Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 41-42 (10.10.1935)
- Date
- 1935-10-10
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 Nr. 41/42 D Israelit 10. Oktober 1935, leth. Es^ will dich lehren: k o m m e d i r i n d e i nem Leide nicht als ausgesuchter Unglückspinselvor. Nimm dein Leid nicht für allzu wichtig Schicksalsschläge sind nun einmal ein Teil des Menschenloses. Menschenleben erhebt sich erst auf dem Bewußtsein seiner Fragwürdigkeit Man darf auf die Dauer und Absolutheif^ Ufte Folgerichtigkeit in allen Menschendingen nicht rechnen. Würde alles im Leben so verlaufen, wie wir es wünschten, wir stets von den Wellen des Schicksalsleicht und sicher dahingetragen weiden, dann würde eine Frage vom Optimismus oder Pessimismus nicht auftauchen. Erst in den widerspruchsvollen Verwicklungen des Daseins erhebt sich das große Fragezeichen, das Problem vom Sinn und von der Bedeutung des Einzel nen. Da ist es dann wichtig, die»Dinge richtig ein zuschätzen und vor dem Mißerfolg nicht zu verzagen und zu erbeben. Wir übertreiben die Bedeutung alles Einzelnen und kennen seinen wirklichen Rang nicht. Darum muß man der Wahrheit klar ins Auge, sehen, damit man an ihr nicht zerbreche. Koheleth ist das Buch gedämpfter Lebensfreude, der um die Tra gik des Seins wissenden Freude. E: ist das Buch der Demut, des sich nicht selbst vergötternden und verabsolutierenden Menschen. Sein Sinn ist, dich zu lehren: nichts in der Welt kann dich verführen, im Materiellen, in Vermö gen und Besitz, in Ehre und Anerkennung, in Macht und Erfolg den Inhalt des Lebens zu sehen. Sein unverrückbarer Sinn liegt jenseits, in G'tt und Seinen Geboten. Des Lebens Glück ist zwar der Augenblick, aber ohne Prätension, ohne Gewähr seiner Dauer, ohne Anspruch auf seinen Besitz; ja in der Gewißheit seiner Vergänglichkeitr seiher Unzüverlässigkeit. Freude ist gut, ist Gewinn, aber nur, wenn sie unter genügender Reserve uns erfüllt. Und gerade angesichts des Todes wird der Augenblick ohne Enttäuschung zum glücklichen Besitz. Wenn du die wahre Lage der Weltdinge, ihre Einförmigkeit, ihre Relativität dir ganz klar machst, so wird dir das zum T r os t gereichen. Kennst du das Leben, wie .es wirklich ist, so kann dir die Stunde nicht vergällt werden. :- Koheleth ist nicht ein Buch des falschen Optimismus, nicht ein Opium der Seele, dem schlimmes. Erwachen folgt, des Selbstvergessens und der Selbsttäuschung, sondern das Buch, des wachen Weisen, der jedes Glück, das ihn be- Die sieben, noachidischen Gebote können-hier auf Grund von Awoda Sara 64 b, Sanh. 56 b besprochen werden. Ueber „Ewer min Hadhai" vgl, die erwähnte Schrift von Wohlgemuth und Da« jüdische Religionsgesetz I, 84 ff, II. 105 ff. Lech-L'cha. Hier wäre zu besprechen der Sinn der Erzählungen über die Erzväter ausgehend von Ramban zu Br. 12,-6 ff. (auch 14, 1 und 32, 4). Danach ' smil alle Erlebnisse der Erzväter ein Zeichen für-die Nachkommen. Die Awoth erlebten alles, was ihre Nachkommen später erleben sollten: Zu besprechen ist ferner das Verhalten Awrajiams : in Aegypten (XII, 10 ff j. War es berechtigt? Vgl. Rambäm zu XII, lÖY'der es ablehnt und darum den Grund des Galuth Mizrajihi sieht. Vgl; bei Hirsch zur St. „die.Thora verschweigt ums;, die Fehlen unserer gro^ ßen Männer nicht" und weiter seinen Versuch, die Tat Awrahams zu rechtfertigen. Heranzuziehen wäre ferner Br. XXXVII. Hirsch, vergl. auch dort den Versuch Raschis, Jaakow zu rechtfertigen. Grundsätzlich müssen wir uns vor Augen halten: Die Besonderheit der,Situation, in .der sich ■j$e Handelnden.jbefanden und bedenken, daß das Handeln, unserer: Heroen,u|ns, nicht äls Beispiel für unser Handeln hingestellt, wir d. Sie handelten aus ihrer Größe und ihrem ^Anderssein. Vgl. ähnliche Gedankengänge in; Breuer Einl..zum Buche der Richte"*;. j -'' 7 . f. . Ferner wären alle Fälle; -in denen Haschern- Awrohom das Land verspricht, zusammenzustellen, Wo£;in unterscheiden sie sich?- Wird eine Gegenleistung verlangt? Kommen sie als Belohnung einer Tat?, (vgl. Kap. 13, Satz 14, Kap. 15, S. 1 — dagegen Kap, 12, Satz" II] C { sonders trifft,' als ein Geschenk des Schicksals dankbar hinnimmt, der aber das Unglück, weil es ja nicht ihn besonders trifft, auch mit Gleichmut zu ertragen weiß. Auch die Form des Buches entspricht der Unstetigkeit und Zerrissenheit alles Menschenlebens. Es ist in Aphorismen geschrieben; es . ist jede Erfahrung wie eine ■ eigne Ueberraschung dargestellt, als ein Plötzliches, das den vorurteilslosen Beschauer des Lebens überkommt: ro'ißi, nißißi, jodati, ponißi, ich habe ge sehen, erprobt, in Erfahrung gebracht, mich zu: gewandt; so gibt der Weise seine Erfahrungen wieder. Und das Widerspruchsvolle, die begrenzte Bedeutung jeder Lebenserfahrung spie gelt sich in einem Zickzack, in einem Hin und Her der Linienführung. Keine Lebenserfahrung gilt für alle Fälle; nie darf vom;. Einzelnen ein falscher Analogieschluß hergeleitet werden. So führt uns der Weise durch alle Stadien des Lebens hindurch. Solange das liebe I c h im Vordergrunde steht, wird die letzte Lebenssumme doch immer ein Unbefriedigtsein bleiben, ja sie kann sich bis 'zum Lebenshaß steigern. Der Blick auf' <d re große: Welt, ihr Auf und Ab, ihr Hin und Her, ihre Wandlungen und Schwankungen zeigen uns dann, daß kein-Mensch mit seinem Unglück alleinsteht, daß alle Men sehen seine Leidensgenossen sind. Und dann kommt der T o d a 1 s ~d e r große Wegweiser des Lebens. Er alleiri lehrt dich, was Ewigkeitswert haben kann und welche Stimmung uns auf dieser Erde beseelen soll. Und er gibt uns die große Geduld, den Ernst des Lebensgefühls, die Bescheidenheit und Weisheit zum Gehorsam gegen G'ttes Gesetz und G'ttes Fügungen. Der Tod gerade zeigt dir, wie unendl ich wart voll 'der Augenblick zum guten Wirken i s tv 'Heut' schaffen, das ist recht getan. Nutze die Stunde, keine kehrt wieder. Jede kannst dü mit Glücksgehalt erfüllen, ehe es zu spät ist und Altersschwäche und Tod deinem Wirken ein Halt setzen. Aus dem Ernst des Todes nimmt die Seele den Schwung, über alle Fragwürdigkeit des Mensch'seins sieh durch G'tt und Sein Gebot emporzuschwingen. ■-' I.; •' ' , Es bleibt doch alles beim Alt/en. (Kap. 1, 1—11.) Eitelkeit der Eitelkeiten, spricht Koheleth,! Eitelkeit der Eitelkeiten, alles ist eitel.,! Was hat. der Mensch von all seiner Müh', Daß er sich, müht hier unter der..Sonner!. Ein. Geschlecht geht, ein Geschlecht kojnamt, Die Erde bleibt immer auf dem .gleichenf Fleck. Aufstrahlt die Sonne und wieder, untergeht die Sonne . Und strebt dorthin, \\ro. erneut, sie aufgeht,- . Zum Süden geht, nach, Norden dreht > Und dreht und dreht und geht der Wind, Und in seine- Kreise kehrt immer wieder der Wind, l '. Alle Bäche gehen ins Meer, Und das Meer wird nicht voll. Und .dorthin,, wo die (.Bäche gehen, :;v. Dort werden sie immer weiter gehen. So sind alle Dinge ohn' Rast und iRuh'. £ein Mensch kann's zu Ende reden, Kein Auge kann satt sich sehen, Kein Ohr kann je;, vollzieh hören. ... ,L Was^Wiar, wir^rwteiterrfsein.; s .! -;;<;!. ,,, Was. geschehen ist, wird w;eiter. geschehn. j Es .gibit; -nichts:s jNcjaes. runter ■ 4er Sonn& \ Und ist dä j&mma(.?>etw#g{; daß *ma& denkt: :; i < -, ach sieh ein-^Neues,!; -■■■> ai c - i Es . 'War . schon in .,4enr;Ewigkeiten,. -die;vor;,;uhs ..waren^j^; -iüi. y <;'::.> h '■> -•"UA : öpjü \ Nur blfciht, die rErlnnrjung - an ,di.e, Fr-ühi\enr;nicHt, Aber" au©)*;rflic;.Spätreniwerdeft-?M<?^:r«^'J3p-:. dächtniS} bleib#jj,i>n; •>.'>. ihr-- l r 3ei-.'d^neii}ji<jiie: nfcßh .j^cn,'too.mmenÄij 'nn'-;: .» II. . Wie Koheleth zum Pes s,i misten ■ w u r d e. (Kap. 1, 11—2, 26.) Ich, Koheleth, war König über Israel in Jerusalem. Da verlegte ich mich darauf,'mit Weisheit allem, was unter dem Himmel geschieht, forschend nachzugehen, eine böse Leidenschaft, die G'tt den Menschenkindern gegeben hat, daran sich abzuquälen. So habe ich alles Geschehen mitangesehen, das sich unter der Sohne ab- -spieit. Ach, siehe da, alles ist nichtig und Jagd nach Wind! Alles krumm, das man nicht gerade machen kann, mangelhaft, das man nicht als voll zählen kann. Da mußte ich mir bekennen: Ich habe doch mehr und tiefere Weisheit besessen als alle vor mir in . Jerusalem, denn mein Herz hatte so tiefen Einblick.in allerlei Erkenntnis. Ich hatte mich doch darauf verlegt, Weisheit und Torheit, Erkenntnis und Narrheit, alles zu erforschen, und sehe nun ein, daß alles nur ein sinnloses Bestreben ist. Je mehr Weisheit man hat, desto unglücklicher ist man. Je tiefer man eindringt' in die' Erkenntnis, desto leidvoller ist das Leben. Da sagte ich mir: Weg damit! Ich v/erde, es mit der Freude versuchen, mal die guten Seiten des Lebens zu sehen. Ach, gar bald sehe ich: es ist umsonst. Zum Lachen sage ich: du bist toll, zur Freude: was kannst du leisten? Aber da tiftelte ich in meinem Herzen aus: vielleicht beides zusammen. Mit Wein mir den Leib traktieren und Weisheit pflegen, zugleich aber auch ein bißchen den leichten Narreteien sich hingeben, bis daß ich sehe, was. das Beste für die Menschenkinder ist, was sie hier unter dem Himmel tun könnten in ihren paar Lebenstagen. Ich fing's großzügig an, baute mir Häuser, pflanzte mir Weinberge, schuf mir Gärten und Parks und pflanzte darin alle möglichen Fruchtarten, machte mir kunstvolle Wasserwerke, um die Wälder und Bäume zu tränken, kaufte mir Sklaven, Mägde, hatte ein großes Gesinde; Herden von Rindern und Schafen in großer Zahl gehörten mir mehr als allen, die vor mir waren in Jerusalem. Ich sammelte mir auch. Silber und Gold, alle Kostbarkeiten der Könige und Länder, verschaffte mir Sänger und Sängerinnen,, alles, was .Menschen Freude machtf Kutschen und Sänften. Es war eine Pracht größer; als alles, was je in Jerusalem gewesen ist. Und; meine Weisheit blieb mir dabei treu. Alles,, was meine Augen verlangten, versagte ich ihnen nicht, entzog meinem Herzen keine Freude. Denn, mein Herz hatte wirklich- Freude an all meiner Mühe. . :; :: ■ Und als nun alles fertig War und ich mich meinen ' Werken, die ich mit meinen" Händen. gG'Schaffen hätte, zuwandte, die Mühe schaute, die ich auf die Vollendung gewandt, siehe da: alles war-eitel, vergebliches Bemühen, es gibt nichts'Wertvolles unter der Sonne.'1 :n -'-'• Und überlegte ich mir' nun W^. -iar ^lüjfer und närrischer Weise zugleich: was wird das für ein Mensch sein", der 'mir einst als"'König nächfolgt, 'und mit Was für ' 'Eigenschaftenlyrird er ausgestattet sein — es ist naturlieh nicht gleichgültig, ob er klug öder ein Narr, ist^deiin immerhin 1 ist Weisheit soviel' besser1 als , Torheit, wie das Licht höhersteht als die Finsternis.. Der Weise hat die Augen im Kopfe, der Narr, der tappt immer im Finstern. Und einmal werde ich doch sterben müssen. Genau ,wie jeder Narr werde, ich auch ins "Gras heißen;' da nützt mir alle , meine Weisheit' •nichts.".' Und dann bin ich bei \Lett-*i$kifeTC'$er J^Üku^ff für immer vergessen. ^#,7 sc\L^n^T^^yaU^^^^st&x. ^fr&fP-. denkt keiner mehr rah mich. Es ist schrecklich, wie ein '" .' ■ m;, : ' .r^ t [iift J ■ ' ■ '■ gleiches rTfo^esschicks^aJ..den. Weisen wie den Sfarren trifft. Öa haßte ich das Leben. Da ward a^pj-yir'^ri^h^^Leß].&e§&ehtapif das.: unter der §Gnne geschieht,:idas. sinnlöse;windige; Treibenf Da haßte;^h;|m(emen^§cka{{^nsdüidcel, allßiineine j\lühiecjnit>4&.-ißb,imich gemüht' vimter ,4er Sonne,