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Der Israelit · 1935-09-12 · Heft 37 (12.9.1935) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 37 (12.9.1935)
Date
1935-09-12
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Nr. 37 D I 1 i t _5. 42., September 1935 diejenigen Schüler und Schülerinnen zusammenzufassen sein, bei denen entweder beide Elternteile oder ein Elternteil jüdisch sind. Die sogenannten Viertel juden, bei denen ein Großelternteil jüdisch ist, beabsichtige ich, bei der auf dem Gebiete des Schulwesens vorzunehmenden Rassentrennung auß e r Betrachi» zu lassen. Voraussetzung für die Errichtung einer öffentlichen jüdischen Volksschule ist das Vorhandensein einer zur ordnungsmäßigen Beschulung hinreichenden Zahl jüdischer Kinder innerhalb einer Gemeinde -oder eines unter Berücksichtigung zumutbarer Schulwege abgegrenzten Gebietes (Stadt- oder Landgebietes). Dabei müssen gegebenenfalls mehrere oder sämtliche Jahrgänge in einer Volksschulklasse zusammengefaßt werden. Als eine zur ordnungsmäßigen Beschulung hinreichende 'Richtzahl wird die Zahl von 2 0 K i n - dem anzunehmen sein. Um einen Ueberblick zu gewinnen, in welchem Umfange die Errichtung öffentlicher jüdischer Volksschulen erforderlich bezw. möglich ist, ersuche" ich, in allen öffentlichen und privaten Volksschulen Ihres Aufsichtsbereiches für sämtliche Jahrgänge Feststellungen über die Rassezugehörigkeit' der die Schulen zur Zeit besuchenden Kinder zu treffen. Hinsichtlich der nicht zu den Pflichtschulen gehörenden Schulen erwäge ich eine Abänderung der durch das Ueberfüllungsgesetz vom 24. April 1933 getroffenen Bestimmungen in Richtung einer verschärften Abtrennung." « Vom Reichserziehungsministerium wird zu dem Erlaß u. a. noch folgendes mitgeteilt: „Dieser in enger Fühlungnahme mit dem Rassenpolitischen Amt der NSDAP, ausgearbeitete Erlaß bereitet einen weiteren wichtigen Abschnitt in der Rassegesetzgebung des neuen Deutschland vor und beweist, daß Deutschland keineswegs geneigt ist, wie ausländische Pressestimmen zu wis sen glauben, seinen grundsätzlichen Rassestand punkt aufzugeben. Unser Ziel: die völlige Aussonderung des Judentums aus d % m de u t s c h e n L e b e ns b e reic h , is unverrückbar klar und bereits auf verschiedenen Teilgebieten. (Beamtengesetzgebung, Erbhofrecht u. a.) durchgeführt. Auf dem Gebiete der Volks schule ist zur Erreichung dieses Zieles die Zugammenfassung denjenigen nichtarischen Schul kinder, die der mosaischen Religion angehören, in besonderen jüdischen Volksschulen schon bis her energisch gefördert worden. Insbesondere ist mit staatlicher Genehmigung seit 1934 eine größere Zahl privater jüdischer Volksschulen neu erstanden. Der entscheidende Gesichtspunkt ist aber nicht die Zugehörigkeit zur mosaischen Konfessioni sondern zur jüdischen Rasse. Der rassefremde jüdische Schüler bil de,t in der Klassengemeinschaft der arischen Schüler und Lehrer einen Fremdkörper. Sein Da sein, erweist sich als ein. außerordentliches Hin dernis im deutschbewußten nationalsozialistischen Unterricht und macht die notwendige, in der Rasse begründete Uebereinstimmung zwi sehen Lehrer, Schüler und Lehrstoff unmöglich. Der neue Erlaß zielt deshalb auf Durchführung der völligen Rassentrennung in den. Volksschulen ohne Rücksicht auf die Konfessionszugehörigkeit der rassefremden jüdischen Schüler und auf Wiederherstellung der Judenschulen hin. Er billigt beiden. Teilen zu, was nach völkischer Auffassung eine selbstverständliche Forderung ist: die Rassengemeinschaft zwischen Lehrer und Schüler." Vorläufiges Ergebnis der Sejm-Wahlen in Polen: vier Juden unter den Delegierten. Warschau, 9- Sept. Am Sonntag, den 8, September fanden die Wahlen zum neuen polnischen Se»jm statt. Die offizielle Bekanntgabe des Gesamtergebnisses ist nicht vor Mittwoch, den 11, September zu erwarten. Auf Grund vorläufiger unoffizieller Zahlungen scheint festzustehen, daß in dem Warschauer Wahlkreis, der die größte Zahl jüdischer Wähler umfaßt, an erster Stelle der nichtjüdische Kandidat Franciszek Urbanski gewählt ist, während ein zweites Mandat entweder dem bekannten zionistischen Publizisten Dr. Josua Gottlieb oder dem früheren Sejm-Abgeordneten und Gründer des jüdischen Kooperativwesens in Polen, Wackw Wislicki,. zufallen wird. In Wilna erscheint der frühere Senator Oberrabbiner Jizchak Rubinstein gewählt, in Lodz der bisherige agudis tische Sejm- Abgeordnete und Vorsitzende der Lodzer Jüdischen Gemeinde, Leib Münzberg, in Lemberg der zionistische Kandidat und bisherige Abgeordnete Rechtsanwalt Dr. Emil Sommer stein. Dagegen, ist in Krakau der Vertreter der jüdischen Frontkämpfer Leopold Spira, der von den Wahlmännern an Stelle des bisherigen Vorsitzenden des Jüdischen Parlamentsklubs, Oberrabbiner Dr. Osias Thon, der dem Sejm seit seiner Schaffung angehört hatte, als jüdischer' Kandidat aufgestellt worden war, nicht gewählt worden. In Warschau wäre es möglich gewesen, zwei jüdische Kandidaten durchzubringen. Daß dies mißlang, ist auf die Zersplitterung der Juden und auf die schwache Wahlbeteiligung zurückzuführen. Während von den jüdischen Wählern des betreffenden Wahlkreises nur 16 Proz. zur Urne gingen, haben von den christlichen Wählern 65 Proz. gestimmt. Die Wählpropaganda in Warschau war vom frühen Morgen an eine sehr rege. Als erste erschienen die jüdischen Frontkämpfer auf dem Plan, Aber auch die übrigen Wahlkomitees setzten bald darauf mit der Agitation ein. Lastautos, an denen große Transparente mit den Wahllosungen und den Namen der Kandidaten angebracht waren, durchfuhren das jüdische Viertel. In den hauptsächlich von der Arbeiterschaft bewohnten Stadtteilen wurden diese Wahlpropaganda-Autos wiederholt von Linksgerichteten überfallen, die entsprechend ihrer Parteilosung für den Boykott der Wahlen Propaganda machten. Zahlreiche Insassen der jüdischen Werbeautos wurden hierbei verletzt. In einer Reihe von Abstimmungslokalen wurden den jüdischen Wählern Schwierigkeiten bei der Abgabe der Stimme bereitet. Auch in Lodz war die Wahlbeteiligung schwach. Bis 7 Uhr abends hatten 15 bis 18 Proz. der Wähler ihre Stimmen abgegeben. Nur in dem Wahlkreis, in dem der jüdische Kandidat M ü n zb e r g aufgestellt war, wurden mehr Stimmen, ca, 25 Proz. der Wahlberechtigten, gezählt. Mehrere agudistische. Wahlwerber wurden von Nationaldemokrat e n überfallen und mißhandelt. Die Lodzer Revisionisten,, Judenstaatler und Misraehisten haben an den Wahlen nicht teilgenommen. Der" 33jährige jüdische Friseur Jehoschua Gregozewski wurde bei der Wahlpropaganda von gedungenen Unterweltselementen überfallen und so zugerichtet, daß er ins Krankenhaus gebracht werden mußte. Die Angreifer sind entkommen. In Wilna haben sich ebenfalls nur 20 Proz. der Wahlberechtigten bis 6 Uhr abends an der Wahl beteiligt. Die Wahlpropaganda im jüdischen Viertel war schwach, erst in den Nachmittagssutnden setzte eine stärkere Wahlwerbung für den jüdischen Kandidaten Rabbiner Rubinstein ein. Andererseits wurde in mehreren tausend Exemplaren ein Flugblatt verbreitet, in dem die jüdischen Wähler aufgefordert wurden, nicht für Rabbiner Rubinstein zu stimmen, um so die Ehre des früheren jüdischen Deputierten, Dr. W y g o d z k i, zu wahren. Zur Zentralisierung der Auswandererfürsorge. Genf, 9. Sept. Im Zusammenhang mii. * d?Xa YiQTSChla.& ^er norwegischen Regierung, ein unmittelbar dem Völkerbund unterstelltes Zentralamt für Auswandererfürsorge zu schaffen, haben u; a. auch . die sowohl im Beirat des Nansenamtes rwie ^im Beirat des Oberkommissars MacdonaldT vertretenen Quäker an die Mitglieder des-Völkerbundes ein Memorandum verschickt, in dem sie den Y-or schlag der norwegischen Regierung warm befürworten. ~ ■ - Von den Vertretern der: mit dem Auswandererproblem beschäftigten jüdischen und nichtjüdischen Privatorganisationen wirdv im allgemeinen der folgenden Lösung das Wort gesprochen; 1. Der Völkerbund möge einen einzigen Auswanderer-Oberkommissar ernennen, der — wie seinerzeit Dr. Fritjof Nansen — ehrenamtlich tätig sein soll. Diesem Oberkommissar sollen alle Auswandererkategorien; mit denen der Völkerbund sich bisher direkt oder indirekt beschäftigt hat oder in Zukunft noch beschäftigen wird, unterstellt sein. Die Haupttätigkeit des Auswanderer-Fürsorgeamtes soll gestehenj a) In Rechtsschutz durch Beschaffung von Identitätspapieren» Aufenthalts- und Arbeitsbewilligungen; b) in einer politischen Aktion zwecks Förderung der Weiterwanderung und entsprechende Verteilung auf die aufnahmefähigen Länder und c) in materiellem Beistand durch Arbeitsbeschaffung an ständigen Wohnorten und vorübergehende Unterstützung in der Zeit dringendster Hilfsbedürftigkeit, Das Mitglied des amerikanischen Kongressesr Samuel Dickstein, Vorsitzender der Einwanderungskommission des Repräsentantenhauses, hat sich -nach Europa begeben, um die Lage der aus Deutschland Augewanderten zu-studieren. Dickstein wird London und Paris besuchen, wo bekanntlich zahlreiche Ausgewanderte leben, deren Lage ziemlich kritisch ist. In Paris wird Dickstein eine Besprechung mit Baron Rothschild abhalten. Insgesamt" wird der Vorsitzende der amerikanischen Einwanderungskommission einen Monat lang in Europa bleiben. Internationale Arbeitstagung für Jugendalijah* Amsterdam, 12. Sept. Unter großer Teilnahme wurdehier die internationale Tagung der J u g e n d a 1 i j a h unter Vorsitz der Frau Dr. C. W i j s e n.b'e e k -Franken, der Präsidentin des holländischen Komitees und Anwesenheit von Miß S z o 1 d und des: Vertreters der Jewish Agency, Dr. Werner Seil a t o r, eröffnet. Senator verzeichnete die großen Erfolge der Jugendalijahj an der alle Kreise und Richtungen (?) im Judentum mitarbeiteten. Den Dank der deutsc h en J u d en überbrachte S- A d l e r - Rüde 1. Er möchte Alijah nicht als - bloße Uebersiedlung, sondern als „Aufstieg" und seelische Wandlung deuten. Nach weiteren Begrüßungen ergriff Miß S z o 1 d das Wort, um Aufschluß über die Organisation der Jugendalijah und auch Einblick in das neue Leben der Kinder in Palästina zu gewähren. Sie entwarf ein optimistisches Bild von dem Gesundheitszustand, der Anpassungsfähigkeit und der geistigen Verfassung der Kinder, Man. müsse die Jugendfürsorge' auck auf andere Länder, wo sich jüdische -Jugend in Not befindet, ausdehnen. Zur Veranschaulichung der Berichte diente ein vorgeführter F i 1 m ,' der in En- C h ar 0 d gedreht wurde.

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