Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1935-10-10 · Heft 41-42 (10.10.1935) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 41-42 (10.10.1935)
Date
1935-10-10
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2450858-2450898--81617-2539521
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

Seite 12 Nr. 41/42 Der Israelit 10. Oktober 1935 Die Frankfurter Woche, Eine Trauer- und Feierstunde auf dem Friedhofe der Israelitischen ReligionSgeSellschafi am Erew Jomkippur. Die Weihe der Stunde wie dreifache Trauer hielten eine überaus große. Trauergemeinde am Sonntag vormittag, dem Rüstetage zu Jomkippur, in der Friedhofshalle der I. R. G. beisammen. Galt es doch, letzten Abschied zu nehmen -von drei geachteten Mitgliedern unserer Gemeinde, die an diesem Tage zur gleichen Stunde zur letzten Ruhe kamen: Ludwig G o r d o n , Max Wölpe und Heinrich Kahn. Trauerreden mußten mit Rücksicht auf das nahende Fest unterbleiben und es wirkte fast versöhnend der Gedanke, daß drei Freunde zum heiligen Tage in die ewige Ruhe einkehrten, um für die Ihren, ihre Gemeinde und Gemeinschaft nn^oi n^n» zu bewirken. Ludwig G o r d o n genoß infolge seiner tiefen schlichten Frömmigkeit, nicht zuletzt aber auch wegen seiner strikten Gradheit und vornehmen, liebenswürdigen Art, mit Menschen umzugehen, allgemeine Achtung und Beliebtheit, In guten wie in kritischen Tagen hatte ihn nie das G'ttvertrauen verlassen. Viel zu früh wurde er den Seinen und dem Kreise der Freunde entrissen. Max Wölpe, der seinem Schwager zur gleichen Stunde in die Ewigkeit folgte, war ein Mann von Welt und Wissen. Auf seinen weiten Reisen hatte er seinem Judentum und den Gesetzen der Religion Opfer zu bringen, und er brachte sie in Liebe und Gewissenhaftigkeit. Sein stilles bescheidenes Wesen ließ ihn nie in die Öffentlichkeit dringen. Die ihm nahestanden wissen aber, daß sie für gute Zwecke bei ihm stets offenes Herz und offene Hand fanden. Mit Heinrich Kahn verliert unsere Gemeinde einen ihrer treuesten Freunde und Förderer. Als langjähriger Oekonom der Kehilla waltete er mit einer Genauigkeit, Korrektheit und einer Aufopferung ohnegleichen seines Amtes und löste die ihm aufgetragenen Aufgaben in einer Weise, 'dieihm; sin, ewiges Andenken in der Geschichte der Gemeinde sichert. Ein mw am«, der die Thora liebte, um sie im Leben zu betätigen, versäumte Kahn kaum einen Vortrag oder einen Schiur, von dem er «ich Bereicherung seines jüdischen Wissens versprach. Möge das rvoi der Heimgegangehen uns beistehen. •rraxah Verein Mekor Chajim. Wir veröffentlichen an. anderer Stelle unser JittD- Programm und erwarten rege Beteiligung. Wie im Vorjahre, wird das x&vm-Lernen im Vereinslokal, abgehalten, und zwar wird ein Kostenbeitrag nicht erhoben. In Ermangelung einer Sukkoh wird lediglich Kaffee verabreicht. Gäste willkommen! Am min nna» findet, wie alljährlich," im Vereins^ lokal ein naatfn G'ttesdienst statt, der um 6 Uhr beginnt. Es ist vorgesehen, alle Teilnehmer, aufzurufen« Publikationen der Palästina-Zentrale . der Agudas Jisroel. -Neben dem Jüdischen Notizkalender und "dem „Elternsegen", die hier schon besprochen wunden, versendet die Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel Mitteilungen und Informationen über die Palästinaarbeit in Erez Israel. Es soll zum Zwecke der Information vierzehntägig ein Bericht unter dem Titel „Informationsblätter des Keren Hajischuw" herausgegeben werden. , Ein anmutiges illustriertes Heftchen unter dem Titel und der Losung „Schafft unserer Jugend neuen Raum!" gibt Auskunft über Wesen und Wirken des Keren Hajischuw, des Noar A g ud a t i und insbesondere über die Entwicklung des Kibbuz Chofez Chajim in Gedera, der von sechs Dunam und sieben Ghaluzim im Jahre 1933 heute auf 60 Dunam mit 53 Chaluizim angewachsen ist, Der Kibbuz Noar A g u d a t i in Kfar Saba, der 1934 nur 10 Dunam besaß, hat heute 26 'Dunam und zählt 36 Chaluzim. Die Bilder zeigen frohe Jugend auf eigener Erde. Auf „eigener Erde" auch imanderen und höheren Sinne, denn auch die geistige Arbeit ist, wie ein kurzer Bericht mit Zahlen und Daten belegen kann, in vollem Schwünge, Ein Bild zeigt sehr anschaulich die orthodoxen Poalim beim Aufbau, ein anderes die Zelte und Baracken der Kibbuzim, Auch die HachscJiara-Arbeit in der Golah wird hier in Wort und Bild deutlich gezeigt. Eine kleine karthographische Zeichnung zeigt uns den Platz der thoratreuen Keimzellen innerhalb des Jischuw. Das schöne Heftchen (hergesteilt im Hermon- Verlag, Frankfurt a. M.) sollte in der Hand keines jungen Menschen fehlen, der sich für Erez Israel vorbereitet, und erst recht nicht in der Hand eines Juden, der den thoratreuen Aufbau in Erz Israel mit Herz und Hand zu fördern gedenkt. Es ist zu beziehen in der Palästinazentrale der Agudas Jisroel,* Sehwanenstr. 12. Abschied eines Frankfurter Künstlers. Der bekannte Frankfurter Baritonist Ernst W o 1 f f wurde von Prof. Max Reinhardt an die Manhattan Opera New York verpflichtet. Kurz vor -seiner Abreise verabschiedet er sich Donnerstag, den 17. Oktober, 20 Uhr, Vereinshaus Eschersheimerlänidstr;" 27, ineinem Lieder-, Arien- und Duetten-Abend zusammen mit Paula Lindberg (Berlin). ■ . Judem in Hessen und Baden. Die „Hessische Landeszeitung" in Darmstadt veröffentlicht einen längeren Aufsatz, in dem Angaben über den Anteil der jüdischen Bevölkerung in Hessen gemacht werden. Durch die 17,888 Juden, die bei der letzten Volkszählung im Jahre 1933 im Lande Hessen ermittelt worden sind, macht der jüdische Anteil an der Gesamtbevölkerung 1,3 Proz. aus.* Er ist damit unter dea-;deutsch.en. Ländern, nächst Hamburg, am höchsten. Die meisten Juden jim Lände jHessen wohnen inder Provinz Starkehburg (7Ö03)J In den sieben Ki-eisen dieser Provinz betrug die Zahl der Juden ajri!Tage der Volkszählung:;in^ Offenbach 2263, Darmstadt 1907, Dieburg 717, Groß-Gerau '629, Bensheim 589, Erbach 530 und Heppenheim 368. In Darmstadt und Offenbaeh waren von je 100 Einwohnern 1,2 Juden, in Erbach 1,1, in Dieburg 1,0, in. Groß-Gerau 0,9, Bensheim 0,7- und Heppenheim 0,6. Von den 7003 Juden der Provinz Starkenburg lebten 3356 oder 47,9 Proz. in den sieben Stadt--und Landgemeinden von mehr als 10,000 Einwohnern; und zwar in der Stadt Offenibach 1435, in Darmstadt 1427, in Bensheim 160, in Neu-Isenburg 133, in Lampertheim 85, in Vierenheim 69 und in Rüsselsheim 47. In der Stadt . Offenbach sind von je^lQO Einwohnern 1,8 Juden, in Darmstadt und Bensheim 1,5, in Neu-Isenburg 1,0, in Lampertheim, und Vierenheim 0,6 und in Rüsselsheim 0,4, Das „Hakenkreuzbanner" in Mannheim veröffentlicht eine statistische Untersuchung über den jüdi-r sehen Ante iL der-Bevölkerung in Baden, Aus ihr ist ZU entnehmen, .daß der Bezirk Mannheim 10.128 Juden oder 1,4 Proz, der Bevölkerung zählte, während am Tage der letzten Volkszählung der jüdische Anteil im Landesbezirk Karlsruhe 0,8 Proz. und im Bezirk Freiburg 0,6 ProizTbetragen hat. Von: den größeren Verwaltungsbezirken, des Reiches haben demgegenüber die hessische Provinz Oberhessenv 1,5 Proz., die prußische Provinz Hessen-Nassau 1,8 Proz. und der Regierungsbezirk Wiesbaden 2,3 Proz.,. jüdische Bevölkerung gehabt. Im Amtsbezirk Mannheim wohnten im 16. Juni 1933 6725 Juden oder 66,4 Proz. des Landesbezirks Mannheim. In der Stadt Mannheim selbst lebten 6402 Juden oder 2,3 Proz. der Einwohner, in der Stadt Heidelberg 1102 oder 1,3 Proz., in Weinheim 168 oder 0,9 Proz. und in ' Schwetzingen 79 oder 0,8 Proz. Dr. Heinrich. Speyer, ^."j. Im Alter von nur 38 Jahren starb hier plötzlich Dr. Heinrich Speyer. Dr. Speyer, ein Frankfurter Kind, wirkte seit 1933 am Jüd'sch-theologischen Seminar in Breslau, wo er neben Hebräisch die arabische Sprache und Literatur ,lehrte. Früher war er am Breslauer Jüdischen Reformgymnasium tätig, zuletzt als stellvertretender Direktor. Der plötzliche Tod des vielversprechenden jungen Gelehrten löst allgemeine Trauer aus. Eine eingehende Würdigung erfolgt in der nächsten Nummer. rraxsn Familien-Nachrichten. .Geburten: Ein Sohn, Siegfried Gans und Frau Leonie geb. Hof mann, Ffm., Zeil "21, "iiS5 nr>. Barmizwoh : Salo, Sohn des Herrn Max Korn, Ffm., Weiherstr. 6. 'rws-Q naw, 26. 10,, Synagoge Dominikanerplatz. — Leopold, Sohn des Herrn Julius Weil, Jerusalera-Re'chaviah, 'Rechov Saadjah Hagaon Bejt Dr. Oppenheimen mnw. 2. 11. Silberne Hochzeit: Gabriel Eschwege und Frau geb. Michel, Fulda, Buseckstr. 3, 22. 10, „Hameaged*)" Zwei Anschauungen über die Methode einer Verwirklichung der Thora haben zwei Strömungen im gesetzestreuen Lager entstehen lasseh, welche teils unbewußt um die Vorherrschaft kämpfen. Wenn auch — „elu weelu diwre elokim chajim" — vom religiös-ethischen Standpunkt aus dieser Zwiespalt nicht zu bedauern ist, so hemmt doch die Unentschiedenheit so. sehr den Fortschritt der Orthodoxie nach innen und außen, daß es höchste Zeit zu sein scheint, daß endlich eine der beiden Anschauungen sich durchsetzt, um einer Fortentwicklung des Agudismus nunmehr den Weg zu ebnen und nicht einer orthodoxen Anarchie zuzutreiben, Die eine Bewegung will durch Vertaner» lichung und Vertiefung, durch Mahnung und Lehre über Selbsterziehung nach außen wirken. Die andere glaubt durch das Aufrollen eines politischen Paniers nach außen, durch Heraussetzung weitgesteckter Ziele, den Einzelnen zur Arbeit an sich selbst anzueifern. Beide verfolgen dieselben Ziele: Heranziehung der Taurohpersönlichkeit im eigenen Kreise und Arewutherfüllung gegenüber dem Fernstehenden. Die Verschiedenheit der Wege und die allmähliche Verschanzung beider Richtungen zum Stellungskrieg geben zur Besorgnis Anlaß. . - ' Das aufgezeigte Problem auf anderer Ebene tritt als Kernfrage in der Diskussion des agudistischen Jugendbundes auf, dessen eine Richtung in der letzten Nummer des „Hameaged" zu Wort kommt. In überaus ansprechender Form gibt Abraham W o l f einen Bericht über das Blankeneser Ferienheim, Die Besprechung des Tenachproblems herrscht vor, , In ernster und Achtung abringender Weise muß hier die Methodik des Tenacherarbeitens zur Sprache gekorh- \ men Sein, Zahlreiche Tenachschiurim erbrachtenden; *) „Hameaged", Tischri 5696, herausgegeben von j Julius Rosner in Zusammenarbeit mit R. Ahrend..;und j R, Oppenheimer. Beweis für die Fruchtbarkeit der Berücksichtigung mehrerer Methoden. Die Hauptfrage, an welcher sich die Geister im oben erwähnten Sinne scheiden, brachten die Debatten über „Das Bündische" und „Chaluziüth". „Woran liegt der Fehlbetrag an Kraft?" Abraham Wolf und sein Kreis glauben durch Schaffung einer in Inhalt und Form jüdischen Bündischkeit dem orthodoxen Leben neue Impulse geben zu können. (Siehe Beitrag „Das Bündische" v. P. Biberfeld, Berlin). Dem Chaluziuth, welches naturgemäß eine große Rolle spielte, wurde umbedingte Gefolgschaft versagt. Wenn auch Chaluziuth die Charakterentwicklung fördern könnte und deren Kibbuziuth und Iwrith .wertvollen Beitrag zur Vertiefung der Persönlichkeit liefern können, kommt doch die Geistigkeit in Gefahr und um ihrer willen bleibt es in dieser Lebensfrage beim rühmlichst bekannten jJJeiti". Gesamtbild: Es soll Vertiefung und Verinnerlichung der Persönlichkeit erstrebt werden. (Midoth,)' Auf dem Wege der Geistigkeit und Begeisterung. Mussar, talmudische Aggada sind neben Tenach daher wesent-: liehe Faktoren dieser Richtung, bei welcher erst „'der letzte Teil der Diskussion sich mit dem nach außen hin zu erhoffenden Erfolgen befaßt" und hier höchst pessimistisch wird. Dies letzten Endes als Antwort auf die Frage: „Woran aber liegt der Fehlbetrag an Kraft?" Die sehr lesenswerten und gutes Niveau haltenden Berichte (auch ';,Kiruw harechokim" von Gg. Kranzler) verdienen größte Beachtung und ist'-es ein Verdienst des ausgezeichnet redigierten „Hameaged", sie der jüdischen Oeffentlichkeit 'zu übergeben. . Dennoch muß hier eine kurze Kritik Platz greifen. Wir werden mit Mussar, der steten Schau.nach innen, nicht den Weg zum jüdischen Volke finden und nicht unseren Stand in ihm festsetzen "Können. Und dies wäre doch der Sinn einer- Organisierung } der Gesetzestreuen, der Sinn des Agudismus. Die. große Masse, selbst der orthodoxen Jugend, , für die j wir, nachdem wir . uns . als agudistischer 'Jugendbund ■ bezeichnen, die Verantwortung :tragen! wird durch-1 die Midotherziehung allein nicht herangezogen werden. Demgegenüber, glaube ich, daß durch Sichtbarmachen eines Ideals selbst die Fernstehendsten diesem Ideal zuliebe opferungsfähig und unter der Flagge einer politischen Heimkehr ins Judentum gerne die innere Heimkehr und Reinigung vollziehen werden* Um der Midoth willen muß ein Hochziel der Gesamtheit auch in der bündischen Erziheung. vorschweben. Nach Anerkennung dieses Ziels wäre es die Aufgabe des Bundes, dafür zu sorgen, daß es nicht zum Schlagwort herabsinkt Aeußere Umstände haben nun endlich die Aguda zum Handeln gezwungen und eine klare Aufgabe geschaffen:; Erez Israel. Ob man diese Entwicklung begrüßt oder nicht, jedenfalls ist nunmehr der Aguda die Möglichkeit gegeben, Taten aufzuweisen und zur Bewegung zu werden. Es ist Aufgäbe des agudistischen Bundes, diese Bewegung •beeinflussend vorwärtszutreiben. Statt dessen verliert sich die Blankenese}-. Richtung nach vollendeter Tatsache in Diskussionen, welche hemmend wirken, und wiederum "durch ständige" Problematik Unschlüssigkeit schaffen. Der Bund und das Leben verlangen heute Klarheit. Vor Angst, Fehler zu begehen, die Angst um die Geistigkeit, . kommen wir nicht zum Entschluß und die Untätigkeit in deren Gefolge wird der gröbste Fehler sein. Noch gibt es Jeschiwoth in «der Welt. Helft lieber die Abneigung; die' noch weite Kreise der Orthodoxie gegen das Poeltum haben, zu überwinden statt sie zu verstärken. Die geistige . Elite um das Berliner Seminar hat einen hervorragenden und befruchtenden Platz im Bund zu beanspruchen, die ganze Struktur des Bundes führend zu gestalten ist sie nicht berechtigt, denn die Masse —. auf sie kommt es dem wahrhaft Klallbewußten an — wird diesen Weg nicht gehen. Erfreulich ist der nüchterne Bericht des Kibbuz Chofez Chajim, „Die größte Propaganda, die wir jför^nsere Idee machen 'können, - ist unsere Existenz",. TiDie instruktive; und fleißige-^ Arbeit - S. Sp.eier's ..über, Psalm, 126 findet, nächstens eine.;.gesqnäerte Würdigung, ," Hugo'Adler.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.