Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 43 (24.10.1935)
- Date
- 1935-10-24
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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24. Oktober 1935 Der Israelit Nr. 43 Seite 11 Italien. Französischer Faschismus lehnt das Rassenprinzip ab. Rom, 13. Okt. Der Francistenführer Marcelle Burcard hat mit einer Gruppe von Anhängern Rom besucht, wo er von Mussolini empfangen wurde. Ueber den Standpunkt der Francistenbewegung, der französischen Spielart des Faschismus, zum Rassenproblem, gab Burcard in einem Gespräch mit dem ITA-Vertreter in Rom folgende Erklärungen ab; Die französische faschistische Bewegung, die die Schaffung einer starken totalitären Regierung in Frankreich anstrebt, stützt sich nicht, auf das RassenprSnzip und macht daher zwischen Juden und Nichtjuden keinen Unterschied.' Sie bekämpft ihre Gegner, die Marxisten und die Freimaurerei, ohne aber diese Bewegungen und Parteien mit Judentum oder-Juden zu identifizieren. Wir nehmen in unsere Reihen alle diejenigen auf, die für ein Regime des Faschismus in seiner lateinischen Konzeption jn Frankreich eintreten, und ich kann feststellen, daß wir auch treue jüdische Parteimitglieder zu den unsrigen zählen. England, Eine Chofez Chajim-Kolonie in Erez Jisroel, London, 13.sOkt. Am letzten Donnerstag fand (wie bereits kurz gemeldet) im Eastend eine große Konferenz von Rabbinen und religiösen jüdischen Führern statt, die die Frage der Gründung einer Kolonie auf den Namen des Chofez Chajim V'XT in Erez Jisroel behandelte. Dr. B. H o m a führte den Vorsitz. In seiner Eröffnungsrede wies er auf den großen Idealismus hin. den einige aus Deutschland nach Erez Jisroel gekommene junge Menschen bei der Schaffung des .Kibbuz Chofez Chajim aus eigener Initiative und eigener Kraft betätigt hätten. Der Kibbuz' befindet sich in Gedera und will ein lebendiges Monument sein für den religiösen Geist, den die ganze Lebensarbeit des Chofez Chajim gegolten hat. Der Kibbuz hat sich seit der Gründung auf 53 Menschen vergrößert. Trotz aller schweren Tagesar.beit ist das Thoralernen und die religiöse Fortbildung memals^vernachlässigt worden. Obgleich der Kibbuz durch die Agudas Jisroel, der er sich angeschlossen hat, fortlaufend unterstützt und, wie im „Israelit" ja wiederholt berichtet wurde, auch durch Hiöizukauf von Boden in seiner materiellen Entwicklung wesentlich gefördert worden ist, sind doch größere Geldmittel notwendig, um den Kibbuz zu einer Kolonie auszubauen und hierzu aufzurufen sei der Zwack der Versammlung. In der Konferenz seien alle Richtungen des religiösen Judentums vertreten. *Dajan Abramski rief das Andenken an die strahlende Persönlichkeit des Chofez Chajim wach und schilderte seine hervorstechendsten Charakterzüge. Mehr als alle Versuche durch allerlei fragwürdige Abmachungen mit der zionistischen Organisation oder den Arbeiterparteien hier und dort ein Stückchen Kaschruth oder ein "Stückchen Sabbatbeobachtung zu retten, könne dem wahrhaft religiösen Aufbau Erez Jisroels durch die Gründung solcher Kolonien genützt werden, die von Grund auf auf dem Fundamente echten Thorageistes ruhen. Es gelte, sich nicht auf kleine Dinge zu beschränken, sondern großzügig zu arbeiten, um eine blühende, in ihrer ganzen Existenz für die Thora zeugende Kolonie im Herzen des Jischuw zu schaffen. Rabbi J. Singer beizeichnete die Konferenz als eine historische Stunde für das rellglös-s Judentum, das seine Pflicht, aktiven Anteil an dem produktiven Aufbau des heiligen Landes zu nehmen, mehr und mehr erkenne. Der Chofez Chajim verdiene es, daß an seinen Namen sich dieses Werk des Aufbaues anknüpfe. Rabbi Twerski wußte ebenfalls interessante Fakten aus dem Leben des Chofez Chajim zu erzählen. Er schlug vor, es «olle ein Synagogen-Council geschaffen werden, zu dem speziellen Zwecke, religiöse Kolonien in Erez Jisroel zu gründen.; Auf Vorschlag von Mr. H. A. Goodman wurde ©ine Resolution Angenommen, die den* Plan einer Schaffung einer Chofez Chajim-Kolonie. begrüßt und I n u n^s e r e m Ve rlage erschein!: FLUCHT IN DIE HEIMAT Ein Dokument der Zeit von S. SCHACHNOWITZ Preis brosch. Ji 2__, geb. Jt 3__ Das Budi, 265 Seilen (tarn, itt ein Dokument der Zeit von ergreifender Realität. £m junger jüdifther Wenfch aus einer areligiöfen, am Judentum üölltg desintereffierten Familie wird uom Sturm der Zeit erfaßt und auf jüdifdien Heimatboden gefegt, Mit der Madtt der Jugend und der Überzeugung reijjt er am Cnde auch die Eltern und feine ganze Umgebung mit zur.jüdifchen Höhe. Jn ungemein anfdaaulichen Bildern entrollt füti uor dem Rüge das Leben der Hadifmarah, das neue Werden in Erez Israel, die Entwicklung der erften orthodoxen Ktbbuzim Jüdifdies £eben örtlicher uud toeftlicher ObferoanE kommen, von aufjen geftofjen,Tim näher und finden fich uollends auf dem heiligen üäterboden, der zur Heimat der Jungen geworden ift. Zu beziehen durch alle befferen Buchhandtungen, foiuie direkt durch den Uerlag unter flachnahme Verlag des Israelit u. Hermon GmbH., Frankfori-M, Rechneigrabenstr. 7 Postscheck - Konto Nr. 1QSOZ ein Komitee ins Leben ruft, das sich der Verwirklichung des Planes widmen soll. Ein jüdisches Nationalheim auf festen Grundlagen. London, 23. Okt. Der Anglo Palestini an Club igab am 21. Oktober im Mayfair-Hotel ein Bankett zu Ehren des Kolonienministers Malcolm MacDonald, auf dem u. a. der Lord Erzbischof von Liverpool, der zur Zeit in London weilende Hochkommissar von Palästina, der Chiefrabbi und Weizmann Reden hielten. James A. D. R o t h - s c h i 1 d führte den Vorsitz und brachte einen Toast auf den Ehrengast, Minister MacDonald, aus. Ihm schloß sich Weizmann mit einer Rede an, in der er u. a. sagte, MacDonald sei es zu verdanken, daß Sir Arthur Wauchope zum Hochkommissar ernannt wurde, mit dem die Periode der gegenwärtigen Entwicklung in Palästina einsetzte. Se:it der Zeit, da die Herren im Weißbuche erklärten, es gäbe in Palästina keinen Raum mehr für eine Katze, sind 150.000 Menschen ins Land gekommen und haben dort ihr Auskommen gefunden. Je größer die Einwanderung, um so größer die Aufnahmefähigkeit. Die Namen MacDonald und Wauchope werden mit dem neuen Palästina ewig verknüpft bleiben. Minister MacDonald dankte zuerst den Vorrednern und (gratulierte Weizmann zu seiner erneuten Wahl zum Präsidenten der zionistischen Organisation. Er, der Minister, freue sich, daß frühere Ansiedlungspläne in exotischen Landern nicht zur Durchführung kamen und sich die Arbeit auf Palästina konzentrierte. Er stimmt dann ein hohes Lied auf die fabelhafte Entwicklung Palästinas an, das er mit einigen Zahlen und Daten belegt. Er wisse trotzdem, daß viele Juden die Mandatarmiacht und ihn als Kolonialminister scharf kritisier^«.1 Das angeblich langsame Tempo in der Einwanderungspolitik sei nicht auf bösen Willen oder mangelhaftes Verständnis für die . Not des jüdischen Volkes zurückzuführen, sondern komme lediglich aus der Verantwortung gegenüber der Gesamtbevölkerung Palästinas. Am Gedanken des Jüdischen National- Ji e i m e s werde nach wie vor festgehalten, aber es solle ein Nationalheim auf soliden Grundlagen sein, daß es auch einmal einem Stoße widerstehen kann. Der moralisch und materiell aufbauende jüdische Genius sei dem englischen verwandt. Die jüdische Staatskunst werde in Palästina erprobt auch durch die Fähigkeit, mit den anderen dort lebenden Menschen zusammenzuarbeiten. Man müsse auch die historische Verknüpfung der Araber mit Palästina anerkennen. Es handele sich nicht um die Errichtung eines Judenstaates, sondern um die Errichtung eines Jüdischen National heim es, durch welches, seiner Ueberzeugung nach, das Leben, der Araber nicht beeinträchtigt, sondern im Gegenteil gehoben werde. Für Beunruhigung infolge der Kriegswirren liege in Palästina nicht der leiseste Grund vor, der Hochkommissar würde sonst keine Minute länger außer dem Lande bleiben. Der Minister schließt mit Worten höchsten Lobes und rückhaltloser Anerkennung für das kluge Verwaltungissystem des derzeitigen High Commissioner Arthur Wauchope. Griechenland. Eie Juden Griechenlands nach der Wiederaufrichtung der Monarchie. Saloniki, 14. Okt. •Durch die politische Umwälzung in Griechenland, die zur Wiederaufrichtung der Monarchie geführt hat, ist die staatsbürgerliche und rechtliche Stellung der Juden in keiner Weise beeinträchtigt worden, Ihre grundsätzliche und tatsächliche Gleichberechtigung, die in der letzten Zeit vor allem von Gruppen bekämpft wurde, die dem unter venizelistischer Führung stehenden republikanischen Block angeschlossen waren, bleibt ebenso gewahrt wie unter der Herrschaft des zurückgetretenen Kabinetts TsaldariS. Eine Reihe von Mitgliedern der neuen Regierung, in erster Reihe der jetzige Ministerpräsident und provisorische Träger der königlichen Gewalt, General K o n d y 1 i s , haben ihrer freundlichen Einstellung gegenüber der jüdischen Bevölkerung Griechenlands eindeutig Ausdruck gegeben. Bemerkenswert auch vom jüdischen Standpunkt ist es, daß der Führer der griechischen Faschisten, General Merkuris, der Griechenland auf dem Faschistenkongreß in Montreux vertrat und dort energisch gegen ju d e n f ei ndl i c h e Tendenzen sich wandte, Unterstaatssekretär im Ministöi'i'ätspi'äsidium -