Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 41-42 (10.10.1935)
- Date
- 1935-10-10
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Nr. 41/42 Der Israelit 10. Oktober 1935 milatorischen Liberalen gesund, manchen schwächlichen Orthodoxen allerdings sterbenskrank gemacht — aber wir dürfen gerade -darum auch von zionistischer Seite Gerechtigkeit und Verständnis fordern für die Kreise, die trotz der dem Zionismus heute günstigen politischen Konstellation den anerkennenswerten Mut besitzen, aus weltanschaulichen Gründen ihren Obolus nicht dem Keren hajessod, sondern dem Keren hajiscbuw zu leisten. Das Wort „Konjunktur" sollte gerade die „Rundschau" zu allerletzt in den Mund nehmen — es ist wahrhaftig kein Heroismus, heute in Deutschland Zionist zu sein! „Ehrliche Mitarbeiter am Palästina-Werk" aber sind auch diejenigen, die der „alte n" wie der „neue n" „Zionistischen Organisation" ein M o n o p o 1 auf das Land bestreiten, das nicht der Zionismus aus eigener Kraft, sondern die alte, verachtete und bekämpfte Orthodoxie über die Jahrtausende hinweg dem jüdischen Volke gerettet hat. Assyrer und Juden. Viele Leser des „Israelit" werden mit einigem Kopfschütteln von 'der in der vorigen Woche mitgeteilten Nachricht Kenntnis genommen haben, daß ein führender Assyrer anläßlich des Hinscheidens von Oberrabbiner Kuk dem Waad leumi sein Beileid ausgedrückt und zugleich der Hoffnung auf eine „Wiedervereinigung Judas mit Israel" Ausdruck gegeben habe, da die Assyrer ihre Abstammung auf die zehn Stämme des Reiches Israel zurückführen. Der Assyrer ersehnt die Wiedervereinigung Judas und Israels, „um wieder ein Königreich zu bilden." Der merkwürdige Brief erinnert zunächst an das vom rein menschlichen Standpunkt aus erschütternde Schicksal, das die Reste der alten Assyrer, die in den - Hakkiari-Bergen bis zum Kriege ein unangefochtenes einfaches Dasein lebten, seit dem Beginn des Weltkrieges ereilt hat. Zunächst von der Türkei und Rußland umworben, ergriffen sie die Waffen gegen die Türkei, um nachher zu erleben, daß die ihnen versprochene russische Unterstützung ausblieb, Sic mußten nach Persien fliehen und dann mit einer Handvoll britischer Truppen in das Irak-Tiefland, wobei sie auf dem Wege durch verheerende Krankheiten und durch Ueberfälle der Türken, Kurden und Perser Tausende von Menschen einbüßten. Seitdem ist das ganze Volk auf der Wanderschaft. Im Irak ließ sie der muselmanische Fanatismus — die Assyrer sind Christen — nicht zur Ruhe kommen, und 'die auf sie ausgeübten Massacres sind noch in frischer Erinnerung. Nun hat die französische Regierung den Assyrern hochherzigerweise eine Ansiedlung auf syrischem Terrain angeboten, Und Mr. Eden teilte in der letzten Session dem Völkerbundrate mit, daß die englische Regierung für die Kosten des Planes 1U Million Pfund zur Verfügung stelle, wenn die Irak-Regierung den gleichen Betrag gebe und der Rest vom Völkerbunde getragen werde. Ob das assyrische Problem damit gelöst wird, nachdem seit Jahren alle möglichen Umsiedlungspläne nach Brasilien, Britisch-Guyana und Westafrika für die Enkel Aschurs ausgebrütet und wieder verworfen worden sind, muß die Zukunft lehren. Interessant ist aber, daß die Vorstellung der Assyrer von ihrer israelitischen Abstammung eine gewisse entfernte Stütze findet in einer talmudischen Ueberlieferung, die im Traktat Jebamoth 16b und 17a ihren Niederschlag gefunden hat. Dort wird die Frage erörtert, ob Proselyten aus der Gegend von Tarmud, dem damaligen Niederlassungsgebiet der Assyrer, Aufnahme finden könnten, weil der Verdacht bestehe, daß die Assyrer aus der Vermischung der von dem Assyrerkönig Tiglath- Pileser in die Gefangenschaft nach Aschiir._ geführten Bevölkerung des israelitischen Nordreiches mit der assyrischen Bevölkerimg herstammen. In diesem Falle könnten sich unter ihnen zahlreiche Menschen halbjüdischer Abstammung befinden, auf denen derhYlTaa ENPfl ruht. Dabei kommt im Verlauf der talmudischen Diskussion interessanterweise auch der Gedanke zum Ausdruck — wenn er auch nicht allseitig akzeptiert wird —, daß die Vermischung damals eine einseitige gewesen, daß lediglich eine Abstammung aus Mischehen von jüdischen Männern mit assyrischen Frauen anzunehmen sei, während die umgekehrt geschlossenen Ehen der Assyrer mit jüdischen Frauen unfruchtbar geblieben seien. Auf alle Fälle haben wir hier ein merkwürdiges Zeugnis vor uns für eine Dappelüberliefening, die — ganz unabhängig voneinander — im Kreise der jüdischen Traditionslehre und in demjenigen der Assyrer selbst lebendig geblieben ist. Wie es nun auch mit den Hoffnungen des assyrischen Briefschreibers sich verhalten möge — jedenfalls ist aufs herzlichste zu wünschen, daß der jetzt euneut vom Völkerbund unternommene Versuch, dem unglücklichen Volke eine Heimstätte, zu schaffen, von Erfolg gekrönt sein möge. Die Auswirkungen des Abessinien-Konfliktes auf das palästinensische Wirtschaftsleben. Tel A w i w , 24, Sept, (Palnews,) Die Unsicherheit, die sich in Palästina vor etwa zwei Wochen im Zusammenhang mit dem italienisch-abessinischen Konflikt ergeben hat und bei einer Reihe von Banken zu Depositenabhebungen führte, hat die Palnews-Redaktion zu einer eingehenden Untersuchung des Tel Awiwer Wirtschaftslebens in den letzten Tagen veranlaßt. Die Lage in Tel Awiw kann zweifellos in den großen Zügen als typisch für das ganze Land angesehen werden, trotz der Tatsachet daß beispielsweise in Jerusalem sich die Unruhe in viel geringerem Maße als in Tel Awiw geltend machte. Diese Untersuchung ergibt, daß die in Erscheinung getretene Unsicherheit bereits zweifellos angefangen hat, einen ungünstigen Einfluß auf das Wirtschaftsleben auszuüben und daß — obwohl die hineingetragene Unsicherheit ohne jegliche tatsächliche Begründung ist — das palästinensische Wirtschaftsleben sehr geschädigt werden wird, wenn es nicht sehr bald wieder zu einer Normalisierung kommt. Ueber den Umfang der Depositenabhebungen von den palästinensischen Banken in den Tagen der Unruhe sind genaue Ziffern nicht bekannt. Nach den Schätzungen informierter Persönlichkeiten belaufen sich die Abhebungen auf ungefähr LP VA Millionen. Ein kleiner Teil der Abhebungen ist zu den Banken wieder zurückgeflossen, der große Teil derselben ruht in Safes oder in den Wohnungen der Abheber. In jedem Falle ist dieses Geld dem Wirtschaftsleben entzogen. Alle Banken legten in der ganzen Zeit eine große Stärke und Festigkeit an den Tag, nicht in einem einzigen Falle wurde die Auszahlung nicht auf sofortiges Verlangen getätigt. Jedoch |jf^^ Von den höheren Sukkogästen. Die Namen und die Reihenfolge der „Uschpisin", der höheren Gäste unserer Sukkoh, sind nicht ganz einheitlich festgelegt. Manche der alten Schriften nennen Jossef nach Mosche und Ahron, wiederum Andere führen anstelle von Jossef, S a 1 o m o , als letzten, an. In der Reihenfolge des Wilnaer Gaon rangieren die Uschpisin wie folgt: Abraham, Izchak, Jaakob, Jossef, Mosche, Ahron und David. Nach vielfacher Deutung vertreten die sieben Namen die ersten sieben der bekannten „zehn Sphären" •nna^a »tio» »tw »nxi »niKun /niiaa »Ton :(niTao Abraham ist Ton und bringt am ersten Abend die Liebe in unsere Hütte; Izchak auf der Opferbank vertritt die miaa und bringt uns den Gedanken der Glaub enskraft und des Opfermutes nahe; "Jakob, der niKDfin a»stellt die Harmonie von Liebe und Kraft dar; Jossef, der sich in Sklavenketten und auf Königsthron gleich erprobt hat, zeigt nx* den Sieg des jüdischen Ewigkeitsgedankens; Mosche, als Träger der Tin 'Jlp» bringt den Glanz in unsere Sukkoh; Ahron am natan Tio» weiht unsere Hütte zur Opferstätte und David schließlich, der König und G'ttessänger, ist das verkörpert« rroVn Scheloh in seinem Gebetekommentar bringt die sieben Uschpisin samt den sieben Sphären in Verbindung mit den sieben Sätzen des M/nna nflK -Gebetes. larrina» der Ausgewählte, au® der Menge, der Weltenvölker Hervorgehobene, war Abraham. nans geht auf Izchak, von dem bei der Berufung zum Edelopfer das Wort nann *iipk gebraucht wird. n'5-v Wohlgefallen hatte G'tt an Jakob, den er vor Esau auszeichnete. tmwbn loa unaanv zielt auf Jossef hin, der (siehe Midrasch} kraft seiner durch ein Wunder erworbenen Sprach- und Zungengewandtheit zur Höhe kam. ■pmsnaumtnpi»' geheiligt hat uns G'tt durch Seine Gebote, die uns Mosche übermittelt hat. innaj^ laa^a unaipv Sprechen wir dann von miay» Dienst, so denken wir an Ahron, der den ersten heiligen Dienst am G'ttesaltare verrichtet. 'in Vnan ^»v Wer lehrte uns aber schöner und inbrünstiger dem Namen G'ttes huldigen, "als David, der königliche Psalmsänger? Die Ahnentafel unserer Sukkoh müßte danach wie folgt lauten: umna nn« - ion — anlas d lifiR nariK — miaa — prur (2^ lia *»üii — hiNön — aj?s>* (3 nwvbn Vaa uraam — nsj — tjov (J •jvnxaa -unenpi — nn — nra (&. ■jmiay1» unanpi — t.d"' — nnR (6. nsnp irbsr — nnbn — in (7 Anleitung zur Sidrabesprechung in den Esra — Pirche A, J, Gruppen« Das Buch Bereschith. „Das Buch Bereschith ist das Buch der Schöpfung der Welt (Jezirah), über die Erschaffung der Welt und alles Geschaffenen, sowie über die Erlebnisse der Väter. Denn ihre Erlebnisse sind eine Erschaffung im Hinblick auf die Erlebnisse ihrer Nachkommen. Was sich nämlich bei ihnen ereignete, ist Urbild, das symbolisch auf die zukünftigen Geschehnisse hinweist." (Ramban). Das Buch Bereschith ist demnach Einleitung zur Thora, will immer hur im Hinblick auf die andern Bücher begriffen werden. Die Volksentstehung beginnt mit der ägyptischen Fronarbeit, bis dahin geht die Vorgeschichte. Diese stellt die Wurzel des jüdischen Volkstums dar. Die Elemente dieses Volkstums sind: G'ttes Liebe zu dem Volk, die Verheißung des Landes, die Erfüllung von G'ttes Willen durch das Volk. Daß das Dasein des Volke® begründet werden soll, erhellt aus dem Aufbau. Der erste Tag spricht vom Weltall, vom dritten Tag ab ist nur noch von der Erde die Rede, vom zweiten Kapitel ab nur noch vom Menschen. Nach dem Tode von Hewel wird noch in Kap. 4 Kajin behandelt, um von Kap. 5 an nur noch von Scheth zu reden. Seine Nachkommen interessieren nur, soweit sie zu Noachs> Ahnenreihe zählen. In Kap. 10 werden Cham und Jepheth in ähnlichem Sinne wie Kajin behandelt, vom elften interessiert nur noch Schern, um auf Awraham hinzuleiten. In Kap. 19 wird Lot, in 25 Jischmael, in 36-