Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 38 (19.9.1935)
- Date
- 1935-09-19
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 Nr. 38 Der I s r a e Ii t 19. September 1935 -die in den -letzten Jahrzehnten'^Zwischen Juden und Nichtjuden geschlossen wurden.1 Ueber die Zahl dieser zwischen Judentum und Christentum Stehenden in Deutschland gehen: die "Schätzungen und Vermutungen weif auseinander, In der Septembernummer der „Nationalsozialistischen Monatshefte" nennt Dr. Bernhard Sommerlad in einem ,,Die Bastardierung des deutschen Volkes durch Judentaufe und Mischehe" überschriebenen Artikel die Ziffer von 1.050.000. Von 1875 bis 1933 wurden im Deutschen Reich im Ganzen etwa 150.000 Mischehen geschlossen. Rund 300.000 Kinder sind aus diesen Mischehen entstanden. -Dazu kommen noch die Mischlinge aus der Zeit *ur 1870 und der sonstigen Mischarier. Zählt man noch die 450.000 Volljuden in Deutschland dazu, so steigt die Gesamtzahl der Nichtarier auf eineinhalb Millionen an. - Der Verfasser wendet sich auch'gegen die Auffassung, als könnten Taufe und Mischehe an den Rasseneigentümlichkeiten eines Juden etwas ändern. Was die Zahl der J u d em t a u f e n betrifft, so zitiert Sommerlad den Pa&tor" d e 1 a R o ieinen Führer der Judenmission, : der die Zahl der Judentaufen im 19. Jährhundert für das Deutsehe Reich auf etwa 25.000: berechnet, von denen rund 18.ÖÖ0 auf die evangelispEe und rund 7000 auf die katholische. Kirche entfallen. Für die Zeit seit der iahrn.under.twende bis zum Jajire 1933 .gibt das statistische.Material. der ReicKskirchenr.egierüng Auskunft; Danach sind in diesem Zeitraum insgesamt 13.306 Juden üherge treten. Im Jahre 1900 beläuft sich die Zahl der Uebertritte auf 486, 1902 auf 545; in den Jahren von 1903 bis 1914 schwankt sie zwischen 400, und 5C0. Während i. J. 1914 439 Juden zur. evangelischen Kirche übergetreten sind, waren es 1915 nur 335>;1916 362, 1917 365 und 1918 389. Im Jahre 1919" steigt die Zahl auf-473, fällt i. J; 1921 wieder auf'361,'i. J. 1922 auf 317, um 1923 au 423 anzusteigen. Zwischen 1924 bis. 1930 sinkt die Zahl der Taufen; ihr niedrigster Stand ist 1928 mit 166 Taufen. Im Jahre 1930 steigt die Zahl der Uebertritte. wiedex auf 212, fällt 1931 bis auf 173," erhöht'sich wieder i. J. "1932 auf*2^1, um schließlich i, J. .1933 die Höchstzahl yon 933 zu -erreichen. v - 5'• :' ■-•; U ' Dr. Sömmerlad schreibt -hierzu]' daß die Jüdentaufen i. J. 1933 einei Höhe erreiehen, die alle früheren 'Zählen bei weitem in den Schatten stellt. All diese Getauften zählen jetzt zu? den Nicht ariern, Der Sieg des „Misrachi am Luzerner Kongreß. 44 Von Dr. Mendel Matzner in Biala-Bielsko. Der Kongreß in Luzern ist zu Ende. Die Exekutive gewählt. Diesmal/—ein besonders freudiges Ereignis — kam eine große Koalition zustande, die von Rabbiner Fischmann über Grünbaum, bis Bin Gurion reicht. Der Misrachi kehrt als Sieger heim, er hat es nämlich durchgesetzt, daß die Exekutive das Versprechen abgegeben nat gegen Verstöße wie ras? ViVti und' Sanktionen zu ergreifen und die'Uebertreter zu bestrafen. Ein wahres Idyll. Wie diese Sanktionen aber angewendet werden sollen, darüber gibt uns ein Mitglied der Exekutive selbst, Herr .Grünbaum, im „Hajnt" Auskunft. In seinem Artikel „der 19. Kongreß" schreibt er fast wörtlich: . . . aber in Emek Chefer, das erst kolonisiert wird, ist es anders. Die Arbeiterkolonien werden dort größtenteils mit den eigenen Mitteln der Arbeiter gebaut und es kommt vor, daß die Arbeiter 6 Tage bei Fremden Dienste leisten müssen und derT siebenten, den' Rünetag haben sie für sich. An diesem Tage grade" können sie etwas für ihre 'eigenen Wirtschaften und Häuser tun. Dort ist es mejir e i n e ö k onomische Frage als eine Frage der Beziehung zum r)3tP und zur Ruhepflicht. Der Misrachi jedoch will von nichts wissen, er fordert nur eines, die Abmachung. Sie wurde unterschrieben und sie muß eingehalten werden und sogar die Arbeiter von Emek Ghefer sollen bestraft werden ..." (Ist das nicht - unerhört?) . r ' Nach dfeseh Zeilen, die Völler Ironie sind und dem Misrachi von vornherein klarmachen sollen, daß es sich hier um ökonomische Gesetze handelt, denen das Gesetz dest)2V Weichen muß, geht Grünbaum dazu über, die Art der Sanktionen zu erörtern. ... Wie soll man den Arbeiter bestrafen? Den Boden wegnehmen? Einige Hitzköpfe des Misrachi (sie!) forderten dies zuerst, sie sahen jedoch sofort ein, daß dies unmöglich sei. Nicht nur unmöglich vom nationalen Standpunkte aus :— wielcann" man nämlich Menschen, die im Schweiße ihres Angesichtes Wüsten in fruchtbaren Boden verwandeln, vom Böden vertreiben — sondern auch vom rechtlichen Standpunkte aus, denn die Religion1 verfügt nicht über die.Macht, diese' ß.frafe auch .zu verhängen! 1' Nicht^iinmal.rdie Verweigerungj.eines. Zertifikates für nahe' Verwandte liegt ganz in unseren Händen. Die Frage nach der Art der Sanktionen bleijbt also offen. Außerdem ist auch die Strafpro;zje.d^r,j noch ganz ungeklärt. Man kann doch nicht den ganzen Kibbuz für die Tat eines Einzelnen verantwortlich machen, Nur das Individuum" kann bestraft werden; Es mußte also zuerst eine Polizei, ein Gericht eingesetzt werden, das sich mit den einzelnen Fallen beschäftigen soll . . ." Grunbauni schließt diesen Abschnitt mit dem ehrlichen Bekenntnis: ,,Die Exekutive 1 wird gar keine leichte Aufgabe haben, die mitf-Ruhe in Erez Israel zu sichern, da sie weder über die Machtmittel verfügt noch das Recht besitzt, den judir sehen Bürger m Palastina zu irgend etwas zu verpflichten ..." Soweit die Ansicht eines Mitgliedes der Exekutive,-das sich offen und ehrlich darüber-Rechenschaft abgibt, daß die Einigung mit dem Misrachi, die Exekutive wohl zu Versprechungen veranläßt hat, diese aber die praktische Durchr führüng dieser „Sanktionen" sich nicht im geringsten vorstellen kann. Grunbaum hat diesbezuglicjij auch nicht Unrecht* denn leider beweisen ,>di^' häufigen Verstöße gegen Schabbos, und Kasch-J; rut, daß politisch erzwungene Verspre-K chungen und Abmachungen, den Lebensstil einer.' in ganz anderem Geiste vorgeschulten Jugend^ nicht ändern können! Es ist mir nur ein Rätsel, wie de/ Misrachi, diese — ich mochte sagen ganz* natürliche — Erscheinung ubersehen konnte] Chaluzim, die m den Goluslandern auf ihren Hachscharot jn. einem fast ^antireligiösen Geistejj erzögen sind, in deren Hachscharot Kaschruj^ tfftd •Schablips1;; als überlebte Lebensformen;be- trächtet,...werden, deren Beachtung lächerlich wirkt, sollen durch „Luzerner" Vereinbarungen . li^d; StrafadEohungenv .ihre; jahrelange Erziehung ^aufgeben?! Wußte denn der Misrachi nicht, daß {ds^ZWetik- ÜÜä nutzlos ist, diese Versprechungen 'seitens der Exekutiver zu verlangen, deten Männer selbst, nicht das geringste Verständnis für diese Forderungen aufbringen können? Lassen wir nochmals das Exekutivmitglied GrünbUunizii Worte kommen und'sehen, welche Beziehung er' zu den Grundprinzipien des 'Judentums, wie' z. B. Schabbos, hat.. In demselben Artikel'schreibt er: „, . . An die Spitze -des jujdischen Lebens wird das Prinzip des Vaterland- 'aufbaiies gestellt werden, das nicht auf Her, iBVs i'Ir d e s' Sc ha bbos-Go j°3(sic!) b' eIii - |h e n ' w i r d.u* Das ist die geistig Haftung der jManneV, die "dem Misrachi aas Versprechen. ab-, ^geb'en;1 sich .für" T\2W. hT>»lP einzusetzen!' EJir^ sie., ast SöHäbbos 'mit der Institution des Schabbbs- Goj identisch und dadurch einfach -lächerlich und: zeitgebunden.; Es soll uns daher später nicht wundern, . wenn trotz der Luzerner, .Abmachung,. . flicht die geringste Besserung in dieser Beziehung eintreten wird und auch dem Misrachi möchte ich sagen: Seid nicht enttäuscht, wenn Ihr: in einiger Zeit, .Eure. Forderungen . nicht-;erfüllt .sehet. Alles war vorauszusehen. Es -hatdaher keinen Zweck mehr, beim" nächsten Kongreß t ■ - •- * ,; ,. . ■■: ,'■ ~" o ' wiederum den Beleidigten zu spielen, genau5; so< wie es bereits auf;diesemjKöhgreßTiicht den. geringsten; Sinn hatte. Zuerst beleidigt sein und dann,vor Freude jauchzen;über Vefsprechungen, die sofort von mäßgebender Seite ironisiert und: zunichte gemacht werden, heißt die Situation vollkommen verkennen oder sich lächerlich machen! Beides aber ist nicht zu verzeihen! Herrn Grrünbaum aber.mochte ich.noch .auf^ die Worte seines, Ehrenpräsidenten Sokolow aufmerksam machen, der in derselben „Hajnt"-Numnierden Appell an alle richtet;i,.,,Nichtvder Museumsrambam, sondern" der .Rambam soll gelebt werdend ^ir sollen'ihn leben, nach, seinen uHilchot Deot!" So schreibt Sokolow, der jetzt den „Mösad - Bialik" leiten wird, (Hoffentlich wird er sich an seinen Artikel erinnern!!) So verlangt jes Sokolow,. der Ehrenpräsident der zionistischen Organisation und dqch zuckt ehvLächeln um die Mundwinkel des Herrn Grünbaum ^ütter v diesen Appell. ' Warum? Weil . S o k o l o w .nicht dazu berechtigt ist, so etwas zu^yerlangen, solange seih eigenes Leben nicht den „Hilchoth Deo.th". des Rambam entspricht. Sokolow verzapft seinen Aufruf in einem Zeitungsartikel, Grünbaum aber sieht das reale Leben im Kibbuz. Deshalb hat er Recht. . Der Misrachi sollte daher dem Artikel Grunh.aums mehr trauen und mehr Aufmerksamkeit schenken, als dem des Ehrenpräsidenten Sokolow.. •■; 1 Das bedeutet aber?' NicTit" tittnütz den Belei-. digten spielen! Ein altes jüdisches Sprichwort sagt: -Entweder man braucht nicht oder es hilft nicht! - ■-" " " 1 ' Korrespondenzen. * > UM* I <l , Deutsche^ Reich. - Ausschluß von Juden; . •»• ■. j <-:•■■ ■ , f . ' .'• Berlin, 9. Sept. , Das Stadtische Presseamt m M a g d e b u r g teilt mit; Um die deutschen ^Volksgenossen . vor dem Zu-r; ammentreffen mit Juden m der Stadthihliothek, den städtischen J Volksbuchereien und dem Stadtarchiv. zu schützen^ ist dpn Juden der Zutritt verboten. Desgleichen ist die Benutzung der stadtischen Völksbader durch Juden unerwünscht. . Nach Meldung der „Frankfurter Zeitung" wurde nach Anhörung der Gemeinderate von 'der Bürgermeisterei in Rommersheim (Rhemhessen) bestimmet, daß das Hinstellen von Autos durch Juden auf Gemeindestraßen und Gemeindeplatzen, verboten ist. Die „Nordische Rundschau" meldet, daß in Kiel acht Lichtspieltheater Juden den Besuch verboten haben. Auch die -Generalintendanz der städtischen - Th e.a t er hat am . Eingang des Stadttheate.rs ein, Schild anbringen lassen, wonach der Besuch ües. Theaters, durch Juden unerwünscht ist. * . ~J, - < 1 ' j Bürgermeister ^euße^ l^ us t x. jjOj (pder).^ha)} ein ■. -Schreiben andie ^Gastwjrte^gerichtet,. da^ Gas^tatrv ' enmhabe(r( äfe bis - zum 1.:. Ojktpberj. nicht .ein .S^jhildV >ant ihrem Xokal iur jedermann ^sichtbar.^ apgebracht haben,f r daßi Juden der Zutritt^yer^tenjvf^fnaoh, die-?, sem Zeitpunktauf ^ein tEntgegenkojmmgn,Reitens der Stadt/ sei es Konzession, Steuerstun^ung, Pplizeistun-