Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 36 (5.9.1935)
- Date
- 1935-09-05
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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5. September 1935 Der Israelit Nr. 36 Seite 3 (Fortsetzung von Seite i.) Abraham Jizchak Hakohen KukVst ■: '•<■■ . ■ ■ ■•■ ■ . - r:,V:S:;•(* v V.. -• •:• Winnen, von d"e'm jüngsten Chaluz und dem kraftstrotiend^^i^kkabijnhigling;bis zum Arbeiter und dem Führer in den hohen zionistischen Aemternv Für-jeden-fiel ein Strahl der Kuk'schen Sonne ab, aber in ciie Strählenhöhe seines Wollens wurden sie nicht hineingezogen. Die zio- Naftali Zwi in Wolosehin ist er hervorgegangen. Thora und Müssar befruchteten den Geist des als Hui berühmten Knaben. In Wolosehin lernte er am Rande der Gemoroh auch die Weltströmungen, auch die Grundlagen des philosophischen Denkens kennen. Talmud, Mussar und altjüdische Philosophie formten den Jüngling und begleiteten ihn in die Reife des Mannesalters. Ein grüblerischer Hang und der Drang zum Unbewußten führten ihn auch in die Gedankenhallen und Gemütstief en des Ghassidismus, wo sein Mussar und sein philosophisches Denken wiederum ihre eigene Nuance fanden. Als Rabbiner in litauischen und lettlandischen Gemeinden zieht er durch halachische, aber auch philosophische Abhandlungen, die man ebenfalls erst „lernen" muß, um ihnen auf den Grund zu gehen, die Aufmerksamkeit der rabbinischen und denkenden Welt auf sich. Er War schon der berühmte Rabbi und Denker, als er, von einer unzähmbaren Liebe getrieben, nach Erez Israel ging und in Jaffa, der ersten Hafenstadt, gleich seinen Wirkungskreis fand. Nach Europa kam-Rabbi Kuk, .unmittelbar vor dem Kriege, um an der ersten K e n e s s i o G e d a u 1 o der ,, A g u da s I s r o e 1" teilzunehmen. Als Gaon und Denker wurde er auch vorübergehend im jüdischen Zentrum der englischen Metropole, als Rabbiner der „Machsike Hadas", verehrt, und in Bas el und Zürich, wo er sich während des Krieges vorher ' aufhielt, waren alle, die in seine Lichtsphäre kamen, von seinem Wissen, und vor allem, von dem Zauber seiner Persönlichkeit geradezu fasziniert. Man verglich ihn später gern mit dem Kownper Räw, Rabbi Jizchok Elchonon oder auch mit dem Berditschewer,JR.abbi Levi Jizchok, der sich in der jüdischen Geschichte den Titel^jW an1!« erworben hat. Abgesehen von der philosophischen Einstellung und Schulung, die den Verfasser der nniN und der grundlegenden Maimpnidesstudien von jenen ausschließlich der Thora und d(er Tat, oder der Kabbala hingegebenen Männern unterscheidet, wäre noch auf eine ganze Reihe anderer wesentlicher Scheidungsmomente hinzuweisen. Was ihn aber wirklich mit diesen und noch anderen großen Männern der Geschichte verbindet, ist die grenzenlose ^X*W fianK» Freilich konnten sie die genannten Rabbis unter günstigeren Umständen betätigen, als der Mann, dem an einem Wendepunkt der Geschichte, wie wir ihn seit Jahrhunderten nicht erlebt haben, die übermenschliche Aufgabe zufiel, „Wächter auf Zions Mauern" zu sein, in einer Zeit, da des Wächters Ruf im Geratter und Gehämmer fdes Aufbaus verhallt, und der noch obendrein den Drang verspürte, die Brücke zwischen nanSl Öl^lP 1108 zu schlagen. Der Brückenbau war um so schwerer, als die ihm dafür gelieferten Pfeiler, von ganz anderer Art waren, als wie _ er sich sie wünschte. Mit der/ Gründung des Nationalheims nachdem Balfoürmandat ergibt sich auch für die nationale Führung die Notwendigkeit, das religiöse Leben, in dem man freilich nur e i n e n Bezirk des nationalen Lebens sieht, irgendwie zu konsolidieren. Der. große" Rabbi Kuk gibt seinen Namen und seine Arbeitskraft dafür her, in der ehrlichen Absicht und-Hoffnung; mit der Autorität der Thora die Sache bald in dem Sinne richtig einzurenken, daß das religiöse Leben der große Rahmen für den gesamten jüdischen Aufbau wird. Rabbi Kuk war nicht nach Erez Israel gekommen, um: Würden und hohe Aemter, zu suchen, sie fielen ihm jetzt wie >ein Gnadengeschenk in den Schoß, aber die Verpflichtung, die ihm aus dieser Gnade erwuchs und der in allen Teilen nachzukommen, mehr Kraft erforderte, als, er sie in seinen Muskeln und Nerven verspürte, lastete schwer auf; ihm bis an sein Lebensende. Es ergab1 sich * für ihn die Notwendigkeit, alle und alles in diesen großen Rahmen hin einzugenistische Organisation mit all ihren Ober- und Unterinstanzen,' samt Exekutive und Waad leumi, hörten nicht;attf, in;der K-n e s s e s I s r a e 1, an deren oberste; Spitze der Oberrabbiner stand, wie überhaupt in der Religion, lediglich eine Institution am Rande des nationalen Lebens zu sehen, ob sich auch der Oberrabbiner seinerseits ehrlich bemühte, bei jeder Gelegenheit das Primat der Thora im neuen Erez Israel zu proklamieren. Die Proklamationen blieben,, Papier und Worte; das .Rad der Zeit ratterte über sie hinweg. Daraus erwuchs die Tragik des* Oberrabbiners, nicht zuletzt in seiner Größe,:rin seinem unverwüstlichen Glauben an die Menschen und aft Israel beruhend. Er, der ein liebe&'j Wort für 'den geringsten Bruder und das. jüngste Kind hatte und im persönlichen Verkehr auclj den grimmigsten politischen Geg^ ner mit seinem lieben Wesen zu entwaffnen wußte, er mußte es erleben, daß die „lieben Makkabijungen", die er einmal glaubte, mit öffentlichen Begrüßungen heranziehen zu können, Rabbi Abraham Jizchak Hakohen Kuk V'Xt* sich dadurch nur ermutigt fühlten", seine Mahnungen zu überhören und am Sabbat zu spielen; daß „die Heiligkeit der jüdischen Arbeit", die er nach den großen-'Vorbildern Maimonides und Nachmanides lehrte, von Arbeitern in dem Sinne mißverstanden oder absichtlich mißdeutet wurde, daß die Heiligkeit der jüdischen Arbeit über die Heil ig u ng 'des siebenten Tages gehe., — daß Männer der Führung bei den Jungen die .Meinung aufkommen ließen, die Religion sei bei dem berufenen Manne im Oberrabbinat in besten Händen und es sei im übrigen nicht Sache der Jungen in Feld und Fabrik, sich von „Hirtenbriefen" in der praktischen Aufbauarbeit irgendwie stören zu lassen .". . Briefe des Oberrabbiö^jtes wurden, wie bekannt, erst vor kurzem von: der Histadruth in Haifa, ü n g e ö f fn.e t z u r ü c g e s c h i.c.k t. . Von all. dein wird die Größe von Rabbi Abraham Izchok .Kuk nicht berührt noch beeinträchtigt. Was groß und überragend an ihm war, lag in ihm, war in seiner immensen Gelehrsamkeit, in seiner gewaltigen Denkkraft, in seiner Persönlichkeit, in seiner unermeßlichen und unbegrenzten Güte Und menschlichen Wärme begründet, die Passiven seines Lebens ergaben sich aber aus der Zeit;.und ihren geistigen Nöten, aus den eigenen Umständen, unter denen dieser Große seine geniale Kraft zu erproben hatte. Möge der große bWVD'* aniK in den Tagen der D'öni und in einer schweren Zeit für sein Volk und dessen Land, die er über alles liebte, Fürsprech sein, daß dem' Volke wie dem Lande nittSm n*?lKX erstehe.; . I j ■ - . ' \ ,} ♦irVsr -p' iniDT . - Wochenrundschau, Nach dem Ziomstenkongreß. Nun ist 'j'die_ Luzerner Zionistenwoche zu Ende, sie nahm noch eine halbe Woche mehr in Anspruch, und hätte,, was der langen Verhandlungen kurzes Resultat betrifft, schon nachwenigen Tagen zu Ende gehen können, denn das Resultat stand von Anfang an fest: Misrachi verständigte sich', Prof. Chajim Weizmann übernahm die Leitung, und alles -bleibt beim Alten. . ( Die Zionistenkongresse Haben nach Form und innerer Struktur ihre Tradition. Doch fehlte es dem 19. Zionistenkongresse nicht an Nuancen, die die inneren Spannungen in der zionistischen Welt deutlich widerspiegelten, vielleicht gerade durch die Menschen und Momente, die man dieses Mal vermißte. Es fehlten zunächst die >R e v i s i b n i s t e n und ihr prominenter Führer W. J a b o t i n s k i, der sonst den Zündstoff in die Debatte brachte und gleich die Lunte dazu. Dadurch war der Generaldebatte die pikanteste Attraktion genommen. Meier Großmann von der Staatsp a r t e i, —- die sich von den Revisionisten nur dadurch unterscheidet, daß sie noch mit einem dünnen Faden an . der Organisation hängt, und der nun die Aufgabe zufiel, die „oppositionelle Unzufriedenheit" auf dem Kongreß zu verkörpern — sparte zwar nicht an Kritik, hat aber nicht den Schneid und auch nicht das Vokabularium Jabotinskis, um die Gegenpartei und die Exekutive zur allzuscharfen „Abwehr" herauszufordern. So verlief die Generaldebatte in verhältnismäßig zahmen Formen. Der Schwerpunkt der Arbeit lag in den Kommissionen, denen dieses Mal das Plenum ganze Vor- und Nachmittage opferte. Man rang schwer um die Führung, und die Armut an Persönlichkeiten zeigte sich in der Tatsache, daß man nach den „eisernen Beständen" greifen mußte; daß man Chajim Weizmann, der „für immer" die Leitung niedergelegt hatte, wieder an die Spitze des Kongreßpräsidiums stellte und schließlich auch die oberste Leitung der Organisation in seine Hand wieder legen mußte. „Der Mangel an zentralen Ideen, die von starken Führern autoritär verwirklicht würden, ist Schuld an den vielen Trennungen und Abspaltungen." Es waren nicht die Oppositionellen, die in der Debatte diese.Feststellung machten. Es waren vielleicht nicht immer lauter Vernunftgründe, die die Mäßigung, deren^tch dieser Kongreß befleißigte, bedingten. Einig ^zeigten sich alle Parteien und alle Instanzen, von der Exekutive bis zu den abseits stehenden Revisionisten, hr der strikt dn Ablehnung des L e>g i's 1 a t i v e G o u n c i ijaind in der U n z u - f r i e d e n h e i t mit der; englischen Palästinapolitik, Man hielt es aber vernünftiger Weise in letzterem Punkt mit der „Politik als der Kunst des Möglichen". Gute Worte des Friedens und der Versöhnung wurden zur A r a - b erfrage gehört. Höchst angenehm überraschte, daß man sich nicht im Klagen und Anklagen gegen einzelne Länder erging, sondern mehr das Judenproblem in seiner Gesamtheit ins Auge faßte. Wo man von den Juden in Deutschland sprach, dann zumeist nur bezüglich ihrer Ansiedlung in Palästina. Und als der amerikanische Stephen Wise auf seine; oratorische Kunstleistung nicht verzichten zii könnenglaubte und dabei das deutsche Problem, in einer Weise berührte, die als starke Zumutung an die 35 deutschen Delegierten empfunden werden mußte, belehrte ihn ein kaltes ab-