Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 39 (26.9.1935)
- Date
- 1935-09-26
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2450858-2450896--81578-2539480- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
26. September 1935 Der Israelit Nr, 39 Seite 9 Bekehrte kann auch nach seiner Tauf« — erklärt der Pater Revay — die Synagoge! aufsuchen, um das Kaddisch-Gebet dort zu verrichten. Findet er aber dort nicht die nötige^ Andacht, so' könne er in der Kirche in hebräischer Sprache das Kaddisch rezitieren . . . Die neuesten Berichte von der Taufe Front der Pester neologen Gemeinde enthalten üb rigens zwei sensationelle Meldungen: Der Sohn des gewesenen jüdischen Staatssekretärs und Präsidenten der Israelitischen Literatur-Gesellschaft, 'Leopold Vadasz, wie auch der Chefredakteur des ,,Az Est", Imre Saluzsinszky haben sich taufen lassen. „Zsido Ujsäg" zufolge haben die orthodoxen Rab biner Ungarns folgenden Beschluß gefaßt: Rabbiner kann nur derjenige sein,- der wenigsten® zwei Monate lang bei einem anerkannten Rabbiner Schim musch gehabt hat und vor drei Rabbinern, die die Landeskanzlei nominiert, eine Prüfung mit Erfolg bestand. Unverheirateten erteilt die Kommission nur in dem Falle eine Rabbiner-Autorisation, wenn der Kandidat bereits gewählt wurde und dringend zum Antritt dieses Postens der Hatoroh bedarf. Schochtim können nur nach sechsmonatlicher Praxis Kabboloh erreichen. Von diesen sechs Monaten müssen sie drei in einer großen Gemeinde verbringen. Schließlich treten die Rabbiner für die gemeindeamtliche Anstellung von Sofrim ein. Die Pester Israelitische neologe Kultusgemeinde hat nun das bekannte Assimilanten-Blatt ,,Egyenlöseg" *ganz unter ihre Fittiche genommen. Dank der angeblich, riesigen Subventionen ist das Blatt in der Lage, das Abonnement zu ermäßigen und den Preis der Einzelnummern herabzusetzen und dabei den~Umfang bedeutend zu vergrößern. Im Handelsministerium ist eine Aenderung eingetreten, von welcher man die günstigere Behandlung der S o nn t a g s r uh e - F r a.g e erwartet. Der neue Minister, Winchkler, hat nämlich für den Freihandel Stellung genommen. Die Zentralkanzlei bereitet eine Intervention, vor. Da gegenüber dem neuen orthodoxen Statut noch immer gewisse Bedenken geltend gemacht werden, sieht sich die Zentralkanzlei veranlaßt, § 95 des neuen Statuts zur allgemeinen Kenntnis zu bringen. Dieser besagt in der endgültigen Fassung, daß das Organisationsstatut vom Jahre 1871 die grundlegende Urkunde der ungarischen Orthodoxie sei, deren Gültigkeit auch weiterhin von den jetzigen Ergänzungen unbehindert besteht. Rumänien. Brie! aus Rumänien, Bukarest, 18. Sept. Zwei führende rumänische Banken, die Banca Romaneasca und die Banca Credit Roman., haben unter Leitung eines aus Deutschland nach Rumänien übersiedelten Fachmannes eine Bank zur Finanzierung des Palästinaexportes unter der Firma Banca de Export Romano Palest ine an gegründet. - Auch sonst gestalten sich, "Dank der günstigen geographischen Lage Rumäniens, "die Handelsbeziehungen zwischen Rumänien und dem heiligen Lande immer intimer. Diese Woche wurde z. B. unter der Firma Fructexrem ein größeres Unternehmen zwecks Abwicklung des rumänischen Hühner- und Eier-Export nach Palästina gegründet. Die unter der Aegide des Joint gegründeten jüdischen Kleinkredit-Banken und Genossenschaften erhielten die Bewilligung, mit dem Sitze Bukarest eine zentrale Bank zu gründen. Die lokalen Banken werden daher im Monate September fusionieren und im Monate Oktober wird voraussichtlich ihre Zentrale in der rumänischen Hauptstadt gegründet. Die orthodoxe Wochenschrift „Hoesmesz" beklagt, daß trotz dem Ministeriäl-Erlaß, welcher die Befreiung der jüdischen Schulkinder vom Schreiben am Samstag anordnet, die lokalen Schulbehörden auch weitefhin eine sabbatfeindKche Stellung emehmen. Sie weisen die im Erlasse des Ministers sonderbarem weise vorgeschriebenen schriftlichen Gesuche der Eltern summarisch ab, oder, sie gehen noch weiter, und verlangen von den Eltern und den Schülern eine schriftliche Erklärung, wonach sie auf die Befreiung am Samstag vom Schreiben nicht reflektieren. Wird eine derartige Erklärung nicht gegeben, so wird die. Aufnahme des Kindes in die staatliche Schule verweigert. In der Affäre des ungarischen Abgeordneten K e n y e r e s - K a u f m a n n ist eine sensationelle Wendung eingetreten. Der auf Ansuchen der ungarischen Behörden verhörte Rabbiner Kaufmann in der Ortschaft Bei erklärte, der Abgeordnete wäre tatsächlich nicht sein Sohn, sondern stamme von christlichen Eltern, er habe ihn bloß bis zu seinem neunzehnten Lebensjahre erzogen und dann dem Jüngling von seiner Abstammung pflichtgemäß Mitteilung gemacht. Der eigentliche Vater hieß, wenn er sich gut erinnere, tatsächlich Kenyeres, gung aller jüdischen Gemeinden Polens für Chol hamoed Sukkoth nach Warschau einzuberufen. Außer den Delegierten der Gemeinden werden an dieser Tagung auch die Vertreter der gesellschaftlichen und politischen Organisationen des polnischen Judentums teilnehmen. Auf der Tagung soll eine Reichsvertretung der Juden Polens eingesetzt werden, Neueste Wirtschaftsnachrichten aus Erez Jisroel. (Nach Palnews.) Tel Awiw. Die unsichere internationale Lage, wie sie sieh aus dem abessinisch-italienischen Konflikt ergab, hat in der ersten September-Woche eine gewisse Nervosität in der palästinensischen Bevölkerung, hervorgerufen, die von den Arabern auf die Juden übergriff. Die Unruhe ist bereits wieder vorüber. Sie hat die Stärk« des palästinensischen Bankwesens erfreulicherweise unter Beweis gestellt. Hunderttausende von Pfund wurden innerhalb weniger Tage von den Banken zurückgezogen und nicht eine einzige, auch nicht die kleinste Bank verweigerte die Auszahlung auf da® erste Verlangen. Die Banken zahlten auf Wunsch sogar die auf fest angelegten Depositen zurück. Die Meldung, daß in London keinerlei Unruhe bestand und eben so wenig auch in Aegypten hat ebenfalls viel dazu beigetragen, die Nervosität rasch zu beseitigen., Tel Awiw. Die außerordentliche Generalversammlung der Aligemeinen Pf andb rief b ank von Palästina beschloß einstimmig die Erhöhung des registrierten Kapitals von 1/« Million auf 1 Million Pfund. Jerusalem. Die Einwanderung dm Juni belief sich auf 5415 Personen, darunter 252 Nichtjuden, Kapitalisten mit mindestens 1000 Lst. befinden sich 657 unter den Einwanderern gegenüber 1204 Arbeitern, so daß auf einen eingewanderten Kapitalisten nicht einmal zwei Arbeiter entfallen. Die stärkste Kategorie stellen die. Angehörigen palästinensischer Einwohner mit 1440 Personen dar. Kairo. Der Bericht, den die von der ägyptischen Regierung eingesetzte Kommission zur Prüfung der ägyptisch-palästinensischen Handelsbeziehungen erstattet hat, ist vom palästinensischen Standpunkt aus im höchsten Grade unbefriedigend. Man erwartet mit Interesse die Stellungnahme der Palästina- Regierung zu diesem Berichte. Bagdad, In Bagdad beabsichtigt eine Gruppe von Kaufleuten, eine Fruchtexportgesellschaft zu gründen, die nach Europa und dem nahen Osten exportieren soll. Man interessiert sich dabei besonders für den Orangenexport. Jerusalem. Im Auftrag der Wasserkooperative des Gush Hared wurden bei Beth Alpha, Ain Charod, Tel Josef und Shattah vier Bohrungen ausgeführt, die in relativ geringer Tiefe zusammen 225 cbm Wasser ergeben haben. Die Bohrungen, unter denen sich keine Fehlbohrung befand, wurden auf Grundlage umfassender geophysikalischer Untersuchungen des Gebietes durch die Palestine Geophysical Society, die zur Aufnahme einer Wasser-Untergrundkarte führten, vorgenommen. Auf Grund dieser Untersuchungen hofft man, weitere Bohrungen mit «Erfolg vornehmen zu können. Polen. Zur Schaffung einer Reichsvertretung der Juden in Polen. Warschau, 20. Sept. Im Zusammenhang mit den Plänen zur Schaffung einer Gesamtvertretung der Juden Polens fand unter dem Vorsitz des Präsidenten der Warschauer Jüdischen Gemeinde, Eli M a z u r , in Anwesenheit des Abgeordneten. Minzberg und einer Reihe von Gemeindevertretern aus Warschau und der Provinz eine Beratung statt, in der ^beschlossen würde, eine Ta- Palästina. Jerusalemer Brief. Für den« gesetzestreuen Arbeiter. — Arabische Spekulationen auf den abessinischen Konflikt. — Gutachter in Prozessen gegen Jugendliche. — Gegen die Jüdenmission, — Ankunft des Gerer Rebben. Jerusalem, 12. Sept. Die Frage der Beschäftigung orthodoxer Arbeiter ist ein schweres Problem, das innerhalb der allgemeinen Frage der Awoda Iwrit seine besondere Stellung einnimmt. Es ist auf diesem Gebiete noch sehr viel zu tun, um das religiöse und soziale Gewissen der orthodoxen Arbeitgeber zu schärfen. Bekanntlich hat die Leitung der Jerusalemer P o a 1 e Agudas Jisroel-Grmppe vor kurzem einen warmen öffentlichen Aufruf an die jüdischen Arbeitgeber in diesem Sinne erlassen. Am letzten Montag fand nun eine im Zuge dieser Aktion einberufene öffentliche Versammlung statt, in der über das Thema „Die Beziehungen des Arbeitgebers zum thoratreuen Arbeiter auf Grundlage des Thoragesetzes" referiert wurde. An der Versammlung nahm neben den führenden Presönlichkeiten der hiesigen und Tel Awiwer Agudo Oberrabbiner Duschinski teil. Nach einführenden Worten des Vorsitzenden David Eisenb e r g ergriff der Sekretär der Poale Agudas Jisroel, J. M. Kleinlehrer, das Wort zu einem eindrucksvollen Referat, in dem er den bitteren Empfindungen des thoratreuen jüdischen Arbeiters Ausdruck verlieh gegenüber der geringen Rücksicht, die ihm von seinen engsten Gesinnungsgenossen gezollt wird. Die Poale Agudas Jisroel-Organisation sei entschlossen, über die Wunde im sozialen Leben des orthodoxen Judentums nicht länger hinwegzugehen und gestützt auf das Wort und den Willen der Thorafürsten alle gesetzlichen Mittel in Anwendung zu bringen, einschließlich der Verhinderung der Thoravorlesung in den Synagogen, um gegen diejenigen Arbeitgeber vorzugehen, die den nichtjüdischen oder gesetzlosen jüdischen Arbeiter vor dem gesetzestreuen bevorzugen. Die ideologische Seite der Frage behandelte Rabbi David Zwi Silberstein. Alsdann in der Diskussion ergriffen die Herren Mosche Blau, Refoel Katzenellenbogen und Rabbi J. H. S i e nkewitz das Wort,. indem sie die- Poale A. J. in ihrem heiligen Kampfe für G'tt und sein Gesetz ermutigten. Zum Schlüsse verlas Rabbi Hilel Liebermann, Mitglied der Leitung der Poale A. J., die zur Annahme vorgelegten Beschlüsse. Die Versammlung hat in allen Kreisen einen starken Eindruck gemacht. Die Besorgnis um das Uebergreifen des italienischabessinischen Konfliktes auf Vorderasien hat vorige Woche eine von den Arabern ausgehende wirtschaftliche Panik erzeugt (siehe darüber unter Wirtschaftsnachrichten, Red.) Trotz der inzwischen eingetretenen Beruhigung fährt die arabische Presse fort, die Massen im Zusammenhang mit dem drohenden Kriege aufzuregen und die Hoffnung zu erzeugen, daß der Krieg der Anfang von Veränderungen auch in Erez Jisroel sein werde. Ein -arabisches Blatt behauptet, der jüdische iEinwanderungsstrom und der Wunsch nach Grundstückskäufen habe sich bereits verlangsamt. Auf Antrag der Jerusalemer Agudas Jisroel hat die Palästina-Regierung verfügt, daß in Zukunft bei polizeilichen Untersuchungen gegen Jugendliche, die der Agudo angehören, nicht wie bisher^ üblich der soziale Ausschuß des Waad leumi herangezogen werde, sondern geeignete Persönlichkeiten aus dem Mitgliederkreise der Agudas Jisroel selber. Anlaß hierzu gab das vor einigen Wochen berichtete Vorkommnis, daß aus Anlaß der Demonstration gegen die Sabbatentweihung einige junge Talmide Chachomim von der Chebroner Jeschiwo sich Moralpredigten' von Seiten einer jungen Sozialbeamtin des Waad leumi gefallen lassen mußten.