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Der Israelit · 1935-09-12 · Heft 37 (12.9.1935) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 37 (12.9.1935)
Date
1935-09-12
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Nr. 37 D I 1 i t 12. September 1935 In welchem/Maße die „Freie Vereinigung" auf der ihr von ihrem Initiator gewiesenen Linie i geblieben ist,-kann man füglich dem Urteil der Ger schichte überlassen. Die Geschichte eines halben Jahrhunderts ist vielleicht noch nicht ausreichend; um ein abschließendes Urteil darüber zu fällend Aber die fünf Jahrzehnte, die wir hinter uns haben, sind so reich an umwertenden und umwälzenden Ereignissen, daß eine Organisation, die sich in diesen Sturmjahren bewähren konnte, die Feuerprobe wirklich bestanden und ihre-Lebensfähigkeit wie 'Lebensnotwendigkeit in einer Weise dargetan hat, wie sie selbst der geniale Gründer nicht vorausahnen konnten. Es ist heute nicht unsere Aufgabe, auf Einzelheiten einzugehen. Eine Penks c h r i f t, die 'im Lauf des Jubiläumsjahres erscheinen wird, wird all die Protokolle und Dokumente aiiffleh4 -inert, die die einzelnen Entwicklüngsphäsen i der Organisation- bis zum>Ausbruch' des Weltkrieges in anschaulichen Bildern zeigen. Wir ^wollen hier nur einige Datenaus der Krie^sg-es:c h i c h t e der Freien Vereinigung;anführen, die schon in ihrer chronologischen Zusa'mmenstellung eia Bild ergeben, dem auch die Außenstehenden — es waren in der Hauptsache Außenstehende; die die Wohltaten der Freien Vereinigung in den schweren Jahren genossen hab^n'T—^ ihr/e Ach* tung und Bewunderung nfreht'1 werden-' versagen können, ' s? : " ■ '•■<"- ■ -»s "> Ui Gleich zu Beginn des Krieges im August "1914 verzeichnet die Chronik einen Antrag der F. V.. auf Bestellung jüdischer Feldgeistlicher. Es wurde für die jüdischen Soldaten Urlaub und D i e n s t b e f r e i u n g an den Hohen Feier tage n bewirkt.1 Alis1'erste' dei* örgariisationen wandte sich die F. V. in brüderlicher Liebe auch den Glaubensgenossen in den Gefangenenlagern zu lind organisierte dort mit Genehmigung der Behörden Festg'ttesdienste an den Hohen Feiertagen. '" - "'. Im Oktober des ersten Kriegsjahres setzte aber die Belieferung der jüdischen Soldaten mit'rituellen Konserven ein. Dieses Kapitel der brüderlichen Fürsorge, die keine Grenzen zwischen Mitgliedern und Nichtmitgliedern, zwischen Juden und Juden kannte, ist in der 'Kriegsgeneration noch' in allzufrischer Erinnerung, als daß es im Einzelnen geschildert -werden müßte. Wenn heute auch die weniger religiös gesinnten Juden, besonders aus den Reihen des Reichsbundes der jüdischen Frontsoldaten, gerade für die Bestrebungen "der Freien Vereinigung das größtmögliche Verständnis aufbringen, so liegt darin nicht zuletzt1 ein Akt der Dankbarkeit für ije'ne Versorgüngsäktion, die vom Oktober 1914 in stets steigendem Maße bis zuletzt anhielt. Um ihre mustergültige Orga nisation und den Ausbau des. ganzen Kriegshilf s werks hat sieh vor allem der damalige Schriftführer der „Freien Vereinigung", Jacob Strauß b"^r unvergeßliche iVerdienste erworben. Eine Vervollständigung dieses großzügigen Liebeswerkes wurde im Dezember des gleichen Jahres durch die Einrichtung von rituellen Küchen in vielen Gefangenenlagern erreicht. Die g e i s t i g e Fürsorge für die K 1 e i n g e m e i n ,d e n bestand um diese Zeit in der Hauptsache darin, daß man ihnen Vertre ter für die einberufenen Lehrer und Kultusbe amte verschaffte. Ais der erste Krieg s p e s s a c h herannahte, war die Freie Vereinigung wieder rechtzeitig auf dem Plane, die in Not und Nacht schmächtenderi Brüder mit Mazzoth' '■ und allem Nötigen zum Feste zu versorgen. Ueber> 20.000 Feldpostpakete, neben Mazzoth auchr Konserven" und Wein, gingen damals ins Feld hinaus. Ein©*F e 1 d-h a g a d a :war -jedem Paket beigelegt, dehit eis?-ging -nicht allein ums Essen',' es ging darum, " daß des Festes ein Strahl auch die entfernten Brüder utfd! Söhne erreichte. Das Entgegenkommen -der Behörden; zu diesem- Behuf e bildet1 'ebenfalls* einr' goldene^ Erinneruögsblatt in diesem Kapitel der Brüder liebe, Alle einschränkenden Bestimmungen war den für - den" MazzöWerssmd^'äM^UoB'efif-'jLind 3€Q 'tonnen iMehl wurden ■' für die - ^Herstellung der Osterbrote zur Verfügung gestellt. •' Natürlich wurden wiederum auch die Kriegsgefangenen in diese Pessachversorgung mit hineinbezogen. Zur Beschaffung der Mittel für diesen Zweck wurde ein;,Kriegsfürsorgefohds" errichtet: "'•'_'••' *' \ Im August 1915i; ein JähY'nach Kriegsbegihrij; war die materielle Versorgung-'schon so weit geregelt, daß der Apparat^ fast von "selber 'flink-; tionierte, und man nun in erhöhtem Maße auch; an die ge i s!t i ge. B e-tr^e ü u-ri-g ider; Krieger und Verwundeten herantreten''-könnte. Es Wurde ein Schriften versan d ins Feld organisiert und W a n d e r b ü c h e r e i e n für1 die jüdischen Verwundeten geschaffen. Man kam - 'auch; 'derj großen Nachfrage :um Z i z i t h '.und T e f ill i ri in den Gefangenenlagern nach; Man bewirkte,' daß jüdische Krieger; die aus religiösen Gründen, :von: der Mannschaftsküche keinen' Gebrauch machten, ihre Menage in b a r a u s b ez.Äh 1 i bekamen. .;;w : - •Die Anerkennung, der F.. V. als 1 egi t i m e Vertreterin des o r t h o d o x e n > J/U. d e ntums in Deutschland^ -von Seiten' der höchsten Behörden, drückte^sich zu Anfang 1916 in der B e r u f iu n g; von VV e r t r e t e r^n; d er Rabbi Akiba; Von Benno KessteeJter, l. Akiba's Gebet. Ich bin ein'alter Mann und müder Mann,' Doch Dii' "lebst' foti' in alle Ewigkeiten. Will Dir '.'ein.Diener -«ein, 'solang ich kann,: Getreu Dein Wort erfüllen:.- dann; - . Magj ich getrqsi. ins ew'geLeben schreiten.. " 'Die Sonüenitunden sah ich\ auch den Fall'/ Nicht -'rechten ^ill-ieh,' denn1 Diihast 'gesprochen; Du siehst, Du hprst, denn Du bist i überall^ Erhören wirst Du, wenn, zum neuen Mal Israel wird an Deine Pforte pochen ... Der Mensch ist klein und nichtig sein Bestreben, Und all sein Tun und Lassen wird Gericht. Du, höchster Richter, der Du rufst , zum Leben,. ., Du kannst allein des Glückes Kranz" uns g«ben,;" Denn alles Menschenglück,' ich acht' es nicht ... Fürwahr,;Dein hoher. Teimpel wird -erneut; . --»Mi Des Opfers süße Düfte in sich saugen. Und vor des neu erstarkten Volkes Augen Werd' ich Dir wahrhaft dienen, einst wie heut'! .; ... II. .. Die Tröstung. -/, Einsam an der Verwüstung Trümmerstatt, j; Auf Tempels Höhen modert nun die Zeit. Im Herbstessturme taumelt Blatt um Blatt Und fällt, wie einst gewes'ne Heiligkeit, Dort stand das .Haus, empfangend Priesters Weihen, Des Volkes große Inbrunst in sich ahnend.' j Hier sangen die Levifeti DankeireihenV ■?? -Hier rief der Nabi,. heulen ^Atems. ..mahnend;; Jetzt, bei des mächtigen G'eschehpns Nahen, Des weltumstürzenderi und' taümelfeichen, Jetzt stehen, die, den": Fall der.iTempelsr^sahenj*!, .-;; .Akiba-und die Meister,.- /Und »sie streichen :f;. ' •Geängstigt um des' stolzen Baues Reste, EinvFüchS: verläßt dieeifist-.geweihtei^tätte r. ] ,,,0,-du, des alten-Volkes-Freiheitsveste,; - } Noch, .einmal,.Heiligtume^, Stolz errette!" f So^;we^n.tenl'sie,^:döch': er jwar^ohey Freäde,;. r:'ri' ■ •Trostworte ihnen? sprechend,--.in jd.em rLeide^,s«';{| „Die Tage kommen, und die Zeit ist nali. Das Wort erfüllt sich des Sacharia!" ' . Von. 1'4. - ^■ 21'. September 1935 / Vom 16. --^ 23. Elul 5695 - -. . i '. -; . ~ ■-- •■-.!.: •- .mi? ■ : •- h b " ''*ay!|T : ■ Samstag 14 •;ihmv, 16 <D3 K32 0- , , Niiwr's .' / Sonntag , _ - iJs 11 f c i\ w *. . ..NO Montag 16 18 . ao ■ Dienstag 17 ■ , " 19 *P.. ■; -vi r'- '' ['»?j ■■'■ Mittwoch Sept. ii >1>K: 20 TD .,iC:;;:•!(.' *" Donnerstag 19 21 , [ f * ' no ['. i!I i'.' f.r.i-' Freitag r 20 V 1p: '.'"•'li^)-.: Samstag f... i\ 23 "' t'b!'/ "!^'i'D*isS' F. V. n a c h . W a r-s c h a u zur^ Mitwirkung an. 4er Regelung der jüdisch-religdös»n Angelegenheiten' -in iPolen aus. Ueber? dieses vielleicht wichtigste Kapitel in der Kriegsgeschichte " der Organasation wird die Jubiläumsschrift mit Berichten der zuständigen 'Männer klaren Aufschluß geben. Die Pessachversorgung der Krieger, der Verwundeten: und auch der Gefangenen in den folgenden Jahren nahm einen; geradezu geiwaltigen Umfang an und wurde begünstigt durch immer neue Verfügungen von höchster Stelle, die den Bestrebungen alle Wege ebneten. ''■ Es wurde schließlich auf Initiative und unter Mitwirkung der Freien Vereinigung eine Krieg s k ommiss i on f ü r r i tu eile L ebensmdtt e 1 GmbH, gegründet. Andere Organisationen arbeiteten kräftig mit/ Die Führung hatte. die. F. Vi) deren Büi/os' in Frankfurt jütod Berlin r vom; 'Kriegsamt r > als >; b e h;ö. md-1 i föh e Einriebtun.gein anerkannt .wurden; .;- ^:- So konnte<bis zuletzti^bis; .zürii rjerbste 1918, die religiöse uneb ij^^iga-M-e^it^VOLg ,C'*mit. den Brüdern in der;{Kfiegsnoth erhalten bleiben.mnd Hunderttausende vor körperlichem Schaden und seelischer Not Jbeafethrt wer/deir.' Zu den > Siegern 'des großen •Weltkraegesbgehörte-k auch; die j ü - di s che B t ade rJ i e.b/e , -verkärperLi durch ^i;e^ Organisation, die alle - Wohlfahrt und alle Liehe nur als .einen Be'zirJk im großen iieiche;'des G'ttesgedankens- .ansah, v der>Freiein;,- Vife r - ei ni.g.ii njgi für rd i'G I n-t;e r/e^-s em-d e s o r - t^lio^&'X'^n-rjiwd-.&n'Awms..^ .n> rf . ' . ]>:■■ Was die Freie Vereinigung in der Nachkriegszeit besonders in den Und für die Landgemeinden geleistet hat und heute ' noch in/schwerer 'Zeii tut ma^ die/ verbilligten Mazzäus üiid zu^ fün: gedenkt,r ist" allen gegenwärtig. Wir registrierten nur die wenigen Daten ■atfs der'Kriegsgeschichte der Freien Vereinigüng, üm darztrtun, daß der Organisation in ihrem Jubiläumsjahre das Zeugnis ■-. ausgestellt; werden darr,' daß sie - in all den Jahrzehnten/ auch' ' und efstrecht in der schwereren Zeit, sich der Ideale^ von denen ihr Begründergeleitet war, voll bewüßt blieb; ■•'-'■i<:>:; Neubebräisciie Problematik. Zur sefärdisch-aschkenasischen Debatte . und zur Ünterrichtstechnik. ' Von. Pinchas Wollmann in Frankiiirt a. M. - Seit, einigen Wochen'wird in den Spalten dest . Jsraejit"; üäbert das-Thema Sefärdisch/ pder Aschkenasisch sowie über die .Unterrichtstechnik des .-Neühebräischen debattiert, und zwar mehr vom theoretischen als vom praktischen Gesichtspunkt aus. Manche dieser theoretischen Ueberlegungen würden sich erübrigen, wenn .man die Entwicklung des Se.fardi.t.h rieben dem Aschkenas i t h in. der P r ax is vor "allem im Osten oder irir Palästina;' betrachteb würde. Ii:-.A sie h'k;-© rtiä;s i.tjholo d e.r: Sie f .a t di thi? •n der; Debastteriisst'i'U.- a.;iibeziveifeU worden, qb zwei -Aussprachen riefeeneirianderibmöglich^Jsind. •■Gewiß' dstiid^es^<kdba^'.I4eal^Z^sta^äf;^•al)^i4inmerhin durchaus m&gliöh^.. wenn;, mOfa. ,ein <&ebiet immer nur: {das; Aschkenasi&che>£ für,}:das>andere nurUdas;:Sefftrdische -gebrkuefet. ünjd ös' kollidiert absolut .nicht „ mit -einander*; Sor-zJ. B. Sprechen die Kinder in den hebräischen Gymnasien im Osten den ganzen Tag fast nur Sefardith, dagegen beten sie in der Aussprache ihrer Vater nur Aschkenasit h. Ebenso gebrauchen sie beim Talmudstuditim-. nur das Aschfeenasith. Die Praxis b©wies, daß diese .Kinder niemals die beiden Aussprachen': miteiöander .verwechselten. Beten oderdLernen ikonnten :sie..n u r Aschkenasith, :hebrlisch i iSprechen; dagegen n u r Sefardith. Niemals ist es. vorgekomrhenv daß iie^z.j Bbeim Beten das Sefarditn. oder, beim 'Sprechen das Aschkenäsith gebraucht-hätten. Sie' .konnten es einfach*^nicht.- Das^ hebräische S;p r .e ^h e.n löste eine andere Denktätigkeit aus", die ganz, auf das hythmische Sefardith eingestellt war. Das, Asch-

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