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Der Israelit · 1935-10-03 · Heft 40 (3.10.1935) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 40 (3.10.1935)
Date
1935-10-03
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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3. Oktober 1935 Der Israelit Na. 40 Seite 7 Dumping zum. Opfer fällt. .Bekanntlich mußte n vor kurzem die Kunstseidefabrik „Meshi" wegen : Ueberflutung des Markte® mit billiger .japanischer Ware den Betrieb einstellen. Die Palästina-Regierung hat eine- Sitzung •, ihres Industrieb eirateis: einberufen,. um Maßnahmen zum Schutz der palästinensischen Produzenten zu erwägen. :, r „Wiedervereinigung Judas und Israels", J e rusälem, 29. Sept. Der Vorsitzende des Wäad Leumi, Jizchak Ben Zwi, hat von dem ehemaligen Offizier der assyrischen Armee, Petyo Cheke, ein Schreiben erhalten, in dem dieser bittet, anläßlich des Hinscheidens Oberrabbiner Kuks seinen Angehörigen das Beileid aus-- zudrücken, und die Hoffnung auf eine Wiedervereinigung „Judas mit Israel" (die Assyrier halten sich für einen Rest der verschollenen zehn Stämme) ausspricht. In dem Brief heißt es: -„Wir alle müssen an diesem Schmerz teilhaben, so wie unsere Ahnen trauerten, und klagten, wenn sie einen Propheten und Großen in Israel verloren. Ich 'glaube aber fest, daß einst unsere Trauer sich in Freude wandeln wird, wenn Juda und Israel sich vereinigen, um wieder ein Königreich zu bilden." Jerusalemer Brief. Die Stadt Jerusalem vor erfreulichem Aufschwung. — Breite Chausseen als Stadtgürtel. — Der Sabbat vind die. Arbeiter. — Kamelfleischimport nach u Tel Awiw. — Allgemeine Versammlung der Poale Agudas Jisroel am Sukkos. — Ressort für Arbeiterangelegenheiten bei der Agudo-Agentur/— Neue Gruppen der Poale Agudas Jisroel. — Erscheinen eines Poalim- Organs. — Die Ablehnung der Erziehungssteuer in Jerusalem. — Roschhaschono und die jüdischen Postbeamten, — Der Zwischenfall an der Höhle Machpela. Jerusalem, Erew Roschhaschono 5696. Die Stadt Jerusalem steht jetzt vor einer leuchtenden Zukunft. Das. einzige Hindernis der Entwicklung Jerusalems war der 'Wassermangel, der trotz , den im Vergleich mit dem ganzen Land vorzüglichen klimatischen Verhältnissen der heiligen Stadt, ihr Aufblühen einigermaßen verhinderte. < Nun sind schon seit einiger Zeit, die Vorbereitungen getroffen worden, um Wasser aus Rosch-el-Ajin bei Pethach Tikwa nach Jerusalem zu leiten. In deir letzten Sitzung der Stadtverwaltung teilte der. Vorsitzende mit, daß das Wasser vom 1, Oktober ab in reichlichem Maße verfügbar' sein wird. Die Quelle könnte das Vielfache des gegenwärtigen Wasserbedarfs von Jerusalem liefern und vom 1. Januar an wird dann auch der Preis des Wassers um 50 Proz. ermäßigt werden. Die Presse teilte diese Woche mit, daß die Regierung beschlossen hat, Straßen von 30 Meter Breite nach dem Muster der Wege der europäischen Hauptstädte um Jerusalem anzulegen, zwei Zufahrtswege von zwei Seiten und einen in der Mitte, zwei Wege für' Automobil- und Wagenverkehr. Die Chausseen werden auf beiden Seiten mit Bäumen bepflanzt. Auch wird in diesen Tagen das Projekt der Anlegung öffentlicher Gärten ernstlich in Angriff genommen werden. Auch diese Beschlüsse dürften stark zur weiteren Entwicklung der. heiligen Stadt beitragen. In der bekannten linksgerichteten Zeitung (j H a -• poel Hazair" veröffentlicht der Herausgeber einen interessanten Aufsatz über die Beziehungen der Arbeiter zur jüdischen .Religion. U, a. schreibt er: ,,Wir dürfen nicht verhehlen, daß wirin zahlreichen jüdischen Wirtschaften aufreizende'Formen der Ruhe- ' tagsstörung antreffen, (Formen, die nicht nur streng religiöse und orthodoxe Juden verbittern, sondern auch diejenigen unter uns, die auch nicht im mindesten irgend welche Beziehungen zu praktischen Mizwos oder zu religiösen Brauchen besitzen. (!!) Auch die apikorsischen Demonstrationen von Massenreisen am Sabbat in Lastautos* oder Autobussen in nächster'Nähe einer Synagoge während der Zeit des Gebetes, sind.j.weiter nichts als Kundgebungen, eines Mangels an Kultur." - .. Für " den Geist in der .Arbeiterschaft ist dieser Satz charakteristisch. Auch dann, wenn einmal ein scheinbarer Fortschritt sich vollzieht, ist ,man ängstlich bemüht, sich vor' dem Scheinirgend welcher religiösen Anwandlung zu1 distanzieren. ' Die Woche. Frankiurt a. M. Wegen an einem alten jüdsche Ehepaare ausgeübter Erpressungen wurde' der zwanzigjährige Hermann H. zu drei Jähren Gefängnis verurteilt. Der t Staatsanwalt hatte eine noch höhere Strafe beantragt und bezeichnete es als strafverschärfend, daß der Angeklagte „die Zugehörigkeit der armen Leute zur jüdischen Rasse" ausgenutzt und sich fälschlicherweise auch als Träger des Nationalsozialismus ausgegeben hatte. Berlin. Das Reichsgericht hat. in einer grunAssiizMchen Entscheidung der Anfechtung einer Ehe stattgegeben, weil sich nicht feststellen ließ, ob die unehelich geborene Ehefrau von einem arischen oder jüdischen Vater abstamme. — Durch Bekanntmachung des Reichssportführers können das Reichssportabzeichen von jetzt ab nur noch Deutsche arischer Abstammung erwerben. Nüroberg. Nach Zeitungsberichten . wurden vor der Stadt Fürth Tafeln angebracht, die Judenbesuch als unerwünscht erklären. — Wie die „Fränkische Tageszeitung" meldet, ist die Synagoge in Höheinöd (Pfalz) zum Preise von 900 RM. verkauft worden, nachdem die Juden des Ortes zum größten Teil abgewandert sind. Der Bau wird zu einem Wohnhaus hergerichtet werden. Mannheim. Nach einer Mitteilung des ,/Mannheimer Gemeindeblattes" werden demnächst viele jüdische Gemeinden im Saargebiet,aufgelöst werden, u. i. die Gemeinde Homburg, in der die vier oder fünf zurückbleibenden Familien die Gemeindeeinrichtungen nicht mehr halten können. In St. Ingbert wohnen fast gar keine Juden mehr. Mainz. Die hiesige „Elektrogasgemeinschaft" hat unter Berufung auf das neue Reichsgesetz beschlossen, nur Arier und im Besitz von Ariern befindliche Geschäfte als Mitglieder aufzunehmen. In Wirkung tritt die Verordnung nach Veröffentlichung der -Durchführungsbestimmungen zu dem neuen Gesetze. Amsterdam.. Bei der diesjährigen feierlichen Eröffnung der Niederländischen Generalstaaten im Haag durch die Thronrede der Königin war zum ersten Male ein Rabbiner als Vertreter der jüdischen Geistlichkeit anwesend, und zwar der Oberrabbiner S. J. S. Hi r s c h-Zwolle als rangältester Rabbiner. Lodz. Die seinerzeit gemeldeten blutigen Krawalle im Lodzer Stadtrat finden jetzt ihr gerichtliches Nachspiel. Auf der Anklagebank sitzen elf Nationaldemokraten, zwei Sozialdemokraten und drei Juden. Warschau. Neben den vie- ' len Synagogen wurden in Warschau für die hohen Feiertage 275 Privatbethäuser angemeldet, die größte Zahl, die jemals zu verzeichnen war. — Die Zahl der Unters t ü t z u n g s g e s u c h e für die Feiertage geht in die Zehntausende. Rom. Der Oberrabbiner von Florenz, Prof. Umberto Cassut o, der mit dem Studium der hebräischen Handschriften in der vatikanischen Universität betraut ist, wurde in längerer Audienz vom Papst empfangen. In der Unterhaltung wurde eine Reihe jüdisch-wissenschaftlicher Fragen berührt. — Unter den nach Ostafrika entsandten Truppen befinden sich zahlreiche jüdische Freiwillige, ebenso zwei ».junge Rabbiner als Feldgeistliche. Jerusalem. Nach einer Mitteilung der ITA. soll die O b e r ra b b inerst eile in Jerusalem zunächst hur p r o v i s o ri sch besetzt werden und die endgültige Wahl erst 'in einem späteren Zeitpunkt auf Grund einer besonderen Verordnung der Palästinaregierung vorgenommen .werden. —- In Haifa ist Ephraim A h arqni, den. älteste jüdische Einwohner Palästinas gestorben. Er hat ein Alter vött 116 Jahren erreicht. Tel Awiw. Hier erschien erstmals die hebräische illustrierte Wochenzeitung „Hachajim Halalu". Die Zeitung ist mit reichem Bildmaterial, insbesondere aus Palästina, aber auch aus aller Welt ausgestattet.' Die Redaktion der Zeitung Hegt in den Händen des Herrn Ben Seew Liber. Saloniki. Im jüdischen Viertel von C a s t or i a sind zahlreiche jüdische Häuser1'und Geschäfte einem; Brand zum Opfer, gefallen. Die Synagoge konnte mit größer Mühe' gerettet werden und dient jetzt den vielen, obdachlos Gewordenen 'als Zufluchtsstätte. Bei dem Brande, der dasganze jüdische Viertel zu zerstören drohte, brach eine Panik durch judenfeindliche Elemente aus, die sich in den Straßen herumtrieben und1 die Unruhe durch gehässige Ausrufe steigerten. „ Die Presse v'erp ff entlichte diese Woche' eine kurze Nachricht, daß vor dem Gericht in Tel Awiw sich ein Araber zu verantworten hatte, der am Sonntag durch einen Beamten der Veterinärabteilung der Stadt, Herrn Kuzasski, verhaftet worden war, als er 40 Rottel geschlachtetes Kamelfleisch für die Restaurationen in Tel Awiw zufuhr. Die Anklage lautet darauf, daß er 1, Fleisch außerhalb des Schlachthofes geschlachtet habe; 2, daß er Fleisch ausi einem Stadtgebiet in das andere exportiert habe, denn man hatte festgestellt, daß der Araber das Fleisch im Stadtgebiet von-Jaffa geschlachtet hatte, und daß es daher verboten war, es nach Tel Awiw zu führen. Diese kurze Nachricht ist eine furchtbare Illustration zu. den Kaschruszuständen in Tel Awiw. Interessant ist auch, in welcher Weise die Nachricht hier in der Presse aufgemacht wurde.. Im Anschluß an diese Nachricht schreibt nämlich der Doar Hajonv. „Es ist bemerkenswert, daß der Araber gestand, das Kamel selbst geschlachtet zu haben, weil es von Krankheit befallen war und in Tel Awiw gibt es Restaurationsbesitzer, die bereit sind, die Gesundheit ihrer Käufer für ein paar Grusch Preisermäßigung aufs Spiel zu setzen." Daß in der jüdischen Stadt Tel Awiw Newelafleisch in solchen Mengen verkauft werden sollte, rührt den Doar Hajom nicht. Es ist nur wegen der physischen Gesundheit! In der letzten Konferenz der Poale Agudas Jisroel am 13. und 14- Tammus wurde beschlossen, -n Jerusalem die Plenar--Landesversamm- 1 u n g auf Gholhamoed Sukkos einzuberufen. Wie man uns mitteilt, soll diese Versammlung zwei Tage dauern und hir Zweck » ist die volle Klärung der mit der Poale Agudas Jisroel-Bewegung verbundenen Probleme. Voraussichtlich werden Oberrabbiner Duschinski und der Gerer Rebbe an der Versammlung teilnehmen. •Bei der Agentur der Welt-Agudo ist nunmehr auch ein Ressort für die Angelegenheiten der K i b - b u z i m und der Poale Agudas Jisroel unter Leitung von Jacob Landau errichtet worden. In der letzten Sitzung der Poale Agudas Jisroel in Tel Awiw wurde beschlossen, daß . Rabbi Dovid Zwi Silberstein die Poale Agudas Jisroel-Bewegung in der Agentur vertreten solle. Die Leitung der Agentur hat den Beschluß bestätigt und Herrn Silberstein zum Mitglied gewählt. In der letzten Sitzung der Agentur lag ein Memorandum der Poalim vor mit dem Antrage auf Bewilligung eines Budgets für neu zu gründende Gruppen in Ramätgan, Magdiel, Chedera und Herzlia. In diesen Kolonien befinden sich viele orthodoxe Arbeiter, die in die Organisation eintreten wollen. Die finanziellen Mittel, die erforderlich sind, können als recht bescheiden gelten, trotzdem bereitet ihre Aufbringung Schwierigkeiten. Dieser Tage erschien hier zunächst probeweise eine einmalige Nummer der Zeitschrift „Hapoel H a c h a r e d i ", gewidmet den Interessen der Poale Agudas Jisroel-Bewegung in Erez Jisroel. Sie ist kein offizielles Organ der Bewegung, sondern eine Gruppe von einzelnen Mitgliedern will sie zunächst zweiwöchentlich herausgeben. Außer dem Leitartikel von Rabbi Mosche Schönfeld sind Aufsätze darin enthalten von Rabbi D. Z. Silberstein: „Ein Wort an das Dorf"; S. S. Moses: „Von der Konferenz zur Plenarversammlung" und interessantes sachliches Material über die Entwicklung der Abteilungen und Kibbuzim. Bekanntlich beschäftigt die Stadtverwaltung von Jerusalem seit langem die Frage der Ausschreibung einer Erziehungssteuer. Innerhalb der jüdischen Stadtverordneten hat die Frage Anlaß zu mannigfachen Auseinandersetzungen gegeben, da die agudistischen Mitglieder die Berücksichtigung der Talmud Thora-Schuleh, oder aber den Verzicht auf die Steuer überhaupt verlangten. Diese Woche nun hat der Erziehungsausschuß der Stadtverwaltung die ganze. Steuer ä.b g e l.e h nt. Einer der Leiter der offiziellen Agudo-Zeitsehrift Darkejnu,, Rabbi Meir Älter, ist gestern hier angelangt und wird während der, Feiertage hier verbleiben. Die Postverwaltung in Jerusalem hatte den jüdischen Beamten beföhlen, am Sonntag, dem zweiten; Roschhaschpnotag, zum Dienst zu erscheinen, weil die; christlichen Beamten an . diesem Tage nicht ar-

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