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Der Israelit · 1935-10-10 · Heft 41-42 (10.10.1935) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 41-42 (10.10.1935)
Date
1935-10-10
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Nr. 41/42 Der Israelit 10. Oktober 1935 In einem gewissen Ausmaße hat der Beginn der Kampfhandlungen auch belebend auf die Wirtschaft Palästinas gewirkt. Diejbekannte Oelfabrik „Shemen" in Haifa und eine Reihe anderer Unternehmungen haben von beiden Seiten größere Aufträge erhalten. In Wirtschaftskreisen rechnet man mit der Möglichkeit einer ziemlich bedeutenden Verstärkung des Exports, Die Fruchtsäftefabrik „Assis" hat eine Bestellung in Höhe von 8000 Pfund erhalten, eine Lederwarenfabrik erhielt einen Auftrag im Be- ' trage von 20.000 Pfund von der italienischen Regierung. Der obligatorische Schofar an der Köthel. Alle Warnungen an die Jünglinge, aus einer religiösen Handlung keine nutzlose politische Demonstration zu machen, verfehlten ihren Zweck. Auch dieses Jahr kam wieder am Jomkippurausgang vor der heiligen Mauer der Schofar zum Vorschein und zu Gehör. Die ITA. berichtet unter dem 8. Okober: „Am Jomkippur versuchte der Jugendliche Schraga H a i k i n , ein vor kurzem aus Kowno nach Palästina eingewandertes Mitglied des Brith Trumpeldor, entgegen den Bestimmungen über die Erhaltung des Status quo an der Klagemauer, dort »den Schofar zu blasen. Er wurde v e r h a f t e t. Im vergangenen Jahre wurde bekanntlich aus demselben Grunde auch ein junger Revisio nist, Chaim Rüben Horowitz, wegen desselben Vergehens verhaftet und bestraft." Bei allem innerem Proteste gegen das Verbot des Schofarfelasens an der heiligsten Stätte in der weihevollsten Minute, sind wir nicht geneigt, aus dem Dummenjungenstreich des revisionistischen Jünglings eine religiöse oder nationale Heldentat;zu machen. Kandidaturen für das Amt des Oberrabbiners von Palästina, Jerusalem, 6. Oktober. Als aussichtsreichster Anwärter für das durch das Hinscheiden Rabbi Kuks freigewordene Amt des Oberrabbiners von Palästina gilt, nach einer Meldung der ITA., zurzeit der Oberrabbiner von Antwerpen, R a b b i Amiel. Ferner sind in Aussicht genommen Chiefrabbi Herzog -Dublin und der Professor für. Talmud am New Yorker Jewish Institute of Religion, Rabbi Chaim Tschernowitz, der auch unter dem Pseudonym „Raw zair" bekannt ist, Rabbi Amiel hat zwar die größten Chancen, gewählt zu werden, lehnt aber vorläufig noch die Berufung aus Gesundheitsgründen a.b. In den interessierten Kreisen werden die Möglichkeien für die Neubesetzung des Oberrabbinats lebhaft diskutiert. Die Juden im neuen polnischen Sejm und in den Stadtparlamenten. Warschau, 8. Oktober. Die erste Tagung des neugewählten Sejm und Senats ist beendet. Die Abstimmung bei der Konstituierung des Sejm zeigte, daß der Anspruch der 10 Proz. der Gesamtbevölkerung zählenden Judenheit Polens auf eine stärkere Vertretung in den parlamentarischen Körperschaften (es gibt jetzt nur drei jüdische Abgeordnete und zwei jüdische Senatoren) sogar in den Kreisen des auf Grund der neuen Wahlordnung sehr einseitig zusammengesetzten Sejm vielfach anerkannt wird. Bei der Wahl der Schriftführer erhielt der jüdische Abgeordnete Dr. Sommerstein, obwohl die Aufstellung seiner Kandidatur rein demonstrativen Charakter hatte, zur allgemeinen Ueberraschung 4} von 188 Stimmen, was dahin gedeutet wurde, daß nach allgemeiner Ueberzeugung den Juden bei den letzten Wahlen ein großes Unrecht geschehen sei und daß ein Teil der Abgeordneten das Bedürfnis fühlte, dieses Unrecht .durch Betrauung eines jüdischen Abgeordneten mit einer leitenden Funktion wenigstens einigermaßen wieder gut zu machen. In Lodz hat der Mißstimmung in agudistischen und in allen anderen jüdischen Kreisen über die Zurücksetzung der Juden bei der Ernennung eines Beirats des Stadtpräsidiums an Stelle des aufgelösten Stadtrats (unter den 24 Mitgliedern des Beirats befinden sich nur 2 Juden, 1 Agudist und 1 Assimilant, obwohl die Juden in Lodz 30 Proz. der Bevölkerung iblden), die Exekutive der Agudaorganisation in Polen dadurch Rechnung getragen, daß sie ihr zum Mitglied des Beirats nominiertes Mitglied Fischel Lieberm a n n aufgefordert hat, zum Protest gegen die ungenügende Berücksichtigung der Juden bei der Zusammenstellung des Bieirats die Berufung nicht anzunehmen. Einstellung der Verwandten-Einwanderung aus Pol^n- Warschau, 8. Oktober. In der letzten Zeit sind bekanntlich im Zusammenhang mit einer Untersuchung, die gegen einen leitenden Beamten des Einwanderungsamtes der Palästina-Regierung geführt wird (es handelt sich um einen Araber namens Massadri), Verschärfungen der Einwanderungskontrolle in den palästinensischen Häfen verfügt worden. Das hatte zur Folge, daß etwa" 50 Personen zur Landung nicht zugelassen wurden, weil mati ihre Einwanderungszertifikate beanstandete. Um die Wiederholung solcher Vorkommnisse in nächster Zeit zu verhindern, hat das Einwanderungsdepartement der Palästinaexekutive der Jewish Agency in Jerusalem das Warschauer Palästina- Amt angewiesen, vorläufig keine Einwanderer auf Grund von Verwandteüzeftifikäten abzufertigen, da diese Zertifikate zum großen Teil von dem Beamten Massadri unterzeichnet sind und zunächst das Ergebnis der gegen ihn geführten Untersuchung abgewartet werden muß. Arbeiterbedari in Palästina. Aus den beim Arbeitsamt der jüdischen Kolonien einlaufenden Berichten ist zu ersehen, daß der Arbeitermangel in allen Wirtschaftszweigen erheblich zugenommen hat. Der Landwirtschaftsbetrieb in Herzlia, Kfar Saba, Hadar, Magdiel, Ness Ziona und anderen Siedlungen hat unter dem Mangel an Arbeitern: schwer zu leiden. Die Einwanderung in ihren gegenwärtigen Ausmaßen ist nicht imstande, diesen Arbeitermangel zu beheben. Obwohl mit jedem Dampfer neue Arbeitereinwanderer in das Land kommen, bleibt die Lage auf dem Arbeitsmarkt in den Kolonien unverändert, da die Einwanderer zum größten Teil sofort in die Kooperativgruppen gehen, die ebenfalls dringend neue Mitglieder brauchen. Der Ausbau der Landwirtschaft und die Schaffung neuer Unternehmungen tragen dazu bei, den Bedarf an Arbeitern noch weiter zu steigern1. Die wichtigste Rolle bei der Entwicklung der Landwirtschaft spielte die Jewish Agency, die vom Januar bis September 1935 etwa 300.000 Pfund auf diesem Gebiet investiert hat. Die Gesellschaften Nir und Habokar werden in der zweiten Hälfte 1935 etwa 100.000 Pfund investiert haben. In Herzlia wurde mit Brunnenbohrungen Begonnen, für die neue Arbeiter dringend gebraucht werden. In dieser Kolonie werden auch neue Straßen und zwei große Häuser für landwirtschaftliche Arbeiter gebaut. Intensive Arbeit wird auch in Kfar Sajba geleistet, wo in den letzten Wochen 150 neue Einwanderer aufgenommen wurden, trotzdem aber noch weiter Arbeitermangel herrscht. Eine beträchtliche Zahl neuer Einwanderer hat in Hadar Beschäftigung gefunden. Diese Siedlung dehnt ihre Orangenpflanzungen. aus und hat sich an die Landwirtschaftskommission der Arbeiterorganisation um sofortige Zuweisung weiterer Arbeitskräfte gewandt. In Petach Tikwah ist der Arbeit er mang el so groß, daß der Bau von Straßen und andere wichtige Arbeiten zurückgestellt werden mußten. Ebenso dringend ist der Arbeiterbedari in der Industrie. Die Schokoladenfabrik Elite erweitert ihre Anlagen und will 100 Arbeiter neu einstellen. ' Auch die Fruchtsäftefabrik Assis, die ihre Gesamtproduktion und die Arten ihrer Erzeugnisse ständig vermehrt, will in diesem Herbst weitere 100 Arbeiter aufnehmen. In Haifa herrscht lebhafte Tätigkeit im Baugewerbe und in der Industrie. Die Entwicklung wird durch den Bau von Straßen in verschiedenen Stadtvierteln gefördert. Hand in Hand mit dieser Entwicklung geht eine erhöhte Nachfrage nach Angestellten für Hotels, Restaurants, Privathaushaltungen und nach Chauffeuren. In den ersten acht Monaten des Jahres 1935 wurden in diesen Berufen allein 850 Personen in Haifa neu angestellt. Sehr starker Mangel herrscht an gelernten Arbeitern einzelner Berufszweige, so in Jerusalem vor allem an Pflasterern und anderen Bauarbeitern. Es ist beabsichtigt, Neueinwanderer nach Jerusalem zu bringen, um sie dort im Steinmetzhandwerk auszubilden. Bodenreform in Lettland ist auch Juden zugute gekommen. Anläßlich des 15jährigen Jubiläums der Bodenreform in Lettland wird darauf hingewiesen, daß die Aufteilung des Großgrundbesitzes auch J u d e n in erheblichem Umfange zugute gekommen ist. Zahlreiche ehemalige jüdische Pächter sind durch die Reform selbständige Landwirte geworden. Ferner wurde aus der Bodenreform freigewordener Grund und Boden für jüdische öffentliche Zwecke zur Verfügung gestellt, z. B. zur Errichtung von Synagogen, Schlachthäusern, Märkten usw. Außerdem haben. 300 jüdische Teilnehmer an den Freiheitskämpfen in verschiedenen Teilen des Landes Grund und Boden erhalten. Misrachi übernimmt die jüdische Schulfarm „Le renouveau". Dr. Dimitri Marianoff gibt bekannt, daß die von ihm gegründete und bisher geleitete Schulfarm „Le Renouveau" in Südfrankreich, in der aus Deutschland ausgewanderte jüdische Jugendliche zu Landwirten ausgebildet werden, vom Misrachi-Weltverband übernommen worden ist, Im Auftrage des Misrachi-Weltverbandes wird die Misrachiorganisation in Frankreich die Farm als Ausbildungsstätte für Chaluzim benutzen. Auch weiterhin wird der größte Teil der Eleven aus den Kreisen der jüdischen Auswanderer aus Deutschland genommen werden. Der Betrieb auf dem Gut wird nach streng religiösen Gesichtspunkten geführt. Zurzeit sind 30—40 Auswanderer in Ausbildung auf ,,Le Renouveau". Dr. Marianoff hat die Leitung der Farm abgegeben, weil er sich dauernd in den Vereinigten Staaten niederläßt. Er behält jedoch das Amt des Schriftführers des Unternehmens.

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