Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 41-42 (10.10.1935)
- Date
- 1935-10-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Ein Centraiorgan für das orthodoxe Judentum / Begründet von Dr. Lehmann in Mainz Frankfurt a. M- 10. Oktober 1935 13. Tischri 5696 Nummer 41 / 42 Das Urteil im Warschauer PogromprozeD. Warschau, 9. Oktober. Der Warschauer Pogrom-Prozeß, über dessen Verlauf wir im Korrespondenzenteil dieser Nummer eingehend berichten, ist gestern abend zu Ende gegangen. Die Angeklagten Chorosz, Lewinski, Dziewiec k i und Mi a j e w s k i wurden wegen Totschlages, begangen an dem Juden Delman, zu je fünfeinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt. Sieben weitere Angeklagte erhielten Zuchthausstrafen von einem bis zwei Jahren. Elf Beschuldigte mußten wegen Mangels an Beweisen freigesprochen werden. Die Verteidigung legte gegen das Urteil Berufung ein. . Zuchthausstrafe für einen Erpressungsversuch an einem Juden. K a s s e 1, 9. Oktober. Das Sond er g e r i c ht in Kas sel verurteilte; einen 43jährigen. Mann aus Eschwege wegen versuchter Erpressung und wegen Vergehens gegen „das Gesetz zur Abwehr heimtückischer Angriffe auf Partei und Staat" zu fünf Jahre n Z u e h th au s und fünf Jahren Ehrverlust, Der Angeklagte hatte, angeblich um die Ehre seiner Braut zu retten, von einem Juden unter der Androhung der Aufdeckung von Beziehungen, die . der Jude vor sieben Jahren zu seiner Braut unterhalten haben soll, eine größere Geldsumme verlangt. Er trug dabei auch die Zivilabzeichen der Partei, obwohl er längst ■wegen seiner Vorstrafen aus der Partei ausgeschlossen worden war. Die Polizei wurde auf diese „Ehrenrettungsaktion" aufmerksam und so kam es zu dem Prozeß und der genannten Verurteilung. In der U r t e i 1 s b e g r ü n d u n g erklärte das Gericht, daß die Lösung der Judenfrage allein;€ine Auf gäbe des Staates sei, E i n <z e 1aktionen hätten zu unterbleiben, und wer sie dennoch in eigennützigem Interesse unternehme, bekomme die ganze Strenge des Gesetzes zu spüren, denn er versündige sich an den Zielen und\m Geiste der nationalsozialistischen Bewegung. Dembessiflische Krieg, die Juden und Palästina. Saloniki, 6. Oktober. Unter Führung des ehemaligen italienischen Offiziers Modianu, eines Juden, ist die erste. Gruppe italienischer «Freiwilliger für den abessinischen Feldzug aus Saloniki abgegangen. Außer dem Kommandanten gehören der Gruppe noch viele andere jüdische Freiwillige an. Einige englische Kriegsschiffe, das Flaggschiff Cofrington und vier Zerstörer, ankerten am Sonnabend in Haifa. Die Berichte der ausländischen Presse über den Beginn von Befestigungsarbeiten in Haifa und am Hafen von Haifa, in denen zum Teil sogar von der Anlegung von Schützengräben und eines Drahtverhaus rings um die Stadt die Rede war, entbehren jeder Begründung. (Fortsetzung siehe. Seite 2.) Die heutige Ausgabe erscheint der Feiertage wegen als Doppelnummer. Die nächste Nummer kommt Donnerstag, den 24. Oktober, zur Ausgabe. Aus dem Inhalt: Schoiar an der Westmauer.....Seite 2 Die Juden im neuen polnischen Parlamente...........Seite 2 Jüdische Fahnen und Farben .... Seite 3 Ein Palästinamonopol?........Seite 3 Assyrer und Jaden.........Seite 3 Die Auswirkungen des Abessinien- Konfliktes auf Palästina.....Seite 4 Koheleth. Von Oberrabb.Dr. Carlebach . Seite 5 Kultus und Ethik. Von Dr. B- Cohen . . Seife 7 Semesterschluß der Frankf. Jeschiwa Seite 8 Pogromprozeß in .Warschau . . . Seite 1 u. 9 Palästinaberichte . . . . . . --,.S.eite8,10u. 11 Beilagen: Aus Welt und Leben Literarische Warte Die Da vi dshiitte aufneuem Do d e n. Der Grundgedanke des Sukkausfestes ist B eständigkeit im Wechsel, Hütte und dennoch Haus, 'iny für den Tag gedacht, und dennoch s/ap für die Ewigkeit bestimmt. Ohne Fundament und Dach, ist doch die Festhütte ein Modell des jüdischen Hauses, des ewig bestehenden und ewig gültigen. * Die Schrift bedient sich gern der Sukkoh, — statt rpa oder bTtit - ob sie vom Geiahrenherde spricht, aus dem das Unheil droht, oder vom Schutzdache, unter dem der Bedrohte und Gefährdete Bergung und Rettung findet, inoaa anH' n30a Den der Falle des Bösen entgangenen Gerechten „birgt G'tt in der Hütte, rOtn 032220' vor dem Gift der bösen Zungen (Psalmen 31, 211." Israel, dessen Lebensweg in der Geschichte zwischen den beiden verlief, der Hütte, aus der das Unheil drohte und der anderen, die Schutz und Schatten bot, kennt daher kein schöneres Symbol für seine Wechselgeschicke zwischen Gefahr und Rettung, als die fundament- und dachlose Sukkoh mit ihrem freien Ausblick zu den Sternen. Schon seit Urväterszeiten her. Als Esau seine festen bewaldeten Höhen bezug, wanderte Jakob nach „Sukkaus", Wohl errichtet er sich, d. h. seinem eigentlichen Ich, dem ewig Bestehenden seines Geistes- und Seelenlebens, ein festes Haus, aber das Eigentum um ihn herum blieb in Hütten ntiW innpa^l IPl 1^» ja^l DISO (M. I. 33, 17.) Und hat die Menschheit einmal, mit und durch Israel, die letzte Etappe der Erlösung erreicht, | dann leuchten überall die Hütten auf, die Hütten des Schutzes und die Hütten des Friedens mitten in wegloser Oede. „Eine Hütte wird Zion sein Dö-p Vx^> pr\T\ nDOl zum Schutze vor der Glut bei Tag und zur Deckung vor Sturmflut und Regen" (Jesajas 4, 6). Vorbei ist die Zeit, da Zion, ein Bild des Jammers und der Verödung, „wie eine einsame Hütte im Weinberge stand" (Jesajas 1, 8). „An diesem Tage, sagt der Prophet Arnos (9, 11), errichte ich Davids Hütte, die stürzende." •Atomn m roo dk d^k mnn ora Die im Stürzen befindliche Hütte, fl^SIW- Gänzlich, gestürzt ist Davids Hütte nieauch wenn die Stürme sie noch so wild umtobten. Der Zeiten Schwere brachte Gefahr über Einzelteile, die Hütte im Ganzen blieb. Im stürmischen Wellengange der Geschichte wurde sie oft fortgetragen, entstand aber auf neuem Grunde wieder. Die „fallende Hütte" nach Kräften zu stützen, sie zu erhalten und auszugestalten auf dem neuen Räume, den uns die neue Gesetzeslage dafür bietet, ist die jüdische Aufgabe des Tages. Man zeigt uns den eigenen Boden, darauf wir uns, von den anderen gesondert, unsere Lebenshütte, zur Bergung des eigenen nationalen, religiösen und kulturellen Lebens, errichten sollen. Wenn schon eigener jüdischer Boden, dann aber auch jüdischer Eigenboden, wo wahre Religion im Sinne von ntPÖ fHttl ge- (Fortsetzung siehe Seite 3.)