Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 43 (24.10.1935)
- Date
- 1935-10-24
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 14 Nr. 43 Der Israelit Die Frankfurter Woche. Die Freudenfeste in Frankfurt a. M. Auch die letzten Festtage sind in Frankfurt a. M. in üblicher, frohbewegter, wenn auch weniger ge räusohvoller Weise verlaufen- Die Zahl der Laubhütten und auch der Lulawim in den Synaigogen und Bethäusera war, trotz der Abwanderung der letzten Jahre, kaum kleiner als sonst. In der Synagoge Fiiedberger Anlage richtete Herr Gemeinderabbiner Jos. Horovitz in seiner r.isj? "^nir-Predigt wiederum einen flammenden Appell an die Mitglieder, opferfroh am eigenen jüdischen Winterhilfswerk mitzu arbeiten. Der Synagogenchor unter Leitung des Herrn Neumann hatte am Vorabend des Festes wie nach Schluß des Morgeng'ttesdienstes wiederum durch prächtige, vortrefflich durchgeführte Kabinettstücke östlichen Chasonus die Herzen erfaßt und die Festfreude er höht. Auch die Gesänge der Gemeinde bei und nach •den Rundgängen kamen aus frohbewegter Brust. Man hatte mit Not und Sorge eins Art Waffenstillstand geschlossen. In den östlichen Bethäusern ging es, vielleicht bei etwas geringerer Beteiligung infolge ider starken Abwanderung, wie immer hoch her, Freude und Ver trauen, die Alt und Jung erfaßten — hier spielt die Mitwirkung der Kinder eine noch größere Rolle als im Westen, werden doch die Kleinsten von ihren Vätern auf dem Arm bei den Hakofoth getragen ließ den Gedanken an kommenden harten Winter nicht aufkommen. Im Mekor C h a j i m fand, wie alljährlich, an Simchasthora ein Frühg'ttesdienst mit üblichem Festgepräge statt. Es wurde im Vereine dieses Jahr, wiederum in siebenjährigem Zyklus, die Thora ausgelernt, doch soll das fällige Sijumfest im Laufe des Winters in Verbindung mit anderen Srjumim gefeiert werden. In der J e s c h i w a Friedbenger Anlage entwickelte sich, ohne eigentliche Vorbereitung und Einladung, am Sonntag nachmittag, wie immer, ein herrliches Fest, bei dem die Jünger wie die zahlreichen Gäste, Dozenten und Kuratoriumsmitglieder, Redner und Hörer voll auf ihre Kosten kamen. Bei einer reichlichen Bewirtung gab es manch schöne geistvolle Wort zu hören. Neben dem Rosch Jeschiwa und den beiden Chassanim hatten auch noch einige Dozenten und Gäste etwas zu sagen, was zur Erhöhung und Stabilisierung der Festesfreude beitragen konnte. Ein eigenes Fest beging, zum ersten Male am Simchas Thora, der Jüdische Turnerbund in den Räumen des Mekor Chajim, die ein blühender Jugndkranz bis auf den letzten Platz anfüllte. Kein Wunder, daß hier die Freude hohe Wellen trieb. Sangesfrohe ältere Mitglieder des JTB, gaben Chor- und Sologesänge zum Besten. Man machte auch Hakofoth unter den üblichen Weisen und es gab sogar auch so etwas wie eine kurze Festrede, die die Jugendschar, diszipliniert wie sie es einmal in der Schule des JTB. gelernt hat, aiufmerksaan anhörte. Der JTB., der in allgemeinen Sportkreisen heute schon einen ehrenvollen Platz einnimmt, hat durch dieses Thorafestchen gezeigt, daß er ein JTB. auch in anderem Sinne sein kann: Jüdischer Thora bund, Freude an Thora und Pflichterfüllung, und dieser Freude soll auch die körperliche Ertüchtigung in der Turnstunde dienen. Möge es uns beschieden sein, der Festesfreude einen Hauch in den langen kalten Winter hinauszutragen, das mun nj? des Festes in das nnnan nns der Winterfreitagabende hinüberklingen zu lassen. Freitagabend-Veranstaltungen der Israelitischen Religionsgesellschaft. Der gute Erfolg, der den Veranstaltungen des Jugendausschusses beschieden war, hat ihn dazu ermutigt, in diesem Herbst- und Wintersemester ein reichhaltiges Programm aufzustellen, das allen Anforderungen weitgehend Rechnung tragen will. Durch die Beteiligung der verschiedenen Gruppen der gesetztastrenen Jugend Frankfurts an der Arbeit dieser Herbst- und Wintermonate wird es möglich sein, gründlich das zu leisten, was zur Erfassung auch außenstehender Kreise vonnöten ist. — Dienen die Vorträge, Arbeitszirkel- und Lehrkurse vornehmlich der Vertiefung des Wissens, der Anregung zur Arbeit an sich, selbst und vor allem, zur intensiveren jüdischen T a t zu führen, so sollen die Freitagab end Zusammenkünfte der Geselligkeit gewidmet sein und zum jüdischen Frohsinn führen. Es ist zu hoffen und zu wünschen, daß die Bemühungen durch interessierte Teilnahme belohnt und durch Einführung von suchenden jüdischen Menschen (auch Nichtmitgliedern der Kehilloh), sowie durch Anregungen aufs intensivste gefördert werden. Ha. Ha. An diesem Freitagabend, den 2 5. Oktober, 20.30 Uhr, im Hörsaale Friedbergeranl. 5, hält die Eröffnungsansprache Herr Rabbiner Josef J. Ho - r o v i t z , worauf ein Vortrag des Herrn Dr. Jacob Rothschild folgt über „Jugend feiert". Der gemütliche Teil wird diesesmal von der Agudoh- und Esra-Jugend bestritten. Der Abend wird vom Jugendausschuß der Kehilloh gegeben. Die kommenden Freitagabende werden abwechselnd veranstaltet von Agudajugend, Esra, Noar Agudati, der Jeschiwoh, der Untersekunda der S. R. Hirsch-Schule, Mekor Chajim und Beth Chinnuch. Das jeweilige Programm wird hier bekanntgegeben. Winterprogramm des Vereins Mekor Chajim. Mit rpirtra naw beginnt die diesjährige ,,Winter- Saison" des Vereins, die ein erweitertes Lehrprogramm mit neuen Veranstaltungen vorsieht, die gewiß heute mehr denn je einem Bedürfnis entspringen. An den Freitag-Abenden beginnen wieder die beliebten Mikrovorträge, jeweils anschließend an den G'ttesdienst im Hörsaal, wozu bereits namhafte Redner ihre Mitwirkung zugesagt haben. Für den Eröffnungsvortrag (fpwma) ist Herr Redakteur S. Schachnowitz gewonnen worden. Am nv nachmittag doziert nunmehr anstelle 'des im Sommer gelernten Mikro Herr Rabbiner H. Meyer, vielfachen Anregunigen folgend, jeweils x/t Stunde vor Mincho im Vereinslokal über aps?' Wie im Vorjahre, finden auch in diesem Jahre unsere größeren Vorträge je raw '«sto abends 8.30 Uhr im Vereimslokal statt, und zwar in der Regel auch für Damen. Es spricht als Eröffnungsvortrag diesen Samsiag abend Herr Rabbiner H. Mayer übei* „Der Weg zur Gesundung". Die weitere« Themata und Dozenten werden jeweils veröffentlicht. Der Haftora-Schiur findet nunmehr jeden Sonntag nachmittag 6 Uhr im Vereinslokal statt (Leitung: Herr Rabbiner Mayer). Einer uns gewordenen Anregung folgend, ist dieser Vortrag jetzt auch für Damen vorgesehen und erwarten wir, daß diese ■Neueinrichtung durch gute Beteiligung der verehrl. Damen sich als vorteilhaft erweist und beibehalten werden kann. Daneben finden die Sehiurim der Herren Rabbiner Dr. Breuer, Rabb.-Assessor Dr. Posen und Rabb.-Ass. Dr. Schlesinger und J. S o f f e r in bisherigem Rahmen statt. Wir erwarten zu allen Veranstaltungen lebhafte Beteiligung, Gäste sind herzlich willkommen. | Die Jüdische Winterhilfe braucht Dich! | Ein ynx rpv-Schiur im Mekor Chajim. Der Verfasser des?»K «lDV/ Juspo Hahn, war ein Frankfurter Kind und blieb es in seinem ganzei Leben und Lehren. Sein Werk, das das jüdische Leben des Tages in seiner Totalität erfaßt, gliedert sich in zwei Teile, deren erster halachische Vorschriften enthält, während der zweite allgemeine jüdische Anregungen aus Schrifttum und jüdischer Denkart heraus bietet. Zwischendurch sind aber auch kurze, knappe historische Notizen enthalten, die ein Schlaglicht auf das Leben des Ghetto seiner Zeit (um die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts) werfen. So ist das Werk nicht allein ein halachisches Kompendium unter besonderer Berücksichtigung der Frankfurter Riten, auch nicht allein eine Quelle tiefer Morallehren, sondern auch eine Fundgrube für iden Kulturhistoriker und für den Freund der jüdischen Volkskunde. Es muß Wunder nehmen, daß in der neuen Generation dieses Frankfurter Dinimbuch, in seiner Bedeutung gleich nach dem des Mainzer. Maharil (1500} rangierend, so wenig gelernt wurde. Es mag dies in der Hauptsache daran gelegen haben, daß die alten Drucke kaum noch zu haben waren und die wenigen Exemplare stellenweise schwer leserlich und deutbar waren. Dem wurde vor einigen Jahren vom Hermon-Verlag, ¥nanfcfurt a. M., durch eine Neuauflage in ganz moderner Ausstattung, mit lichtem Druck auf <gutem Papier, abgeholfen. (Die Neuauflage wurde von S. Schachnowitz mit einer Einleitung im Auftrage der Familie Eli Michael ^"xr zu seinem Jahrzeitstaige herausgegeben.) Das Studium des Werkes ist seitdem wesentlich erleichtert, und manch einer hat erst aus dem Buche in seinem neuen modernen Gewände erfahren, von welcher Bedeutung für alle Zeiten der Mann und sein Werk war. Nunmehr ihat Familie Michael zum Andenken an ihren Vater b"2?r eine größere Anzahl von Exemplaren dem Mekor Chajim gestiftet, wodurch dem Vereine ermöglicht wurde, einen ständigen?ntt t\W>~ Schiur mit Beginn des Winterprogrammes einzurichten. Der Schiur liegt in der Hand des Dozenten, Herrn S. Schachnowitz und findet je am Sonntag und Mittwoch nach Schluß des Morgeng'ttesdienstes in der Synagoge im Hörsaale Friedberger Anlage statt. Der Lehrgang wird schon diesen Sonntag früh mit einigen einleitenden Worten de« Dozenten eröffnet. Man darf hoffen, daß dieser wohl einzige r»S *)0i»- Schiur in Frankfurt a. M. die erwünschte Beteiligunig findet. Stellenvermittlung. Die Jüdische F r a ü e n y e r e i n i g u n g e. V. (gegründet 1907,1 wird, auch dieses Jahr die S t e 1 - lenvermittlung als einen Zweig ihrer Tätigkeit ansehen und betreiben, und besonders bei der Vermittlung von Stellen iür jüdische Hausangestellte den veränderten Verhältnissen und gesteigerten Ansprüchen Rechnung zu tragen suchen. Rituelle Haushaltungen, sowie jüdische Mädchen, die auf rituellen Häushalt reflektieren, werden gebeten, sich bei der Jüdischen Frauenvereinigung täglich, mit Ausnahme von Sabbat und Sonntag, nachm. 2—5 Uhr in der Schwanenstr. 22 zu melden. Auch telefonische "Anfragen unter 44217 werden beantwortet. Die Vermittlung erfolgt unentgeltlich. Der Jüdische Frauenbund und der jüdische Haushalt, Vom Jüdischen Frauenbünde, Hausfrauengruppe Frankfurt a. M., wurde ein Programm für die Winterarbeit aufgestellt, dem wir folgendes entnehmen: Es wurden, den neuen Verhältnissen im jüdischen Haushalte Rechnung tragend, Lehrkurse in Kochen, Flicken, Schneidern und Bügeln eingerichtet, deren jeder eine Dauer von vier Wochen, bei zwei Kursen in der Woche von je drei Unterrichtsstunden, umfaßt. Die Kochkurse finden statt in der Küche des Vereinshauses, Eschersheimerlandstr. 27: Montag und Mittwoch von 15—18 Uhr, Montag und Mittwoch von 19—22 Uhr, unter Leitung von Frau Ida Jakob; Montag und Mittwoch von 9—12,30 Uhr, unter Letiung von Herrn Küchenchef Edmund Stern. Der Preis pro . Kursus einschl. jedesmaliger Mahlzeit beträgt pro Teilnehmerin Mk. 18.—. Beginn der Kurse:'Mittwoch, den 23, Oktober, Ein Schnei derkurs us findet statt Hans Handwerkstr. 3: Montag und Mittwoch von 19.30 bis 22 Uhr unter Leitung von Frl. Rosa Mannheimer, Schneidermeisterin. Preis: Mk. 10.—. Beginn: Montag, den 4. November, Ein Flickkursus findet statt Altkönigstr, 7,1 bei Frl. Mannheimer Dienstag und Donnerstag von 19—22 Uhr. Preis: Mk. 8.—. Beginn: Dienstag, den 22. Oktober, Ein Bügelkursus für einfache Bügelwäsche und Glanzplätten findet statt in der Wäscherei und Bügelanstalt Schönthal-Fischer, Rechneistr. 4 (Linie 7) Montag und Mittwoch von 19—21 Uhr. Preis: Mk. 10.—. Beginn: Montag, 21. Oktober. (Bügelwäsche mitbringen.) Die Anmeldungen zu allen Kursen nebst Vorausbezahlung des Kursgeldes erfolgen: Quinckestraße 24 (Königswarterhaus) Zimmer 3, jeden Vormittag (außer Samstag und Sonntag)} von 10—12 Uhr. Außerdem veranstaltet die Hattsfraliettgruppö des Jüdischen Frauenbundes Frankfurt a. M., gemeinsam mit dem Ve r bände jüdischer Frauen für Paläst inaarbeit sechs fortlaufende K o c h v o rführungen mit Kostproben unter Leitung eines fachmännisch gebildeten Küchenchefs. Diese Vorführungen finden statt je am Dienstag vom 5, bis einschließlich 10. Dezember, von 4—6 Uhr nachmittags. Der Preis für diese sechs Nachmittage beträgt Mk. 6.—, für Einzelnachmittage je Mk. 2.—. Mitzubringen sind bei diesen Vorführungen ein Löffel, Papier und Bleistift. Sitzung der Gemeindevertretung der „Israelitischen Gemeinde". Der Vorsitzende, Herr Rechtsanwalt Dr. Merzb a c h , machte zu Beginn der Sitzung am Mittwoch, den 23. Oktober, von dem Wegzug des Herrn Julius Werner Mitteilung. Zur freien Verfügung des Vorstandes, hat der Genannte RM. 1000.— gestiftet. Hierfür und für die hingebungsvolle Arbeit innerhalb der Gemeinde, insbesondere auf dem Gelbiete des Wohltätigkeitswesens, dankte der Vorsitzende. Als Ersatz für Herrn Werner hatte die Wahlkommission Herrn Karl Weil vorgeschlagen, der auch mit der Mehr-, heit der Stimmen der anwesenden Gemeindevertreter gewählt wurde. Als neues Mitglied der Gemeindevertretung wurde Herr Alfred M o s e r (Jüdische Volkspartei) in sein Amt eingeführt. An Stelle des nach Erez Jisroel verzogenen Herrn Goiteiii wurde gemäß § 21 der Verfassung des Preußischen •Landesverbandes' jüdischer Gemeinden Herr Felix Meyer (Kons.) in den Rat delegiert. Herr Hugo Hecht fungiert als Vertreter. Herr Dr. Ettling er vom Vorstand sprach dann zum Punkt „Wintern.!He" und legte allen Kreisen der beiden Gemeinden nahe, Opfer zu bringen, um den Hilfsbedürftigen in diesen Monaten zu helfen. Ausführlich verbreitete sich daraufhin Herr Hugo H e c Ii t vom Vorstand über Details des Hilfswerkes hinsichtlich der Organisation, ihrer Mitarbeiter und der Mittel, mit denen man einen vollen Erfolg zu erreichen hofft. Von der „Israelitischen Religionsgesellschaft" sind zunächst zur Mitarbeit abgeordnet die 'Herren Dr. S. B a m b e r g e r , Dr. Hermann 0 p p e n h e i m e r und Dr. Salomon Gold s c,h midi. Die verschiedenen jüdischen Vereine planen, 10—25 Rpfg. auf ihre Eintrittspreise bei Veranstaltungen zu erheben oder aber diese Summen von den kassierten Beiträgen in die Kasse des Hilfswerks fließen zu lassen. Auch ist geplant, in den jüdischen Cafes Sammlungen zu veranstalten; die Leitung dieser Aktion liegt in den Händen von Herrn Rosenstrauch. Für die Ingangsetzung der Sammlungen in den jüdischen Schulen Frankfurts hat sich Herr Dr., A. Hirsch zur Verfügung gestellt. Als Basis für die Abgabe der