.A. Dr. Rudolf Callmann, Köln, R.-A. Dr. Rudolf Gei.ger, Frankfurt a. M., R.-A. Dr. Ernst H e r z f e 1 d, Essen, Bankier Ernst Wallach, Berlin, R.-A. Dt. Bruno Weil, Berlin als Stellvertreter des Vorsitzenden. * Aufhebung einer Vergünstigung für Synagogen in München. München, 23. Oktober. Der „Münchener Beobachter", die Stadtbeilage des „Völkischen Beobachters", bringt unter der Ueberschrift „Feuerschutzabgabe für Synagogen" in Nr. 296 folgende Meldung: „Durch die in letzter Zeit eingetretenen Rechtsänderungen ist auch eine Neufassung der Feuer- ■schutzabg ab en-Satzung notwendig geworden, die nach Genehmigung der Aufsichtsbehörden rückwirkend ab 1. April 1935 in Kraft treten soll. Bisher waren wie die Kirchen» und Bethäuser auch die Synagogen von der Feuerschutzabgabe befreit. Hierin soll nun künftig eine Aenderung eintreten, da eine Abgabenvergünstigung für israelitische Kultstätten mit den Grundsätzen nationalsozialistischer Weltanschauung nicht zu vereinbaren ist . . . Die von Stadtkämmerer Pfeiffer vorgeschlagenen Neufassungen wurden von Oberbürgermeister Fiehler nach Beratungen mit den Ratsherren in der gestrigen Sitzung genehmigt." Schweiz. Die Mitglieder der Sachverständigenkommission für Auswandererfragen. Genf, 18. Oktober. Wie die ITA. erfährt, wird die Sachverständigenkommission, die dem Völkerbundscat einen Bericht über das Auswand ererproblem im Zusammenhang mit dem Vorschlag Norwegens, eine Zentralstelle des Völkerbundes für Auswandererfürsorge zu schaffen, erstatten soll, aus folgenden Persönlichkeiten bestehen: Sir Horace Rumbold, ehern, engl- Botschafter in Berlin, Marcel Rolland (Frankreich), Senator de Michaelis (Italien), Gesandter Stefan Osusky (Tschechoslovakei) und Michael Hansen (Norwegen,)1. Die Kommission wird am 28. November zu ihrer ersten Sitzung zusammentreten. Sie wird Berichte und Empfehlungen vom Oberkommissariat für Flüchtlingsfürsorge, vom Nansenamt und den an der Auswandererfürsorge interessierten' Organisationen studieren. Der Bericht der Kommission soll der Januar-Tagung des Völkerbundes vorgelegt werden, und der Völkerbundsrat soll bei dieser Gelegenheit endgültige Entscheidungen in Bezug auf das Auswandererproblem treffen.