Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 39 (26.9.1935)
- Date
- 1935-09-26
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 14 Nr. 39 Der I s r a e Ii t 26. September 1935 Rabbi Leib Chossid. Schüler und Freund des Gaon war auch Rabbi Leib Chossid in Telschi. .Er,pflegte Tag und Nacht dem Talmudstudium, au obliegen, während seine Frau für den bescheidenen Haushalt sorgte. Nur wenn es Zeit war, eine seiner drei Töchter zu verheiraten, pflegte er aus seiner stillet! (Klause hinaus zum Gaon nach Wilna-zu fahren;. Dort fand sich immer in der Umgebung» des Gaon auch der geeignete Jünger <und für Mitgift und Ausstattung sorgte ebenfalls der Meister. Einmal war es so weit, daß man sich nach einem Mann für die jüngste Tochter umsehen mußte. Die Frau drängte, und so machte sich Rabbi Leib auf, schloß schweren Herzens die Gemoroh und fuhr nach Wilna, In Wilna angekommen, besuchte er sofort dei Gaon. Der Gaon lud ihn zu Tisch. Schweigend aßen sie das karge Mahl das aber ^wisohendürch durch tiefe Wortegewürzt und geadelt war. Noch einige Freunde wären bei Tisch. Er, Rahhi Leib, wurde mit dem Vorbenschen beehrt, und da hörte er zu seinem Erstaunen, daß der Gaon nach „AI jechasrenu" O m e n sagte,; etwas, was Rabbi Leib, nicht wußte und nie tat. Diese-Errungenschaft schiöM ihm so wicjhtig, daß er den eigentlichen Zweck seiher Reise ganz vergaß. Sofort packte er auf und kehrte nach Hause zurück. Aus seinem strahlenden Gesichte konnte seine Familie ablesen, daß seine Reise geglückt war, doch Rabbi Leib sprach kein Wort. Er bat sein Weib, es möchte ein g<utes Essen für den Abend richten und mehrere Freunde aus dem Kreise der TÜoragelehrten dazu einladen, denn er hätte ihnen etwas Wichtiges mitzuteilen. Nim war man vollends überzeugt, daß er die baldige Verlobung der Tochter feierlich ankündigen wollte. ' Bei Tisch wartete man in größter Spannung, daß er sein Geheimnis verrate. Kurz vor dem Tischgebete stand ex auch auf und kündete voll strahlender Freude: ,,Nun Rabötai, habe ich euch ein Neues mitzuteilen. Nach „Jechasrenu" muß, auf Anordnung des Gaon, Omen gesagt werden!" Es war alles, was er von Wilna mitgebracht hatte. (Schluß folgt.) Wende, Weiches Wä'ch'eti schleicht '-sich' in die Seele, Und die Wehmut nagt an jener Kraft, Di© uns Leidg'eborrie'n "Tröstung schafft- Jahr, die Stunde Deine Hülle schäle, Daß sich kläre uns-rer Sünden 'Last, i Eh' der .Wahrheit Licht vor uns verblaßt. Ob wir sterben, ob wir weiterleben, Ob in Sorgen,;ob an Schmerz und Not — Keiner, kennt. die, .Strafe,.;die jihm droht. Quelle aller Tragik, wirst Dü'''geben, ' Was dm Urgrund ünsres 'Wesens schwelt;)- ' Was sich. Israel als Ziel erwählt? Schicksalsketten i nie durchleuchtet werden, Und Gerechtigkeit, von Ihm gewahrt, : Erdenwohnern sich nicht offenbart.. Jeder Leidenssymphonie auf Erden Bringe, Wende, Neujahrsharmonie Durch des Glaubens Hoffnungsmelodie. Käthe Kaufmann, Und wieder ist des Jahres Kreis gezogen... '] r Von Fritz Rosenthal (Ben Chorin). ' Und wieder ist des Jahres' Kreis*' gezogen Eid Tropfen fällt ins Meer der .Ewigkeit, .-■Und wieder wird gerichtet. und .gewogenj... Vnd wieder ruft das Schofar; Sei bereit!' ' Ich bin bereit, denn DU hast mir bereitet Die Wege alle — «siehe, sie sind-DEIN: Wer. wähnte, daß er seine Bahn beschreitet, Kann doch nur; Gast in-DEINEM Garten-sein. , So heb ich meine Hände% ' Zu. dieses Jahres Wende; . , * O gib mir' gute -Pfade '? Aus DEINER großen'Gnade, ', Auf daß ich heimwärts: fände. .? Und wieder ist des Jahres Kreis gezogen — Mein G'tt, dies Jahr war groß und; schwer. Es lehrte uns,; daß unsere Mauern trogen, Und nichtig war die selbstgebaute Wehr. Jetzt, da wir arm sind, 'HERR, sind wir DIR nah. Gleich unseren Vätern, die auf Straßen zogen, Arm, still und fromm — was immer auch geschah, Geprüft, gerichtet und gewogen. (Aus: „Die Lieder des Ewigen Brunnens". Verlag R. Löwit, Wien und Leipzig,) Noch einiges über die letzten Stunden von Oberrabbiner Kuk ^St; i Im Warschauer „Jiddischen Togblatt" veröffentlicht H. Lieb ermann eine lebhafte Darstellung der letzten Stunden von Rabbi Kuk, der- \vif einige charakteristische Striche zum Ablauf , jder „Schloschim" entnehmen. .' ,| Die Keime der tückischen Krankheit^ machten :sich schon vor Jahren bemerkbar," worüber aber : der eiserne Wille und die unverbrüchliche . Energie,;des Rabbi hinwegtäuschten. ' '' Als sich um die Pessachzeit das-Leiden verschlimmerte, lehnte Rabbi Kuk es ab, inder- Festwoche Aerzte zu konsultieren, in der Angst,' sie könnten ihm Medikamente, die Chomez sind, aufnötigen. Als man nach den Feiertagen das Fortschreiten der Krankheit wahrnahm, holte man verschiedene Aerzte herbei, an deren Spitze der berühmte Berliner. Professor Zondeckstand. Mit aufopfernder Liebe behandelte ihn Dr. Falk Schlesinger (früher Berlin), der in letzterer Zeit keinen Tag vom Krankenbette mehr wich. , Die Aerzte beruhigten zuerst -die- Angehörigen. Der Rabbi selbst ließ Kummer und Sorgen in seiner Umgebung nicht aufkommen. ' Seinen Vertrauten äußerte er aber, man möge mit Gebeten um seine Genesung nicht sparen, ungeachtet der beruhigenden Diagnose der Aerzte. Als vor wenigen .Wochen die Aerzte über den Ernst der Krankheit keinen Zweifel mehr ließen, trat ungeheure Beunruhigung .in den weitesten Kreisen eini Philantropen aus Tel Awiw und Jerusalem stellten Mittel zur Verfügung, um die größten medizinischen Kapazitäten aus Europa kommen zu lassen! Der Pa: tient sträubte sich dagegen, dennoch ließ man .einen berühmten Professor aus Paris kommeni für welchen Zweck die Tel Awiwer Gemeinde 500 Pfund zur Verfügung stellte. Der Pariser Professor konnte aber nur die Diagnose von Zondek und Schlesinger bestätigen. "". [ Die Aerzte und die Freunde der nächsten Umge-I bung erzählen, daß der Rabbi bis zuletzt,^ alleij Schmerzen zum Trotze, vom Thorastudium nicht ließ! War er von der Lektüre der tiefen" halächischeii Werke ermüdet, nahm er ein Tnach oder ein-Buch der Agada in die Hand. Er lernte, in den letzten Ta-t gen auch viel aus Kabbalawerken. Als der -Vorsit-i zende "des Bes Din, Rabbi Frank, ihn bat, sich doch' ein . wenig zu schonen, antwortete. er mit den. Worten der Vätersprüche: 'V»»K'W5* kV dk-' „Schade1 um jede:.Mintt$e,MCjie, Zeit drängt! -..^"^v v-''W'''\s:':'i '; »yweijS. ich mir die Krpft und die Fah^lf^^ Kätie,-': seufzte;er, »die tiefsten ^Gedanken,; die-mich[ gerade jetzt beherrschen, niederzuschreiben^' ,'->. y\ Man glaubte,1 j.eine wesentliche^Besserurig zu be-: merken/ äls;^sichj) a^S'en&n - kritischen-:,'Mittwoch die" Katastr6'p'h6'%rE' ein'em Blutsturz -ankündigte. Es war am Rüstetag zu Rosch Cho^esch Elul, und so füllten sich alle Bethäuser und-audh der BJatz vor der heiligen Mauer mit Betenden um das teure Leben des Rabbi. Am Freitag hatte sich die Lage noch weiter verschlimmert. In einer ruhigen Minute bat der-Rabbi, man möge sich mit. der Auffassung des P r o:i.& e t e s der Rabbi n e n Er e^z Is;r aels gegen die amerikanischen Rabbiner,, die Beschlüsse, gegen die. jüdi-; sehen Ehegesetze faßten, sehr beeilen^ damit er" ihn hoch unterschreiben';könne. Es geschah;'und er1 freute sich, diese Tat noch vollziehen zu können. Am Sab-; bat .verbot Rabbi Kuk strengstens, um seinetwegen irgendwie den Sabbat zfu entweihen. - - Seinen Sohn, Rabbi Zwd Jehuda, bat er. nja;n.:%öge' bei der Herausgabe seiner Schriften keinerlei Ehren-: . titel; ^seinem., Namen j anhängen. Er möge *auch .däfürT .sorget, daß alle doch ' ausstehenden' Schulden be-J 'glichen werdein; . ' ' - :!'> r;:-■>'.': \_ So.nniad früh machten1 sich die^erSfen Spuren^der Agonie bemerkbar.^ Die Menschen,; :die - ins; Haus ,stjrö-i men wollten, hielt man vorerst noch zurück.- Noch einmal trat eine ruhige Minute klarer Besinnung beim Patienten ein und er wandte sich zu Professor Zondek, seine Hand ergreifend: \ - „Je-größer die; Wissenschaft und die Bildung eines jüdischen Menschen ist, um so: stärker müssen seine jüdischen1 Qualitäten sein, seihe Frömmigkeit, seine Jüdischkeit . . ." ^. > •'- -V : Der Profesor beugte isich zu ihm hinab und sprach: „Ich habe auf meine Art dem Judentum Opfer gebracht, vielleicht nicht-ganz freiwillig. Ich' habe die besten Vorsätze, Rebbe . . .". ' „Und ich gehe von dannen mit - der Gewißheit, daß eines Tages a 11 e J_n.d e n d e r W e 1 t T e s c h Uwak tuen . . ," ■ . i / Es waren die letzten Worte des Rabbi. Der Mund schloß sich. Man ließ jetzt alle Rabbinen hinein, die im Ghore die Sterbegebete riefen. Nahe am Bette sah man Rabbiner M elzer und Oberrabbiner -Duschinsk d ganz in Tränen aufgelöst .Man sah deutlich, wie sich die Lippen von Rabbi Kuk im Gebete mitbewegten, bis sie sich langsam und sanft für immer schlössen. : Die Uhr-zeigte halb sechs Uhr Nachmittag. ' Ein Wehegeschrei ergießt^sich durch die Gassen, es schließen die Geschäfte. Jerusalem und das heilige Landrüsten sich, von ihrem'' geliebten Rabbi' Abschied zu „ nehmen. ' .1 "; . " Der jüdische Lebensquell " in der Schweiz.; 5 Wer. die Wunderder; Natur ^erkennen; will und die einzigartige Welt der Gletscher und der Seen in der Schweiz aufsucht, wird immer wieder des Psalmwortes gedenken: . . . "piwaSR ">vsis Tat? nsn«?3 und dem Weltenschöpfer seine Huldigung darbringen. Man gönnt sich nicht allein diesen Anblick der G'tteswunder, die diese Natur in immer wechselnden Bildern einem zeigt. Mich hatte ein gütiges Geschick an die grünen Gestade des lieblichen Genfer Sees geführt und nach Montreux „verschlagen"; und tief in den Ahblick der Schönheit dieser: Gegend versunken, war ich nicht wenig erstaunt, als mir unversehens vertraute Läute ans Ohr klangen. Zuerst hielt ich es für eine Sinnestäuschung,? aber doch war es Wirklichkeit,-' die alte sich ewig gleichbleibende Melodie des' - Kinx tönte vielstimmig an mein Ohr. Unten am See blühen Palmen, Feigen^ und Mandelbäume und oben steht inmitten ' der Weinberge das1 ' schmucke Gebäude - der o»»nfy na't?'- Es ist unter den Wundern dieser Natur das größte, daß es einem thoräbegeisterten;ünd großen Gelehrten gelungen ist, der nlln hier ieine: Stätte zu schaffen, die als Denkmal. jüdischer Geistesarbeit viA: Rettungswerk des .Schweizer Judentums geworden ist. - " ]: ' Der Dank, dieses 'Werk geschaffen zu haben, gebührt Rabbi Elijahu B o t s c h k'o , der-. ohne :Rück- : jlcht auf alle 'Vorurteile' aus eigenem'-Wollen * und eigener Kraft heraus hier eine •na^w - aufgebaut hatf die eine wahre ts^pa Ty" für die fast versunkene talmudische Welt an diesem Lande, ein Zentrum jüdischen geistigen Lebens geworden'5''!tX ..;}.j ■ ■ Es ist rührend ,zu sehen,^"wie^ ,junge>JVlenschen, die ka,um dem Kindesalter entwachsen sind^ ^^Aeriihe' gie.rage. Jünglinge aus der; Schweiz ,und% andefe.n Län- (;dlern hi^r zusammeiistfömeh, ' uni.'Sich filier in. die ewigen .Quellen ,des Judentums zii v^er^enken. . Man;,muß das innere,Leben dieser 'mi&ifdeQ.^tälen^^meifer der B'Tina und ihre tiefe Jhher^. jBiegeist^rung für «niayi nun mdterliebt haben, um ^das Werk''In: "seiner ganzen Bedeutu^ig iah. würdigen. Der^: G^ist' echt- .„jüdis^her Leben^emeinschaft' , feiert hier , 'in.; dieser Jugend]i?ßine ^cnbnsteh Triumphe;,^ dle. .gan$e. pFre'udigk,eit .und'jHii^g^lie.. offenbart. «sich a?i den " einifigartijgeii;;,,Feiertagen,''i dpr. an den.Tagen vund Abenden, «iües ÖJ'öV. das alle. Lehrer und ^ch^fer als eine große; Familie im festlichen Kreise zusämmehführt un,d das hellstrahlende Licht .der nnifl über sie ausströmen läßt. Es ist ein Abglanz von rtS'in r.Tiüv> der alleerfaßt uncj da® innerliche Glück widerstrahlen läßt, das alle erfüllt in dem erhebenden Bewußtsein, am Ewigkeit&bau des Judentums und seiner nempni n'Yin mitbaüen zu dürfen. Man fühlt und sieht, wie Raw Botschkö die Seele .dieser wunderbaren Thorastätte ist, wenn er seine zündenden Worte:, von "heiligem Feuer für min und bxw erfüllt, an sene na'w? richtet^ wenn er und mit ihm seine ausgezeichneten Mitarbeiter hier eine Jugend erziehen, denen nTn-Le.rn.en wieder tiefstes Lebensbedürfuis ^nd Lebehserfülluhg geworden ist.':! .iL'-''}; ' •' ' .;n . y..' : >. - •;' Aber , immer/ , wieder muß gesagt werden, .daß es (heihge |*fH<?Tift aller ist; dieses höc^ jZU ^ützeu .u|i^ z.uerhalten.^. Wenn, auch Rabbi Bötschko •ä^f /die bejaehsein .Vertrau naw 'w ^a ,und iJnöa 3»?puDwa',?3; ■ müssen doch alle;i'mit .dazu bei-1 .tragen, diese, wunderbare;^ erhalten, im hierdurch einen :(^leanen; Teil, - der Dankesschuld abzuträgeni - 'den^ Botschkö lind; seinen wackeren1^^Mitarbeitern 1s6huldet» ' : v,-; -r;,:,- Dr. W.'"