Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 36 (5.9.1935)
- Date
- 1935-09-05
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Nr. 36 Der Israelit 5. September 1935 fraktion, daß sie im Interesse der Geschlossenheit der zionistischen Bewegung Opfer gebracht habe. Nachdem noch einer der Delegierten den Dank an Weizmann und das Präsidium ausgesprochen hatte, ertönte wie üblich der Hatikwahgesang, womit der IX. Zionistenkongreß z u e n d e ging- Aus den letzten Verhandlungen sei noch mitgeteilt: Am Sonntag abend unterbrach der Kongreß seine Verhandlungen mit einer Trauer kundgebung für Oberrabbiner A. J. Kuk ^"XV-bei der Ussischkin und Rabbi Meir Berlin die Gedenkreden hielten. Es folgten dann die Berichte über die Kommissionsverhandlungen und Resolutionen, über die an andrer Stelle unseres Blattes berichtet wird. Sie wurden alle, zum Teile einstimmig, angenommen. Auch das B U d g e t wurde angenommen.- Die Neu w a hie n brachten die gewünschte große Koalition mit Weizmann an der Spitze. Sokolow wurde zum Ehrenpräsidenten der Zionistischen Organisation gewählt. In die E x e k u t i v e , die jetzt statt acht nur, sieben Mitglieder zählt, treten ein: David ben Gurion, Mosche Schertock, Elieser K ap 1 a n , Jizchok Grünbaum, Prof. B r odetzky , Dr. Fische Rötenstreich und Rabbi IL. Fischmann, letzterer vom Misrachi. Zum Präsidenten des Aktionskomitees mit beratender Stimme in der Exekutive wurde Ussischkin gewählt. (Weitere Berichte siehe auf Seite 7 und 8. Resolution gegen den Legislative Council. Die Resolution des Zionistenkongresses gegen die Einsetzung eines Legislative Council lautet: Der XIX. Zionistenkongreß hat mit tiefer Besorgnis von der Absicht der Mandatar-Regierung erfahren, an die Einsetzung eines Legislative Council in Palästina heranzugehen, Der Kongreß hält einen solchen Schritt für im Widerspruch stehend zu dem Geist des Mandats, das die Anerkennung der Tatsache enthält, daß die Zukunft Palästinas eine Sache nicht nur der jüdischen Bevölkerung Palästinas, sondern des gesamten jüdischen Volkes ist. Jede gesetzgebende Körperschaft, die auf der Basis der gegenwärtigen Zusammensetzung der 'Bevölkerung Palästinas aufgebaut ist und somit die Juden Palästinas auf die Stellung einer Minderheit herabdrückt, verletzt dieses Grundrecht des jüdischen Volkes. Die Gewährung legislativer Machtbefugnisse an diejenigen, die das Mandat offen ablehnen und zur Errichtung des Jüdischen Nationalheims in Opposition stehen^ muß als eine Verletzung des Mandates betrachtet werden. Mangels einer ausdrücklichen Anerkennung des Mandats seitens der Vertreter der nichtjüdischen Bevölkerung und einer wirklichen gegenseitigen Verständigung von Juden und Arabern ist es wahrscheinlich, daß Institutionen, wie sie von .der Regierung geplant werden, die fortgesetzte Entwicklung des Jüdischen Nationalheims gefährden und den gegenwärtigen Fortschritt wirtschaftlicher Entwick lung, der sowohl Juden wie Arabern zugute kommt, aufhalten werden. Darüber hinaus müßte der Rat zu einer Quelle von Uneinigkeit und Streit zwischen den beiden Teilen der Bevölkerung werden und die Chancen für die Zusam menarbeit von Bevölkerung und Regierung gefährden; besonders unangebracht erscheint er im Hinblick auf die rückständigen Verhältnisse in der munizipalen Selbstverwaltung. Der Kongreß bekräftigt darum aufs neue seine Gegnerschaft gegenüber der Einsetzung eines Legislative Council in dem gegenwärtigen Stadium der Entwicklung Palästinas und sieht sich widerstrebend genötigt, seine kategorische Ablehnung des Planes zum Ausdruck zu bringen. Zionismus und Knesseth Israel. Eine Resolution des Kongresses lautet: Der XIX. Zionistenkongreß beauftragt die Exekutive, dem Waad Leumi jegliche Unterstützung bei den Vorstellungen zu gewähren, die dieser bei der Regierung mit dem Ziele erhebt, eine Erweiterung und Befestigung seiner Machtbefugnisse zu erlangen, insbesondere in Bezug auf die Ausschreibung und Erhebung von Steuern und die Sicherung angemessener Beiträge seitens der lokalen Gemeinden, sowie in Bezug auf die Verbesserung der Organisation der Knesseth Israel. Gruß an die verfolgten Zionisten in Sowjetrußland. Im Anschluß an die politischen Resolutionen wurde noch folgende Resolution angenommen: Der XIX, Zionistenkongreß sendet den Zionisten in der USSR., die wegen ihres Festhaltens an dem Zionismus verfolgt, eingekerkert und verbannt werden, seinen Gruß. Der Kongreß erklärt, daß die Treue, Hingabe und die Leiden der russischen Zionisten jedem Angehörigen der jüdischen Rasse ein Ansporn sein sollen, der Sache seines Volkes die Treue zu bewahren. Die amerikanische Regierung und das Auswanderungsproblem. Washington, 2. Sept. Die amerikanische Bundesregierung hat dem Völkerbund ein Memorandum übermittelt, in dem sie ihre Stellung zum Auswandererproblem darlegt. Es wird darin der Behauptung entgegengetreten, daß die Vereinigten Staaten überhaupt keine Auswanderer zulassen würden. Die amerikanische Regierung könne zwar nicht an Abmachungen über die Zulassung gewisser Gruppen von Auswanderern teilnehmen, aber sie sei bereit, jeden einzelnen Fall eines Einwanderers individuell behandeln. Es wird weiter in dem Memorandum zum Ausdruck gebracht, daß diese Stellungnahme sich nur auf russische, armenische, assyrische und türkische Auswanderer beziehe, nicht jedoch auf die Auwanderung aus Deutschland. Diesbezügliche Anträge aus Deutschland würden unter besonderen Gesichtspunkten geprüft und wohlwollend behandelt werden. Sämtliche nordische Staaten für zentrale Regelung der Auswanderung durch den Völkerbund. Stockholm, 1. Sept. In einer in Oslo abgehaltenen Beratung haben sich die Außenminister Dänemarks, Finnlands, Schwedens und Norwegens mit dem Problem der Auswandererhilfe befaßt und beschlossen, den Antrag Norwegens beim Völkerbundi eine Zentralinstanz zur Regelung und Ueberwachung der Auswandererhilfstätigkeit zu schaffen, tatkräftig zu unterstützen. Durch eine solche Regelung, die seinerzeit von dem norwegischen Außenminister Koht angeregt würde, würden die Ausgewanderten sämtlicher Kategorien unmittelbar tdem Schutz des Völkerbundes unterstellt werden. Einstellung der Arbeiten bei der Huleh-Konzession? J e r u s a l e m , .28. August. Nach Meldung der. palästinensischen Tageszeitung „Dawar" teilt die arabische Zeitung ,,A-Difas" mit, daß die Araber einen Anspruch auf mehrere tausend Dunam Boden aus der Huleh-Konzession geltend gemacht hätten. Die Regierung habe daraufhin angeordnet, daß die gesamten Kultivierungsarbeiten im Hulehgebiet für den Zeitraum von drei Monaten eingestellt, werden sollten. Die Schilder „Juden unerwünscht"* Magdeburg, 3. Sept. Abschnitts- und Kreisleiter Krause veröffentlicht eine Erklärung, in der es heißt, es sei: ihm gemeldet worden, daß sein mit dem Polizeipräsidenten Christiansen gemeinsam herausgegebener Aufruf an die Bevölkerung und die Prateigenossenschaft, betreffend Einzelaktionen gegen Juden, insofern verkehrt von gewissen Kreisen gedeutet werde, als die angebrachten Schilder „Juden unerwünscht" entfernt worden seien. Das sei Unsinn, da es sich bei der Anbringung der Schilder nicht um irgendeine Einzelaktion gegen Juden handle, sondern um eine Anordnung des Gauleiters, welche durchgeführt werde. Die Einrichtung von Umschulungslehrgängen, B e r 1 i n , 4. Sept. Der ITA. wird mitgeteilt: .'- Der Herr Staatskommissar der Hauptstadt Berlin hat durch Urkunde vom 5. August 1935 die Einrichtung von ,,Umschulung slehrgängen für die Erziehungsarbeit in jüdischen Privathaushaltungen und Heimbetrieben der Jüdischen Gemeinde zu Berlin" gestattet. Leiterin dieser Kurse ist Frl. Nelly Wolffheim, Charlottenburg, Durch Urkunde vom 5. August 1935 ist der Jüdischen Gemeinde zu Berlin fernerhin die Erlaubnis zur Einrichtung von „Hauswirtschaftlichen AnlernSkursen für moderne Ernährung und Diätküche der Jüdischen Gemeinde zu Berlin" erteilt worden. Leiterin dieser Kurse ist Frau Heti Horwitz-Sc hiller, Charlottenbürg, Wielandstr. 31, Gartenhaus Aufg. A. II. St." Etwaige Anfragen über die Dauer der Kurse, Kosten und dergl. sind direkt an die Kursusleiter zu richten. - Des weiteren hat der Herr Staatskommissar durch Urkunde vom 5. Juni 1935 der Jüdischen Gemeinde zu Berlin die Einrichtung von „Umschulungslehrgängen in der Friedhofsgärtnerei der Jüdischen Gemeinde zu Berlin" gestattet. Schließlich sind mit Genehmigung des Herrn Staatskommissars in Berlin-Siemensstadt, Nonnendamm 4, Umschulungslehrgänge für Metallbearbeitung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin eröffnet worden. Hinsichtlich dieser Umschulungslehrgänge sind Anfragen über die Einrichtung, Dauer und Kosten, der Kurse an die Wirtschaftshilfe der Jüdischen Gemeinde, Abt. Berufsumschichtung, Rosenstr. 2-—4 zu richten. Es wird darauf hingewiesen, daß zwischen dem Vorstand der. Jüdischen Gemeinde Berlin und dem Herrn Staatskommissar - der Hauptstadt Berlin Verhandlungen über die Einrichtungweiterer Kurse schweben. Näheres wird üerüber zu gegebener Zeit mitgeteilt. -