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Der Israelit · 1935-10-03 · Heft 40 (3.10.1935) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 40 (3.10.1935)
Date
1935-10-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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3. Oktober 1935 D e r 1 s r a e 1 i t Nr. 40 Seite 5 Korrespondenzen. Deutsches Reich. Zur Lage der Juden in Deutschland. . Berlin, 25. Sept. „Das Schwarza Korps"," die Zeitung der Schutzstaffeln der NSDAP,, veröffentlicht einen Leitartikel: .„Juden-.:— was nun?", in dem zu den Gesetzen von -Nürnberg Stellung genommen wird; Im Verlaufe des Aufsatzes heißt es: „Das deutsche Volk wartet jetzt auf den Beweis von jüdischer Seite, daß man dort die Zeichen der Zeit zum Wohle ihrer selbst .auch tatsächlich verstanden hat. Im Sinne seiner Weltanschauung hat der Nationalsozialismus nicht die Absicht, das jüdische Volkstum in irgendeiner We*se anzutasten. Im Gegenteil, die Erkenntnis, daß es.sich beim Judentum nicht um eine religiöse, sondern um eine brutsmäßige, völkische Gemeinschaft handelt-..bestimmt die deutsche . Regierung dazu, dieser Gemeinschaft uneingeschränkt ihr völkisches Eigenleben zu garantieren, Sie befindet sich dabei in Uebereinstimmung mit der großen geistigen Bewegung im Judentum selbst, dem sogenannten. Zionismus, dessen Grundlage die Erkenntnis von der Zusammengehörigkeit des Judentums in der ganzen Welt und die Ablehnung aller Einschmelzungsideen bildet. Im Sinne dieser Gedanken kommt Deutschland zu Maßnahmen, die sicher in Zukunft bei der Behandlung des Judenproblems in der ganzen Welt eine .hervorragende Rolle spielen werden. Am Judentum selber wird es nun liegen, die Konsequenzen aus dieser Sachlage zu ziehen und die Möglichkeiten und Grenzen ihres Gastrechtes in Deutschland zu erkennen und auszufüllen. Der Nationalsozialismus garantiert ihm f r e i e R e I i g i o n s ü b u n g und kulturelle Betäti.- g u n g , schafft ihm eigene Schulen. Dafür ver-. langt er allerdings aüi der anderen Seite die unbedingte Anerkennung und auch Befolgung* der Tatsache, daß das deutsche Volk auf keinen Fall irgendeine Einmischung des Judentums in Deutschland und seine Verhältnisse mehr dulden wird. Nicht an uns, sondern an den Juden wird es liegen, wenn sich das Verhältnis im deutschen Volksraum, leidlich gestalten soll. Mit der gepflogenen Art, sich dessen zu versichern, wieweit man eigentlich gehen darf, um zu ermitteln, was sich das deutsche Volk und seine Regierung noch gefallen lassen, muß auf alle Fälle Schluß gemacht werden. und firrVö/ den wir oben gemacht haben*), sondern im Gegenteil, daraus ist bewiesen, daß der Rambam selbst diesen Unterschied im Prinzip anerkennt. Kleines Feuilleton. Nikolaus Lenau und „Kol nidre". Die alte Melodie des ,,Kol nidre" reizte bekanntlich auch die nichtjüdischen Tonkünstler zu Kompositionen, die Bestandteil aller ernsten Konzerte bilden. Auch manch nichtjüdisches Dichterherz ging auf beim Klang dieser Weihetöne der Versöhnungsnacht. Karl Beck schildert in seinen Tagebüchern, wie L e n a u diesen „über und..über in Trauer .gehüllten, lang aüstönenden Nachtgesang bußfertiger, zerknirschter, reuestammelnder Menschenkinder" in seiner ungarischen Heimat kennengelernt hat. „Der Vorabend des Versöfinungstages war gekommen. Ich drückte mich in einen Winkel der Synagoge, um den Gläubigen kein Aergernis zu geben. Mächtige Wachskerzen flammten, das Volk stand, gesenkten Hauptes, in weiten, schneeweißen Sterbegewändern. Da begann der"Vorbeter sein tiefernstes, herzzerwühlendes Entsündigungslied, reich an Schrecken und Gnade, Ich rang mit einer seltenen Rührung, schluchzte "krampfhaft; Tränen schössen mir' aus den Augen, ich. stürzte wund und geläutert in die Nacht hinaus. In jener unvergeßlichen Stunde -haftete keineinziger schwarzer Punkt an meiner Seele. Und wer hat 'diese *) S. auch Oruch Haschulchon Aur. Gh. 607. Die neuen Gesetze haben den Rahmen gezogen, und die Juden in Deutschland sollen nicht versuchen, diesen Rahmen" zu erweitern oder gar an irgendeiner Stelle zu durchbrechen. Der nationalsozialistische Staat, der ihr Eigenleben in dem ihnen nun einmal zustehenden und zuerkannten Maße schützt, wird derartige Vorkommnisse in der kompromißlosesten Weise zu ahnden wissen. Das Ziel muß fortan sein, sich im Reiche als Gast zu fühlen und sich dementsprechend als Gast einzufügen, dem trotz aller Erfahrungen die Freiheit belassen wurde, sich in seinem eigenen Kreise zu bewegen. Als Gast muß er jedoch allem aus dem Wege gehen, was bei -seinem Wirtsvolk den Eindruck erwecken könnte, er dränge sich in dessen Angelegenheiten, Derartigen Gefahren begegnet man immer am besten, indem man, sie von vornherein meidet. — Wir warten ab!" Eine amtliche Judenkart«L Berlin, 24. Sept. „Die nationalsozialistische Gemeinde", das Zentralblatt der NSDAP für Gemeindepolitik, veröffentlicht unter der Ueberschrift „Das Sippenregister als völkisches Grundbuch des deutschen Volkes" Ausführungen über eine Umgestaltung der Standesämter zu Sippenämtern, die beabsichtigt sei. Es sei schon jetzt erforderlich, die Vorarbeiten für das'Sippenregister in Angriff zu nehmen. In dieser Hinsicht habe bereits das Standesamt Bochum-Mitte vorbildliche Arbeit geleistet. Es heißt sodann weiter: „Die rassische und erbbiologische Bestandsaufnahme der Bochumer Bevölkerung hat mit einer.. Durchsicht der Standesregister und der bei den früheren Kresgerichten geführten Judenregister begonnen. So sind alle Urkundsfälle karteimäßig festgehalten, die Juden, jüdischarische Menschen und Judenbastarde betreffen. Dadurch sind auch die Fälle ermittelt worden, in denen durch Annahme einer christlichen Religion oder durch Austritt aus der Synagogengemeinde die jüdische Abstammung teilweise mit Glück zu tarnen versucht worden ist. Bochum dürfte zur Zeit die erste Stadt sein, die über eine derartige amtliche Judenkartei verfügt. Ks ist also in begründeten Fällen, wie z. B, bei einer Eheschließung, die Möglichkeit 'gegeben, sich über die rassische Zugehörigkeit einer Person Gewißheit zu verschaffen." Kinder aus Kteir gemeinden in nächstgelegenen Mittel- und Großgemeinden. Berlin, 24. Sept. Der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden hat angeregt, Kinder au® den kleinen Gemeinden, in denen ein geregelter G'ttesdienst an den Sukkottagen nicht stattfindet, als Gäste in die nächstge- Weise geschaffen? Die Leutchen wissen's nicht. Das Lied ist von Großahnen auf Urenkel gekommen. Solche Schmerzensgesänge der Völker, dünkt mich, werden schwerlich von einem Einzelnen gedichtet, ich möchte sagen, die rätselhaften gehen, fertig und gerundet, in Hunderten zugleich auf.; Jahre waren verstrichen, und ich hatte kaum einige Takte mehr dieses Liedes im Gedächtnis behalten, strengte mich auch fruchtlos an, mir das Ganze zurückzurufen; aber , als ich die alte Welt verlassen und auf dem stürmischen Ozean stets näher und näher der neuen freien Welt zuschwamm, — der Dichter bereiste im Jahre 1832 Nordamerika — als mein bischeriges Leben mir ein schwüles, wüstes Traumgebilde schien, als ich wieder einmal nach langer Frist beten und weinen konnte, da plötzlich ging das Kol nidre über mein genesendes Herz. Seit damals ruht es sicher gebettet auf den Saiten meiner Fiedel und ist mir zu Willen, wenn ich es rufe. Ach, ich wünschte wohl, daß es einst an meinem Totenbett von Freundesstiinmen mir vorgesungen werde. Das Amtsjubiläum eines jüdischen Gelehrten. Oslo, 27. Sept. Rabbiner Jui. Samuel in Oslo schreibt uns zum 25jährigen Amtsjubiläum von Rabb. Dr. Ch. Rosenzweig in Ancona u. a. folgendem : ■Schon die früheste mir bekannte größere Arbeit des Autors „Das Geschlecht der «Hauptwörter in der Mischna" verrät ein erstaunliches rmr»pa und eine saubere wissenschaftliche Arbeitsmethode. Im Jahre K*s-in hatte Prof. Aron Fr ei mann begonnen, das aita bwn .ibd/ das Redsebuch des «'Tn .herauszugeben, legenen Mittel- und Großgemeinden einzuladen, damit sie am G'ttesdienst teilnehmen, Feststrauß und Sukkoh kennenlernen und in engere Verbindung mit jüdischem Leben kommen. Verschiedene Gemeinden wenden sich an ihre Mitglieder mit" der Aufforderung, diesen Kindern aus Kleingemeinden Gastfreundschaft zu gewähren und ihnen das Erleben des Festes iir jüdischem Rahmen zu ermöglichen. Reichsminister Dr. Goebbels über die Judenirage, Berlin, 29. Sept. Auf einer Wehrmachtveranstaltung auf der Karlshorster Rennbahn sprach Reichsminister Dr. G o e b - b e 1 s, In seine* Rede bemerkte er nach einem Bericht des „Völkischen Beobachter: „Wenn einer sich am Staate vergreift, so1 werden wir ihn um der Zukunft^ des Volkes willen vernichten müssen! Das gelte auch für die Judenfrage. Sie werde vom Staate gelöst werden. Wer nach Annahme der Nürnberger Judengesetze auf eigene Faust Exzesse verübe, der vergreife sich am Staat, und der Staat werde ihn zur Rechenschaft ziehen." Um die jüdischen Anwälte. Berlin, 29. Sept. Die „Juristische Wochenschrift" veröffentlicht einen Auszug aus dem Jahresbericht der Reichsführung des Bundes Nationalsozialistischer deutscher Juristen zum Reichsparteitag 1935, der vom Stellvertreter des Reichsjuristenführers, Reichsamtsleiter Dr. Walter Raeke, erstattet worden ist In ihm heißt es: „Im Zusammenhang mit der Tatsache, daß diese Maßnahmen den Zugang zur Anwaltschaft einengen werden, muß mit besonderem Nachdrucs betont werden, daß .die gesetzgeberischen Maßnahmen des Jahres 1933 zur Beschränkung des jüdischen Elementes in der Anwaltschaft dieses unerwünschte Element wohl teilweise zurüykgedrängt, aber noch keineswegs ausgeschaltet haben. Noch immer sind beispielsweise fast 40 Proz. der -Berliner Anwälte Juden. Die notgedrungene weitere Mitführung dieses jüdischen Elementes innerhalb des Berufes stellt eine schwere Belastung im Kampfe um die Erneuerung des Rechtsanwaltsberufes dar. Es ist daher auf das dringendste zu hoffen und zu wünschen, daß die völlige Entfernung der Juden aus der Anwaltschaft und damit aus der deutschen Rechtspflege nunmehr mit aller Konseouenz durchgeführt wird, sobald die staatspolitischen Notwendigkeiten dies irgendwie zulassen. Denn solange die deutsche Anwaltschaft einen verhältnismäßig erheblichen Prozentsatz von Juden in ihren ' Reihen dulden muß, werden alle Bemühungen um die völlige Eingliederung des Anwaltsberufes in die nationalsozialistische Volksgemeinschaft Stückwerk bleiben müssen dem im "vorigen Jahre im Verlage der neuerstandenen D-w-O ^p» das zweite Heft * folgte. Dieser Herausgabe widmet Rosenberg in der bibliographischen Zeitschrift "ISO rflp» 12. Jhrg. eine sehr ausführliche Besprechung, die ein Kabinettstück darstellt und die erstaunliche Beherrschung dieses Gegenstandes durch den Rezensenten verrät. Im Jahre t'Sin hatte R. im bxw rtttanV nsixn und danach in gesonderter Ausgabe die Briefe des ^"ST «"tti herausgegeben und wissenschaftlich bearbeitet. Pietätvoll widmete er diese Ausgabe seinem großen Amtsvorgänger Rabbi Rafael Jesaja Azulay ^"xr, dem Sohne des Briefschreibers, anläßlich dessen 100. Todestag •>*Q~in- Diese Briefe sind eine unschätzbare Fundgrube für die jüdische Kulturgeschichte des ausgehenden 18. Jahrhunderts. Im 5. Jahrgang das "iQQ JT*ip hat R. eine Uebersicht über die noch ungedruckten Werke und Schriften des ^"ST R""pn gegeben, dieals Sonderdruck allein 3 5 Seiten zählt. Dies gibt ein erstaunliches Bild von der phantastischen Akribie dieses JtniP'n 'fcvta. Eines der bedeutsamsten Geschenke aber hat R. der wissenschaftlichen und halachischen Welt im Jahre 3"Sin gemacht, da er in einer prächtigen Ausgabe mit wissenschaftlicher Einleitung in italienischer Sprache (2 VIII Seiten) die Halacha-Werke zweier anderer Vorgänger im Änconaer Rabbinat herausgab. Das Buch enthält das m v nao des Rabbi David Abraham Chaj V i v a n t i, halachische Abhandlungen zum -TT in alphabetischer Ordnung. Außerdem des gleichen Autors Glossen zum "ril'nn ~\10- An den Schluß dieses Teils setzte der Herausgeber eine erschütternde r»'p dos Autors auf -die 24 Märtyrer von Ancona (1556). (Vgl. David Kaufmann, Ges. Schriften, 2. Band 292—295, der auf Grund einer wichtigen Anmerkung unseres- Herausgebers zu dem obengenannten Gedicht in Einzelheiten zu berichtigen bezw.

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