Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 41-42 (10.10.1935)
- Date
- 1935-10-10
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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10. Oktober 1935 Der Israelit Nr. 41 #2 Seite 11 köpfigen Familie au Bulgarien, die mit der ,,Burgas" eingetroffen war, wurde die Landung untersagt, weil das Alter des Familienvaters der Angabe auf -dem Zertifikat nicht entsprach. Der Vater unternahm daraufhin in einer Kabine einen Selbstmordversuch durch Erhängen. Er konnte im letzten Augenblick derettet werden. Der Zwischenfall bei der Höhle Machpelah. — Fünf Chassidim bestraft. Jerusalem, 3. Okt. Distriktskommissar Campbell hat in seiner Eigenschaft als Verwaltungsrichter fünf Chassidim, die in der vorigen Woche mit dem Gerer Rabbi entgegen den Bestimmungen der Besuchsordnung die Höhle Machpelah bei Hebron ohne besonderen Erlaubnisschein betreten wollten, zu je 2 Pfund Geldstrafe, im Nichtbeitreibungsfall zu 8 Tagen Gefängnis verurteilt. Die übrigen fünf angeklagten Chassidim wurden freigesprochen. (ITA.) Jerusalemer Brief. Mashire-Schabbos. — Agudas Jisroel in Petach Tikwah. — Gemeindeversammlung des Waad hair Aschkenasi. — Die Gerichtsverhandlung wegen der Vorgänge an der Höhle Machpelah. Jerusalem, 6. -Tischri. Die Organisation „Mashire Schabbos" in Jerusalem entfaltet in der letzten Zeit eine eifrige propagandistische Tätigkeit. Auch letzten Schabbos fand, eine größere Versammlung statt, die sfarkes Interesse erweckte. Für die Sukkaustage wird eine allgemeine Landesversammlung der Mashire Schabbos vorbereitet, die aus allen Teilen Erez Jisroels beschickt werden wird. Am letzten Schabbos fand in Petach Tikwah eine agudistische Werbe Versammlung statt, die sich zur Aufgabe machte, in dieser größten thoratreuen Kolonie Erez Jisroels endlich einmal eine aktive agudistische Ortsgruppe ins Leben ZU rufen. Die Einwanderung hat der Kolonie Petach Tikwah eine ganze Reihe wertvoller orthodoxer Kräfte zugeführt. Der ehemalige Vorsitzende der deutschen Landesorganisation -der Agudas Jisroel, Dr. Moses Auerbach, steht im Mittelpunkt dieser Kreise, denen sich auch zahlreiche treue Agudisten aus Polen und Litauen zugesellen. Die Versammlung wurde von Rabbi Jacob Niemann, dem Leiter der Jeschiwa Lida in Polen, mit warmen Worten eröffnet. Dann referierte Rabbi S. J. Dworetz über die Geschichte der Agudas Jisroel von Kattowitz bis heute. Im Namen der Poale Agudas Jisroel-Gruppe Petach Tikwah bagrüßte Herr Jecheskel Rothenberg die Versammlung und trat dabei für die Beschäftigung gesetzestreuer Arbeiter durch gesinnungsgenössische Arbeitgeber ein, Der Vorsitzende des Stadtrates von Petach Tikwah, Herr Schlomo Stampfer, ermahnte die Versammelten, sich konkreter praktischer Arbeit zuzuwenden. Nur dadurch könne Agudas Jisroel den ihr gebührenden Einfluß auf das öffentliche Leben gewinnen. Nachdem noch eine Reihe von Rednern das Wort ergriffen hatten, wurde ein provisorische Leitung der Ortsgruppe gewählt, bestehend aus den Herren Rabbiner S. J. Dworetz, D. Jemini, Koppel Wissocker, Sch, S, Lewin, D. Lichtung, B. Glisz, S. S. Moses und S. Katz. Allen Mitgliedern der Leitung wurden besondere Ressorts übertragen. Den engeren Rat zur Leitung der Geschäfte bilden die Herren Rabbiner Niemanü, Dr. M. Auerbach und Rabbi Mosche Cohen. Am Fasttage statteten die Mitglieder der neuen Leitung der Poale Agudas Jisroel, dem Herren Oberrabbiner Duschinski und dem Gerer Rebbe Besuche ab, wobei über die im Mittelpunkt des Interesses stehenden Aufgaben der Poalim eingehende Aussprachen stattfanden. Im Anschluß daran fand eine Konferenz mit den Mitgliedern der Agentur statt. Auf heute Abend ist eine Gemeindeversammlung des Waad hair Aschkenasi einberufen, die sich im besonderen mit der Wiederbesetzung des seit^ dm Heimgang Rabbi Mordechai Lob Rubins verwaiste Stellung des Rosch-Besdin der Gemeinde beschäftigen soll. Im allgemeinen ist in der letzten Zeit steigendes Interesse der aus Polen eingewanderten gesinnungsgenössiischen Kreise für den Waad hair Aschkenasi wahrzunehmen, nachdem sie bisher vorwiegend nur die Einwanderer aus der Slovakei, Rumänien und zum Teil aus (Deutschland der Gemeinde zugewandt hatten. Die Polen und Litauer waren zwar gesinnungsmäßig der Gemeinde durchaus günstig ge- - stimmt, betätigten sich aber kaum. Es scheint, daß hierin nunmehr ein Wandel zum Bessern eintreten wird. Die Gerichtsverhandlung gegen die 10 an der Höhle Machpelah verhafteten Gerer Chassidim sollte, wie bereits gemeldet, am 3. Tischri fortgesetzt werden, wurde aber bis zum gestrigen Mittwoch weiter vertagt. Zum Administrativrichter war von der Regierung der Distriktsgouverneur von Jerusalem, Mr. Campbell, ernannt worden. Die Anklage vertrat der Polizeioberst von Hebron, die Verteidigung führten die Herren Dr. M. Buxbaum für die Jerusalemer Agudas Jisroel und Advokat L e - w i n für den Kolel Warschau. Für die Anklage kamen zwei (Paragraphen des Strafgesetzbuches in Betracht; derjenige, der sich mit der Beleidigung eines Polizisten während der Ausübung seines Amtes beschäftigt, und ein zweiter, der tätliehe Angriffe gegen einen Polizisten während der Ausübung seiens Amtes unter Strafe stellt. Von den Entlastungszeugen wurden 17 vernommen. Sie wiesen auf die zahlreichen Widersprüche in den Angaiben der Belastungszeugen hin und schilderten den Vorgang genau. Der Verteidiger Dr. Buxbaum führte aus, daß es sich für die Beschuldigten lediglich darum handelte, die Ehre ihres Rabbi zu schützen. Nach dem englischen Gesetze ist ein angemessener Selbstschutz straflos. Er * kann sich auch erstrecken auf Vater, Mutter und Familienangehörige. In diesem Falle hatte es sich •um den Schutz des Rabbi gehandelt, ohne daß dabei wirklich Gewalt angewandt wurde. In den Augen der Beschuldigten ist der Rabbi eine heilige Persönlichkeit und die Liebe zu ihm ist größer, wie die Liebe zu den eigenen Eltern. Wenn der Chossid seinen Vater und seinen Rabbi in Lebensgefahr vor sich sähe, so würde er sicherlich zuerst den Rabbi retten. Die Ausführungen des Verteidigers machten sichtlichen Eindruck. Noch während der Verhandlung wies der Richter die Anklage wegen Beleidigung der Polizei zurück. Nach Abschluß der Zeugenvernehmungen wurde die Verkündung des Urteils auf Donnerstag festgesetzt. Heute früh um 9 Uhr erging das Urteil, wonach fünf von den Beschuldigten freigesprochen, die übrigen fünf zu einer Geldstrafe von ie Lst. 2.— und zu den Gerichtskosten verurteilt wurden. Die arabische Zeitschrift „AI Arwi" teilt mit, daß in Hebron eine Versammlung von angesehenen Arabern unter Vorsitz des Mufti stattgefunden habe, um über den angeblichen Angriff der Juden auf die Höhle Machpelah zu beraten und über die Art und Weise, wie man der Wiederholung solcher Vorkommnisse vorbeugen könnte. Es wurde beschlossen, einen Verein zum Schutze der heiligen Stätten zu gründen. Indessen ist anzunehmen, daß nach dem Ausgang des Prozesses, der immerhin zur Bestrafung von fünf Angeklagten führte, auch die Araber sich beruhigen werden und die Sache keinen Anlaß zu weiteren Verwicklungen mehr gibt. Südafrika. Jüdisches aus Südafrika. Johannesburg, 17. Sept. In der hiesigen Hauptsynagöge wurde letzten Mittwoch, wie hier Brauch ist, das Ehejubiläum des Mayor und der Mayoress von Johannesburg, Mr. Maurice Freemanstatt, feierlich begangen. Die Huldigungsrede hielt Chiefrabbi Prof. Dr. J. L. Landau. Die Feier, zu der neben den Spitzen der Behörden die zahlreichen jüdischen und nichtjüdischen Freunde des Bürgermeisters erschienen waren, wurde umrahmt von den althergebrachten Gesängen, die der tags zuvor aus Hannover, «einem bisherigen Wirkungskreis, hier eingetroffene neue Oberkantor Mr. Simon Alter, mit Meisterkunst zu Gehör brachte. Nach der Zeremonie empfingen Mayor und Mayoress im Rathaus mehr als 1500 geladene Gäste, u. a. sämtliche hier weilenden ausländischen Diplomaten. Es war dies ein gesellschaftliches Ereignis ersten Ranges. Der Generalgouverneur von Südafrika, Se. Exc. Count of Clarendon, der sich auf der Reise nach England befändet, sandte vom Schiff aus ein herzlich gehaltenes Glückwunschtelegramm. Selbstverständlich haben es sich die verschiedenen hiesigen jüdischen Korporationen, denen der Mayör immer sein besonderes Interesse bekundet hat, nicht nehmen lassen, das Jubelpaar in verschiedener Weise zu ehren, ebenso wie die gesamte Tagspresse der Südafrikanischen Union die Persönlichkeit des Mayor in besonderen Glückwunschartikeln würdigte. Am 15. September fand in der gleichen Synagoge ein Hesped auf Rabbi Kook ^*sr Jerusalem statt, bei dem Chiefrabbi Landau und Rabbi Kossowski vom Beth Hamidrasch Hagodaul eingehend die gewaltigen Verdienste dieses Großen in Israel vor einem zahlreich erschienenen Publikum — die große Synagoge war bis auf den letzten Platz besetzt — eingehend würdigten. Nicht nur bei dieser würdig verlaufenen Feier, sondern auch im täglichen Leben kommt die Liebe zu Erez Israel und das Gefühl der Zusammengehörigkeit mit der jüdischen Gemeinschaft mannigfach zum Ausdruck. Amerika. Der ehemalige Vorsitzende des New Yorker Waad Harabonim, Rabbi Benjamin Baruch Guth, gestorben. * New York, 1. Okt. Im 80. Lebensjahre ist in New York der ehemalige Vorsitzende des dortigen Waad Harabonim, Rabbi Benjamin Baruch Guth, einer der bedeutendsten Rabbiner Amerikas, gestorben, Rabbiner Guth, der aus Szatmar (Transsylvanien) stammte, war seit 1900 an der Synagogengemeinde „Chatham Sofer" in New York tätig. Zwölf Jahre lang war er Präsident des amerikanischen Rabbinerverbandes. Er war ferner Vorsitzender des Moschaw Sekenim in Safed und des Misgaw Ladach-Krankenhauses in Jerusalem. Von seinen Werken ist hervorzuheben die „Halacha l'Mosche Missinai", in der Halacha und Hagada des Talmuds in knapper Form zusammengefaßt sind. An der Trauerfeier für den Verstorbenen nahmen zahlreiche Rabbiner teil. Dem letzten Willen Rabbi Guths entsprechend, wird seine wertvolle Bibliothek der Jeschiwa in Lublin übergeben. n"a«n Personalien. Berlin, 10. Okt. Frau Karoline Meyer geb. Karpf, Berlin, Wormserstr. 8, f eiert rr'tt am 'n'Wtna ras? in voller körperlicher und geistiger Frische ihren 8 0. Geburtstag. Acht Kinder und mehrere Enkel in Berlin, Frankfurt und Fulda sehen zur Mutter und Großmutter hinauf, die ihnen allen ein Muster der tiefen Frömmigkeit und des G'ttvertrauens ist, und umgeben sie mit glühender Liebe. Wir wünschen der ehrwürdigen Jubilarin einen weiteren heiteren Lebensabend, ojw Dnwsi nsn tjt Badenweiler, 8. Okt. Frau Fanny Mager geb. Bloch aus Badenweiler, Hotel Bellevue, begeht am 31. Oktober, s. G. w„ ihren achtzigsten Geburtstag.__-gyymy Vermischtes. Berlin, 8. Okt. Die in Berlin tN. 24, Artilleriestr. 31, bestehende private jüdische Handelsschule der „Ad aß Jisroel" wird 1935/36 auf einer erweiterten Grundlage fortgeführt werden. Geplant sind neben dem laufenden Ober- und Unterkurs Erwerbslosenkurse in den Nachmittagsstunden, deren Teilnehmer von der Wirtschaftshilfe der Jüdischen. Gemeinde zu Berlin ausgewählt werden, und Abendkurse, die im wesentlichen der Aus- und Fortbildung von solchen Personen dienen sollen, die im Beruf stehen, und das Bedürfnis haben, ihre Kenntnisse und Fähigkeiten auf einen höheren Stand zu bringen. (Preis bei Teilnahme am Gesamtkurs — voraussichtlich 12 Wochenstunden — RM. 10.—, Teilnahme an einzelnen Kursen ist möglidh.) Persönliche Meldungen zunächst während der Schulferien bei Herrn Rektor Sinasohn, Berlin NW. 87, Siegmundsliof 11, -Montag bis Freiing 12—1 Uhr; Tel. C 9, 6913 und 4141. In die laufenden Vormittagskurse können noch einige Schüler und Schülerinnen mit guter Schulbildung und einigen Vorkenntnissen in Schreibmaschine, Stenographie und Buchführung aufgenommen werden. Schulgeld für den Oberkurs: RM. 20.— mtl.; Schulgeld für den Unterkurs: RM. 12.50 mtl. Neu beginnen Vormittagskurse für englische Kurzschrift und deutsche Diktatkurse (mit den wichtigsten Kurzschriftregeln der Debatteschrift), für die ebenfalls Anmeldungen entgegengenommen werden.