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Der Israelit · 1935-10-24 · Heft 43 (24.10.1935) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 43 (24.10.1935)
Date
1935-10-24
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 Nr. 43 D er Israelit 24. Okiober 1935 len zeigen, daß sie fast >a\\e Gutturale wie K' d, h. gar nicht ausgesprochen haben. Das erkläre sich daraus, /daß die Galiläer eine Mischlingsbevölkerung aus alten Israeliten und ägyptischbabylonischen Kolonisten gewesen seien. Endlich betont die Zuschrift eines s f a r d i - sehen Rabbiners, der seinen Namen nicht genannt wissen will, daß das heutige Palästina- Hebräisch von der sfardischen Aussprachegruppe ebenso verschieden sei, wie von der aschkenasischen. Es sei mit litauischen und mit Elementen christlich - theologischer Herkunft durchsetzt. Auch verliere das Palästina-Hebräisch der Gegenwart schon dadurch alle Eigenart, daß esim.G'ttesdienst mit aschkenasischem Tropp und Gesang kombiniert wird; eine Beobachtung, bei der einen wirklichen Sfardi schon bei der bloßen Vorstellung ein leichter Schauer ergreife. Man solle also für das heutige Palästina-Hebräisch überhaupt nicht den Namen Sfardisch gebrauchen, der irreführe, sondern Neu-Palästinensisch im Gegensatz zum Altpalästinensischen, das in der alten Zeit einen eigenen Zweig neben sfardisch und aschkenasisch darstellte und von den Sama- Von Oberrabbiner Dr. Carlebach in Altona« (Fortsetzung.) Die zwei in der vorigen Nummer gebrachten Abschnitte des Buches bilden wie alle Teile jeder in sich ein geschlossenes Ganze. Der Leitsatz des hakaul hewel, alles in der Welt ist zu unbedeutend, um davon viel Wesen zu machen, wird von verschiedenen Gesichtspunkten hergeleitet. Die erste Betrachtung mündet in den Satz: alles ist schon dagewesen. Sie baut sich mit Recht vor allem auf den großen Kreislauf der Dinge in der Natur, auf das ewige Gleichmaß, das unter dem wechselnden Mond herrscht, Sie betrachtet auch das Menschengeschehen als eingereiht in diesen großen Kreislauf, und trotz aller Entwicklungen auf Erden bleibt das Menschenganze in dem gleichen Rahmen eingespannt. Und wenn daher die kleinen Weltstürmer aufstehen und glauben, sie haben die Welt auf den Kopf gestellt, sie hätten eine Gestaltung herbeigeführt, die die Menschheit ,.erlöst", die eine unerhörte, noch nie dagewesene Neuformung der Dinge im Gefolge hat, so wird doch immer die überlegene Kraft des dem Menschen gegebenen Naturgefüges, aus der wir nicht entrinnen können, sich geltend machen, und nachauch die Seele, die jüdische Kinderseele geformt und geadelt wu d. Wie viele hunderte ja tausende Erholung und Gesundung suchender jüdischer Kinder sind in den 24 Jahren seines Bestehens schon durch die geweihten Pforten in dieses hohe Haus eingegangen, um schon nach wenigen Wochen an Seele und Körper gekräftigt und gestählt es wieder zu verlassen. Die große, prächtige Mesusoh, die dem Eintretenden gleich am Hauptportale den ersten jüdischen Friedensgruß entbietet, zeugt lebendig von dem Geiste der Reinheit und der Heiligkeit, dem dieses Haus von Anbeginn1 diente. Nicht erst unter dem Druck äußeren 'Geschehens, sondern schon bei der Gründung, bewußt und gewollt, wurde dieser, erstklassigen Erholungsstätte für unsere jüdische Jugend der heilige Stempel der jüdischen Tradition aufgeprägt. Vorbildlich und herzerquickend ist alles" eingerichtet und organisiert, was der Erfüllung und Verwirklichung strengster jüdischer Eigenart dient. Die Priesterin dieses reinen Tempels helfender Nächstenliebe, Schwester Oberin, kräftig unterstützt von gleichgesinnten, wackeren Helfern, wacht mit Argusaugen darüber, daß die „streng rituelle Führung" nicht nur eine theoretische, papierene Existenz friste, sondern daß: — nach jenem bekannten Prophetenworte — auf jedem Topfe stehen könnte Tri» Bnip „heilig dem Ewigen"! Wer als Gast den Zauber eines Freitagabends oder eines Festtages in dieser jüdischen Kindergemeinde miterleben darf, der fühlt sich so beglückt, der ist so erfüllt Von all dem jüdischen Erleben, daß er den innigsten Dank empfindet gegen all die Edlen, die von G'tt gewürdigt wurden und gewürdigt sind, an diesem heiligen, großen Werke aufbauend und .weiterbauend fördernd und erhaltend mitzuwirken. Der große Speisesaal wandelt sich unter den flinken Händen der zahlreichen ritanisch und Jemenitisch herstamme. Das eigentliche Sfardisch habe sein eigenes babylonisches Punktationssystem über der Linie gehabt, das später außer Gebrauch kam. Die ganze Jagd nafch dem allein'' richtigen Hebräisch sei nach dem heutigen Stand der Wissenschaft ebenso unsinnig, wie die nach der Urmenschheitssprache. Alle Aussprachen seien gleichberechtigt. Es könne nicht die Aufgabe eines Zeitalters sein, die klangliche Einigung im heiligen Lande zu erzwingen. Zum Schluß sei noch darauf .hingewiesen, daß von einem der Herren Einsender, der sein Manuskript, weil wir es wegen seiner Länge nicht aufnehmen konntn, zurückzog, mit Nachdruck auf die halachische Seite der Angelegenheit hingewiesen wird, und ferner, daß uns ein Votum nach dieser Richtung von rabbinischer Seite noch in Aussicht gestellt wurde. Die beiden letzterwähnten Herren stehen auf dem Standpunkt, daß in den Ländern der Diaspora die Einführung einer veränderten Aussprache in den G'ttesdienst, einerlei, ob es sich um Gebet oder Thoravorlesung handelt, einen h alachisch .unzulässigen Eingriff bedeuten würde. dem der erste Rausch des Neuen verrauscht ist,' sich herausstellen, daß alles auf demselben Fleck geblieben ist wie vorher. Darum ist auch das Scheitern deiner großen Pläne solch Unglück nicht; es geht dir eben nicht anders, als all denen, die sich darum gemüht, das perpetuum mobile zu entdecken. Der zweite Abschnitt ist die erschütternde Selbstbiographie des Koheleth. Sie ist das große Gegenstück zur Faustdichtung. Hier wie dort strebt ein Mensch von ungeheurer Begabung, voll größten inneren Ausmaßen und von unbegrenzten materiellen Möglichkeiten nach einem bißchen Glück, nach dem Augenblick, zu dem er sagen möchte: verweile doch, du bist so schön. Hier wie dort die schmerzhafte Erkenntnis, daß wir nichts wissen können, daß die ewige Frage nach dem Was und Wie der Welt, nach dem Wesen der Dinge immer nur zu neuem tragischem ignorabimus führt, daß der Dumme mit seinen Illusionen glücklicher ist als der Weise, der dem Medusenhaupt der Wahrheit ins Angesicht sieht. Dannder verzweifelte Versuch, durch leichte Freuden dem Leben Sinn zu geben, der bei Koheleth viel schneller zum Scheitern kommt, weil Helferinnen rasch in ein nown Ji'3/ in eine Synagoge — die Thorarolle fehlt nicht —, von der man mit dem Volksdichter singen und sagen möchte, daß es „in jedem Winkelchen lacht". Die langen Stuhlreihen füllen sich pünktlich mit fröhlichen, festlich gekleideten jüdischen Kinderchen, Knaben und Mädchen aus Nah : und Fern, auch das Ausland ist vertreten, wobei die Mädchen die rückwärtigen Stuhlreihen besetzen. Aus dem Kreise der Kinder selbst schreitet dann ein Bar-, mizwöhknäbe, seiner Würde bewußt, gravitätisch als V,Chasen"; zum Vörbeterpult, ohne die Kritik seines „Kanal" auch, nur im geringsten, ^zu fürchten, von der ganzen „Gemeinde": in beglückender,,Welse,fbegleate't, Der Sohn des verewigten Begründers selbst,hat für die Säbbate und die hohen Feiertage sehr schöne und eigenartige hebräische -Melodien für die Kinder geschrieben und so einen wirklich vorbildlichen Jugend-' g'ttesdienst gestaltet. Hier wird das jüdische Kind lebendiges Glied dieser TWVij? nVnj?» dieser heiligen jüdischen Kindergemeinde, es wird aus seiner unglücklichen geistig-seelischen Isolierung mit all den ' Gefahren an Minderwertigkeitskomplexen glücklich herausgehoben und mit echten, bewußten, tausendjährigen jüdischen Werten segensreich erfüllt. Von welcher. Lebehsnotwe'ndigkeitdst dieses jüdische Gemeirischaftsbewußtseinliür das jüdische Kind gerade in unserer Gegenwart! . .. , . . „Den Frommen setzt man keine Grabsteine, ihre ,Tat e. n, das sind ihre Denkmäler!", an .dieses alte jüdische Wort denkt man unwillkürlich, wenn man an dieser 'buchstäblich 'lebenspendenden herrlichen Tat, an dem Leben und Treiben in »der jüdischen Kindergemeinde in Bad Dürrheim teilzunehmen:'das Glück hat! Rabh. Dr..;,Bohrer, Gailingen. sich die Seele-mit Ekel von der Tollheit ausgelassenen Lebensgenusses abwendet. Endlich diepackende Schilderung, wie Koheleth durch großartige Schöpfungen seinem Leben Sinn und Inhalt geben will. Solange seine Pläne nicht verwirklicht, solange ihre Vollendung ihn in Spannung erhält, er die Freude des Wachsens und des allmählichen Aufbaues seiner Unternehmungen mitanschaut, solange ist es tatsächlich in ihm ruhig. Aber als nun alles vollendet ist, das Ziel erreicht vor ihm liegt, da überkommt ihn dieselbe Leere wie .zu Anfang, da ist - auch wieder alles hewel, eine. große Selbsttäuschung gewesen. Das ist eigentlich die tiefste Lebenserfahrung. Alle Wünsche, alle Pläne haben nur solange Bedeutung," als sie nicht erreicht sind. Die erreichte Million macht den Bettler nicht reicher, Und diese Erfahrung wirkt so verbitternd, daß jetzt über ihn alle; die zerstörerischen Gedanken und Sorgen über die Zukunft Rommen: was wird einst mit all meinen Schöpfungen werden, wenn ich nicht mehr da bin, und der lachende Erbe mit ihnen skrupellos schalten und walten kann? Jetzt steigert sich sein Widerwille zu Resignation und Lebenshaß. Gerade diese Stelle des Buches ergreift uns am gewaltigsten. Wer alles besitzt, wem alles gelungen, wem alles zmr Verfügung steht, gerade den schüttelt die Krankheit vollständigsten Lebensüberdrusses. Die Meisten wissen gar nicht, wie dankbar sie seinmüssen, daß die kleinen und großen Sorgen desr Alltags sie noch Etwas für das Morgen wünschen lassen, daß sie die schale Blasiertheit dessen nicht kennen lernen, der alle seine Wünsche und Strebungen hat vollenden können, III. Alles hat seine Ze 14. (Kap. 3, 1—15.y Jeder Mensch ist zeitgebunden und alles- Geschäft unter dem Himmel hat seine Stunde. Zur bestimmten Stunde, wirst du geboren, zur bestimmten Stunde wirst du sterben. Was zu bestimmter Zeit du gepflanzt, wird zur bestimmten Zeit man wieder aus dem Boden reißen. Zu fester Stünde mußt du Wunden schlagen, um sie zu andrer Frist wieder zu heilen Jetzt einreißen, dann bauen, jetzt weinen, dann lachen, jetzt klagen, dann tanzen. Manchmal muß man Steine fortwerfen, manchmal muß man sie wieder, sammeln. Manchmal darf man küssen, und manchmal muß man sich davon fernhalten. Heute suchen, morgen wegwerfen, heute hüten, morgen preisgeben; jetzt. . zerreißen, dann wieder zusammennähen,, erst schweigen, dann reden. Es gibt eine Zeit zu lieben, und gibt eine Zeit zu hassen, eine zum «Krieg, eine zum Frieden. Was hat man also bleibend davon, was man mit soviel Mühe vollbringt? Es ist schließlich weiter nichts als Geschäfte, die G'tt dem Menschen gegeben, sich damit abzuquälen. Alles hat Er zwar für die rechte . Zeit schön gemacht, hat auch die große Sicht , .auf , Welt und Ewigkeit uns eingepflanzt. Und doch, .wird -. .ninfener der , Menschdes -großen G'tteswerkes von Anfang bis Ende: Herr. So erkannte ich, daß bei aMem1 nichts Gutes ist; als :nur,rsich da freuen und sich in seinem Leiben eine gute Stundezu bereiten. Allerdings ist für jedermann, essen, trinken und Freude haben können auch nur ein Geschenk, das von G'tt abhängt. Denn wie Er's da oben macht, das ist nun für alle Mal, so wie es ist. Man kann; nichts dazutun, nichts davonneh- .....men, kann nur sich in Ehrfurcht davor beugen, wie Er's bestimmt hat. -An dem, was ver- : gangen, ist doch gewiß nichts , zu ändern, aber selbst -was sein wird, ist schon festgelegt. G'tt weiß schon, es durchzuführen. >. Dieser dritte Abschnitt behandelt das Gesetz von der R e La t i v i t ä t a Her Ding e. Er will den ewig Trägen und Unwandelbaren eine kleine Lehre geben, denen, die immer am Gleichen, kleben und nicht sehen -wollen, daß

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