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Der Israelit · 1935-10-24 · Heft 43 (24.10.1935) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 43 (24.10.1935)
Date
1935-10-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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24. Oktober 1935 Der Israelit Nr. 43 Seite 5 stände. Die Sabbatai-Zwi-Verirrung um 1660 erfaßte die Portugiesengemeinde in höherem Maße als die nüchternen Aschkenasim. Zu den Einrichtungen der Aschkenasimgemeinde, die das Licht der Lehre weit über Amsterdam und über Hollands Grenzen hinaustrugen, müssen vor allem die berühmten hebräischen Drucker e i e n gezählt werden, die die ihalbe jüdische Welt mit Talmudexemplaren und jüdischen Schriften aller Arten versorgten. Eine Muttergemein de in Israel, wie sie es bereits im 18. Jahrhundert, da sie mittels der holländischen Regierung und ihrer Gesandten für die Juden überall in der Welt eintrat, war, ist die Amsterdamer 'Kehüla heute noch. Männer wie Rabbi Josef Hirsch Dünner, Wagen aar, Onderwyzer V'SV standen Wir haben vor zwei Monaten in den Spalten unseres Blattes die verschiedenen aktuellen Probleme zur Diskussion gestellt, die sich heute in Erez Jisroel sowohl wie in der Diaspora an die Frage der sfardischen oder aschkenasischen Aussprache des Hebräischen in Schule, G'tteshaus und Leben knüpfen. Ausgegangen waren wir dabei von der Tatsache, daß in dem Verkehrsleben des neuen Palästina die sogenannte sfardische Aussprache endgültig als die herrschende anzusehen sei, und daß es sinnlos sein würde, sich dagegen aufzulehnen, Offen bleiben daneben jedoch drei Fragen: Erstens die Gebetsprache im heiligen Lande, zweitens die Frage, ob auf die Dauer der Jugend der Diaspora zweierlei Aussprache des Hebräischen zugemutet werden Tcönne und drittens die Stellungnahme zu der weitgehenden Forderung, in der Diaspora überhaupt allmählich die aschkenasische Aussprache durch die sfardische zu ersetzen. Diese unsere Ausführungen haben in unserem Leserkreis ein außerordentlich starkes Interesse erweckt. Mehrere gründliche und aufschlußreiche Artikel zu dem Gegenstand sind in den letzten Wochen bereits erschienen. Außerdem aber ist uns eine Flut von Zuschriften und eine ganze Anzahl ausführlicher Darstellungen zugegangen, die wir unmöglich in ihrer Gesamtheit und in ihrer, ganzen Ausdehnung wiedergeben können, ohne unsere Leser zu ermüden. Wir halten uns aber für verpflichtet, aus den wichtigsten dieser Aufsätze in kurzer Zusammenfassung diejenigen Momente wiederzugeben, die Die Umstellung weist in mehreren Fällen darauf hin, daß die im Satz beschriebene Handlung einer vorher erwähnten vorausgegangen ist. Darauf stützt sich laut Raschis Erklärung der Hinweis des Talmud in a*s p*a zum Satze n*w m ipa fn. Siehe auch Malbims Einleitung zu KnSD/ imti n>»K iNr. 111, 117. Auch zu Beginn des obenerwähnten Kapitels ÜY>»R"0 4, 1) erklärt Raschi die Umstellung auf diese Art. Vgl. Elia Misrachi und Heidenheims sipan man z. St. Nun. heißt es in unserem Vers nicht Q5 Van »y>\ sondern DJ iPan ^am und kann, uns dies vielleicht zur Annahme berechtigen, daß in der Tat 5>an als Erster sein Opfer dargebracht habe, wenn auch Kain in der Eigenschaft des nba zuerst genannt wird. Das Vergehen Kains bedeutet nun tatsächlich eine Verhöhnung G'ttes, da er das gute Beispiel seines Bruders wohl nachahmt, aber in verächtlicher Weise von der geringeren Art seine Gabe brachte. Sp. Kleines Feuilleton, Sukkoh-Brocken für den Winter« Auf dem Gipfel der Freude, da Scheune, Speicher und Keller voll gefüllt sind, verlasse das Haus, gehe in die wackelige Hütte und führe dir zu Gemüt, daß „alles eitel" sei ... Will man die Leidenschaft zähmen, so packe man sie im Zentralpunkte, man lösche den Herd des Brandes, die Ausstrahlungen werden schon von selbst aufhören. „Es nützt nichts," sagt Rabbi Israel Salanzuletzt als geistige Führer an der Spitze der Gemeinde. Sie hat sich in all ihren Synagogen wie Institutionen rein und streng jüdisch erhalten. Das von Oberrabbiner Dünner gegründete Rabbinerseminar in Amsterdam sorgte und sorgt, für einen rabbinischen Nachwuchs, in dem das religiöse Führertum in den holländischen Gemeinden bestens gesichert ist. Fremde Winde wehen in den letzten Jahren aus England und Deutschland, die die jetzt liberales Judentum benannte Reform hinüberzutragen suchen. Sie werden, diese fremden Winde, an dem festen Bau des holländischen Judentums nicht zu rütteln vermögen. Mit dieser Zuversicht begeht heute die Aschkenasimgemeinde Amsterdams ihr Jubiläumsfest, und sie ist auch ein G e- 1 ö b n i s. in den früheren Darstellungen noch nicht zur Geltung gebracht worden sind. Rabbiner Dr. M. Weinberg in Regens-' bürg glaubt die Septuaginta als Beleg für die Geltung der sogenannten portugiesischen Aussprache zur Zeit des Tempels und zur Zeit des Talmuds anführen zu können. Die Septuaginta hätte nicht Adam und Abraham übersetzt, wenn man damals Odom »und Awrohom gesprochen hätte. In der rabbinischen Literatur werde übrigens häufig darauf hingewiesen, daß das sprachliche bezw. grammatikalische Verständnis der Sfardim über dasjenige der Aschkenasim zu stellen sei. Der Verfasser glaubt, daß naturgemäß die in den Nachbarländern Palästinas wohnhaft gebliebenen Juden die ursprüngliche Art der Aussprache eher beibehalten konnten, als diejenigen, die in weitere Entfernung, nach Mittei- und Westeuropa verschlagen wurden. Verschiedenheiten der Aussprache habe es allerdings immer gegeben und werde es immer geben. Man könne daher durchaus nicht annehmen, daß die heutige sfardische Aussprache noch genau dieselbe sei, wie diejenige zur Zeit des jüdischen Reiches auf eigenem Boden. Sonst könnte man ja nicht verstehen, daß die Sfardim heute für das lange a und das kurze o dasselbe Zeichen verwenden, im Gegensatz zu den Aschkenasim. Keine Rede könne darvon sein, daß man der aschkenasischen Judenheit außerhalb Erez Jisroels als Gebetsprache künstlich ein neues Hebräisch mit neuer Klangfarbe aufoktroyieren dürfe. Jacob Lupolianski in Karlsruhe weist ebenfalls auf die starke Wandelbarkeit der ter, „wenn man bei Fuhren, die aneinander gebunden sind, den Anhänger zum Stehen bringt. Vorn«, wo die Pferde gespannt sind und die Triebkraft sitzt, muß man einsetzen." Iin Mittelpunkte aller Leidenschaften stehen die Habgier und die Genußsucht. Und hier gilt es, Halt zu rufen, just wenn der einen und der anderen Gier höchste Befriedigung wird . . . Wir sahen in den „vier Arten" des Sukkausfestes ein Symbol der Verbindung und der Einigkeit aller Arten, aller Parteien und aller Schichten im Judentum. Ist schon richtig! Aber man vergesse nicht dabei, daß das Esrog, das nach der Midrascherklänung mit seinem Geruch und Geschmack die Gerechten und die Frommen, die Guten und die Gelehrten dar« stellt, f ü h r e n d ist in diesem Bunde. Unter Anführung des Esrog kann die Vereinigung nur zum Segen sein. Auch die Bachweide hat ihren Platz in diesem Bunde, nur darf sie sich nicht anmaßen, Esrog, Lulaw und Myrte zu führen . ■ . Ein Gleiches gilt von jenem Merkwort "VWt# . das die jüdische Gemeinschaft als aus n^nx» auch O'lia'a und dwi zusammengesetzt zeigt. Die ä'p'is stehen aber .an erster Stelle, sie sind die Führer und Wegweiser, wenn der näx seinen Zweck erreichen soll Rabbi Levi Jizchok, der große Berditschewer, pflegte zu sagen; In gewissem Grade ist die Sukkoh die Mizwoh aller Miizwoth. All« anderen Gebote erfassen nur einen Teil unseres Körpers: die Tefillih den Kopf oder die Hand, die Zizith Rücken" und Brust usw. Bei der Sukkoh aber treten wir mit beiden gesamten Aussprache im Laufe der Jahrhunderte hin. Es könne höchstens von einer relativen A e h n 1 i c h k e i t der heutigen sfardischen Aussprache mit der alten die Rede sein. Uebrigens seien auch innerhalb der Sfardim sehr erhebliche Differenzen in der .Hawarah vorhanden. Gegenüber der Beweisführung von Prof. Dr. Fink weist der Verfasser auf Jeruschalmi Taanis I hin, wo es heißt, daß im Buche von Rabbi Meir die prophetischen Worte non illPO wiedergegeben seien mitiarj nizra« Man sehe hieraus, daß gerade Rabbi Meir durchaus keinen Gleich klang verlangt, wenn er zwei ähnliche Worte erläuternd miteinander identifizieren will. Samuel Josseliowski in Memel weist auf eine interessante Stelle in der Vorrede zu Rabbi Jacob Emdens Tefillo-Kommentar hin. Der gelehrte Kommentator nimmt hier entschieden Stellung für die aschkenasische Aussprache gegenüber der sfardischen und stützt sich vor allen Dingen dabei auf den Mangel der Unterscheidung zwischen Komoz und Pataoh bei den Sfardim. Er verweist darauf, daß schon Rabbenu Bec h a j, obgleich selber Sfardi, die sfardische Aussprache als nicht korrekt erklärte. Verfasser wendet sich sehr scharf dagegen, daß man sich durch zionistischen Einfluß im heiligen Lande die sfardische Aussprache habe aufdrängen lassen und zitiert schließlich folgende Stelle aus dem Vorwort Rabbiner Hirschs zur zweiten Auflage des Chorew. Dort heißt es: „Auch die deutsche Schreibweise der hebräischen Worte ist beibehalten. Sie ist ein nicht ganz unwichtiges Merkzeichen der Zeit ihres ersten Erscheinens. Als sie erschien, hatte sich ein Bestreben hervorgetan, alles was das alte Judentum der Neuzeit überliefert, verächtlich zu machen. Dahin glaubte man auch die Aussprache des Hebräischen bei den deutschen Juden rechnen zu dürfen, die man im Gegensatz zu der sogenannten portugiesischen als ein korruptes Jargon verurteilte, ohne zu bedenken, wie denn doch schon die herabgeerbte grammatische Bezeichnung Komoz {ynp '= Mundschließen) für K und Patach (nns Mundöffnen) für S gegen die portugiesische und für die deutsche Aussprache zeugen." Regierungsrat a. D. S. Lichtenstädter in München geht von der Voraussetzung aus, daß die sfardische Aussprache im wesentlichen die „richtige" sei und sucht in sehr interessanten sprachvergleichenden Ausführungen die Entstehung des Aschkenasischen zu erklären. Daß die Galiläer das s wie ausgesprochen hätten, sei undenkbar. Die angezogenen talmudischen Stel- Füßen mitten in die Mizwoh hinein, sie umfaßt den ganzen Menschen. Woran das wohl liegen mag, daß das Fest der Wasserspende nicht ausdrücklich in der Thora genannt, sondern nur mit einigen Anfangs- oder Endbuchstaben angedeutet ist? Der König veranstaltete ein großes Fest, bei dem alle anwesend waren, die irgend Beziehungen zum Hof© hatten. Seinen Intimen Freunden flüsterte. er aber nur andeutungsweise ins Ohr, so daß es die Anderen nicht hörten, daß er mit ihnen noch eine eigene Feststunde feiern wollte, und sie verstanden. Sukkoth ist das Fest der großen Völkerfafflilie. Das Fest der Wasserspende ist aber Israels1 Fest, sein eigenes Fest. Wer die Einladung nicht versteht, gehört nicht hin. Das gilt in erster Reihe für die S a d d u z ä e r , die die Andeutung nicht gelten ließen und die Wasserspende negierten. Das Friedrich-Luisen-Hospiz in Bad-Dütrheim. Von einer Großtat weitschauenden jüdischen Opferwillens soll die Rede sein. Doch nicht von den hygienischen oder sonstigen vorbildlichen Einrichtungen (dieses Hauses will der Schreiber dieser Zeilen berichten, das mögen Berufenere tun, sondern davon, daß hier neben der Ertüchtigung des Körpers, neben der sorgfältigsten Pflege des leiblich-physischen Seins Aschkenasisch oder Sefardisch?

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