Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 39 (26.9.1935)
- Date
- 1935-09-26
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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- Haifa 2× ep/1047930
- Beirut 1× ep/1047833
- Burgas 1× ep/1044292
- Port Said 1× ep/1048063
- Riga 1× ep/1000826
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Seite 10 Nr. 39 Der Israelit •26. September 1935 Diese Woche wurde von Seiten der Agudas Jisroel gemeinsam mit dem Waad leumi ein Memorandum an den Board of Deputies in London abgesandt, das ausgearbeitete praktische Vorschläge zur Abwehr der Missiohsbestrebungen unter den Knaben und Madchen der jüdischen Bevölkerung Jerusalems enthält. Die Zusammenarbeit des Waad leumi mit der Agudas Jisroel auf diesem Gebiete war vom Board of Deputies ausdrücklich verlangt worden. Der Rat der Kolonie Rischon l'Zion hat der dort befindlichen Talmud Thora der Agudas Jisroel eine Subvention im Rahmen ihres Budget bewilligt. Am Mittwoch kam Rabbi Awrohom Mordechai Alter, der Gerer Rabbi, in Erez Jisroel an. Schon eine Woche vorher begann eine starke Bewegung unter den hier wohnenden Gerer Chassidim, um den Empfang vorzubereiten. Entgegen den ursprünglichen Dispositionen ging der Rabbi nicht in Jaffa, wo sich im Hafen eine ungeheure Volksmenge zur Begrüßung eingefunden hatte, ans Land, sondern in Haifa. Viele reisten sofort dorthin weiter. Den Vertretern der Institutionen und insbesondere der Agentur der We't- Agudo wurde das Betreten des Hafens zum Empfang gestattet. Der Hafenkommandant begab sich persönlich aufs Schiff, um den Rabbi zu begrüßen und ihn innerhalb 10 Minuten nach der Ankunft zusammen mit einem Aufgebot von englischer und jüdischer Polizeimannschaft zu den Automobilen zu begleiten. Oberrabbiner Duschinski, der ^durch Unwohlsein verhindert war, persönlich in Haifa zu erscheinen, sandte durch Herrn Glückman-Porusch ein besonderes Begrüßungsschreiben. Heute wird der Rabbi in Jerusalem erwartet. Wie man hört, drängt die Umgebung darauf, daß der Rabbi seinen Aufenthalt nicht in Jerusalem nimmt, sondern an einem ruhigeren Orte, da er stark erholungsbedürftig ist. Starker Arbeitermangel in den jüdischen Kolonien und in Tel Awiw. Jerusalem; 16. Sept. Der Arbeitermangel in den Kolonien verschärft sich immer mehr. Alle in der letzten Zeit eingetroffenen Einwanderer haben sofort Beschäftigung in den Dörfern oder Städten gefunden. Die Zahl der jüdischen -Arbeiter in den Kolonien ist bedeutend gestiegen. In Raanana hat sich ein aus 40 Mitgliedern bestehender Kibbuz des Haschomer Hazair neu niedergelassen. In Nathania wurde eine aus Einwanderern aus Deutschland bestehende Kwuzah untergebracht; trotzdem werden dort mindestens hundert weitere Arbeiter gebraucht. Auch in Petach Tikwah besteht starke Nachfrage nach jüdischen Arbeitern. Dieselben Verhältnisse werden aus Nass Ziona und anderen Siedlungen gemeldet. Auch in den Städten, vor allem in Tel Awiw, ist die «Nachfrage nach qualifizierten jüdischen Arbeitern außerordentlich groß. Es ist bereits soweit gekommen, daß Betriebsleitungen bemüht sind, Arbeiter aus anderen Betrieben zu sich herüberzuziehen. Die Holzarbeitergewerkschaft hat in der letzten Zeit 5000 Arbeitern Arbeitsplätze zugewiesen. Aehnlich ist die Lage in anderen Industriezweigen und im Baugewerbe, da die Bautätigkeit sich in Tel Awiw noch immer weiter verstärkt. Man setzt große Hoffnungen auf die nächste Arbeiterschedule, von der man erwartet, daß sie dem außerordentlichen Arbeitermangel im Lande Rechnung tragen wird. Der Kampf gegen »»illegale Einwanderung",, Jerusalem, 16. Sept. Die Küstenwache in Port Said hat 11 Juden angehalten, die versucht hatten, illegal nach Palästina zu kommen. Die Betreffenden wurden nach Kairo gebracht. „A Difaa" meldet, daß in Gaza sechs „illegale Einwanderer" aus Bulgarien verhaftet wurden. Bei Machne Jehuda wurden drei Juden, einer aus Syrien und zwei aus Bagdad, verhaftet, die ohne Visa eingewandert waren. „El Arabia" berichtet, -daß die syrische Polizei acht Juden aus Rußland in dem Augenblick, als sie versuchten, die palästinensische Grenze zu überschreiten, verhaftet habe. Die arabische Tageszeitung „Feiestin" berichtet, daß von der syrischen Grenzwache 13 Juden , verhaftet worden seien, die versucht hätten, die Grenze Die Woche. ■ ■ * Nürnberg, Das Staatsministerium für Unterricht und Kultus teilt in einer Bekanntmachung mit, daß nichtärdsche;Schüler und Schülerinnen in die Au f.b a u - schulen nicht aufgenommen werden. Wien, Das antisemitische Wochenblatt „Deutsches Volksblatt", seinerzeit das führende Organ des radikalen Flügels der Christlich-Sozialen, wurde für unbeschränkte J Zeit verboten. — Das Bundeskanzleramt hat dem Verband der Oesterreichischen Tierschutzvereifle den Entwurf eines „Gesetzes zum Schutze der Tiere gegen Quälerei" zur Stellungnahme übermittelt. Der Entwurf enthält den Satz: „Unsachgemäß ist insbesondere jede Schlachtung eines warmblütigen Tieres, 'das nicht vor Beginn der Blutentziehung völlig betäubt wurde." Salzburg. Für die nächste Levantemesse in Tel Awiw bereitet, wie hier verlautet wird, Max Reinhardt Festspiele unter Mitwirkung der „Habima"~ vor. Genf. Nach dem neuen Turnus im Völkerbundsrate wird für die^ nach-; sten drei Jahre der Vertreter- Rum ä,z n i e n s im Völkerbundsrat, statt der Tschechoslovakei, da« Amt des Berichterstatters zur Mandatsfrage,' auch über Palästina, übernehmen-, Warschau. Die Schulbehörden haben einige : städtische Volksschulen in jüdischen Bezirken, die fast gänzlich von jüdischen Kindern besucht . waren und daher am Säbbat und an jüdischen Feiertagen geschlössea. blieben, aufgelöst und die Schüler den allgemeinen Volksschulen zugewiesen. Dadurch wurden zunächst acht jüdische Lehrer entlassen. — Am Montag, den 16. September, ist ein Transport von 950 jüdischen Palästina-Auswanderern aus Warschau abgegangen. Am Donnerstag, den 19. September, geht ein zweiter Palästinatransport von 600 Menschen aus Polen ab. Die Passagierschiffe nach Palästina sind für September und Oktober ausverkauft. Riga. Auf dem alten JRigaer jüdischen Friedhof wurde in Gegenwart von Vertretern der Regierung, der Armee und der jüdischen Organisationen ein Denkmal für die im Weltkriege und in den Kämpfen um Lettlands Unabhängigkeit gefallenen Juden enthüllt. Auf dem neuen jüdischen Friedhof wurde bereits im vergangenen Sommer ein jüdisches Gefallenendenkmal eingeweiht. Athen. An der Beisetzung des vor kurzem in Wien verstorbenen Vorsitzenden der Athener Jüdischen Gemeinde, Adv.' Ni s s i m M a t a - t h i a s , haben Verkehrsminister R h a 11 i s, der Bürgermeister von Athen, Kotzias, und Vertreter der griechisch-orthodoxen und der armenischen Kirche teilgenommen. Während des Begräbnisses, an dem viele tausende Menschen teilnahmen, blieben sämtliche jüdischen Geschäfte in Athen und im Piräus geschlossen. Tel Awiw. Im August 1935 wurden in Tel Awiw 250 Geburten und 78 Todesfälle gezählt. Interessant ist, daß während in der vorwiegend arabischen Stadt Jaffa im Monat August die Geburten nur um 83 die Todesfälle überstiegen, es im jüdischen Tel Awiw 172 mehr Geburten als Todesfälle gab. Jerusalem. Im April 1936 soll hier eine W e 11 f r i e d enskonferenz stattfinden, an der auch Rabindranath Tagore teilnimmt. Die Weltr -| konferenz ist von der Vereinigung für Weltfrieden, der Vertreter aller . Konfessionen angehören, einberufen. Eine mehrsprachige Zeitschrift unter dem Titel „Haschalom" soll die Ideen des Weltfrief. denS: propagieren. —- Die syrische Zeitung „Alif Ba" teilt mit, daß diesyrische Regierung dem Großmufti von Jerusalem. Hadsch Amin el Hussein!, der in Beirut Besprechungen mit syrischen Nationalisten abgehalten hatte, v e r b ote n hat, nach Damaskus zu kommen; ihm wurde sogar die Durchreise nicht gestattet und er mußte daher wieder nach Beirut zurückkehren. —'■ Einer Meldung der syrischen Zeitung „Alif Ba" zufolge wurde unter dem Vorsitz von Emir Pazar ein Komitee „zur Auslösung d e s H u 1 e h - G e.b i e t s " geschaffen, das die syrische Regieniög auffordern soll, die Rechte der Syrer auf das Huleh-Gebiet zu wahren und . die Abtrennung südsyrischer Gebiete zu verhindern. Für, die Zwecke des Komitees soll ein Fonds von 1000 Pfund gesammelt werden. . Palästinas ohne Visum an überschreiten. Weitere sieben illegale Einwanderer seien in Ras el Nakura verhaftet worden. Der französische Oberkommissar von Syrien habe eine verstärkte Bewachung der syrischpalästinensischen Grenze-angeordnet, :.; Das. Gericht in Jaffa hat den ab essinischen Juden G a b r i e l b e n G a'bri e 1, der illegal, nach Palästina gekommen war, zu einem Monat Gefängnis mit nachfolgender Landesverweisung verurteilt.- Von den illegalen »Einwanderern inf Gefängnis; von Akko, die vor kurzem einen- Hungerstreik durchgeführt haben, sind sechs freigelassen worden. Die übrigen warten auf die Hinterlegung der erforderlichen Kaution. ' Mit dem bulgarischen Schiff „Burgas" sind in Jaffa einige hundert Einwanderer aus J emen eingetroffen, die aber nicht an Land; gelassen wurden, weil auf der Fahrt zwei jemenitische Kinder an einer ansteckenden Krankheit gestorben waren und. die Jaffaer Quarantäne-Station nur für 75 Personen Raum Jiat, Die Einwanderer wurden nach Haifa "weitergeleitet, wo sie unter Quarantäne gestellt wurden. Die Verhandlungen zwischen den. Regierungen von Palästina und Syrien betreffend die Regulierung der Grenze zwischen den beiden Ländern und Fixierung von Weideplätzen für wandernde^ Bedüinenstämme wurden zum Abschluß gebracht. Es, würde eine gemischte Kommission eingesetzt, die monatlich einmal zusammentreten wird, um auf- Grund des Abkommens die sich -jeweils aus den Bewegungen der Beduinen- Stämme ergebenden Fragen zu. lösen., j . < <■ Zusammenstöße zwischen Mitgliedern der Histadruth und Revisionisten. Tel Awiw, 17. Sept. Im Zusammenhang mit einem Arbeitskonflikt in Ramat-Gan, wo Mitglieder der revisionistischen Nationalen Gewerkschaft Arbeitsstellen streikender Mitglieder der Histadruth besetzten, kam es in den letzten Tagen in Tel Awiw zu Zusammenstößen zwischen Mitgliedern der Histadruth und revisionistischen Arbeitern, bei denen auf beiden Seiten größere Mas- ' sen beteiligt waren. Die Polizei nahm mehrere Verhaftungen vor; Die Histadruth erklärt, daß die revisionistischen Arbeiter den aus wirtschaftlichen Gründen Streikenden in den Rücken fallen, während die Revisionisten behaupten, es handele sich um eine politische Aktion der 'Histadruth, die ^die Bauherren zwingen wolle, nur Histadrutbmitglieder zu beschäftigen. Die Polizei von Ramat-Gan teilte in einem Communique mit, daß der Bauherr Lamport Histadruth-Arbeiter entließt um Mitglieder der -Nationalen Gewerkschaft anzustellen. Sieben Histadruth-Mitglieder, die versuchten, die Arbeiter auf dem Bauplatz zu stören, wurden verhaftet. Angesichts der erregten Stimmung hält die Polizei Bereitschaft,,,um weitere Unruhen zu verhüten. Im Zusammenhang mit den Zusammenstößen anläßlich der Vorfälle in Ramat-Gan wurden drei Histadruth-Arbeiter zu einer Woche bezw. fünf und drei Tagen Gefängnis verurteilt. Einer der Angeklagten erhielt außerdem eine Geldstrafe, Jerusalemer Brief. Propaganda für den Keren Hajischuw. — Die Kenessio Gedaulo-Frage, — Die Ankunft des Gerer Rabbi. Jerusalem , "17. Sept. / Am letzten Sonntag fand eine von der Keren Hajischuw-Kommission der Agudas Jisroel einberufene große öffentliche Volksversammlung in Tel Awiw statt, an der Oberrabbiner Duschinski und die Vertreter aller zentralen Agudo- Organe teilnahmen. Den großen Saal füllten Tausende von Menschen. Nach Eröffnung der Versammlung durch den Vorsitzenden des Keren Hajischuw-Komitees, Mordechai W o 1 o n o f , sprach Rabbi Silberstein über die Aufgaben des Keren Hajischuw. Während seiner Rede erschienen, stürmisch begrüßt, die Jemsaleaiei* Herrenyan ihrer Spitze" Oberrabbiner Duschinski. Rabbi Mosche B.lau gab seiner besonderen Freude darüber Ausdruck, daß endlich die Zeit gekommen sei, in der man in der Großstadt Tel Awiw den Wunsch hege, etwas über die Leistungen und Ziele des Keren Hajischuw zu hören. s 1 ' -