Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 50 (12.12.1935)
- Date
- 1935-12-12
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8 Nr. 50 Der Israelit 12. Dezember 1935 sehen Jugend, die seit mehreren Jahren besteht und die Befreiung des arabischen Vaterlandes von den englischen und zionistischen Ketzern anstrebt, richtet ohne Furcht vor dem Tod und entschlossen, alles zu wagen, um unsere Feinde zu Fall zu britigen, an Sie, Rosenstein, die Warnung, nicht zu versuchen, die arabischen Briganten zu verfolgen." Der Brief war in Jaffa angeschlagen. Die hebräische Presse weist darauf hin, daß die arabischen Terroristen ihre Tätigkeit offenbar auch auf Südpalästina ausdehnen wollen. Die Behörden haben eine vom arabischen Arbeiterverband in Jaffa geplante Kundgebung gegen die Zunahme der Arbeitslosigkeit unter den Arabern, die Ausbreitung des jüdischen Einflusses im Hafen und die jüdische Einwanderung verboten. Trotz des Dementis der Palästina-Regierung behauptet die arabische Tageszeitung „Feiestin" weiter, daß in der Gegend von Djenin eine zweite Terroristenbande sich verborgen hält. (ITA.)} Zum Andenken an Oberrabbiner Kuk b"*!* Tel Awiw, 4. Dez. Die Gemeinde Tel Awiw hat beschlössen, 500 Pfund einem Fonds zuzuführen, der zur Erhaltung für die Hinterbliebenen Oberrabbiner Kuks bestimmt ist. Von Freunden des verstorbenen Oberrabbiner® wird eine Ausgabe der von ihm in Palästina gehaltenen Reden und der in verschiedenen Zeitschriften veröffentlichten Artikel vorbereitet. Aus Warschau wird über einen Beschluß des Merkas Hajischwot in Polen berichtet, eine Sefer Tora auf den Namen von Rabbi Abraham Jizchak Kuk schreiben zu lassen. Die Buchstaben der Sefer Thora sind in der kurzen Zeit seit dem Einleiten dei* Aktion fast vollständig verkauft worden, so daß beschlossen werden konnte, in den Chanuka-Tagen in einem der größten Säle Warschaus den Sijum Haketiwa durchzuführen. Zu der Feier werden führende Persönlichkeiten des religiösen Lebens eingeladen werden, Gleichzeitig wurde beschlossen, die Sefer Thora in eine der Siedlungen des Hapoel Hamisrachi in Palästina zu senden. Jerusalemer Brief. Zur Hebung des religiösen Lebens. — Neue Unternehmen. — Wo bleibt die „Oktoberschedule? — Die Wahlen in Tel Awiw. — Regenflut. — Liquidierung der Waffenschmuggelaffäre. — Geheimnisvolle Konferenzen. — Die Haifaer Banden. Jerusalem, 5. Dez. Vorige Woche fand in Petach Tikwah eine Konferenz aller Rabbiner aus 'der Umgebung von Tel Awiw statt. Etwa 40 Teilnehmer berieten in emster anregender Verhandlung über Mittel und Wege zur Stärkung des religiösen Leben« in Erez JisroeL Rabbiner K a t z aus Petach Tikwah, der den Vorsitz hatte, referierte über die Erziehung in Erez Jisroel und über die Lage der Talmud Thora-Schulen. Die Beth Jacob-Schulen strömen großen Segen aus, bedürfen aber noch der weiteren Entwicklung und Ausbreitung. Mit einem erschöpfenden Referat, das das ganze Problem ideologisch ttnd nach all «einen praktischen Lösungswegen erfaßte, folgte dann Herr Dr. Moses Auerbach, Der Vortrag bestimmte auch das Niveau der sich daran anschließenden Diskussion. Hoffen wir, daß die Anregungen nicht auf dem Papier bleiben. Es muß auch mit Freude konstatiert werden, daß 'die Beth Jacob- Schule für Töchter immer mehr Popularität in den breiten Massen finden. In Mea Shearim wurde ein Komitee der Mütter zur Unterstützung der Beth Jacob- Schulen ins Leebn gerufen. Besonderen Erfolg 'zeigt die Beth Jacob-Schule in der Schechuna Rucham a, die jetzt ein« Filiale im Viertel J e m i n M o s c h e eröffnet. Hier wird 'die Unterrichtssprache Hebräisch sein. Es kann registriert werden, daß von der Panik infolge der Kriegswirren in Ostafrika nichts mehr übrig geblieben ist und daß der Zustrom des Kapitals ins Land sogar noch «in« Steigerung erfahren hat. Besonders die Einwanderer aus Deutschland haben mit ihrer Initiative, ihrem Kapital und ihrer Sachkenntnis großen Anteil am Wachsen der Industrie. Fabriken, besonders für Baumaterial, entstehen att Plätzen, die ziemlich weitab vom jüdischen Jisphuw liegen. Durch ein ■solches Unternehmen ist eine halbvergessene Kolonie, Haar-To w", buchstäblich zu neuem Leben erwacht. Die Zerti.fikaten-Scihedule, die sonst für je ein halbes Jahr im April und Oktober bestimmt wird, ist überfällig und jetzt, Mitte Dezember, noch nicht bekanntgegeben. Man begnügte sich vorerst mit den 1000 Vorschußzertifikaten. Im großen nRätselraten über den Grund der Verzögerung kann man allerlei hören. Manche sehen darin eine Rücksicht auf die Araber. Inzwischen warten viele Tausende hier und in der Gola Morgen für Morgen auf die Veröffentlichung der Schedule, von der auch ihr Schicksal bedingt sein wird. Der Termin für die Stadtratswahlen in Tel Awiw ist definitiv auf Sonntag, den 15. Dezember, festgesetzt. Die Stadt gliedert sich in 16 Wahlkreise, so daß jeder Bewohner weiß, in welchem Wahllokal er zur Urne zu gehen hat. Die Kandidatenlisten sind bereits, aufgestellt, eine Liste trägt den Namen D i z e n g o f f und enthält nur Namen von Unparteiischen. Damit wollte der Bürgermeister kundtun, daß der Grund seines Rücktritts mit dem unschönen Parteienkampf in der und um die Irijah zusammenhing. Der Vizebürgermeister Rokeach führt eine eigene Liste. Auf diese Art wird sich auch die Dizengoff-Krise lösen, denn geht seine Liste, worüber kein Zweifel besteht, durch, dann bleibt er natürlich auch an der Leitung. Die Verhandlungen der Agudas Jisroel sind noch im Gange. Nach einigem Regenmangel wieder eine wahre Flut! Es scheint, daß die Einwanderer das Klima ihres Landes mitbringen. Winter und Sommer, die hier stets absolut Stabiles an sich hatten, zeigen eine gewisse Unstetigkeit. Die Greise von Tel Awiw können .sich nicht erinnern, zu Beginn des Winters solche Regenmassen je erlebt zu haben. An niedriggelegenen Stellen gibt es auch kleine Ueberschwemmungen und Sachschaden. Es werden gelegentlich auch ganze Zrifrim fortgerissen und der Verkehr gestört. Aber der Segen, den der Regen für die Felder und die Brunnen bringt, überwiegt doch bei weitem den kleinen Schaden, den man gern in den Kauf nimmt. Die Tageszeitung „Haboker" bringt die Mitteilung eines arabischen Blattes, wonach sämtliche dn den Waffenschmuggel verwickelten Verhafteten freigelassen wurden, mit Ausnahme eines Juden mit Namen Israel Allalof, der zu mehreren Monaten Gefängnis und Ausweisung verurteilt wurde. Die Strafe wurde ihm aber nicht wegen des Waffenschmuggels, sondern wegen illegalen Aufenthaltes im Lande diktiert. Damit müssen auch die Araber zugeben, daß die Juden mit jenem Waffenschmuggel nicht das~ Geringste zu tun hatten. Ueber eine Konferenz der arabischen Führer mit dem High Commissioner wird berichtet, ohne daß man über Einzelheiten erfährt. Während die arabische Presse Palästinas sich darüber in Schweigen hüllt, plaudern die ägyptischen Zeitungen doch einiges aus der Schule. Die arabischen iNotabeln hätten auf die Erregung im arabischen Volke hingewiesen, die sie, die Führer, kaum noch meistern könnten. Die Juden seien bewaffnet, und im Beamtentum habe eine Korruption platzgegriffen. Es hört sich schon wie eine leise Drohung an, wenn die Führer zuletzt sagen, daß sie für die Folgen kaum noch die Verantwortung übernehmen könnten. Ueber ihre speziellen Wünsche befragt, nannten sie drei: parlamentarische Selbstherrschalt, Einstellung der jüdischen Einwanderung, Verbot des Bodenverkaufs an Juden. Der High Commissioner soll darauf geantwortet haben, daß der Legislative Council noch im Laufe des Winters zusammengesetzt und einberufen werde. Bezüglich der anderen Wünsche habe das Kölonialamt zu entscheiden. Die Araber drängten aber auf sofortige Antwort unter dem Hinweis, daß es in den Kompetenzen der Palästinaregierung liege, auch diese Wünsche au erfüllen. Der Wortführer Alehussein wies darauf hin, daß die Aufnahmefähigkeit des Landes bis zum letzten Rest erschöpft sei, und drängte weiter darauf, daß der High Commissioner, wenn er schon nicht eigenmächtig entscheiden wolle, sich schleunigst telegraphisch mit London in* Verbindung setze. Arthur Wauchope antwortete aber mit aller Entschiedenheit, daß er sich 'mindestens «inen Monat Zeit lassen müsse, um sich in dieser Angelegenheit mit London in Verbindung zu setzen, Im übrigen glaube er, daß 'diese starken Worte und rigorosen Forderungen der Araber wenig ihren eigenen Interessen dienten und zum Aufblühen des Landes beitrügen. Nassasibi wie Alchusseini kritisierten auch die Rede des High Commassioners auf der zionistischen Versammlung in London, worauf der High Commissioner sagte, seine Worte seien nicht genau wiedergegeben worden. Die gerichtlichen Nachspiele der Haifaer Äraberaufstände gegen die Polizei werden in etwa acht Tagen beiginnen. Das Vorspiel hat bereits mit Apotheosen auf die „heiligen Märtyrer" in der arabischen Presse eingesetzt. Bezeichnend ist nur, daß die arabischen Zeitungen so ganz offen die Heldentaten der Banditen schildern dürfen, ohne zu befürchten, darüber auch vor Gericht Auskunft geben zu müssen. Die jüdischen Zeitungen wissen auch mancherlei über die Bande zu berichten. „Doar Hajom" will aus zuverlässiger Quelle erfahren haben, daß die Terroristen von Haifa in Verbindung mit einer auswärtigen Macht standen. „Haarez" weiß, daß diese Banden von nichtjüdischen Kommunisten gegen England und die Juden geführt werden. In der arabischen Gemeinschaft kann man wieder den gleichen Betrieb wahrnehmen, wie schon so oft. Es werden Gelder gesammelt und die besten Rechtsanwälte aufgeboten, um die Angeklagten freizubekommen. Es sind auch große Versammlungen und Demonstrationen in Haifa, Jaffa und Nablus vorgesehen. Die Lage is't ein wenig gespannt, aber die ganze Hetzkampagne scheint doch nur eine interne Angelegenheit der Führer zu sein, um die sich die arabischen Massen wenig kümmern. Es wird vom energischen Zugreifen der Regierung abhängen, daß der Brand auf seinen Herd beschränkt und auch dort sobald wie möglich gänzlich gelöscht wird, M. G. P. Verkehr in Palästina. Jerusalem, 3. Dez. Auf Grund des vorliegenden statistischen Materials erwartet man, daß die Zahl der Automobile, Traktoren und Motorräder in Palästina bis zum Ende des* laufenden Jahres 14.000 betragen wird. In den ersten sechs Monaten des Jahres wurden 25,300.000 Liter Benzin importiert. Die Schuhfabrik „Keter" ist wiedereröffnet worden, nachdem es ihr gelungen ist, 'die benötigten Kredite wieder zu erlangen. Die Asphaltierung der Chausseen zwischen Tel Awiw, Ha i f a und T i b erias ist beendet. Der Autobusverkehr konnte infolgedessen bedeutend verbessert werden. Die Palästina-Regierung hat den Bau einer neuen Jor danbrücke beschlossen, die die neue Asiphaltstraße aus Nablus (Sichom) mit Transjordanien verbinden soll. Damit wird ein palästinensisch-transjordanischer Verkehr ohne Berührung von Jerusalem ermöglicht. Amerika. Wird Biro-Bidschan ausländischen Juden offenstehen? Washington, 2. Dez. Die -sowjetrussische Botschaft in Washington teilt mit, daß der gegenwärtig in Moskau wellende sowjetrussische Botschafter in Washington, Alexander Trojanowski, mit Komzet (Regierumgskommission für jüdische wirtschaftliche Umschichtung) über die Bedingungen der Zulassung ausländischer Juden zur Ansiedktng im jüdischen autonomen Lande Biro-Bidschan im russischen Fernen Osten verhandelt. Vor seiner Abreise nach Moskau hatte Botschafter Trojanowski eine Besprechung mit den Führern des „Amerikanischen Komiteesi" für Biro-Bidschan", William Cohen und Sol Los, in der es darum ging, den ausländischen jüdischen Biro-Bidschan-Siedllern die gleichen Erleichterungen zu gewähren wie den jüdischen Siedlern au® Rußlandi, u. a. sollen amch ausländische jüdische Handwerker bei den staatlichen oder kollektiven industriellen Unternehmungen Beschäftigung finden und Boden für Heime und Gärten, sowie langfristige Darlehen erhalten.