Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 40 (3.10.1935)
- Date
- 1935-10-03
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 Nr. 40 Oer Israelit 3. Oktober 1935 - Kooperation von Misrachi und Gemeindeorthodoxie, B e r 1 j n , 30. Sept. Der ITA. wird die folgende Erklärung übermittelt: Nachdem die vor längerer Zeit eingeleiteten Versuche, sämtliche Gruppen des thoratreuen Judentums in Deutschalnd für eine Zusammenarbeit zu gewinnen, zu einem Ergebnis bisher nicht-geführt haben, haben sich der Misrachi in Deutschland und die durch die konservativen Fraktionen des Preußischen Landesverbandes und anderer Landesorganisationeh vertretenen Kreise des thoratreuen Judentums zu einer Arbeitsgemeinschaft zur. Erreichung der folgenden Ziele zusammengefunden; 1. Religiöse Kulturarbeit. Das hierauf bezügliche Programm umfaßt: Werbung für das thoratreue Judentum; Förderung des religiösen Schrifttums; Veranstaltung von Vorträgen und Lerntagungen im Reiche; weiterer Ausbau des in Berlin errichteten Rambam- Lehrhauses. 2. Gemeinsame Arbeit für den religiösen Aufbau von Erez Jisroel. Vom Standpunkte des Gesamtinteresses der thoratreuen Judenheit ist es für die gesetzestreuen Juden in Deutschland eine Hauptaufgabe, den Aufbau Palästinas im Sinne der Ueberlieferung zu unterstützen. Als wesentliche Punkte innerhalb dieses Programmes können gelten: Gewinnung der öffentlichen M'einung für den religiösen Aufbau von Erez Jisroel; Vorbereitung der Jugend in Deutschland und Förderung der religiösen Jugend-Alijah. 3. Einheitliche Stellungnahme in religiösen Fragen, insbesondere Durchsetzung der Forderungen des thoratreuen Judentums im jüdischen öffentlichen Leben. Es wird hierbei der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß die nach den vorstehenden Richtlinien aufzunehmende — zum Teil schon in die Praxis überführte — Gemeinschaftsarbeit sich ersprießlich gestalten wird. Es ist der Wunsch der dabei beteiligten Kreise, daß die geschaffene Gemeinschaft die Grundlage für das in dieser Zeit so dringend notwendige Zusammenwirken aller gesetzestreuan Kräfte bilden wird. Einsetzung der Expertenkommission noch . während der jetzigen Tagung des Völkerbündsrates möglich gemacht. Es ist daher wahrscheinlich, daß die Expertenkommission, die die Entschließung der Versammlung in der Frage der Koordinierung der Auswandererschutzeinrichtungen prüfen soll, schon in den nächsten Wochen ernannt werden und Ende Oktober oder Anfang November ihre Arbeiten beginnen wird, wird, Der Völkerbundsrat wird dann anläßlich seiner nächsten ordentlichen Tagung im Januar 1936 auf Grund des Berichtes und der Empfehlungen der Expertenkommission endgültige Beschlüsse betreffend den Auswaiidererschutz fassen können. Polen. Katastrophale Finanzlage der Warschauer Jüdischen Gemeinde. W-ar s ch au , .26. .Sept. Der Präsident der .Warschauer Jüdischen Gemeinde, Eli M a z u r, gab in einer Sitzung des Gemeindevorstandes bekannt, daß die Einkünfte der Gemeinde infolge der jüngeren Entwicklungen auf ein Minimum gesunken sind und die Finanzlage der. Gemeinde sich katastrophal verschlechtert hat. Daher sei es in diesem Jahre nicht mehr wie in den früheren Jahren möglich, eine Unterstützungsaktion für die jüdischen Armen anläßlich der hohen Feiertage durchzuführen. Auch sei die Fortsetzung des Baues eines neuen Gemeindehauses, in dem eine Mikwah und das Gemeindemuseum untergebracht werden soll-; ten, aus Geldmangel unmöglich. Schweiz. Die Regelung des Auswandererschutzes durch den Völkerbund. Genf, 26. Sept. Die Budgetkommission der Völkerbundsversammlung hat ihre Zustimmung dazu erteilt, daß der von der politischen Kommission verlangte Kredit von 5.500 schweizer Franken für die Schaffung einer Expertenkommission' für Auswandererschutz aus dem außerordentlichen Fonds des Völkerbundsrates vorgeschossen werde. Da auf diese Weise der Betrag sogleich zur Verfügung gestellt werden kann, wird die Konferenz der Jüdischen Gemeinden Galiziens. Lemberg, 23. Sept. In Lemberg wurde eine Konferenz jüdischer Gemeinden Ost- und Westgaliziens abgehalten, zu der 30 Delegierte aus 20 größeren Gemeinden erschienen waren. Die Konferenz befaßte sich mit einer Reihe wichtiger juridischer und finanzieller Gemeindeprobleme und insbesondere mit der Lage der jüdischen Religionslehrer. Die Konferenz beschloß, sich an der für Chol hamoed Sukkot nach Warschau einberufenen Gemeindekonferenz zur Schaffung einer R.e'ichsvertretung der Juden Polens zu beteiligen. Den Juden Deutschlands wurde in einer Resolution das Mitgefühl zum Ausdruck gebracht. Italien. Jüdische Gemeinden in Italien ohne Rabbiner, Rom, 25. Sept. •Nach Neujahr scheidet der( bisherige Oberrabbiner von Florenz, Prof. S. Artom, aus dem Amte, um einen Lehrstuhl an dem italienischen Rabbinerseminar in Rom zu übernehmen. Damit ist die Zahl .der verwaisten : Räbbinersitze in> einer Reihe italienischer .Städte? unv einen weiteren. vermehrt; In der Zeitschrift. „Israel" wird an den Verband der jüdischen'" Gemeirtden Italiens der .Appell, gerichtet, sein Augenmerk' ■der geistlichen Betreuung von größeren Gemeinden; wie Mailand, Genua und Florenz: 4^>" von kleineren Gemeinden ganz zu schweigen — dringend zuzuwenden, da von der Lösung der Rabbinatsfrage die, Zukunft der jüdischen Gemeinden Italiens" weitgehend .abhängig sei. ' Palästina. Pläne für die Universitätsklinik in Jerusalem fertiggestellt. Jerusalem, 23. Sept. Die Pläne für die R o t h s c h i 1 d- H a d a & 5 a h - Universitätsklinik auf dem Skopusberg sind bereits fertiggestellte Im Frühjahr soll mit den Bauarbeiten begonnen werden.. Nach den vorliegenden Plänen soll in einem der drei vorgesehenen Pavillons eine gynäkologische Klinik untergebracht werden, das Hauptgebäude soll die Abteilungen für innere Medizin, Kinderkrankheiten, Dermatqlogie, Neurologie und Chirurgie, sowie eine Lungenheilstätte aufnehmen. Der dritte Pavillon schließlich ist für das ärztliche Fortbildungsinstitut auf den Namen von Dr. Ratnoff bestimmt, . An der Deckung der Baukosten beteiligen sich die: Hadassah, 'das Komitee der jüdischsn Aerzte Amerikas und ein Spezialkomitee für die Universitätsklinik, Außerdem wird der aus dem Verkauf des Gebäudes, in dem das Rothschild-Krankenhaus bisher untergebracht war, zu erwartende Erlös dem Baufonds zugeführt werden. Auch die Palästinaregierung hat versprochen;-sich mit einem gewissen Betrag an den Baukosten zu beteiligen. Um die Schaffung eines jüdischen religiösen Rats in Erez Israel. Jerusalem, 25. Sept. In der Repräsentanz der Jerusalemer Jüdischen- Gemeinde hat eine Beratung stattgefunden, die der Frage der Einsetzung eines autoritativen jüdischen, religiösen Rats für Erez Israel .gewidmet war. Die Beratungen .über diesen Gegenstand werden fortgesetzt. Es wird mitgeteilt, daß die Palästinaregierüng demnächst" ein Gesetz über die Kompetenzen der religiösen Räte veröffentlichen wird. Die Auswirkung des Dumpings in Palästina. Jerusalem, 26. Sept. Infolge des Dumping-Imports aus der Tschechoslovakei mußte die Wirkwaren-Fabrik „Gereb" in Ramath Gan geschlossen werden. Es ist dies bereits der zweite Betrieb in Ramath Gan, der dem ausländischen zu ergänzen ist. Vgl. übrigens auch ibidem 285—291], Den größeren Teil dieses hochbedeutsamen Buches aber machen die t\"-\v des R. Jizchak Rafael Aschkenasy (Tedeschi) aus, das f»ns» ISO- Es enthält 21 ni^KB? zum D"n mix, 39 zum nsn nii'. 21 zum *wn p« und 7 weitere Fragen verschiedenen Inhalts. Es sind alles unglaublich interessante und mit fnwn rtf?;p und &wd riKT> gelöste Fragen.. Dr. Rosenberg wurde in seinem Wirkungskreise Ehrung und Anerkennung zuteil. Eine prächtige Festschrift wurde ihm von seiner Gemeinde gewidmet, ein künstlerisches Pergament vom Präsidenten überreicht. Dem verdienten Manne den Ausdruck der Anerkennung einer weiteren Gemeinde zu vermitteln, sei das Ziel dieser Uebersicht. Sie mündet in den Wunsch, daß ihm Arbeitsfrische bewahrt bleibe zu weiteren Taten für mmn nsain» die ihren Lohn in sich selber tragen. -nw n^w\ nsn *ry Die Dankbarkeit des Chofez Chajim. Zu seinem, zweiten Jahrzeitstage am bl^N , Dankbarkeit, lehrte der Chofez Chajim, ist eine der größten jüdischen Tugenden. Sogar den Aegyptern wußte Israel Dank für die bei ihnen genossene Gastfreundschaft. Nicht Moscbe, sondern Ahron mußte aufs Wasser schlagen, Es wäre undankbar von Mosche gewesen, die Hand gegen das Element zu erheben, das ihn als Knäblein vor den ägyptischen Häschern gerettet hatte. So dachte, so lehrte Chofez Chajim und so handelte er auch. Eines Tages befand er sich in Wilna auf der Straße mit seinem Schwiegersohn, Rabbi Hirsch Lewin söhn ^"xr. Ein armer unbekannter' Marin kam vorbei und wischte dem Rabbi von hinten den Staub vom Mantel ab. Der Chofez Chajim wandte sich um, um sich zu bedanken, aber der Fremde war inzwischen verschwunden. Der Rabbi war ganz unglücklich darüber, den Dienst eines Menschen in Anspruch genommen zu haben, ohne ihn zu belohnen, ohne sich ,zu bedanken, . In seinem Quartier angekommen, griff der Rabbi in seine. Tasche und gewahrte, daß der Rubel, den er erst vor wenigen Minuten lose in die Manteltasche gesteckt hatte, nicht mehr da war. Es war kein Zweifel, und Rabbi Lewinsohn gab der nahen Vermutung auch Ausdruck, daß der ^Fremde sich als Taschendieb an ihn] herangemacht hatte und mit dem Rubel verschwunden war. . " Da seufzte der Choiez Chajim erleichtert auf: „Sollte dem so sein, so bin ich herzensfroh', daß sich der Mann für seine" mir geleisteten Dienste wenigstens selber bezahlt gemacht hat." Mit einem einfachen Mann in Radin, seines Zeichens Schmied, der im Nebenberufe auch , das Gemeindebad heizte und betreute, verband den Chofez Chajim eine jahrzehntelange enge Freundschaft. Dieser Bader, Josse , mit, Namen, hatte einmal den Rabbi, als er allein ins Tauchbad stieg und, von einem Köhlendunst.erfaßt, in X)hnmächt fiel, in seiner hilflosen Lage aufgefunden, /wieder ins .Leben gerufen und heimgetragen. Dieser Josse war . sehr [stolz auf die hohe Freundschaft und bemühte sich, durch besondere Frömmigkeit ihrer würdig zu bleiben. : :;Der Bader überlebte den Chofez Chajim'' nur um wenige Tage. Er folgte als Neunziger kurz nach Rö^chhaschonö seinem Rabbi in. (die Ewigkeit. Es gelang keinem, Geschenke beim Chofez Chajim, auch irgendwie auf Umwegen, anzubringen. Ehr reicher Amerikaner, der Radin besuchte, wollte ihm einmal tausend; Rubel aufzwingen, was aber der Rabbi kategorisch zurückwies. ■ ■■ ■ : „Ihr seid doch ein „guter Jid" (der landläufige Ausdruck für den Chassidimrabbi), warum wollt Ihr denn kein Pidjon (Lösegeld für den Segen), annehmen'?" „Ein guter Jüd," lächelte" der Rabbi, (,ist derjenige, der gibt, nicht der nimmt.":, Einr helles Licht auf den Charakter der' Chofer Chajim wirft ein Brief, den er kurz vor seinem Tode an den bekannten Mediziner- Dr. Jakob S m i 11 e i n in Brooklyn (Amerjjka} gerichtet hat. Das Schreiben lautet in deutscher Uebersetzüng wörtlich; „Ihren Brief mit der Spende von hundert Dollar habe ich empfangen, und danke ich Ihnen für den guten Willen. Leider aber kann ich Ihren Wunsch, das Geld anzunehmen, nicht erfüllen. Sie denken sicher, ich sei bedürft i g und ein H ei Ii g e r.; Beides trifft nicht zu. Ein Heiliger bin ich nicht und „bedürftig", sogar sehr b e d ü r f t i g bin ich nur in Bezug auf Gottesfurcht und gute T a ten. Das Geld hätte ich am liebsten sofort zurückge-. «schickt, was aber nach den > bestehenden -Gesetzen, die die Sendung von' Dollar nach dem Auslände "ver-"' bieten, nicht möglich ist. So frage ich Sie an1,: ob' es in Ihrem Sinne ist, das Geld-den Ihnen mitgeteilten Zdokohzwecken zuzuführen? Sind Sie damit niefit einverstanden, ' sö werde ich einen' Weg suchenr- Ihnen die Summe zu-retournieren." i •'• ■ Der Brief, schließt mit der Bitte um Entschuldi-.. gung und mit Segenswünschen,.