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Der Israelit · 1935-09-26 · Heft 39 (26.9.1935) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 39 (26.9.1935)
Date
1935-09-26
Page
– (sequence 3)
Language
German
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26. September 1935 ,D s r a e Ii t Nr. 39 Seite 3 Im Zeichen der Temah. nynn ->siv oyn nsr« - - -jwStyio -»tu "i „Heil dem Volke, das die~ Teruah kennt, G'tt, im Lichte Deines Antlitzes wandeln." (Psalm 89.); Glücklich das Volk, das die Teruah kennt! Völkerscharen, die sich auf den Posaunenschall verstanden, mit dröhnendem Hörnerklang in die Schlacht' zogen und mit Siegesfanfaren wieder heimkehrten, gab es, so bemerkt Midrasch Rabba :zu M. III, 29, allezeit und - allerorts. Israels eigene Kenntnis der Teruah besteht aber darin, daß es mittels der Teruah seinen Schöpfer zu besänftigen weiß und Ihn vom Throne des strengen Gerichtes auf den Sitz des Erbarmens her- . abholt. — Wann? Zu Anfang des siebenten Monats. '. '• Bin Volk kämpft sich, mehr standhaft als stark, weniger durch Ellenbogengewalt als durch klare Sicht, durch alle wilden Stürme. der Geschichte hindurch, seit Jahrtausenden schon; ewig auf das- Wunder der Meeresspaltung und der Teilung der Wellen angewiesen, wenn die Brandung es zu verschlingen droht. Und bleibt doch in all den Epochen seiner Geschichte im Ganzen auf der Linie des G'tteslichtes — weil -es von der Teruah; „zusammengehalten ist. Der heidnische Seher, der zu fluchen und zu verdammen kam, kann keine Bresche noch Uebermüdung in Israels Reihen erblicken, weil Vpbx "\ 13 T) y 1 Tri 1 las?/ „G'tt sein. G'tt bei ihm und seines Königs Ruf, die Teruah," in ihm ist." Kaum ist einmal Israel nur um Haaresbreite von dem ihm vorgeschriebenen Wege abgewichen, und schon ist die Teruah da, die es sammelt, auf den Weg weist und heimgeleitet. Doch was ist Teruah und worin liegt ihre wundersam sammelnde Kraft? Die Sprachforscher sagen, n^Vin komme von HST zerbrechen, zertrümmern und bedeute innere Erschütterung. Freunde des Gleichklanges in der Sprache hören im Worte eine Lautverwandtschaft mit i»> Wachsein, wecken, und'.begreifen daher die Teruah : als W e c k ru f. Und die Homileten, die die höhere Wahrheit außerhalb des einfachen Wortsinnes suchen, denken dabei an ftWv Freundschaft und meinen, die Teruah richte den-Freundschaftsbund zwischen Israel und seinem G'tte wieder auf, das Treu Verhältnis zwischen dem bX'"W fW)"» und seiner man "irPSH genannten Gefährtin. Es wird von der Zeit und ihren Umständen abhängen, welche von diesen drei Tonnuancen vorherrschend in den Vordergrund unseres Bewußtseins tritt am Tage der Teruah: Die innere Erschütterung, das Wecken und Werben oder der Sang zum neuen Treugelöbnis. Mitten im G'tteslicnte gesammelt, ständen sie dermaleinst, ein glückliches Volk auf ges egnetem Boden, in G'ttes heiligen Hallen und ließen die Stimme der " Teruah auf sich einwirken, die G'ttes sichtbarliche Nähe kündete, - mit - des Freundes Koseruf "p J">N 0101 fTST ^Jfr'VPJH W "pH' „Wie schön bist du. Gefährtin, schön ohne Fehl und ohne Tadel! . . ." Dumpf und düster ertönte dagegen die Teruah aus dem kleinen G'tteshause in die alten krummen, gef ahrumdräuten ^Gassen des Mittelalters. Erschütternd, wie Hilferuf aus Nacht und Not. Es gab aber Zeiten des V e r g e s s e n s , Zeiten, in: denen im hellen Lichte des jungen Freiheitsmorgens das Lichtlein G'ttes, wenig genährt, fast zum Verlöschen kam. Da bedurfte es schon in erster Reihe des W e c k e n s und R u f e n s. Die Teruah war Weck- und Mahnruf: „Auf, ihr Schlafenden, erwachet_ aus dem Schlummer!" Zündet wieder an das kleine traute Licht, das einmal in den alten Stuben Düsternis verscheuchte und Wärme verbreitete;» Wie sprach doch der Wächter der Nacht? „Es kam der Morgen, aber es ist wieder Nacht". Und WO jenes kleine Licht nicht mehr ist, da ist Leere und Finsternis, in der die Menschen weglos und ohne Halt tappen . . . \ So hatte jedwede Zeit ihre Teruah. Und h e u t e? Wir hören, die Teruah in all. ihren drei Tonarten in der erst gegebenen Reihenfolge, Sie ist heute Dreiklang, erschüttert, weckt und bahnt neue Wege zu G'tt. In Tagen schwerer Erschütterungen sind wir ein njmn ^VIV Oy geworden, kennen wir wohl die Teruah in jeglichem Sinne, Sie ist in ihrer ersten Bedeutung heute Grundton unseres äußeren Lebens. Alle Unsicherheit eines abgelaufenen, alles Bangen um ein kommendes Jahr zittert in der Teruah'-init. Und in ihrer Abart der Witt spricht sie vom Zusammenbruch, von Umwälzung und Umwertung lieb gewordener Werte, die uns Wochenrundschau, Makkabi spricht von Religion. In der Reihe der jüdischen „Weltkongresse", wie wir sie jetzt in unheimlich verschwenderischer Fülle erleben, darf auch Makkabi nicht fehlen. Sein „Weltkongreß" ging dieser Tage in B r ü n n zu Ende —- mit allem Zubehör und allem Tamtam, das einem Weltkongreß geziemt; Wahlen, „Begrüßungen der höchsten Behörden", Permanenzausschuß, Generaldebatte und Präsidiumskrise . . . Warum sollen übrigens Aufmarsch und Heeresschau nicht auch denen gestattet sein,: die sich auf solche Kraftentfaltung am besten verstehen. Seit Brünn hat aber Makkabi nicht nur die stärksten Muskeln, sondern auch eine I d e o 1 o - g i e. Ihre Richtlinien entwickelte ein Vertreter aus Palästina: Der Makkabi bekennt sich als geschlossene Bewegung zu der von Theodor Herzl geformten zionistischen Idee, d. h. zur Schaffung eines freien; wirtschaftlich, politisch und kulturell unabhängigen jüdischen Volkswesens in Erez Israel. Der Makkabi betrachtet sich als der einzige Träger des einheitlichen, alle Schichten des jüdischen Volkes'umfassenden nationalen Sportgedankens mit repräsentativer Verantwortung nach innen und nach außen. Der Makkabi-Weltverband bekennt sich zu Hachscharah, Alijah,; Awodah und Hitjaschwuth, zum Prinzip: der jüdischen Arbeit: im Bereich der jüdischen Wirtschaft und verpflichtet alle Makkabim zu diesem Prinzip. Der Makkabi-Weltverband verlangt die Umb x 1 dun g de r Hi s t a dir uth 0 w dim H a k 1 a 1 i t in eine unparteiische, allein, arbeitenden Gruppen des Volkes dienende nationale Gewerkschaft in völliger Unabhängigkeit von internationalen Institutionen und Symbolen. Die Makkabi - Weltbewegung bekennt sich zu deni Grundsätzen der jüdischen R e 1 i g i o n und zur hebräischen Sprache als d e r Sprache des jüdischen Volkes. - Man wird daran erinnern müssen, daß es ein V e r t r e t e'r de s E r e z Israel- Ma k k a bi war, der dieses — leider ganz allgemein gehaltene — Bekennt n i s z u r R e 1 i g i ö n ablegte. Man wird immervon neuem daran erinnern müssen, so oft sich die Makkabi jungen in Tel Awiw, Jerusalem oder Petach Tikwah am Sabseit bald hundert Jahren als des Lebens Halt und Inhalt dünkten. Darum ist sie, die Teruah, nicht minder und erst recht auch Weckruf, Mahnung und Sammelparole, über alle D",b13Ef' alle Scherben einstiger vermeintlicher Glücksgüter hinweg, das Einende, das Gemeinsame, das Befreiende in uns zu suchen, uns auf der großen Linie „zum Lichte G'ttes" zu finden. Denn sie weist, die Teruah, in ihrem dritten Sinne zu Ihm, der unser nSW unser Freund und unser Hirte ist, dessen Stab und Stütze uns (Psalm 27) über Todesschatten hinwegführt. Erschütterung bewirkt zunächst die Teruah, sie weckt und reißt uns dann aus fast hundertjährigem Schlummer. Und stehen wir wach und offenen Auges da, dann haben wir schließlich die Orientierung wieder, und das Treuverhältnis zu unserem G'tte. Das der dreifache Sinn der Teruah heute. Und: „Heil dem Volke, das die Teruah kennt, um allezeit im Lichte Seines Antlitzes zu wandeln! ..." batmittag auf dem Sportplatz zum Fußballmatch einfinden. Stände zu hoffen, daß dieses Brünner Bekenntnis nicht vom Sportstiefel im Stadion zu Tel Awiw totgetrampelt wird, dann wäre gegen die weiteren Beschlüsse des Makkabikongresses über die Sammlung und Zusammenfassung der Kräfte, die Gründung eines Makkabidorfes in Erez Israel — sonderbarerweise nicht in Modin oder Bethar, sondern auf einem vom N. F. geschenkten Bodenkomplex von 1800 Dunam bei Haifa — kein Wort zu sagen. Orthodoxe Produktivierungsarheit in Polen, Das Lodzer Zentralkomitee der orthodoxen Arbeiterorganisation Poale Agudas Jisr o e 1 in Polen hat die Bildung von Produktionsgenossenschaften in einer Reihe polnischer Städte in Angriff genommen. Die Kooperativen sollen einerseits Arbeitslosen Beschäftigung bieten, andererseits der jüdischen Jugend die Möglichkeit geben, ein Handwerk zu erlernen und einen produktiven Beruf zu ergreifen. Zur Deckung der nicht unerheblichen Kosten bei der Durchführung des Planes wurde ein Produktivierungsfond von den Poale Agudas Jisroel geschaffen, für den die Werbeaktion in ganz Polen nun eingesetzt hat. Aus der letzten Nummer des Organes der P. A. J. „Der Arbeiter" erfahren wir etwas Näheres über diesen Produktivierungsprozeß der orthodoxen Arbeiter in Polen. Die wirtschaftliche Notlage. in Polen hat einen Höhepunkt erreicht, der* nicht mehr überschritten werden kann.. Der Verelendungsprozeß schreitet unheimlich fort. Durch die neue Organisation kann wenigstens ein kleiner Ausgleich dahin geschaffen werden, daß ein geringer Teil jüdischer Menschen Arbeit und Verdienst im Lande selbst erhält. Noch wichtiger ist die Aufgabe der Organisation, die jungen Menschen, die in der Heimat einer trostlosen Zukunft entgegensehen, einem Beruf zuzuführen, der es ihnen ermöglicht, in einem anderen Lande, vorab in Palästina, sich in den Arbeitsprozeß einzuordnen und ihre Familien zu ernähren. Daß bisher die jüdischen Iristanzen, auch die orthodoxen, in allen Ländern diesen Zielen entgegenstrebten und auf dem Wege der Hachscharoth und Werkstätten zu erreichen suchen, ist bekannt. Hier aber werden diese Bestrebungen auf große Linie gebracht, da wo die Not am größten ist. Es ist eine großzügige Zentralisierurigsarbeit, wie sie die Orthodoxie mit ihren bisher kleinen Mitteln noch nicht durchführen konnte. Die Proklamation der P. A. Z. ist daher, wie man aus der Presse sieht, in Polen richtig

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