Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 50 (12.12.1935)
- Date
- 1935-12-12
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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" yi-F3?^$*<3VP^>i ^f^^^^^^^^^^^m^i^^^^M^^^^^^^^^^^W^ 12. Dezember 1935 Der Israelit Nr. 50 Seite 5 zwei Wächter, die ihn zur Tauro-Hut anhielten, zur Respektierung des Weltenwirtes, und — sie respektierten selber ihn auch.9)--• Jedes Ding hat zwei Seiten, jedes jüdische — drei. Unserer Zwangsgastschaft eine Seite sehen die Völker: die Judenifrage. Die zweite sehen wir: Gclus-Leid. Die dritte sieht G'ttkönig: Erziehung und Bewährung für Jißroeil und die Menschheit. Golus muß nun einmal sein, Golus-Leid muß nicht sein. Aber wenn es ist, dann zeugt es j eindringlich für unsere] Angehörigkeit zum himmlischen G'ttesstaat; es ist J'cheskeils Donnerwort, das durah die Nacht des Golius über Jißroeil und die Völker gewittert: 10)jmT21 fTj?frT*P3 D3^y it^ök rmsff nanni "ie» SprechsaaL Ist der Keren Hajischuw eine separatistisch-orthodoxe Angelegenheit? An die verehrliche Redaktion des „Israelit" Frankfurt a. M. In den beiden jüngsten Nummern (Nr. 48 und 49)_ Ihrer gesch. Zeitung beschäftigen sich lange Aufsätze mit der Diskussionsrede, die ich auf der Tagung der Jewish Agency und des Keren Hajessod gehalten habe. Der Wortlaut meiner Rede hat dem Artikelschneiber offenbar nicht vorgelegen. Er stützte sich lediglich auf den kurzen und unvollständigen ITA-Bericht. Dies mag dazu beigetragen haben, daß er in langen Darlegungen und geschichtlichen Exkursionen Behauptungen widerlegt, die ich niemals gemacht habe. Vielleicht hat dies auch dazu beigetragen, daß die beiden Artikel heftige Ausfälle gegen mich enthalten, die meiner Meinung nach unbegründet und ungerechtfertigt sind, Von dem Wunsche geleitet, nicht Gegensätze konstruieren zu lassen, wo solche gar nicht bestehen, und nicht durch vorhandene Gegensätze die weite Ebene des Gemeinsamen und Verbindenden überschatten zu lassen, möchte ich zu dem Inhalt der beiden genannten Artikel in aller Kürze einige Feststellungen machen. Diese Feststellungen wollen lediglich der Klärung der Sachlage dienen und lassen den ideologischen und taktischen Unterschied' zwischen Misrachi und Aguda völlig unberührt. 1. Ihr Axtikeischreiber machte den mir ganz unverständlichen Fehler, daß er die Agudas Jisroel ohne weiteres mit dem orthodoxen Judentum schlechthin identifizierte. Nur so konnte er es 'fertig bringen, die Leistungen der orthodoxen Juden in Erez Israel, ihre Leistungen selbst in prägudistischer Zeit — Gründung der Kolonie Petach Tiikwah im Jahre 1878 und anderes mehr — der Agudas Jisroel zuzuschreiben. Die große Bedeutung der durch orthodoxe Juden in Erez Israel geleisteten Aufbauarbeit stand für mich von jeher außerhalb jeder Diskussion. Ohne den alten Jischuw, dessen Angehörige unter ungeheuren Entbehrungen und Opfern die (Kontinuität des jüdischen Lebens in Erez Israel sicherten, wäre der neue Jischuw kaum denkbar. Aber was hat dies mit der Arbeit der Agudas Jisroel zu schaffen? 2. Es war mir wohl bekannt, daß 'die Agudas Jisroel ein Schulwerk in Erez Israel unterhält. Ich wußte auch um die Männer, die an diesem Schulwerk beteiligt waren und sind. Allein meine Bemerkung bezog sich auf die kolonisatorische Aufbauarbeit und auf die dieser Aufbauarbeit dienende Hachscharah. Daß aber die Aguda sich erst in allerletzter Zeit diesem Aufgabenkreis zuwandte, kann wohl nicht bestritten werden. 3. Es (ist nicht richtig, daß ich die Aguda wegen ihrer Werbearbeit in liberalen und extremiiberalen Kreisen angegriffen hätte. Ich sagte vielmehr wortwörtlich: „Niemandem von uns kommt es in den Sinn, der Aguda das Recht zu bestreiten, ihre Gefolgschaft oder ihre finanziellen Förderer da zu suchen, wo sie sie zu finden hofft." Ich wandte mich lediglich gegen •die klare Tatsachen verschleiernde propagandistische Methode, die den Keren Hajischuw als das alleinige Instrument des religiösen Aufbau« hinstellt und jegliche andere Aufbauarbeit als. rassisch-völkisch abtut. Der viele Tausende von thoratreuen Arbeitern umfassende Hapoel Hamisrachi, der ausgezeichnete Kibbuz Rodges, die thoratreuen Siedlungen in -Giwat Chajim, Pardeß Chana und anderen Punkten des Landes, das stetig wachsende misrachistiscihe Schulwerk, das 6—7000 Schüler umfaßt, 'die vielen durch den Misrachi bewirkten religiösen Einrichtungen und Anstalten in zahlreichen Kolonien und Siedlungen, die vielfach mit Hilfe des Keren Oajessod geschaffen werden konnten, sind doch lebendige Zeugen der seit Jahrzehnten geleisteten religiösen Aufbauarbeit. 4. Ich nannte den Keren Hajischuw ein Instrument des separatistisch-orthodoxen Aufbauwerkes, weil die Aguda auch in Erez Israel idie Gemeinschaftsarbeit mit dem orthodoxen Teil des neuen Jischuw auf religiösem und kulturellem Gebiete ablehnt und selbst in Jerusalem die Schaffung einer Sondergemeinde und eines Sonderrabbinat® wünscht, obgleich das dortige Rabbinat <auis in 'der ganzen orthodoxen Welt anerkannten Thoragrößen besteht, und obgleich an. der Spitze dieses /Rabbinats bis vor wenigen Monaten der große Gaon und Zaddik stand, der nach seinem Tode zu unserer tiefen Genugtuung auch in mehreren Artikeln des „Israelit" nach Gebühr gewürdigt und verherrlicht wurde. Dies soll lediglich die Fest- 9) Midr. Tanch. 'a ">d '»nipru; s. a. Ssuk. 55 h avb V» Stellung einer Tatsache und keine Kritik an dem Prinzip und dem Verhalten 'der Aguda sein. Aber die Tatsache als solche rechtfertigte wohl die von mir gebrauchte Formulierung. 5. Die führenden Männer des (Misrachi sind sich einig in der Beurteilung der religiösen Situation in Erez Israel. Die in der dritten Sitzung des Luzerner Zionistenkongresses durch Raw Brodt labgegebene Erklärung hatte auch meine Zustimmung. Und die Ausführungen, die ich in der 15. Sitzung des Kongresses als einer der Leiter der Misrachi-Fraktion im Namen des gesamten Misrachi machte, hatten auch die Zustimmung von Raw Brodt und Raw Amiel. Wir alle sind unzufrieden mit dem bisher Erreichten und üben scharfe Kritik an den bestehenden Zuständen. Ist denn die Aguda mit dem zufrieden, was sie an religiösen Werten und Werken in Erez Israel schaffen konnte? Das gleiche gilt vom misrachistischen Schulwerk. Nicht nur Raw Amiel, auch ich habe wiederholt an dem Schulwerk Kritik geübt. Aber es ist etwas anderes, wenn Kritik geübt wird mit dem Ziel, noch vorhandene* Mängel zu beseitigen und dankenswerte Leistungen erheblich zu steigern, und es ist etwas anderes, wenn Kritik geübt wird mit dem Ziel, alle Leistungen und Erfolge zu bagatellisieren. 6. Es ist unrichtig, daß gegen den skandalösen Vorfallin Chedera kein offizieller Schritt erfolgt ist. Richtig ist es vielmehr, daß die Exekutive der Jewish Agency unverzüglich energisch eingriff und eine strenge Untersuchung durchführte. Richtig ist es ferner, daß der „Haschomer Hazair", bekanntlich die radikalste Gruppe der areligiösen Arbeiterschaft, die Erklärung abgab, daß er sich durch den Kongreßbeschluß bezüglich der Heiligung der Sabbate und Festtage für gebunden betrachte und alle Bemühungenansetzen werde, um eine völlige Arbeitsruhe auch in den Kibbuzim durchzuführen (vgl. die Monatsschrift „Hathed" vom Monat Marcheschwan und die „Jüdische Rundschau" vom 6. Dezember). Dem feierlichen Beschluß des Kongresses wird also auch im Kreise der radikalsten Arbeiter Geltung verschafft. 7. Als ich im Plenum des Kongresses meiner Befriedigung über den Am Artikel des „Israelit" angeführten Kongreßbeschluß Ausdruck verlieh, war auch schon ein festes Abkommen bezüglich der Innehaltung des Kaschrut in den öffentlichen Küchenbetrieben mit den Führern der Arbeitergruppen getroffen worden. 8. Gleich Raw Amiel denke auch ich nicht daran, die Aguda-Arbeit in Erez Israel zu bekämpfen. Im Gegenteil! In zahlreichen Vorträgen (in Frankfurt, Berlin, Leipzig) habe ich meine aufrichtige Befrde'digung über den Beschluß der Aguda ausgesprochen, mit der Hachscharah-Arbeit für Erez Israel und mit der kolonisatorischen Arbeit in Erez Israel zu beginnen. Ich wünsche dieser Arbeit vollen Erfolg. Ich wünsche aus ganzem Herzen, es möchten je mehr thoratreue Juden, insbesondere produktiv schaffende junge Menschen, nach Erez Israel kommen. Und ich wünsche aus ganzem Herzen, Aguda und Misrachi möchten, wenn schon nicht miteinander,, so doch friedlich nebeneinander für den Aufbau Erez Israels smj?n mnu iv wirken. Frankfurt a. M., den 12. Kislew 5696 Rabbiner Dr. Jakob Hoff mann. Unser Mitarbeiter bemerkt hierzu folgendes: Es ist außerordentlich erfreulich, daß Rabbiner Dr. Hoff mann jetzt Veranlassung findet, mitzuteilen, daß der Wortlaut seiner Rede im „ITA"-Bericht kurz und unvollständig war. Die Wiedergabe .dieses „ITA"- Berichtes ohne Kommentar, wie sie in einer Reihe jüdischer Zeitungen — z. B. im „Berliner Jüdischen Gemeindeblatt" — veröffentlicht wurde, hat jedenfalls bei dem Leser nicht den Eindruck erweckt, daß Herr Dr. Hoffmann, wie er es am Schluß ausführt, eine aufrichtige Befriedigung über die Tätigkeit der Agudas Jisroel in Palästina empfindet. Zur Sache selbst sei kurz folgendes ausgeführt: 1. Wenn man heute von« der „separatistischen Orthodoxie" spricht, so denkt man vor allem bei den Juden Deutschlands an die beiden führenden Persönlichkeiten Rabbiner Samson Raphael Hirsch ^"Si und Rabb. Esriel Hildesheimer V*sr. Organisatorisch traten das. Erbe dieser Großen die „Freie Vereinigung" und 'die „Agudas Jisroel" an. Wenn also Herr Dr. Hoffmann lt. „ITA"-Bericht behauptet«, diese separatistische Orthodoxie habe ihr Herz für Erez Jisroel erst jetzt entdeckt, so liegt es wohl im Rahmen einer Widerlegung dieser Behauptung, wenn nachgewiesen wird, daß z. B. für die Gründung von °) Ssanh. 98 a (T'hil. 95, 7 u. J'sch. 60, 22). Petach Tikwah starke befürwortende Aeußerungen eben dieser beiden Großen vorliegen, daß ferner die „Freie Vereinigung" für Erez Jisroel das geleistet hat, was nun einmal im Rahmen ihres Wirkungsgebietes liegt, nämlich die Schaffung von religiösen Schulen in Städten und Kolonien. Es geschah dieses zu einer Zeit, als es noch keine Aguda gab, aber es heißt doch ein Spiel mit Worten, wenn Herr Dr. Hoffmann jenen alten Jischuw, der noch heute dem Waad Leumi und der Kne^e« Jisroel fern bleibt, je nach Belieben der Aguda zurechnet oder ihm, wenn es sich um seine Leistungen handelt, mit den Worten abtut: „Was hat dieses mit der Arbeit der Agudas Jisroel zu schaffen?" Der „ITA"-Bericht spricht ja nicht von der Aguda, sondern von der sog. „separatistischen Orthodoxie". 2. Gewiß hat die Agudas Jisroel neben der Fülle ihrer Aufgaben in der Gola sich in- Erez Jisroel in erster Linie der Gründung von Schulen wie überhaupt den kulturellen Aufgaben zugewandt, weil sie gerade das in den Vordergrund ihrer Tätigkeit zu stellen sich verpflichtet 'fühlte, woran es in Erez Jisroel fehlte und wofür die breiten Massen der Orthodoxie gerade auf die Hilfe der Aguda angewiesen waren. Sie hat aber seit 1921 den Aufbau Palästinas und die Durchdringung des Wirtschaftslebens mit religiösem Geist auf ihr Programm geschrieben. Der versteckte Vorwurf, als ob sie e r s t ' j e t z t Erez Jisroel entdeckt hätte, trifft daher auf die Aguda nicht zu. 3, Es ist nicht behauptet worden, daß mit den zionistischen Fonds nicht au%a misrachistische Einrichtungen gefördert werden. „Keren Hajischuw" ist nicht die alleinige Stell weiche den religiösen Aufbau fördert, aber er ist die Stelle, welche nur den religiösen Aufbau und nicht auch einen antireligiösen unterstützt. Als im vorigen Jahre in der Kolonie „Herzlia" die Mehrheit der Eltern beschlossen hatte, eine unreligiöse Schule zu gründen, da durfte der Misrachi nach den Abmachungen, an die er gebunden war, dort keine Schule errichten, denn die Majorität war dagegen; der Misrachi mußte verzichten. Der „Keren Hajischuw" aber, der unabhängig war, konnte dann in „Herzlia" eine religiöse Schule gründen, die heute von 30 Kindern besucht wird. Hier ist ein Schulbeispiel für den Unterschied zwischen der religiösen Abteilung des Keren Hajessod und der Tätigkeit des „Keren Hajischuw". Letzterem ist nicht die Religion, sondern die Verletzung der Religion Privatsache, die aus privaten Mitteln bestritten werden mag, nicht aber aus öffentlichen. Hier liegt der prinzipielle Unterschied zwischen „Keren Hajischuw" und „Keren Hajessod". 4. Rabb. Dr. Hoffmann nennt den „Keren Hajischuw" darum separatistisch, weil die Aguda in Erez Jisroel eine Sondergemeinde wünsche und sich damit auch im Gegensatz zu dem Rabbinate von Rabbiner Kuk rsr gestellt habe, Es scheint Herrn Dr, Hoffmann nicht bekannt zu sein, daß es eine große Reihe von Nichtagudisten — darunter auch mehrere M i t g 1 i e d*e r des Kuk'schen Rabbinates selber — gibt, die aus dem Waad Leumi resp. derKneses Israel a u i» getreten sind. Diese Tatsache alleine dürfte schon genügen, um zu beweisen, wie wenig man die üblichen Schlagworte von Separatismus und Austrittsgemeinde auf die palästinensischen Verhältnisse anzuwenden vermag und wie unrichtig es ist, die Persönlichkeit von Raibbiner Kuk b'^st in die Debatte mit hineinzuziehen. Er selbst äußerte sich dem Schreiber dieser Zeilen gegenüber einmal dahin, daß er 'die Aguda für Erez Jisroel iür eine absolute Notwendigkeit halte. Da es hier zu weit fühlen würde, sei nur andeutungsweise erwähnt, daß dieselben Agudisten und Nichtagudisten, die der Kneses Israel nicht angehören, in einer ganzen Fülle von nichtreligiösen Angelegenheiten sich in keiner Weise von den offiziellen Instanzen separiert haben. 5. Die Kritik des Misrachi und die Kritik der Aguda unterscheiden sich nicht, wie Herr Dr. Hoffmann meint, darin, daß die Aguda etwa das Erreichte bagatellisiert und der Misrachi „dankenswerte Leistungen" erheblich zu steigern versucht, sie unterscheidet sich vielmehr darin, daß der Misrachi, nachdem er in Luzern zuerst seine Kritik ausgesprochen und auf das Unzulängliche der früheren Kongreß-Erklärungen hingewiesen hatte, damit zufrieden war, als wieder eine neue Erklärung kam; die Aguda hingegen von vornherein die Forderung aufstellte, als man sie ersuchte, in 'die Jewish Agency einzutreten, daß aus öffentlichen Mitteln der Agency weder im Schulwerk noch sonst Verletzungen der Religion gefördert werden. Als diese Erklärung nicht abgegeben wurde, im Gegenteil, diese Voraussetzung - verneint wurde, hat der weltrabbiniische Rat der Agudas Jisroel mit Bedauern die Teilnahme an der Jewish Agency ablehnen müseen, 6. Das Eingreifen der Jewish Agency bezüglich der Entweihung des Jomkippur in Chedera und die Erklärung des „Haschomer Hazair" haben nicht verhindern können, daß entgegen den „feierlichen Kongreßbeschlüssen" am Sabbat den 20. Cheschwan in Ranana .auf dem Boden des Keren Kajemeth wiederum durch die Arbeitergruppe Ginat Chaim mit Pferdegespannen der Boden gepflügt und besät