Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 40 (3.10.1935)
- Date
- 1935-10-03
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 Nr. 40 Der I s r a e 1 i t 3. Oktober 1935 beitea. Die Agtido-Zentrale wendete sich (gestern an den Postdirektor mit d«m Verlangen, den Befehl zurückzuziehen. Der G e r e r R e b b e reiste ges-tern, am 4. Slichostag, nachmittags in Begleitung einer großen Menge nach Hebron, um dort an den Gräbern der Väter zu beten. Der Rabbi stieg eine Stufe weiter hinauf, als es den Juden erlaubt ist, zur Höhle Machpela hinaufzugehen. Ein Polizist versetzte darauf dem Rabbi in roher Weise einen fest e n Stoß, so daß ein Sturm unter der anwesenden Menge ausbrach. Man bemühte sich, den Rabbi aus den Händen der Polizei zu retten, worauf mehrere Polizeibeamte sich auf die Menge stürzten und 10 von ihnen verhafteten. Angesehene Juden aus Hebron beeilten sich, Kaution für die Entlassung der Verhafteten anzubieten, die PöYiz&i verlangte jedoch eine Garantie von Jerusalem. Man setzte sich telefonisch mit der Agudo-Zentrale dort in Verbindung. Rabbi Mosche Blau wandte «ich an das Zentralpolizei-Amt. Da es jedoch schon zu spät war, war kein Beamter mehr dort anwesend. Auch die Hebroner Polizei lehnte wegen der vorgerückten Stunde jede Verhandlung über die Freilassung ab. Auf Veranlassung der Agudas Jisroel legte sich das Obersekretariat dns Mittel und übernahm es in Hebron zu intervenieren. Auch diese Instanz konnte jedoch bei der dortigen Polizei nichts ausrichten. Als man klarlegte, daß die Angelegenheit einen ernsten Charakter' trage und einen Sturm der Entrüstung in der ganzen jüdischen Welt hervorrufen würde, bestimmte die Regierung, daß die Verhandlung vor dem Polizeirichter schon morgen ■stattfinden solle. Die Regierung ernannte den Distr riktskommissar von Jerusalem zum Richter in dieser Angelegenheit. Heute früh reisten der genannte Richter und von Seiten der Agudas Jisroel die Herren Rabbiner Sienkewitz, Rabbi Mosche Blau und Dr. Buxbaum nach Hebron. Der Richter verhörte arabische Zeugen, darunter den Mufti von Hebron, der bekundete, wie heilig die Höhle Machpela den Muselmanen ist und wie viel Stufen man hinaufsteigen dürfe. Der Richter vertagte die Verhandlung auf nächsten Montag, um dann die Entlastungszeugen zu hören. Einstweilen hat man 'die verhafteten : Juden gegen Kaution von L s t. 1 0 0.-— für jeden Einzelnen freigelassen. Die Aufregung in der orthodoxen Masse ist ungeheuer groß und die Zeitungen protestieren entrüstet gegen das Auftreten der Polizei. Auch der polnische Generalkonsul hat sich in der Angelegenheit ins Mittel gelegt und hat bei der palästinensischen Regierung gegen das Attentat auf die Ehre des Rabbi von Ger Verwahrung eingelegt. Man ist jetzt sehr gespannt auf den Fortgang des Prozesses. Man befürchtet, daß die Angelegenheit, G'tt behüte, ernste-Verwicklungen im Gefolge haben könnte. Das Erscheinen des Hebroner Mufti in eigener Person vor Gericht beweist, daß man auf arabischer Seite die Angelegenheit aufbauschen möchte. . Mn. G.-P. Personalien. Ascher Mendelsohn ^"n* Warschau, 1. Oktober. Aus Warschau kommt die betrübende Nachricht, daß der ehemalige Senator Ascher Mendelsohn» am zweiten Rosch Hasehonotage im Alter von 62 Jahren heimgegangen ist. Ascher Mendelsohn war einer der vornehmsten und eifrigsten Vertreter der in der Aguda organisierten Orthodoxie in Polen. In. vielen Jahzehnten entfaltete er eine geradezu aufopfernde Wirksamkeit für die Hebung der wirtschaftlichn Lage und die Sanierung der religiösen Verhältnisse in der Großgemeinde Warschau und in Polen. Mit wachsamem Auge und kluger Taktik vertrat er lange Jahre die Interessen der ijüdischen Bevölkerung im Senat und wußte auch seine .glänzenden Beziehungen zu den hohen Regierungsstellen für seine Brüder auszunutzen. Als Vorsitzender der Jüdischen Kooperative erwarb er sich auch unvergängliche Verdienste für den notleidenden jüdischen Handelsstand in Polen. . Wir behalten uns eine eingehende Würdigung dieses jüdischen Führers in Polen für eine spätere Nummer noch vor. . -rrasüft Hindenburg O.-S., 29. Sept. Am ersten SeKchaiustage fand auf dem Friedhof die Einweihung des Grabsteines für den vor einem Jahre heimgegangenen zweiten Hindenburger Rabbiner Dr. Artur Victor statt. Fast die ganze Gemeinde Hindenburg hatte sich zu dieser ernsten Feier eingefunden. Rabb, Dr. Kaatz würdigte in seiner 'Gedenkrede die durch glühenden Eifer für die Lehre des Judentümsi, durch Frömmigkeit und Gesetzestreue ausgezeichnete Persönlichkeit des Verewigten, dem zwar nur eine kurze Lebensdauer vergönnt war, der aber durch die aufopfernde Hingabe an die Aufgaben seines Amtes sich ln der Gemeinde; besonders bei der Jugend, ein dauerndes Gedächtnis gesichert habe.Der Redner schilderte-unter Auslegung talmudischer Sätze - das vorbildliche Wirken des Verewigten, der, wie er der Stolz seiner Famliie war, so auch in weiten Kreisen sich besondere Verehrung errungen' habe. Die Feier wur<Je durch Gesänge des Kantors und des Synagogenchöres umrahmt. '." Niederaula, 17,; Sept. Heute fand unter - großer Beteilgung die Beerdigung der Gattin unseres verehrten Lehrers, Frau G a ns geb, Ehrenreich, statt, Herr Rabbiner Dr. Gahn schilderte am Grabe die edlen Tugenden der Heimgegangenen, die sie als Tochter einer durch Thorawissen und Frömmigkeit ausgezeichneten Familie erkennen ließen, 'und die sie befähigten, ihrem Hause gemeinsam mit ihrem Gatten ein vorbildliches jüdisches Gepräge zu geben, Herr Lehrer Gans zeichnete in seinen erschütternden Abschiedsworten die Treue und Liebe seiner Gattin zu den Kindern und den Geist echten .Gemilus Chesed auch für die Fernstehenden, der sie auszeichnete. - n-asan Vermischtes. Berlin, 30. .Sept. Die Agudas Jisroe'l- Frauengruppe Berlin beabsichtigt in Verbindung mit dem N o a r A g u d a t i ein M ä d e h e n - seminar spätestens am 1. November ds, . Js, in Berlin zu eröffnen- Zur Erlernung der Hauswirtschaft werden die jungen Mädchen in geeigneten Privathaushaltungen untergebracht; die Ausbildung in jüdischen und allgemeinen Fächern erfolgt am Nachmittag. Diese Ausbildung wird als Teilhachscharah angerechnet. Anmeldungen und Anfragen sind zu richten an die Agüdas Jis.ro el-Frauengruppe Berlin N 24, Oranienburgerstr, 34 oder an den Noar Agudati Snif, Berlin NW 87, Wullenweberstr, 3 (PlessnerJ, __________ Der Lloyd Triestino Frankfurt a. Mn Kaiserstraße 20, teilt mit, daß die in verschiedenen Tageszeitungen erschienene Nachricht über die Verwendung der Schiffe „Gerusälemme", „Galilea" und „Palestina" zu Truppentransporten, nicht den Tatsachen entspricht.' " Die genannten Schiffe fahren nach wie vor regelmäßig in der Palästina-Eillinie^ so daß dieser Dienst in vollem Umfange aufrecht erhalten wird, (Siehe Inserat.) In unserem Yerlage erseliien: oV'ijmx DAS LICHT DER EWIGKEIT Einführung in das Weltbild der jüdischen Überlieferung uon Rabbiner Dr. 6lie Münk in Rnsbach ' mit 6e\ei\voorhn der Herfen Rabb. Dr P. Kohn, Ansbach und Dn R. Klein, ftürnberg 252 Seiten " Preis brosch. Mfc. 4.— Leinwandband Mk. 5.- 1 n f ün f K a p i t el n: Die Welt / 6'rt / Der Wensin / Israel / Die Ihora j wird in dieser ebenso tiefschürfenden wie ergreifenden Darstellung ein oollständiges Weltbild d?s Judentums entrollt. Dieses hunstuoll aufgebaute Weltbild wird aus dem unerschöpflichen 6edanhenschat5 geformt, der in der Riassismen Literatur der ältesten jüdischen Ueberlieferung, der Kabbala, verborgen liegt. Zum ersten Wal erfährt diese Literatur im deutschen Spfachkreis eine ihrer würdige Bearbeitung, die zugleich ihre ewig zeitgemäßen Werte offenbart, ihre uon logischer Klarheit beherrschte Weltdeutung und ihre so unendlich trostreiche und unendlich gefühlsinnige Lebensauffassung. Wie weltanschaulichen Fragen und Probleme, die Herz und üerstand des Menschen bewegen, werden unter diesem „lichte der Ewigkeit" einer ganz neuartigen Lösung zugeführt, und aus dieser grandiosen Perspektive wächst schließlich das öebäude des Judentums in lichtuoller Erhabenheit heruor. Für all' diejenigen, die sich in unserer haltlos gewordenen Eeit nach einem neuen Zugang zum Judentum oder nach einer Vertiefung in seine Weltanschauung und seine religiöse Praaris sehnen, bedeutet dieses Buch geradezu eine Offenbarung, Es wird in einer trüben und sorgenvollen Pertode der jüdischen Geschichte Dielen zum wahren Führer und Tröster werden. Zubeziehen durch Alle besseren Bu chfrandlungen wie aueh direkt vom Verlaae VERLAG DES ISRAELIT UND HERMON G.M.B.H., Frankfurt am Main, RechneigrabenstraOe 7 Postscheckkonto 19SOZ