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Der Israelit · 1935-10-10 · Heft 41-42 (10.10.1935) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 41-42 (10.10.1935)
Date
1935-10-10
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 Nr. 41/42 Der Israelit 10. Oktober 1935 Korrespondenzen. Deutsches Reich. Semesterschluß an der Frankfurter Jeschiwa, Frankfurt a. M., 8. Okt. Das zurückliegende Sommer-Semester hat unsere Jschiwa vor Aufgaben gestellt, die an Schwere von keinem vorausgegangene^ übertroffen werden konnte. Trotz drückender Sorgen, die der Erhaltung des großen Werkes galten, und der mit jedem Tag wachsenden wirtschaftlichen Notlage, hat sie es verstanden, den gesteigerten Ansprüchen gerecht zu werden. Ueber 130 Schülern konnte die Aufnahme gewährt werden, für die Jüngeren wurde ein Heim ins Leben gerufen, und die Lehrverfassung erfuhr durch die gesteigerte Zahl, Verschiedenheit der Vorbildung, nicht zuletzt durch Gegenwartsaufgaben, die zugleich eine Vermehrung der Lehrkräfte erforderlich machten, bedingte Ausgestaltung. Mit dem Dank an die hingebungsvolle Arbeit der Herren des Kuratoriums^ den weiten Kreis der Freunde und Gönner, die sich, der Bedeutung dieser Anstalt für unsere jüdische Jugend bewußt sind, der bei ihrer Vorbereitung für Erez Jisroel unter allen Umständen der Weg zur Jeschiwa ermöglicht und gesichert werden miuß, verbindet sich die zuversichtliche Hoffnung, daß auch weiterhin dieser Bildungsstätte die opferfreudige, tatkräftige Förderung weitester Kreise erhalten bleiben möge. Aus dem Dozenten-Kollegium scheidet Herr Dozent Ch. Jakob owicz, um seinen dauernden Wohnsitz in Erez Jisroel zu nehmen. Mit schmerzlichem Bedauern verliert die Jeschiwa in ihm eine hervorragen^,, bewährte Lehrkraft, der nicht nur durch die reiche Fülle seines Wissens, sondern vor allem durch seine ganze Persönlichkeit, seine schlichte Bescheidenheit und stete Hilfsbereitschaft die Liebe seiner Schüler und den bestimmenden Einfluß auf sie sich zu sichern verstand. Die aufrichtigen Wünsche begleiten ihn auf seinen weiteren Lebensweg. Möge es ihm beschieden sein, in enger Verbindung mit der Leitung seiner Frankfurter Jeschiwa in ihrem Geiste auf heiligem Boden den großen Aufgaben zu dienen, die der Erziehung der dortigen Jugend für unsere heiligen Lebensideale gelten. Auch die Herren Dr. Steßmann und B o k o r scheiden aus dem Dozenten-Kollegium, nachdem sie während des Sommer-Semesters in dankenswerter Weise an unserer Jeschiwa erfolgreich tätig waren, Ersterer, um nach Palästina zu übersiedeln, Letzterer um im Ausland seine Studien fortzusetzen. In das Kuratorium wurde Herr Redakteur S. Schachnowitz gewählt. •Das Winter-Semester beginnt am 28. Oktober 1935 mit der Aufnahmeprüfung der Eintretenden. Auswanderung. Berlin, 3. Okt. Die Pressestelle des „Hilfsvereins der Juden in Deutschland" teilt mit: Zur Zeit wird in Berlin und im Reich Propaganda für Auswanderung und Niederlassung in *verschiedenen überseeischen, Ländern gemacht. Es werden in Publikationen und Versammlungen gewisse Projekte der Oeffentlichkeit unterbreitet, die der notwendigen Grundlagen entbehren. Es Hegt im Interesse Auswanderungs- und Siedlungswilliger, sich bei uns, dem Zentralbüro für jüdische Auswanderungsangelegenheiten, das vom Reichswanderungsamt als gemeinnützige Auskunftsstelle für jüdische Durch- und Auswanderung anerkannt ist, jeweils zu informieren, damit Fehlwanderungen vermieden werden, die sich verhängnisvoll auswirken können, Die Judenfrage auf dem 7. Deutschen Zahnärztetag. Berlin, 4, Okt, In Berlin wurde, wie das „Deutsche Nachrichtenbüro" meldet, der 7. Deutsche Zahnärzte- Neueste Wirtschaftsnachrichten aus Erez Jisroel. (Nach Palnews.) Tel Awiw. Wie wir hören, schweben in Bankreisen Verhandlungen über eine Aufhebung sämtlicher Kreditbeschränkungen, die bereits in den nächsten Tagen wirksam werden soll. Nachlath Yehuda. In Ergänzung der früheren Mitteilungen wird gemeldet, daß die neue Silikatziegelfabrik mit einem voll eingezahlten Aktienkapital von Lst. 38.000 registriert wird. Die Leitung, ist in den Händen eines der früheren Direktoren der Böhmischen Unionbank P. Bauer. Der Fabrikbau ist durch eine slovakische Baugesellschaft ausgeführt. Die Fabrik wird eine tägliche Produktionskapazität von 100000 Ziegeln haben. Es sollen auch andere Baumaterialien nach patentiertem Muster hergestellt werden. R a m a t g a n. Die Strumpffabrik Gerev ist am letzten Freitag geschlossen worden. Alle 57 Arbeiter wurden entlassen. Ursache ist die starke Auslandskonkurrenz auf Grund der ausländischen Exportprämien. Demgegenüber ist der palästinensische Zoll außerordentlich niedrig. Er beträgt für ein paar kunstseidene Strümpfe nur 10 Müs. Auch die Seidenweberei <Meshi ist noch immer geschlossen. Rischon l'Zion, Die neue Brauerei in den Weinkellereien von Rischon l'Zion ist fertiggestellt. Der Betrieb beginnt am 1. Oktober mit 30—40 Arbei- . tern. Das erste Bier soll Ende des Jahres auf dem Markt erscheinen. Es" führt die Handelsmarke Eagle. J a f f a. In Jaffa sind die Iram-Works, eine der ältesten palästinensischen Unternehmungen, geschlossen worden. Die Fabrik wurde vor einem Jahre durch eine holländische Gruppe übernommen, die aber anscheinend nicht imstande war, die Lage des Unternehmens zu verbes- , sern. Tel Awiw. Einem Vertreter von Palnews erklärte ein führender Industrieller, daß die schwierige Lage vieler palästij nensischer Industrieunternehmungen kein Zufall .sei. Das neue Kapital, das zuströmt und in Häuserbau und Bodenkäufen investiert wird, kommt nicht in genügendem Maße der Industrie zugute. Außerdem ist die Palästina-Industrie bekanntlich fast schutzlos gegenüber der ausländischen Köti- I kurrenz. Die nötige Regierungsunterstützung fehlt. Haifa. Der palästinensische Transitverkehr nach dem Irak weist in der I letzten Zeit eine nicht unbeträchtliche Stei- I gerung auf und ist bereits größer als derjenige nach Transijordanien. Jerusalem. I Im Finanzjahr 1934/35 wies die palästinen-~ I sische Händelsbilanz bekanntlich ein Defi- I zit von etwa 11% Million Pfund auf. Ein I Teil dieses Defizits ist wie folgt gedeckt I worden: Touristenverkehr etwa 1 Million I Lst., Regierungseinnahmen aus dem Aus- I lande Lst. 350.000, Einnahmen der zionisti- I sehen Fonds Lst. 740.000, Einnahmen der I religiösen, charitativen und sonstigen ge- | meinnützigen Institutionen, auch staatlicher Verwaltungszweige Lst. 1,2 Millionen. Jerusalem. In der palästinensischen Landwirtschaft werden für die Pflugarbeiten in verstärktem Maße Traktoren verwendet. Es erklärt sich dies, abgesehen von dem Bedürfnis nach technischen Fortschritten, aus dem Steigen der landwirtschaftlichen Arbeiterlöhne. Der Nachwuchs wandert in die Städte und die Zitruszone ab, wo die Löhne wesentlich höher sind. Tel Awiw. Der Importbedarf Palästinas an Erzeugnissen der Rindviehwirtschaft (Schlachtvieh, Butter, Milchproduktion) steigt unaufhörlich steil an und die palästinensische Produktion bleibt immer weiter hinter dem Bedarf zurück. Der Import ist im ersten Drittel des Jahres wiederum um 63 Proz. gegen das Vorjahr gestiegen. Es ist daher eine der wichtigsten Aufgaben der palästinensischen Landwirtschaft, die Viehzucht zu steigern. Kairo. Hier ist mit einem Kapital von Lst. 80.000 eine Fabrik zur Herstellung von Spinnerei- und Webereiwaren errichtet worden, die auch auf den Export berechnet ist. Tel Awiw. Die amerikanische Porzellanzahngesellschaft teilt mit, daß die Abnahme des Exports im ersten Quartal nicht in der cyprischen Konkurrenz begründet sei, sondern in der Unterbrechung ihrer Produktionsfähigkeit durch Uebersiedlung in ein neues Fabrikgebäude. In den ersten 7 Monaten habe sich die Ausfuhr um 6% gegen das Vorjahr gesteigert. tag, der in Verbindung mit der Tagung der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund - und Kieferheilkunde stattfindet, eröffnet. Reichszahnärzteführer Dr. Stuck teilte in seinen Begrüßungsworten u. a. mit, .daß von nun an nur noch arische Zahnärzte ordentliche Mitglieder der Deutschen Zahnärzteschaft sein können. Den nichtarischen Zahnärzten ist es gestattet, als außerordentliche Mitglieder in der Körperschaft zu verbleiben, allerdings unter Ausschluß von Versammlungen und Veranstaltungen der Zahnärzteschaft. Die jüdischen Bahnbeamten. Berlin, 9. Okt. Es wurde bereits berichtet, daß, in Auswirkung der Nürnberger Gesetze, die bisher noch im Dienste befindlichen jüdischen R e i c h s b a h n be a m - t e n vorläufig beurlaubt wurden, Das „Schwarze Corps" bringt einen Aufsatz, der auch vom „Völkischen Beobachter" in seiner Ausgabe vom 2, Oktober übernommen wurde, in dem im Anschluß an die Berliner E i ns t u r z k a t as t r o p h e gesagt wird, die Baugesellscihafi die den Berliner Untergrundbahnbau .durchführte und die dm Juni 1933 von der Berliner Industrie- und Handelskammer als arisches Unternehmen deklariert worden ist, stehe in Verbindung' mit anderen Gesellschaften, bei denen i noch Juden an maßgebenden Stellen beschäftigt-sind. Bis vor wenigen Tagen sei das Finanzwesen der deutschen Reichsbahn von einem Volljuden verwaltet worden. Es heißt dann in dem Artikel weiter: „Die Nürnberger Judengesetze haben bei der Reichsbahn-Gesellschaft insofern schon praktische Ergebnisse gezeitigt, als sie dem stellvertretenden Generaldirektor, SA-Oberführer 'Kleinmann, die Möglichekit gaben, alle Widerstände zu beseitigen und sofort nach Veröffentlichung der Gesetze durch telegraphische Anweisung alle noch in leitenden Stellungen bei der Reichsbahn befindlichen Juden zurückzuziehen. Wenn man erfährt, daß im Jahre 1935, über zwei Jahre nach dem Umbruch, bei der Deutschen Reichsbahn rund dreißig Juden in oberen Beamtenstellungen saßen, so fragt man sich, weshalb geschieht dies erst jetzt unter staatlichem Druck und nicht aus eigener Initiative?!" „Korrespondenzblatt über Auswatnderungs- und Siedlungswesen" September 1935. Berlin, 8. Okt. Soeben ist die neue Nummer des „Korrespondenzblattes über Auswanderungs- und Siedlungswesen" erschienen, das der Hilfsverein der Juden in Deutschland herausgibt, Dieses Mitteilungsblatt des 'Hilfsverein®, der bekanntlich 'die jüdische Auswanderung (mit Ausnahme von der nach Palästina)1 betreut, wird von den Interessenten stets mit Spannung erwartet, denn es spiegelt die vielseitigen Erfahrungen wider, die der Hilfsverein — dessen Korrespondentennetz sich über die ganze Erde erstreckt und der tausende von Auswanderern berät — gesammelt hat. Die neue Nummer ist noch vielseitiger als die bisher erschienenen Hefte; sie zählt, trotz des niedrigen Preises von RM. 1.—, 109 Seiten im Quartformat. 76 Länder werden behandelt, manche besonders eingehend. Besondere Sorgfalt wird der Erörterung der Möglichkeiten landwirtschaftlicher Siedlung zugewandt. Den diesbezüglichen Verhältnissen in Argentinien und Brasilien ist ein eigener Abschnitt gewidmet. Die Frage der Gehälter, Löhne und Lebenshaltungskosten wird bei jedem einzelnen Lande behandelt. Außerdem wird noch eine Gesamttabelle über Lebenshaltungskosten und Gehälter in 96 Ländern gebracht, die eine schnelle Vororientierun-g gestattet. Eingehend sind die oft so verwickelten Einwanderungsbestimmungen dargelegt, speziell die Vorschriften für die Erlangung der Visa für die einzelnen Länder sowie der Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis. Das neue „Korrespondenzblatt" enthält einen U eberblick über das Schul-, und Bildungswesen in einer Reihe von Ländern angefügt, der besonders Eltern interessieren wird, die mit ihren Kindern auszuwandern gedenken. Weiter sind je eine Karte von Afrika und Südamerika beigegeben, die eine rasche Orientierung über die Lageder einzelnen Länder in

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