Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 36 (5.9.1935)
- Date
- 1935-09-05
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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5« September 1935 D Israelit Nr. 36 Seite 5 Sie haben vor kurzem eine* Ehe als religiös geschieden erklärt, ohne daß der Ehemann in die Scheidung einwilligte, ohne daß er auch nur zugegen war. Anstelle des Ehemanns haben Sie den Get schreiben; und überreichen lassen. Die so geschiedene Frau ist im. Begriffe, eine neue Ehe zu schließen. flSin und 'ptPTT'p sollen dieser die Weihe geben. Brauche ich Ihnen zu sagen, daß dies nach Thora und Talmud, nach Maimonides und Schulchan Aruch, nach all* den Tausenden der Thoragrößen unseres Volkes in allen Zeiten der Vergangenheit und Gegenwart ohne Ausnahme nichts anderes ist als ein furchtbares religiöses Verbrechen, als ein entsetzlicher Ehebruch, mit Ihrer Hilfe vollzogen, eingeleitet mit Ihrer Anrufung ^'ttlichen Namens als des ">T *?S? ^STe?'» lay ttHj?» pEHTp HSiri' somit mit einer nach allen erwähnten Großen empörenden Blasphemie?! Ein kurzes Wort der Erklärung sei nicht Ihnen — Sie wissen es selbst—, sei den Lesern dieses Briefes, sei dem Paare gesagt, das irregeleitet glauben muß: ein Rabbiner tut es, so wird es das Richtige sein. Eheschließung und Ehescheidung, beide bedürfen der Zustimmung, ja noch mehr, des handelnden Eingreifens des Mannes. Das ist die eindeutige Forderung der Thora im Wochenabschnitt, zu dem dieser Brief erscheint. Niemand kann sich darüber hinwegsetzen. So wie es das Wesen der Ehe im Leben der Gatten ist, daß der Mann der Gebende, die Frau die Empfangende ist, so lehrt das G'ttesgesetz in seiner tiefen, wunderbaren Wahrheit, daß Anfang und Abschluß, Trauung und Scheidung der Ehe nur durch das Geben des Mannes und das Empfangen der Frau sich vollzieht (beim Schließen der Ehe der Ring, beim Trennen der Scheidebrief.) Niemals anders. Niemand kann, wer er auch sei) gegen den Willen des Mannes und ohne seine Tat, eine Ehe für geschlossen erklären. Niemand kann, wer er auch sei, gegen den Willen des Mannes und ohne seine Tat eine Ehe für geschieden erklären. So lautet klares jüdisches Recht — über das Sie sich hinwegsetzen. Wissen Sie und die jüdischen Gemeinden, was Sie damit tun? Durch Ihre Tat leben zwei Menschen, vom Standpunkt der Thora und des Talmud aus gesehen, in dauerndem Ehebruch miteinander, begehen eine dauernde Todsünde, bei deren einmaliger Uebertretung bereits jedes Sanhedrin, wenn es noch bestände, sein Todesurteil sprechen müßte, ^mwa snn mynv Haben Sie das den Beteiligten gesagt? Wissen Sie und die jüdischen Gemeinden, was Sie damit tun? * Alle Kinder aus der neuen Ehe, die Sie die Ehefrau schließen lassen, alle Kinder dieser Kinder und ihre Nachkommen bis in Ewigkeit sind nach Thora und Talmud Mamserim. Die Eheschließung mit einem Juden makelloser Abstammung kann ihnen niemals gestattet werden. Kein Rabbiner, auch nicht ein Einziger, in Palästina und Holland, den beiden großen Zufluchtsländern für Deutschlands auswandernde Juden, wird ihnen eine solche Eheschließung erlauben. Haben Sie das den Beteiligten gesagt? Wissen Sie, weiß die jüdische Oeffentlichkeit, was Sie tun? Deutschlands Juden beginnen endlich mit dem Treubruch des Liberalismus, mit dem Wahne der Reform aufzuräumen. Sie selbst erklären öffentlich, daß mancher Irrweg in "Ihren Kreisen gelehrt und begangen wurde. Und in solcher Zeit tun,Sie das, was in allen Jahrtausenden jüdischer Geschichte einen Entrüstungsschrei' der ganzen jüdischen Welt hervorgerufen hätte, was heute noch von der ganzen rabbinischen Welt, von einem kleinen Lager der Reformrabbiner Deutschlands und Amerikas abgesehen, als sanktionierter Ehebruch empfunden wird? - - G'ttes Mahnruf Folge leistend; suchen wir in der Gegenwart vdie Quelle unseres Unglücks. Wo G'ttes Wort, die Thora, mißachtet wurde, wollen wir bessern und zurück zur Thora führen. Und in solcher Zeit beladen Sie Deutschlands Juden heit (die wahrlich schon genug Aweraus, die sie abbüßen muß, auf ihrem Rücken trägt) mit einem neuen furchtbaren religiösen Verstoß gegen G'ttes Thora? ♦ ♦ jn im Va» m»»ai ^a'-jx bv nana Kitn "pnaia a#i lai nii» 'mn* *tf>i Hat die Reform uns noch nicht weit genug an den Rand des Verderbens gebracht? Sie berufen sich auf Beschlüsse der liberalen Rabbinerkonferenz, die Ihnen die Erlaubnis dazu gegeben hat. Ist es nicht grauenhaft auszudenken, daß also viele solcher furchtbaren Verstöße seitens liberaler Rabbiner geschehen, von denen wir nichts wissen und die alle gleichermaßen höchstes Unrecht sind? Soll man mit den Thoragrößen unseres Volkes, die man in ihren Jubiläumsjahren hoch zu feiern und preisen wagt, derart Spielball treiben dürfen? Was jenen Größen durch die Jahrtausende .hindurch Verbrechen und Ehebruch war, weil auf solche Art eine Ehe nicht lösbar ist, wagen Sie zu heiligen? Jeder Thora- und Talmud lernende Anfänger merkt die groben Schnitzer der Reden der erwähnten Konferenz und diese soll das Recht geben zu tun, was auf des Sinai Höhen für die Ewigkeit verboten wurde? Hatten Sie denn die Ehe mit jener Frau geschlossen, daß Sie jetzt — welch grausige Farce im Offenbacher Rabbinatszimmer — ihr den Scheidebrief schreiben und überreichen ließen? Ist Ihr Mund denn so geweiht und heilig, daß Sie von sich aus irgendeine Ehe lösen können? Niema 1 s hat irgendein Thoragelehrter seine Zustimmung zu solchem Verfahren gegeben. Sie, Herr Dr. Dienemann, wissen dies genau; und sollten Sie wirklich irrig orientiert gewesen sein, Herr Rabb. Dr. Hoff mann in Frankfurt, der Sie vor . dieser Scheidung warnte, hat es Ihnen klar gesagt. Jedem Thorakundigen ist Ihr Vorgehen nur furchtbarstes Attentat auf die jü-, dische Ehe. Wären wir in o,',717TV' unter der Führung der dortigen Thoragrößen, würden Menschenmassen Ihre Rabbinatsstube stürmen, um zu verhindern, daß eine aus erster Ehe nicht giltig geschiedene Frau von neuem getraut werde. Aber wir sinöl leider noch nicht in O^IPIT» Wir wissen im~ Voraus, was Sie alles zur Verteidigung Ihrer Handlungsweise vorbringen werden, wenn Sie überhaupt eine ernste Antwort planen. Das Märchen von den tausenden maus? werden Sie .hervorholen, deren Leben durch die Harte des Gesetzes verblüht. (Wie viele von diesen würden Ihrem j?03 folgen, wenn sie hören, wie die Thora darüber denkt?) Von der Recht- und Hilflosigkeit der Frau, deren Mann ihr die nötige Scheidung verweigert, werden Sie sprechen, und Sie werden den Beifall der Masse gegen starre, herzlose Thoratreue suchen. Und Sie wissen doch selbst, welches Herz unsere Weisen für die Schwachen gehabt haben, wie aber doch g'ttliches wahres Wort und Reinheit der Ehe hier stärker ist als das Einzelschioksal. Vollziehen Sie etwa, wenn das Lebensschicksal eines Mädchens durch das Handeln des Mannes zerstört wird, auch zwangsweise eine Eheschließung? Oder geben Sie da selber zu, daß trotz alles Einzelschicksals wir ohne den Mann keine Ehe für geschlossen erklären können? Und es ist doch bei der Scheidung kein Jota anders! Sie wissen ja selbst, wie wir den Mann — heute mehr denn je — zur Scheidung durch den Druck der Oeffentlichkeit bringen könnten, wenn nicht durch die Schuld der Reform die jüdischen Gemeinden die Achtung vor dem |H verloren hätten. Sie werden darauf hinweisen, daß das betreffende Paar nach erfolgter bürgerlicher Scheidung ja doch die Ehe mit oder ohne Religionsbeistand eingehen würde und daß es dann doch besser sei, dies geschehe unter Einfluß eines Rabbiners als unter Bruch mit dem Judentum. Und Sie wissen doch, {laß wir antworten, daß ein Verbrechen gegen die Religion nicht kleiner, sondern hundertfach größer wird,. wenn es sich unter dem Deckmantel der Religion vollzieht. Genügen Ihnen Ihre vielen liberalen Kollegen noch nicht, die nichts sind als zu allen Wünschen jüdischer Menschen Ja sagende Figuren; vor denen das Volk die Achtung verlor, weil sie nicht führen, sondern sich treiben lassen? Aber ich kenne den Weisheitsspruch des Talmuds: |srn jeder Versuch, Sie von diesem Unrecht zurückzuhalten, ist doch nutzlos, plP ^flü 1j?DT erst recht werden Sie das tun, was wir verurteilen. Und doch: soll nicht endlich einmal die furchtbare religiöse Kluft verschwinden, durch die die Reform im vorigen Jahrhundert Deutschlands Judenheit zerrissen hat, durch die Sie und Ihre Amtsbrüder den Boden einer neuen Religion g e - -gen die Thora betreten haben? Wollen Sie immer wieder das blutende Herz Ihrer thoratreuen Brüder durch ihren Abfall bis ins Tiefste treffen und verwunden? Sollen die Hammerschläge unseres Schicksals nicht auch Ihnen Mussar sein, die mißachtete Thora wieder zur Richtschnur Ihres Handelns zu machen und nicht Unrecht zu Unrecht. zu häufen? Wenn aber wirklich noch immer nicht die Stunde hierfür herangekommen sein sollte — armes jüdisches VolkjTltf ISin na Vtfi — dann soll das Paar, dessen Ehe Sie schließen wollen, die Furchtbarkeit Ihres sie und ihre Kinder ins Unglück stürzenden Vorhabens sehen; dann soll die jüdische Oeffentlichkeit erfahren, wer die Menschen sind, die heute noch unser Heiligstes mit Füßen treten, die mit dem TiteLdes Rabbiners, mit einer blasphemischen rD"13 auf den Lippen die Hand bieten, daß die Thora derart aufs Schlimmste entweiht wird. O^Sn HS lamm Wir haben noch vor dem letzten Schritt des neuen religiösen Unrechts gewarnt. Jetzt sehe die jüdische Oeffentlichkeit, ob man dennoch wagt, Israels Heiligtümer niederzureißen. Korrespondenzen. Deutsches Reich. Die „Rote Büchse". Frankfurt, a. M., 2. Sept. Die Erez Jisroel-Büchsen der Deutsch-Holländischen P;a 1 ästlnäverwaltung werden dieser Tage wieder geleert. Darum werden einige Auszüge aus-rdem Berichte der Pekidim und Amarkalim über die Verwendung der Gelder von Interesse sein. Auch heute betrachten es die Pekidim nach wie vor als eine Pflicht, Arme im Heiligen Lande zu unterstützen und vor allem die in der Stadt Jerusalem leider noch herrschende entsetzliche Armut zu lindern. Um die Jahrhundertwende wurde diese Armen-Unterstützung vollständig reorganisiert und werden heute nur noch solche Personen unterstützt, die nicht imstande sind, sich mit dem zum Leben Notwendigsten zu versehen, wie Greise, Witwen, Waisen und Invalide. Ein zuverlässiger Auskunftsdienst verschafft uns genaue Unterlagen und Angaben über, die Notwendigkeit der nachgesuchten Unterstützungen. Außer den palästinensischen Armen wenden sich in jüngster Zeit sehr viele Emigranten aus Deutschland