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Der Israelit · 1935-10-10 · Heft 41-42 (10.10.1935) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 41-42 (10.10.1935)
Date
1935-10-10
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 14 Nr. 41/42 Der Israelit 10. Oktober 1935 zig Jahre im besten Sinne des Wortes zur Seite gestanden hatte. Vor ihrem Tode bat sie ihn, ihr einen würdigen Denkstein zu setzen, da sie 'kinderlos sterben müsse. Er versprach es. Wußte er doch seit Jahren, was er in diesem Falle zu tun habe, genau so wie er in seinem Testamente Verfügungen getroffen hatte für den Fall, daß ihn seine Frau überleben sollte. Und gleich nach der Schiwa ging er ans Werk. Vor allem stellte er eine genaue Schätzung seines Vermögens auf. Er besaß etwas über fünf Millionen Dollar. Nachher legte er es sich zurecht, wie er es anstellen müsse, damit sein Ge schäft noch auf der Höhe bleibe, wenn er ihm die Hälfte seines Vermögens entziehe, Dies ge lang ihm in befriedigender Weise. Bis Mitte Januar 1935 hatte er alles geord net, um ohne Schaden sein Geschäft für einige Monate verlassen zu können, Daraufhin fuhr er nach Palästina. Tränen standen ihm in den Augen, als er vom Schiffe aus das Land erblickte, in dem er seiner verstorbenen Frau ein Denkmal setzen wollte, In Tel Awiw hielt er sich einige Tage auf, besuchte die benachbarten Moscha woth, fand jedoch nicht, was er suchte. Hierauf fuhr er mit dem Autobus nach Jerusalem. In jiddischer Sprache mit stark amerikanischem Akzent frug er einen Mitreisenden über Land und Leute aus. Er erfuhr von einem Vereine, der nahezu vierhundert Mitglieder zählte. Vor fünfzehn Jahren habe dieser Verein im Westen von Jerusalem fünfhundert Dunam Baden gekauft, diesen unter die Vereinsmitglieder verteilt und bisher seien dort bei sechzig Häuser erbaut worden. Auch er, der Sprecher, Dr. R., sei Besitzer eines solchen Hauses, zugleich Vorstandsmitglied des Vereins. Der Verein bemühe sich,.. einen Gönner zu finden, der ihm weitere Baukredite., gewähre, und aus den Eingängen derselben könnten im Laufe von dreizehn Jahren alle Mitglieder ihren Baukredit erhalten. Jerusalem wäre dann um eine schöne große jüdische Vorstadt reicher. Als Gegenleistung an den Gönner wolle man die Vorstadt nach diesem benennen und auch die Straßen und öffentlichen Plätze seinem Wunsche entsprechend mit Namen versehen. Jerusalemski horchte auf. Das war gerade, was er suchte. Als erfahrener Kaufmann ließ er jedoch nichts von seiner inneren Erregung merken und frug nur nebenbei, welche Summe für -hundert Baukredite nötig sei. „Fünfzigtaaisend Pfund" erhielt er zur Antwort. Sie gingen daraufhin auf andere Dinge über. Nach weiteren Erkundigungen besuchte Jerusalemski noch am selben Nachmittag die Vorstadt und Dr. R. Dieser führte ihn auf den Wasserturm, von wo aus Jerusalemski eine - selten schöne- Aussicht genoß. Im Westen sah er das Mittelländische Meer, im Süden den schönen Herodesberg, im Osten die Berge jenseits des Toten Meeres und im Norden Mizpe mit dem Nebi Samuel-Turm. Jerusalem repräsentierte sich ihm im weiten Bogen zwischen Beth Lechem und Moza. Sehr malerisch gelegen waren die jüdischen Vorstädte Jefe Nof, Beth hakerem, Kirjath Mosche, Giwath Schaul und Romema, die die Verbindung zwischen Bajith wegan und dem jüdischen Jerusalem bilden. Deutlich waren Rechawia, Talpioth, Mekor Chajim, das christliche Katamon und das arabische Malcha zu sehen. Die schönste Aussicht jedoch bot der Teil gegen En Karem, wo am Horizont die Sonne ins Mittelländische Meer tauchte. R. ging nachher mit seinem Gaste durch die ganze Vorstadt, (klärte ihn über die verschiedenen Einzelheiten auf und brachte ihn erst nach einigen Stunden in sein Haus. Nun erzählte Jerusalemski, weswegen er nach Palästina gekommen war. Das Viertel gefalle ihm und er glaube, hier seiner verstorbenen Gattin ein würdiges Denkmal setzen zu können. R. konnte seine freudige Erregung nicht unterdrücken und versprach Jerusalemski, sich ganz der Entwicklung und Pflege von Sichrön Esther zu widmen. 1 Am nächsten Morgen übergab Jerusalemski Dr. R. die nötigen Vollmachten. iR. war von der Größe der Summe überrascht, Ebenso überraschte es ihn, daß Jerusalemski ihn zu seinem einzigen Bevollmächtigten ernannte und nicht, wie es in Palästina Sitte ist, ihm ein Kuratorium zur Seite stellte. Jerusalemski wieder kam sich wie Abrahams Knecht vor, dem G'tt den richtigen Weg zeigte. Er benützte die nächste Gelegenheit, nach Omaha zurückzukehren. R. ließ zunächst über seine Pläne und die ihm zur Verfügung stehenden Mittel nichts merken. Da auch sein Gast nur mit ihm über diese Angelegenheit gesprochen hatte, konnte er alle Vorbereitungen treffen, ohne von den Zeitungen oder irgendwem gestört zu werden. Mit dem Kapital war es ihm möglich, nicht nur seine früheren Pläne in größerem Maßstabe und schnellerem Tempo zur Ausführung zu bringen, sondern auch ein Neü-Jerusalem zu errichten, auf das das Judentum mit Recht stolz sein konnte* Sichron Esther wollte er auf einer Fläche von siebentausend Häusern versehen, in denen mindestens sechzigtausend Juden gesunde, gute billige Wohnungen haben sollten. Von den siebentausendfünfhundert Dunaan befanden sich bereits 2weitausend in jüdischen Händen. Der Rest mußte aus arabischen Händen erworben und in Parzellen aufgeteilt werden. Er wußte auch, welche Teile er zu wählen 'habe. Kam man von Jerusalem nach En Karem, so lag die Vorstadt links auf dem Kamm und Abhang eines lang gestreckten Berges, Jerusalem gegenüber. Zwischen diesem Berge und der Stadt lag ein fast unbewohntes Stück Land von ca. vier Quadratkilometern, Hügel und Täler, abwechselnd. Das mußte er aufkaufen, damit die Verbindung mit der Stadt längs Bajith wegen restlos hergestellt werde. Nebenbei konnte auf diese Weise Newe Schaanan in Sichron Esther einbezogen werden. Mit Hilfe von günstigen Baukrediten hoffte er auch Giwath Schaul und Jefe Nof für seinen Plan zu gewinnen. Das drei Schechunoth verbindende Terrain wollte er erwerben, ebenso den Hügel, der rechts von der En Keremstraße die Fortsetzung von Bajith wegan bildet. Er war sich dessen bewußt, daß der schwierigste Teil seines Planes die Erwerbung des Bodens sei. Nach Abschluß der Käufe begann er mit den Parzellierungsarbeiten. Die Waadim stimmten gerne zu, ihren Schechunoth den gemeinsamen Namen SieIiron Esther zu geben, nachdem sie hörten, welche Menge von günstigen Baukrediten sie als Ersatz dafür erhalten. R. führte alles seinem Plane gemäß durch. Jerusalemski arbeitete nach seiner Palästinareise mit erneutem Eifer an dem Gedeihen seines Geschäftes. Er hatte Erfolg und nach sechs Jahren angestrengter Tätigkeit konnte er dasselbe einer Genossenschaft verkaufen und nach Palästina auswandern. Von R. erhielt er von Zeit zu Zeit genaue Berichte über die Fortschritte von Sichron Esther und immer stärker wünschte er seinen ständigen Wohnsitz dorthin zu verlegen. Auch wollte er noch bei Lebzeiten sich selbst ein ähnliches Denkmal errichten. Ein direkter Dampfer brachte ihn nach Chaifa. Auf die Frage des Nahag im Hafen, wohin er ihn führen solle, nannte er unwillkürlich Sichron Esther. Wie verwundert war er jedoch, als der Nahag diese Angabe ganz natürlich fand und sofort das Auto in Bewegungsetzte. Sie fuhren auf einer gut asphaltierten Straße über Atlith, Chedera, Emek Chefer, Netaanja und Herzlia nach Tel Awiw und von dort auf dem Jerusalemski bereits bekannten Wege nach Jerusalem. Beim Passieren einer Anhöhe fünfzehn Kilometer vor der Hauptstadt bemerkte Jerusalemski ein ihm ganz neues schönes Villenviertel auf dem Berge gegenüber. Der Nahag belehrte ihn, daß dieses zu Sichron Esther gehöre und einige Minuten später fuhr das Auto auf einem zwanzig Meter breiten kunstvollen Serpentinenweg durch dieses Viertel. (Schluß folgt.) Bemerkung zu einer KohelethstelleV Von Rabbiner Dr, M, Weinberg in RegenSburg, „Und so sah ich schlechte Menschen, wie sie begraben wurden und (zu ihrem Zielejl eingingen. Und man geht vom heiligen Ort, und sie sind vergessen in der Stadt^ daß sie so gehandelt haben usw," Diese Stelle hat zahllose Auslegungen erhalten; doch keine, die voll befriedigen konnte und ungezwungen dem Text gerecht zu werden scheint. Was ist vor allem »llp öij?»? Der Sinn des ■ Satzes ist jedenfalls in erster Linie der, daß die Schlechten sofort nach ihrem Begräbnis der Vergessenheit anheimfallen. Ich gestatte mir, in folgendem eine neue . Erklärung zu versuchen. Vorausschicken möchte ich, daß ira ganzen T'nach keine Bezeichnung für Friedhof (Begräbnisstätte) zu finden ist. Heutzutage ist bei uns überall der Name „guter Ort" gebräuchlich. Man möchte mit dieser euphemistischen Benennung dem Bedrückenden, das mit .der Erinnerung an die Begräbnisstätte für die meisten Menschen verbunden ist, eine fromme Weihe geben und das Bittere ihres Zweckes dadurch mildern. Sollten in alter Zeit, hier zur Zeit Salomos, nicht ähnliche Erwägungen geherrscht haben? Es ist nach unserer Stelle recht wohl zu vermuten, daß für „Friedhof" damals die Bezeichnung „heiliger Ort" bestand. So bekommt unsere Stelle einen klaren, einfachen und ganz natürlichen Sinn. Wir schicken voraus, daß Kl im Gegensatz zu allen anderen Worten der Bewegung stets die Bedeutung hat ,,an das Ziel kommen oder in das Ziel eintreten." nWie hier IRW» so finden wir genau so von der Sonne in Koheleß selbst (Kap. I, Vers 5) und in Wajikrp (Kap. XXII, V. 7) den Ausdruck sai/ „sie geht unter, steigt in ihr Grab," hat ihr Lebenswerk für heute vollbracht." Der Sinn ist demnach: Ich sah schlechte Menschen, die begraben wurden, und in ihr Ziel eingingen. Und man kam vom Friedhof (nach Hause), und sie waren in der Stadt schon vergessen, mit allen ihren Werken. In ihrem Leben mögen sie es vielleicht verstanden haben, mit nichtswürdigen Mitteln eine Rolle jzu spielen. Aber im Tode? Sie werden begraben und kein Mensch redet mehr von ihnen, sie sind vergessen! Man erweist ihnen wohl die letzte Liebespflicht und geleitet sie, die im Ebenbilde G'.ttes geschaffen, zu Grabe. Ihre Erinnerung ist ausgetilgt in der Stadt, in der sie so verwerflich gewirkt haben. Es würde hier etwa der Gedanke osn apT> tpysn, der Name der Schlechten verfault" wiederkehren. Wir möchten hier noch daran erinnern, daß seit alters bis heute das (jüdische Krankenhaus oder Spital den Namen vnpn ^.Heiligtum" führt, wodurch man also auch euphemistisch der eigentlichen Bezeichnung, wie oben bei dem heiligen Ort Fridehof, auswich. Die letzten Worte des Verses „Auch das ist nichts (Van)» besagen demnach, daß Koheleth bei seinem Bemühen, zu ergründen, welche Lebensführung für den Menschen die begehrenswerteste sei, zur Erkenntnis gekommen ist, daß das (Hinwegsetzen über Recht und Pflicht sicher nicht die richtige .ist. Der Schlechte (yen) will sich zur Geltung bringen und sich über andere Personen emporheben, indem er sich in seinen Handlungen nicht beeinflussen läßt von sittlichen Hemmungen. Mag sein, daß er bei Lebzeiten gelegentliche Erfolge dadurch erzielt. Seinen Namen hat er aber nicht verewigt, wie er vielleicht gedacht hat. Er stirbt, und ist vergessen, spurlos ausgetilgt aus der Erinnerung der Nachwelt. Auch damit ist es also nichts. Esrogim-Mangel in alter Zeit In dem mir vorliegenden Memorbuch der Gemeinde G i e b e 1 s t a d t in Unterfranken (hier aus dem Hebräischen übersetzt) berichtet ein Chronist! „Zur Erinnerung! Im Jahre 571 der kleinen Zeitrechnung (d. i. 1810)i.hat die hiesige Gemeinde ihr Esrog, das einzige am Ort, für 20 Gulden rheinisch kaufen müssen. Die beiden Gemeinden Geroldshausen und Kirchheim kauften eines gemeinsam für zwei Karlin, ebenso Allersheim und Bütthart. Solche Esrogim wurden in wohlfeilen Zeiten leicht für 24 Kreuzer (= 72 Rpf.) gekauft. Vorbeter Lämmle b. Mhhr Benjamin." Was der Grund der Teuerung gewesen, -wird nicht angegeben. Möglich, daß politische Hinderungsgründe in der damaligen Napoleonis'chen Zeit die Einfuhr erschwerten. 20 Gulden sind etwa 36 RM., was unter Berücksichtigung der heute um das (Mehrfache geschwundenen Kaufkraft des Geldes jetzt nahezu 100 RM. bedeuten würde. W.

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