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Der Israelit · 1935-10-24 · Heft 43 (24.10.1935) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 43 (24.10.1935)
Date
1935-10-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
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24, Oktober 1935 Der Israelit Nr. 43 Seite 3 Von A. Mannheimer in Dettelbach. Das Wintersemester in den jüdischen Vereinen beginnt, mit ihm auch der Oneg Schabb o s in seiner winterlichen Prägung, so seien hier ein paar Ratschläge angebracht: Es ist erfreulich, daß man fast einstimmig allenthalben das ,,Lernen" als die Seele der Oneg- Schabbos-Stimmung erkannt hat, die Seele der .Sabbatseele, der fpVW nnffitf'jenes geistigen Kraftzuschusses, der nach einer sinnigen alten Tradition, jedem Juden am Freitag Abend als ein besonderes Gnadengeschenk aus Himmelshöhen zufließt und ihn erst bei der nVlin verläßt. Ist doch nach übereinstimmender Ansicht die niin am naip gegeben worden, mit dem sie ewig und unzertrennlich verbunden bleibt. Wir buchen diese erfreuliche; Erkenntnis als ein Plus jüdischer Renaissance. Für die Praxis, der Onegveranstaltung kommen die altbekannten drei Momente in Betracht, die jeder Pädagoge.kennt und kennen muß: der Lehrstoff, der zu Unterrichtende, also der Schüler, endlich die zur Verfügung stehende Zeit. Nehmen wir das letztere Moment uns zuerst vor. Es stehen im Jahr rund fünfzig Sabbate zur Verfügung. Wir können nicht glauben, daß der .tteW ÄSW nur an die Winterzeit gebunden sein soll, wo das Haus mehr in seine Rechte tritt. Der Winter hat seine . bezaubernden Freitagabende und auch der Sommer, wenn die Beschwerden der winterlichen Jahreszeit geschwunden sind, dürfte eine günstige Periode geselliger Zusammenkünfte sein. Rechnet man durchschnittlich zwei Stunden auf einen Oneg Schabbos, so ergäbe das eine Arbeitszeit von rund hundert Stunden, in denen immerhin schon etwas zu erreichen ist. Man darf um so sicherer mit hundert Stunden rechnen, als auch hie und da Jomtowtage oder Halbfeiertage zweckentsprechend verwendet werden können. Ist das Moment der Zeit nur ein von außen her anzulegender Maßstab, so bildet die geistige Einschätzung der Teilnehmer oder Hörenden den inneren Maßstab des Ganzen, Der Lehrer hat stets an vorhandene Kenntnisse oder Vorstellungsmassen anzuknüpfen; sonst hängt er mit seinen Darbietungen in 'der Luft. Diese Anknüpfung, fachmännisch mit Apperzeption bezeichnet, ist naturgemäß zu beachten als das Fundament, auf dem gebaut werden soll. Und mau kann hier kaum vorsichtig genug sein, d. h. man darf sich nicht scheuen, den Kenntnisstand der Hörer hezw. Lernenden als sehr minimal einzuschätzen. Mag es beschämend klingen! In unseren Schulen haust seit alten Tagen ein Moloch, Vergeßlichkeit genannt. Schier unersättlich ist sein weiter Bauch und gerade die besten Bissen sind ihm oft gut genug. Seine: Lieblingsspeise a'ber scheinen jüdische Wissensstoffe zu sein. Die verschluckt er mit Vorliebe und wo er ihrer habhaft werden kann. Daher Vorsicht, um nicht über die Köpfe hinweg zu dozieren, Die elementarste Methode ist die richtigste. Sei populär bis zum äußersten! Auch hier gilt das Wort T»1SJ nflN ">a 'JS^ VI' wisse, vor wem du stehst. Bei Ankündigung der Offenbarung sollte Moses den Frauen gegenüber einen andern Ton anschlagen als bei der An- . spräche ans männliche Geschlecht. Verfahre individuell. Werde dem Kenntnisstande deiner Hörer gerecht. Organisch verwachsen mit dieser Forderung ist die Frage der Stoffauswahl. Was soll beim Oneg-Schabbos geboten werden? Wir stehen vor einer erdrückenden Ueb erfülle. Welch ein weites Feld des Wissensnötigen, des Wissenswerten, des Nützlichen und Schönen für Verstand und Gemüt, für KopfrÜlerz; Wo anfangen? Nach welchen Gesichtspunkten die Auswahl treffen? Bekanntlich bildet das WorttflpÖ^ ö^tf tföfi p usw. die erste methodische Anweisung derQ^öDri' nach Alters- und Schwierigkeitsstufen den Stoff zu sichten. Wenn <wir nach bisherigen Verlautbarungen gehen dürfen, sollen im Oneg schulpflichtige Jugend und auch die Reiferen zusammengefaßt werden. Dagegen ist gewiß nichts einzuwenden. Schon um jeden Schein des Schulmäßigen zu meiden und den Tön des Zwanglosen, der geselligen, gemütvollen Unterhaltung anzuschlagen. Glücklicherweise laufen im jüdischen Schrifttum in seltener Harmonie zwei Kreise ineinander: das Belehrende und das Erbauende, Halachisches und Agadisches. Man denke an den Talmud. Sodann umfaßt die Thora als ü'TT flTlfl das gattze Leben in vollster Totalität. Wie unterhaltend und anregend könnte z. iB. eine Unterhaltung — besser mehrere — über j'anin 1113*13 gestaltet werden. Wenn man für die Onegveran- Staltung das „Lernen" als das Idealste empfiehlt, so sei bemerkt, daß hier nach altjüdisclhem Empfinden das Forschen im mündlichen Gesetze gemeint ist, die ns *?y2W min» Nur wer in . diesen Quellen kundig ist, kann ,,lernen". Ferner: das jüdische Kalenderjahr bietet itt seinem Ablauf selbst die reichste Stoffquelle durch seine ständige Aktualität. Fassen wir also nach dieser allgemeinen Uebersicht zusammen, wie wir uns etwa die Ausgestaltung des Oneg denken. 1. Vor allem huldige dem Grundsatze des Elementaren und Volkstümlichen. Nach Stoff und Methode. Schulkenntnisse gilts oft aufzufrischen und man greife mitunter auch zu den bekannten Schulbüchern. (Bibl. Geschichte, Religionslehre usw.). 2. Das Anregende und Gemütvolle sei beständiger Begleiter des Verstandesmäßigen. Anhäufung von trockenem Gedächtnisstoff meide. Nütze das Agadische gut aus neben dem für die religiöse Praxis aktuellen Halachischen. 3. Von den seit der Mischna uns bekannten beiden Wegen des Thorastudiums: Belesenheit und scharfe Tiefgründigkeit, wählen wir natürlich den ersteren, ohne in den Fehler der Oberflächlichkeit ZU verfallen. Das folgt schon aus dem unter 1 oben Entwickelten. 4. Sorge für Abwechslung. Innerhalb zweier Stunden ist die Vornahme von mindestens zwei Stoffgebieten ratsam. „Langweile ist die größte Sünde des Unterrichts". (Herbart,) 5. Rege die Selbsttätigkeit an und stärke das Selbstgefühl. Frage- und Antwortspiel, lebendige Aussprache aller Teilnehmer kette diese immer mehr und enger aneinander. So entsteht ein seelisches Band, ein ö'Hnn pn aus der Debatte und Kontroverse der Hörer, dem Ö^PJS^nn ^IS^D' der sich noch auf die Zeit außerhalb der Zusammenkünfte fortpflanzt.- 5. Sei aktuell. Wir warnen 'davor, aus dem Oneg etwa eine Vorlesung über „Geschichte und Literatur" zu machen. Das praktisch-religiöse Leben, wie es der Alltag mit sich bringt, Sabbat und Feiertage, Halbfeier- und Fasttage, das Gebetbuch — welche Stoff menge! 6. Die Vorbereitung auf die Feier- und Gedenktage bewege sich nach drei Richtungen: a) die geschichtliche Grundlage, b) die religiösen Gebräuche, welche damit verbunden sind, c) die einschlägigen Gebete. Kein u"' darf kommen, ohne daß hier wenigstens eine Generalübersicht geboten wurde. ' 7. Blüte und Frucht des Oneg muß das „Lernen" sein, die Heranführung an die Quellen der HS min« Für allzu Zaghafte sei vergleichsweise bemerkt: Wie wenig, wie verschwindend wenig kann den breiten Massen von Schiller und Goethe geboten werden. Einige bekannte Gedichte. Und doch schätzt man diese Großen. Setzt man voraus, daß jeder ein Zoologe, ein Botaniker, ein Geologe sein muß, der ein Museum besucht? Und doch gewinnt er einen Totaleindruck dort. Soll denn eine Generation aufwachsen, ohne zu wissen, wie überhaupt ein nYWa, ein w&T Kommentar aussieht? Nur eine Mischna „gelernt", bedeutet mehr, als ein großer Vortrag „über" Rabbi Jehuda Hanasi; drei Verse Raschi gelernt, mehr als dessen Biographie. Nehmen wir es als erfreuliches Zeichen erwachten Selbstgefühls und Selbstbewußtseins bezw, Selbstvertrauens hin, wenn jemand rühmt: Wir haben heute einmal ">"ty1 gelernt in nj' in "jb "]b oder KX'V Wir halben heute einiges in W>bpW DDOS gelernt vom Steuermonat "Hfr vom Kassawesen im Tempel. War sehr interessant. Von der Neumondsweihe durch Zeugen und Feuersignale, von den Bikkurim, die man in Körben freudig und feierlich nach Jerusalem trug. Vom Wasseropfer am JTD1D- Von der Awoda im Traktat Joma, vom Vvtt ]TÖ' der „nicht einschlafen durfte." Vom Bereiten der roten Kuh usw. Ueberall gibt es leichtere, anregende Partien, um wenigstens etwaS zu bieten. Dabei beachte man; Stets biete man zuerst den Inhalt klar in deutscher Sprache. Dann erst folgt das Sprachtechnische, das Uebersetzen. Eine Verquickung beider Aufgaben macht die Darbietung methodisch schwieriger. Wir schließen. Es waren Winke, Anregungen, Erfahrungen aus jahrzehntelanger Praxis. Besser etwas als nichts B^aan "TniO man ins- Die Begeisterung für den Oneg kann Gutes und Schönes bringen unter zielbewußter und taktisch einwandfreier Leitung. Vielleicht sind obige Anregung manchem willkommen zur praktischen Verwertung. Das ist ihr Zweck und unser Wunsch, Wochenrundschau, Der Frontgeist in dem revisionistischen Frontkämpierbund Die Jüdische Legion an der Seite der englischen Wehrmacht zur Eroberung Palästinas war ein Ziel, sehnlichst zu erwünschen für die Revisionisten und die ihr verwandten Bünde. Nun ist ja Palästina erobert, durch die Engländer und zwar mit Hilfe!: einer Jüdischen Legion, der man es vielleicht wirklich nicht nach Maß vergolten hat. Aber, kalkuliert man, man wird vielleicht Palästina bald noch einmal verteidigen oder erobern müssen! Jetzt kam der abessinische Konflikt und der italienische Vormarsch. Aegypten ist für alle Fälle befestigt und gerüstet, in Palästina herrschte vorübergehend eine gewisse Panik. Das veranlaßte den „Staatszionistischen Frontkämpferbund zur Bildung einer jüdischen Legion zum Schutze Erez Israels", der, wie die „Staatspartei" mitteilt, mit dieser nicht identisch ist, zu einem Aufrufe an „alle jüdischen Männer", in dem sich eine Anzahl lapidarer Sätze folgender Art befinden: „Gefahr droht unserem in blühendem Aufbau befindlichen jüdischen Lande! Arabische Hetzer glauben, die Gelegenheit benutzen zu können, den kommenden Judenstaat zu verhindern, den blühenden jüdischen Boden zu zerstören! Es gilt, der Vernichtung unserer letzten Zufluchtsstätte vorzubeugen! Juden, es naht die Stunde, da wir bereit sein müssen, unser Leben für die eigene Sache, für unser eigenes Volk einzusetzen' Die neue jüdische Generation soll mit dem Frontgeist der Pflichterfüllung und Einsatzbereitschaft erfüllt. Werden!" Und nun ergeht an alle wehrfähi-

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