Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 37 (12.9.1935)
- Date
- 1935-09-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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13.SER1935 Ein Centraiorgan für das orthodoxe Judentum / Begründet von Dr. Lehmann in Mainz Frankfurt a. M. 12. September 1935 14. EIul 5695 Nummer 37 Rassentrennung in den Schulen. Ein Erlaß des Reichserziehungsministers über Errichtung jüd. Volksschulen. B e r 1 i n , 10, Sept. Reichserziehungsminister Rust kündigt in -einem Erlaß die Durchführung der Rassentrennung auf den Öffentlichen Schulen an, wobei in erster Linie mitgeteilt wird, daß auf dem Gebiet des Volksschulwesens - von Ostern 1936 an rein jüdische Schulen gegründet werden sollen. (Die Regelung der Rassentrennung an den höheren Schulen soll einem späteren Zeitpunkt vorbehalten bleiben, und zwar vor allem mit Rücksicht darauf, daß hier die Verhältnisse seit dem Gesetz vom 25. April 1933 über die Zulassüngsbeschränkungen jüdischer Schüler und Schülerinnen anders liegen als bei den Volksschulen. Der Anteil jüdischer Schüler und Schülerinnen an den höheren Schulen beträgt, wie man bei dieser Gelegenheit erfährt, bereits jetzt nicht mehr ganz 1 Prozent.) Als. Lehrer an den zu gründenden jüdischen Volksschulen sollen vorzugsweise solche jüdischen Lehrkräfte angestellt werden, die seiner r zeit abgebaut worden sind. Es ist damit zu rechnen, daß jüdische Volksschulen hauptsächlich in den größeren Städten errichtet werden, wobei vor allem heben Berlin, Frankfurt a. M., B res lau und M ünchen genannt werden. Auf dem flachen Lande dürften nach Mitteilung von züStändigef Stelle vielleicht Schle-. sien und Hessen-Nassau in Frage kommen, . Ueber den Erlaß; des Reichserziehungsministers , \des s eil -Wortlaut noch nicht vor Ii egt, wird zunächst folgendes mitgeteilt; ^Eine Hauptvoraussetzung für jede gedeihliche Erziehungsarbeit ist die rassische Uebereintsimmung von Lehrer und Schüler. Kinder , jüdischer Abstammung bilden für die Einheitlichkeit der Klassengemeinschaft und die ungestörte Durchführung der nationalsozialistischen Jugenderziehung auf den allgemeinen öffentlichen Schulen ein starkes Hindernis. Die auf meine Anordnung bisher vorgenommenen Stichproben in einzelnen preußischen Gebietsteilen haben gezeigt, daß die öffentlichen Volksschulen noch immer in nicht unerheblichem Maße von jüdischen Schür lern und Schülerinnen besucht werden. Vornehmlich ist dies der ^Fall in den größeren Städten; aber auch auf dem platten Lande finden sich Gebiete, die mehr oder minder stark mit Juden besiedelt sind. Auch die über das Volksschulziel hinausführenden Schulen sind trotz der Zulassungsbeschränktingen des Gesetzes - vom 25. April -1933 noch immer .von einem an einzelnen Orten unverhältnismäßig hohen Anteil jüdischer Schüler und Schülerinnen besticht. Für die Entwicklung des nationalsozialistischen Schulwesens ergeben sich hieraus schwere Hemmungen. Die Errichtung öffentlicher und privater jüdischer Schulen hat zwar an einzelnen Orten 2u einer gewissen Sonderung derjenigen jüdischen Schulkinder geführt; die der mosaischen Religion angehören. Die Trennung, nach Konfessionen ist jedoch für ein nationalsozialistisches Schulwesen nicht ausreichend. Die Herstellung nationalsozialistischer Klassengemeinschaften als Grundlage einer auf dem deutschen Volkstums-- gedanken beruhenden Jugenderziehung ist nur möglich, wenn eine klare Scheidung nach der Rassenzugehörigkeit der Kinder vorgenommen wird. ' Ich beabsichtige daher, vom Schuljahr 1 9 3 6 ab für die reichsangehörigen Schüler aller Schularten eine möglichst vollständige Rassentrennung durchzuführen, Bei den Pflichtschulen ist mit Rücksicht auf die auch für Nichtarier nach wie vor bestehende Schulpflicht eine Verweisung auf private Volksschulen nicht angängig. Vielmehr wird die Errichtung öffentlicher V o 1 k sschulen für J u d e n ' erforderlich werden. In diesen Schulen werden alle (Fortsetzung siehe Seite 2.) Aus dem Inhalt: Sejmwahlen in Polen ......Seite 2 Internationale Tagung der Jugendalijah Seite 2 Zentralisierung der Auswanderung . . Seite 2 Von Luzern nach Wien........Seite 3 Sektenbildung ......... . Seite 3 50 Jahre Freie Vereinigung......Seite 4 Striche zur Lebensgeschichte von Abraham Jzchok Kuk .... Seite 5 Neuhebräische Problematik ..... Seite 6 Ausschluß von Juden .Seite 8 Der Grüindungskongreß der NZO. . . . Seite 8 Jüdische Fragen vor dem Völkerbunde Seite 9 Landeskongreß der ungarischen Orthodoxie Seite 10 ich werbe für Deirtschländers Erbe! Von Rabbiner Wolf S. Jacobson in Kopenhagen. Wenn die berufenen Instanzen mir den Auftrag gegeben haben, das große Erbe, das Dr. Leo Deutschländer uns hinterlassen hat, vorläufig zu verwalten — und wenn das Entgegenkommen derer, in deren Amt und Sold ich stehe, mir dies ermöglichen will — dann müssen alle, die einem großen Mann über das Grab hinaus die Treue halten wollen---die Treue seiner unvergänglichen Leistung und dadurch allein seiner unsterblichen Seele — sich vor allem darüber klar werden, worin dies Erbe besteht. . Dies soll ganz sachlich geschildert werden, unsere Liebe und Trauer soll ganz zurücktreten hinter, der Pflicht! Auch der nur oberflächliche Beobachter weiß, daß Dr. Leo* Deutschender ein ungewöhnlich vielseitiger Mann war, wenngleich er vielleicht nicht weiß, es gar nicht wissen kann, daß diese Vielseitigkeit sich paarte mit einer ganz seltenen Konzentriertheit auf die Aufgabe, deren Bewältigung gerade vor ihm 'lag. Die schöpferische Genialität war begleitet von nüchterner Sachlichkeit. Und darum ist es einem Menschen unmöglich, selbst lückenhaft das zu leisten, was er vollendet gab. Dr. Deutschländer, der Lehr er, ist völlig unersetzbar, er nahm diese Kunst mit ins Grab. Und dennoch ist seine Leistung unverloren: seine Schüler — die Lehrerinnen von Be t h Jakob — sie seien darum zuerst aufgerufen, sie, die seines gesegneten Geistes einen Hauch spüren durften, daß sie in allen Anstalten von Beth Jakob nach seiner Methode weiter unterrichten, das bedeutet: den Stoff beseelen und neben der Ausdeutung von Details vor allem die große Linie herauszuarbeiten, die er mit instinktiver Sicherheit zu finden wußte. Ein wichtiges Hilfsmittel werden ihnen dabei die Aufzeichnungen sein, die sie im Anschluß an jede Unterrichtsstunde machten. Und sie werden hiermit gebeten, eine Abschrift dieser ihrer Aufzeichnungen schnellstens an die Wiener Zentrale von Beth Jakob (Leopoldsgasse 26} zu senden, daß diese Unterlagen mitverwertet werden können, wenn jetzt einige, von der Gattin Dr. Deutschländers bereits benannte, vertraute Schüler daran gehen, den Nachlaß Dr. Deutschländers, des T n a c h f o r s c h e r s , zu sichten und zu sichern. (Ueber die Mittel zur Drucklegung wird noch weiter gesprochen werden!) Alle wissen, daß das Werk von Beth Jakob pädagogisch auf einer von Sachkennern oft gerühmten Höhe steht, zu der hin Dr. Deutschländer es geführt. Ich bin mir bewußt, daß ich auf diesem Gebiet weder ein Großes, noch ein Geringes zu leisten imstande bin. Darum kann für alle erst Besorgten die beglückende Tatsache registriert werden, daß an den zentralen Ausbildungsstätten in Krakau und Wien Persönlichkeiten als Leiter und Lehrer wirken, die noch zu» sämmen mit Dr. Deutschländer gewirkt haben, die. darum in seinem Geist das Werk weiterfüh- (Fortsetzung siehe Seite 3.)