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Der Israelit · 1935-12-12 · Heft 50 (12.12.1935) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 50 (12.12.1935)
Date
1935-12-12
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Nr. 50 Der •Israelit 12. Dezember! '1935 Die Neuregelung der Auswandererfürsorge. Genf, 9. Dezember. Die vom Völkerbundsrat eingesetzte Expertenkommission für die Neuregelung der Auswandererfrage hat ihre Arbeiten i abgeschlossen. Das Ergebnis wurde in einem 30 Seiten umfassenden Bericht niedergelegt, der: nach der Tagung des Völkerbundsrates am 20. Januar veröffentlicht werden wird. lieber den Inhalt •des Berichtes der Kommission erfährt der Genfer ITA-Berichterstatter, daß ein Alternativvorschlag an den Völkerbundsrat ausgearbeitet wurde, demzufolge demnächst für die Auswanderer aus Deutschland eine besondere autonome Abteilung dem Nansenamt angegliedert werden und der künftige Präsident des Nansenamtes gleichzeitig auch als Oberkommissar für die Auswanderer aus Deutschland mit einem eigenen Oberkommissar geschaffen werden soll. Für diesen Alternativvorsohlag halben vier Mitglieder der Kommission gestimmt, das fünfte jedoch, der Italiener Senator de Michaelis, lehnte ihn ab und vertrat den Standpunkt, daß die Regelung" der Auswandererfürsorge ohne Schaffung eines neuen ständigen.. Völkerbündsamtes den. privaten philanthropischen Organisationen überlassen werde, Da die endgültige Entscheidung über diesen..Vorschlag, der erst im September 1936 ^zusammentretenden Völkerbunds Versammlung züstehtj beantragt die Expertenkomimission, für die1 Zeit vom Januar bis September ein provisorisches Amt mit einem eigenen Oberkommissar für/ Auswanderer aus Deutschland einzurichten. Dieser Oberkommissar soll die laufenden Angelegenheiten der Auswanderer aus Deutschland in der Zeit bis September 1936 unter technischer Mithilfe des Völkerbundssekretariates erledigen. Schließlich'wird in dem Bericht ein detaillierter Ueibetblick über die Lage der Juden in Deutschland gegeben, wobei die Notwendigkeit einer endgültigen Regelung und Liquidierung des Transferproblems hervorgehoben wird. , i Die Berufe der Juden in Deutschland. •Berlin, 10. Dezember. Im neuesten Heft der vom Statistischen Reichsamt herausgegebenen Zeitschrift „Wirtschaft und Statistik" befindet sich eine Untersuchung über „die Glaubensjuden im Deutschön Reich nach Staatsangehörigkeit, Gebürtigkeit, Alter und Beruf" auf Grund der Ergebnisse der Volkszählung von 1933. Aus der. Darstellung geht ,hervor, daß die Zahl der jüdischen Erwerbspersonen (einschl. der Erwerbslosen) sich auf 240.000. beläuft. Das ist knapp die Hälfte der jüdischen Bevölkerung überhaupt, ähnlich dem Anteil der Erwerbspersonen. innerhalb der Reichsbevölkerung. Von den jüdischen Erwerbspersonen waren 34.000 oder 14 Proz. erwerbslos. In der Wirtsöhaftsabteilung Land- und Forstwirtschaft waren am Stichtage, dem 16. Juni 1933, 4167 öder 1,7 v. H. tätig; in Industrie und ^Handwerk 55.655 öder 23, 1 Proz.; in Handel und Verkehr 147.314 oder 61,3 Proz.; in öffentlichen Diensten und bei privaten Dienstleistungen 29.974 oder 12,5 Proz.; in häuslichen Diensten standen 3377 oder t,4 Proz. Für die Gesamtbevölkerung des Reiches sind die entsprechenden relativen Zahlen in den angeführten Wirtschaftsabteilungen 28,9 Proz,, 40,4 Proz., 18,4 Proz., 8,4 Proz. und 3,9 Proz. Auf den Warenhandel entfallen 114.659 :oder 47.7 Proz. aller jüdischen Erwerbspersonen. .Als Rechtsanwälte und Notare^ waren 3030 jüdische Personen oder 16,25 Proz. sämtlicher Erwerbspersonen des Reiches . in diesem Berufe. 555 / Aerzte gab es oder 10,88 'Proz. aller/ Als 'Reisende, Vertreter und Agenten verdienten: 24,386 Personen ihr Brot. Als kaüfmännische Büroangestellte 30.167, als Verkäufer 12.835. In der Kürschnerei waren . 1198 . Personen tätig, von denen fast 73 Proz. zugewandert waren; jüber 50 Proz. betrug auch der Anteil der Zugewanderten bei den jüdischen Heimarbeitern, den ^Optikern und Uhrmachern und Hut- und Mützenmachern, bei den Schneidern und Nähern erreichte er 48 Proz. Von 1C0 jüdischen Erwerbspersonen waren 40 selbständig, bei der Reichsbevölkerung dagegen nur 16. 1933 gab es 434 Rabbiner, von denen 28.8 Proz. zugewandert sind. Die Juden im Polizeirecht. Berlin, 3. Dezember.!•' Der „VölkischeBeobachter" berichtet von einenjj! Aufsatz Iii der .Zeitschrift des Kaineräd'- schaftsbuhdes der Deutschen Polizeibeamten, „Der Deutsche Polizeibeamte", der sieh mit der Auslegung und Anwendung des allgemeinen Polizeirechts im Geiste nationalsozialistischer Weltanschauung befaßt.. In dem gegenwärtig in Preußen geltenden PoMzeiverwaUungsgesetzvom 1. Juni 1931, das bisher noch lüc^t ■a^fehöfoen ist, demnächst; aber, durch ein ätt;j*emeii^^^ "zen Reich!geHenijjiesvP^ .gelöst w^rjden! sjölI^jistijieme^B^ .ten, der^:|f$Herr;!als " ,\KsLU^sch^k^^0^P^'.} %^ ■zeichnete § '114'/ der. 4er P^H^er.<d^}|jRepht JJiwzur Arowehr1 von Gefahren^ ät$&,we: '■die'-ö^etj^ri liehe Sicherheit und Ordnung bedroht wird, die nach pflichtmäßigem Ermessen notwendigen Maßnahmen zu ergreifen. In dem im übrigen Deutschland geltenden Polizeireoht findet sich eine entsprechende Bestimmung,^ , i!i Es werden sodann!i^; einzelnen Beispiele dafür gegeben und: erwäh^tjiidaß durch den angeführten Paragraphen _<#$lj?ölizei die Möglichkeit habe, im Sinne d.es natiionialsozialistisohen Gedankengutes sämtliche!bisher hervorgetretenen sittlichen, moralischten und ethischen. Verfallserr ischeinungen und; '■ Verirrungen zu verhindern. So list z. B. das Zusammenleben arischer Volksgenossen mit Juden oder Angehörigen farbiger 'Rassen ein Verstoß gegen die Reinheit und Ge- :- 1 ';' .:' ■ :- Iii : . .!;;in. sundheit der arischen Rasse und gegen das allgemeine völkische Empfinden, somit als ein Verstoß gegen die öffentliche Ordnung polizeiwidrig! Wenn ein arisches Mädchen mit einem Juden in einem öffentlichen Lokal zusammen sitzt, so ist dies ein Verstoß gegen das völkische Empfinden und gegen die öffentliche Ordnung! Unanständi-. ges Tanzen deutscher Frauen in öffentlichen Lokalen mit Negern oder Juden ist ein Verstoß gegen die Rassenlehre |und| ber/echtigt, die Polizei zum Einsi±reiten..!Aju;c|i bleim!v erkauf deutschen Gründl* esHtz es;i an Judlen ^duirch arische 'Reichs* ■ angehd^ellkanrijjdie Polizei eingreifen, wenn'der Grundbesitz' als ein Wesentlicher. jTeil des deutschen VölksYermög'eri's'' den p'riviateri Beterigenü ^eigennütziger .Jüdischer. Spekulanten ausgeliefert /■werdet s'öll! ' '[ -; i'.j Heute allerdings richten sich die gemäß § 14 nach pflichtmäßigem Ermessen betreffenden Maßnahmen nicht mehr mach der persönlichen Meij nunig des Polizqibeanxtenj nsondern entscheidend ■ für..! das: Ermessen sind die nationalsoizialistische Weltanschauung und, ihre Grundgedanken.. Es liege im Bereich dieses Ermessens, so heißt es weiter, daß Arier vor Juden bevorzugt behandelt werden müssen. Wenn das kommende Reiichspolizeiverwaltunigsgesetz auch nicht für jeden die- •'|ser angeführten oder ähnlicher Fälle genaue Bestimmungen paragrapheninäßig festlegen wird, so werde es doch diesen großen Richtlinien, die sich aus der natiönalsozialisfisohen ."V^eltan-, schaumig, ergeben, gerecht wenden. Wer Lohnsleuer xietMt, muss die Jüdische Winterhilfe bedenken! Die Agudaliste Tel Awiw. in Bei jden St a d t r a t s w a h 1 e n / i n T e 1: A wi w' ist;-die dortige Ä g u:d i s' -J i sr o e 1 gemeinsam mit den Poale A'gu d as;J i s r o e 1. mat! einer eigenen Kandidatenliste in den Wahlkampf eingetreten. Spitzenkandidat ist Herr- Pinchas Schapiro. Wasser in Jerusalem. - Jerusalem, 9. Dezember. . JSfach mehrmonatiger Yer zögerung ist die: neue Jerusalemer Wasserleitung;, i n B e t rieb gesetzt w o r d e n. Das erste Wasser aus Ras el Ain traf in Jerusalem am Sonnabend um 17.45 Uhr ein. Da die neue Röhrenleitung noch nicht fertiggestellt ist,, wird das, Wasser vorläufig aus dem R ö m e m a - R e s e rvoir durch die alte Röhrenleitung nach Jerusalem geführt. Es wird erwartet, däß durch die neue Wasserleitung die dauernde Gefahr des- Wassermangels in Jerusalem-beseitigt werden wird. Im vergangenen Monat mußte der Wasserverbrauch in Jerusalem von 730.000 auf 600.000; Gallonen täglich herabgesetzt werden. Nur einmal wöchentlich wurde Wasser abgegeben. Bombenanschlag in Polnisch-Oberschlesien. ■ Wia r s: c h a Ü , 9. Dezember. '..; '•. : , .. ■ Am 9. Dezember wurden in Kattowitz" und. Umgebung mehrere Bombenanschläge, gegen jüdische Häuser verübt. Im Hof der- K.a11 owitzer Synagoge explodierten zwei Sprengkörper, wodurch das Tor der Synagogeschwer beschädigt wurde, In dem Städtchen L i p i n y explodierte eine Bombe in dem Hause des jüdischen Kaufmanns Schell. Sämtliche Fenster wurden zertrümmert; Menschenleben sind nicht zu beklagen. Eine zweite Bombe im Hause-des jüdischen Kaufmanns Fleischer konnte rechtzeitig unschädlich gemächt werden. In dem Städtchen Hrobaczow wurde in den Laden des jüdischen Kaufmanns, Laub eine Bombe; .geworfen. Der Inhaber des Ladens wurde verwüädet;. Ein weiterer Sprengkörper explodierte im Lagerraum des Kaufmanns Steinitz. Außerordentliche Not verlangt außerordentliche Notstandsmaßnahmen. N e täiS.b'Yk ^CiDeißniber, i?:'; { |; |;>;= v; Das Joint Distribution f^öm(m^t^ j;:itatte. für Sonntag, den ,i. DezemberV'l^'^udiscK-ämerikanische.Fuh^ef. zu eM'er außerordentlichen Tagung f nach Clitoagd'eihibefufen, Bei Idle'r^über ibesondere Maßnähmen än^esichts der schweren Notläge großer Teüe-der europäischen Judenheit gesprochen wurde. Der Ehrenpräsident des Joint, Felix M. Warburg, und der Präsident Paul Baerwald stellen in einer; Erklärung fest, daß „Probleme von so schwe^r und tragischer. Bedeutung,, die die Juden in der ganzen ^elt berühren, so schnell und in so^vielen Ländern aufgetaucht: sind, -daß der JjOint das .Bedürfnis hatte, den Rat vieler Mander! zur -^ehändluiig^ dieser Probleme zti' hören." : Inleiriem gleidi^itigf*.y^offg.ntlichterii' Bericht •wird mitgeteilt, daß diese Organisation vom Frübjahi l;9!33 bis September 1935 1,654.500 Dollar Jür Hilifszwecke. , in Mittel- und Osteuropa ausgegeben hat. _ -:.;,,!

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