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Der Israelit · 1935-10-10 · Heft 41-42 (10.10.1935) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 41-42 (10.10.1935)
Date
1935-10-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
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10. Oktober 1935 Der Israelit Nr. 41/42 Seite 3 Die Davidshütte auf neuem Boden. (Fortsetzung von Seite 1.) hütet ist, wo echte jüdische Kultur gedeiht. Das wäre die einzig richtige Antwort an die Welt; sie wird sie begreifen und auch billigen. Möge unsere Hütte auf neuem, vom Sturm reingefegten Terrain so sein, daß die „Höheren Gäste" darin einziehen und wohnen: Abrahams Liebe, Izchaks Glaubens kraft, Jakobs siegreiches Ringen u mG ' 11, Josefs" in Leid und Glanz erprobte Treue, Möschens Thor a, Ahrons Dienstfreude, Davids sangesfrohe K ö n i g s h u 1 d i g u n g. Auf dieser Höhe könnte die Hütte der Turm sein, zu dem uns der Ernst und die Freude, der Schofar wie die Hütte, das Fasten wie das reiche Festmahl hinaufführen wollen. Was wir in uns in den Tagen des Aufstieges aufgebaut und errichtet haben,; wir suchen es weiter auszubauen und auszugestalten. Was sich 'die Seele in diesen Tagen des Ringens, vom ersten Tone des Elulhorns bis. zum Frohgelöbnis: „Wir jubeln und jauchzen mit dieser Thora, die uns Kraft und Licht ist'," errungen hat, wir tragen es in den Winter hinein, der seinem äußeren Rahmen nach, vielleicht ein Winter des Mißver gnügens" sein' wird, der aber mit seinen langen lichtreichen Freitagabenden, mit dem Born des Lebens, den uns zu erschließen sich unsere Lern vereine rüsten, mit der Fülle von jüdischen Aufgaben, die uns das eigene jüdische Hilfs werk auferlegt, uns zu einer Quelle der Wonne und der innere n Kraft werden kann, eben zu jenem Gipfel, zu dem uns die Feste über Höhen und Hütten emporzuführen ge dachten. .Und zeigen wir den ehrlichen Willen, die scheinbar stürzende Davidhütte auf dem uns gezeigten neuen Grunde dergestalt neu zu errich ten, dann kann auch der Segen dessen nicht ausbleiben, der zu allen Zeiten Israels Hüttenbauer war, des.* ül^ti? rOO IPTIS •tow iasr Vsn wtor Wochenrundschau. Jüdische Fahnen und Farben. Das neue Flaggengesetz, das den Juden gestattet, ihre Farben und Fahnen zu zeigen, wirft die Frage der jüdischen Wappen, Farben und Fahnen von neuem auf. Sowohl nationalsozialistische Zeitungen wie auch einige jüdische Blätter diskutieren lebhaft über die Frage „Blauweiß oder Weißblau?" und ergehen sich in gelehrten Forschungen über Alter und Herkunft des Mogen-Dowidsterns. Daß das zionistische Blauweiß die eigentliche und älteste jüdische Farbe wäre, wagen selbst die Zionisten nicht zu behaupten. Also welche Fahne und welche Farbe denn sonst? Ein Berliner jüdisches Blatt weiß, daß von den zwölf Stämmen jeder seine eigene (besondere) Fahne hatte, von welcher Farbe sie jedoch gewesen sind, darüber sei nichts Authentisches überliefert. Woher das Blatt sein Wissen geschöpft, ist nicht erfindlich. In der Thora selbst (M. IV. Kap. 2} wird uns nur überliefert, daß jeder Stamm seine eigene Fahne hatte, eigen im Sinne von ,,Eigentum", aber nicht von „eigenartig" und „eigenfarbig". Gilt uns aber die Ueberlieferung im Midrasch rabbah zum gleichen Kapitel der Thora als historisch fundiert, so können wir jenen Bericht nicht zur einen Hälfte, soweit er die eigene Fahne betrifft, als authentisch anerkennen und den zweiten Teil, der Wappen,, Art und Farbe einer jeden Fahne genau bezeichnet, einfach negieren. Wir sind der Meinung, daß während die moderne Forschung, glücklich ist, Belege aus dem 14. bis zum 16. Jahrhundert für die Feststellung der jüdischen Farben heranziehen zu können, für uns jene Midrasch-Urkunde, die um rund tausend Jahre älter ist als die Edikte von Karl IV., ungleich mehr >g e l ie n m u ß. Nach dieser Midraschdarsteüung ergibt sich folgendes Bild: Die zwölf Stämme hatten ihre Wappen nach den zwölf Edelsteinen an der Brust des Hohenpriesters) und zwar der Reihe nach wie diese Edelsteine in der Schrift genannt werden. Was aber Farbe und Flaggenzeichen anbelangt, so hatte R e ü b e n eine rote Fahne mit einem Dudaim-Bilde. Schime o n s Fahne war g r ün und zeigte das Stadtbild von Schechem. L e v i hatte dreifarbige Fahne, und zwar weiß, schwarz und r,ot, und das Bild der Urim Wetumim. J eh u d a hatte himmelblaues Tue h. mit einem Löwen darauf. Auf Isa c h a r s;s c h w a r z e r Fahne prangten die Bil der von Sonne und Mond. S e b u 1 u n zeigte ein ßchiff auf w e i ß e m Grunde. Dan; wählte die S a.p h i r f a r b e und eine Schlange als Zeichen. G a d s Fahne, die ein Farberigemisch von schwarz und weiß hatte, zeigte ein Heereslager. N a f t a 1 i s Fahne schillerte in Weinfärb e und zeigte eine Hindin. Ascher zeigte eine Olive auf einer Fahne, die wie Edels t e i n leuchtete. Josef hatte tiefschwärze Fahne mit einem Stadtbild darauf, das Mizrajim darstellte. In Benjamins Fahne, auf dem ein Wolf zu sehen war, fanden sich die;F arh.en aller Stämme zusammen. Soweit der Midraschbericht. Welche Konsequenzen wir daraus zu ziehen hätten, müßte man den weiteren Forschungen überlassen. Da wir uns zum überaus größten Teile unstreitig zum Stamme Jehuda zählen, so hätten wir Anspruch auf das Himmelblau mit dem Löwen, allein auch Benjamin, der Jehuda benachbart war und mit ihm ins Exil gezögen ist, ist stärk genug in. der derzeitigen Judenheit vertreten, daß sich hie und da auch eine Neigung füf seine vielfarbige Fahne regen könnte. Nicht dem geringsten Zweifel;'^unterliegt es, daß sämtliche K o h a n i m und Leviten au s d e m Stamme Le vi kommen, die somit auf Weißschwarzrot mit dem Bilde der Urim verwiesen werden müßten. Mail.'sieht, die Sache ist nicht so einfach lösbar, auch wenn man die alten und ältesten Urkunden, deren historische Zuverlässigkeit nicht bestritten werden kann, sprechen läßt. Im übrigen ist die Frage nicht von brennender Aktualität, solange das Gesetz den Juden die Farbe nur gestattet und nicht vorschreibt. Bis dahin muß es für uns in anderem Sinne heißen: Jude bekenne Farbe! Jude stehe zu deiner;Fahne! hllll lll^X Dffni Ein Palästina-Monopol? In dem gleichen Augenblick, in dem die Welt staunend das wenig erbauliche Schauspiel erlebte, daß Führer des „RjF." und des „C. V." sich von der „Reichsvertretung" zu einer gänzlich programmwidrigen Inthronisierung des zionistischen „Keren hajessod" als Instrument der jüdischen f G e s a m t h e it. Deutschlands haben verführen lassen, — hält es. die „Jüdische Rundschau" füiangebracht, diesen Kreisen als Quittung für ihr: willfähriges: Hineinrutschen in den Zionismus ,-folgende literarische Ohrfeige zu versetzen: * j : fr. „Auch die Art und Weise, wie manche Gruppen jetzt, einem Konjunkturbediirfnis*) folgend, ihr Palästina-Interesse dokumentieren, ist wirklich nicht erhebend. Wir haben seit vierzig Jahren dafür gesorgt, daß die deutschen Juden etwas .für Pa- *) Von uns gesperrt. Red. I lä&tina tun, wir haben jeden freudig begrüßt, der Verständnis bekundete und sich in die Reihen der Freunde des Palästina-Aufbaus stellte. Niemand wird also vermuten, daß wir ein Palästina-Interesse zurückweisen. Aber der Palästina-Aufb.au, dessen fünfzigjährige, mit Blut und Tränen, mit Entbehrungen und Heroismus* erfüllte Geschichte heute zur Gemeinbildung jedes Juden gehören sollte, ist eine zu ernste Sache, als daß man so damit umspringen dürfte, wie manche jüdischen Kreise in Deutschland es i tun. Dazu gehört z. B. d'i e groteske Verbindung des in seiner großen Mehrheit aus areligiösen oder liberalen Mitgliedern bestehenden Frontbundes mit der orthodoxen Agudas Jisroel,*) die bekanntlich eine so minutiöse 'Beachtung des Religionsgesetzes vorschreibt, daß die Institutionen der Gemeinde-Orthodoxie in Palästina ihr nicht genügen. In dieses Milieu sich die Frontbündler versetzt zu denken, ist eine Vorstellung, die beweist, daß hier nur ein Weg gesucht wird, um der unangenehmen Notwendigkeit zu entgehen, die Bedeutung des zionistischen Palästina-Aufbaus — der der einzige existierende ist — anzuerkennen. Wir hätten gemeint, daß sogar extreme Gegner von gestern die innere Größe aufbringen könnten, in1 einer Stunde, die nun einmal das Einbekenntnis historischer Irrtümer erfordert, dies mit Würde und 'klarer Erkenntnis der Tatsachen zu tun. Die große :Mehrheit der Zionisten hätte gewiß vor so einem Verhalten 'Respekt gehabt und die Gegner von gestern ohne jede Ironie mit' •preude begrüßt, wenn sie ehrliche Mitarbeiter am Palästina-Werk werden 'wollen." Obgleich die Herren vom Frontbund und Centraiverein sich selbst«; zu verteidigen wissen werden, müssen wir zu 'dieser Abkanzelung von oben herab doch auch von unsrem Standpunkte aus einiges bemerken. Daß das Gros der deutschen Juden, wie es fm Centraiverein und Frontbund organisiert ist, seiner in dividuellen religiösen Einstellung nach viel besser in die Reihen der „Zionistischen Vereinigung^ hineinpaßt, als in diejenigen der Agudas Jisroel", ist eine traurige Binsenwahrheit. Liberalismus und Zionismus als Weltanschauungen, gehören zusammen wie individuelle und nationale Assimilation; beide be-: deuten Rebellion gegen die gänzlich religiös bestimmte jüdische Geschichte, deren Kontinuität ausschließlich die agudistische Orthodoxie vertritt. Aber die „Rundschau" verkennt oder will nicht wissen, daß es denn doch unter den Liberalen eine Menge Menschen, insbesondere junger Menschen gibt, denen das religiöse Zerstör ungswerk, das der Zionismus mit all seinem „einzig existierenden" {!!) Palästina-Aufbau und durch diesen „Aufbau" in das heilige Land des heiligen Volkes hineingetragen " hat, Schauder und Entsetzen verursacht, und die — wohin sie selber auch die Verirrung des Emanzipatioriszeitalters geführt hat — mit aller Aufrichtigkeit ihrer Seele ein heiliges, ein G'tt und seinem Gesetze unterworfenes Erez Isroel ersehnen, das der Zionismus nach seiner Mentalität nicht schaffen kann und will. Es gibt ferner eine große Zahl Liberaler, die in dem zionistischen Wahlspruch „Religion ist Privatsache", in der Entkonfess i o n a 1 i s i e r u n g , das heißt ja in der V e r - weltlic.hung des jüdischen Volksbegriffes., den gefährlichsten Umsturzversuch der jüdischen Geschichte, ja einen Verrat an der Menschheit erblicken, und denen der „Stock-Konservativismus" der Agudisten zum mindesten als das kleinere U e b e 1 erscheint gegenüber der hackten, im Zusammenprall mit den Nationalismen der Völker, zum geschichtlichen Untergang führenden P olitisieru n g , die der Zionismus über das jüdische Volk gebracht hat. Wenn diese liberalen Kreise für das heute aus äußeren Gründen unentbehrliche palästinensische Aufbauwerk im Rahmen des Keren h a j t s c h u w wirken wollen, so kann das nur demjenigen „grotesk" erscheinen, den parteigebundene Ueberheblichkeit blind macht. Wir verkennen keinen Augenblick die wertvolle therapeutische Wirkung, die das zionistische Gift in der Hausapotheke des Weltenlenkers zu spielen berufen ist — es hat schon manchen assi-

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