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Der Israelit · 1935-08-29 · Heft 35 (29.8.1935) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 35 (29.8.1935)
Date
1935-08-29
Page
– (sequence 14)
Language
German
Belongs to
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Seite 14 Nr. 35 D e r I s r a e 1 i t 29. August 1935 der Greis selbst in die Klaus hinaus und wohnte einem solchen Lehrvortrag bei. Voller Begeisterung erhob er sich und küßte den jungen Gelehrten aufs Haupt. „Es ist so, und noch mehr!" sagte er. (Fortsetzung folgt.) So ein bischen Französisch Ein norddeutsches jüdisches Blatt beschäftigt sich in einer Rubrik, die mit Kuriositäten „aus allen vier Enden der Welt" ihre Leser zu unterhalten sucht, mit der Jeschiwa zu. Mir. . Erzählt wird von einem Inspektionsbesuch des Wpjwo'den (Regierungspräsidenten) in der Jeschiwa und einer Rede, die ein Bachur ihm zu Ehren, ausgerechnet in französischer Sprache, gehalten hatte. Der Einfall, mit einem Sammelsurium von französischen, deutschen, hebräischen und jiddischen Brocken die Lachmuskeln lachlustiger Leser in Bewegung zu setzen, ist nicht neu. Hier aber dient der rhetorische Gulasch, um eine altehrwürdige Lehranstalt, eine der bedeutendsten und ehrwürdigsten, die wir in unserer armen Zeit haben, jene' Insel der Heiligkeit und Geistigkeit, der auch Nichtjuden ihren Respekt nicht versagen, zu verulken. Es sollte gezeigt werden, wie der Jeschiwobochur französisch radebricht, wie man der Eitelkeit des polnischen Beamten mit einem gebrochenen Französisch schmeichelt. Polnische Beamte sind für Französisch sehr zugänglich. Von chassidischen Liedern und Tänzen, die „den Wojwoden an unvergeßliche Stunden in Montmartre erinnerten," weiß das Blatt ebenfalls zu erzählen. Die ganze Sache ist so dumm aufgezogen, daß man ihr keine Beachtung schenken sollte. Die- Thoräjünger zu Mir sind aber dennoch stutzig, daß es heute noch ein jüdisches Blatt geben, kann, das ohne jegliche Stütze in den Tatbeständen eine jüdische Heiligenstätte dermaßen zum Gegenstande seiner geistlosen Witzeleien macht, und bitten uns um folgende Richtigstellung: Wahr ist, daß der Wojwode aus Nowogrudok der Jeschiwa einen Besuch abstattete. Er wurde mit einer kurzen polnischen Ansprache begrüßt und dann von einem redegewandten Jeschiwa« jünger aus dem Elsaß auch in einem guten Französisch begrüßt. Der Wojwode gab seiner Freude Ausdruck, daß das polnische Städtchen geistige Nährmutter jüdischer junger Leute auch aus anderen Ländern ist, sprach' sich auch lobend über die Räume und die sanitären Einrichtungen aus und ging befriedigt von dannen. Lieder und Tänze gab es nicht, die wird es am nächsten Simchas Thora zu Ehren der Thora geben. Von den im Blatte abgedruckten kuriosen Sätzen war in der kurzen Rede des Bochurs kein einziger enthalten. Wer diese „französische Ente" dem Blatte für seine „Vier Enden" zugetragen hat, ist in Mir unerfindlich. Palästinensischer Mosaik. Eine wahre Begebenheit. Es^geschah mit einer Gruppe von Olim, die ohne Zertifikate als Touristen nach Erez Israel gekommen waren und sich dann in den Arbeitsprozeß so . einordneten, daß sie bleiben durften. Weib und Kind waren daheimgeblieben, und die alleinstehenden Mähner erschienen vor dem „Minister" der Aliah, Herrn Grünbaum. „Zertifikate, Herr Grünbaum, Zertifikate für unsere Frauen und Kinder. . Die Familien sind auseinandergerissen, nur Zertifikate können helfen!" „Ich habe aber keine Zertifikate für euren Fall," schüttelte Herr Grünbaum den Kopf. „Was sollen wir aber machen," klagten die Touristen, „sollte es unser"*Los. sein,, daß wir hier unser . Leben lang allein ohne Familie bleiben?" „Dem ist abzuhelfen," antwortete der „Minister" in aller Gemütsruhe. ~ „"Es sind genug junge Mädchen im Lande vorhanden, mit denen ihr hier neu ein Haus gründen könntet.", So gingen die Gesuchsteller von dannen, ohne zu wissen, ob der Herr „Minister" sich über sie lustig machte,, Salz auf ihre Wunden streute oder ob ihm mit seinem Rate ganz ernst war, so ernst wie jenem Heidenpropheten in der Bibel mit seinem * * Ein Sabbat in Bne Brak, Ein Auto saust heran, darin sitzt und lenkt der jüdische Direktor der größten Mühle zu 'Haifa. Schon ist der Trupp der Sabbathüter vor dem Wagen. „Halt, keinen Schritt weiter, Sabbat!" Voller Wut steigt der Herr Direktor aus, macht den Weg zu Fuß nach Petach Tikwah und holt sich von dort den englischen Kazin (Polizeileutnant), daß er ihn gegen <len Sabbat und-seine : Garde schütze. In Bne Brak angekommen, suchen die „Ruhestörer" dem englischen Offizier klarzumachen, daß die Störung nur eine zeitliche sei. Sie legten gar keinen Wert darauf, den Herrn Direktor hier zu behalten. Es sei gewissermaßen nur eine Frage des Himmels. Sobald die drei Sterne oben erscheinen, könne er weiterfahren, je rascher um so lieber ... „Also, was wollen Sie nun, mein Herr," wendet sich der Offizier zum Herrn'Direktor. „Muß man wegen der wenigen Stunden die1 Pölizeiverwaltung vpfi Petach Tikwah hierherbemühen? Am Ende ist doch heute wirklich Sabbat!". ' Man verhandelte hoch eine Weile, da erschienen am Himmel die erlösenden drei Sterne, und der Mühlendirektor konnte seinen Weg ungestört fortsetzen. - Eine andere nette Geschichte betrifft einen j ü - d i s c h e n Kazin der Polizei. Er hat, wie er sagt, einen eiligen dringenden 'Dienstweg und der führt wiederum durch Bne Brak, am Sabbat.;,Habe ich die Uniform an," denkt sich der PqHzeiherr, „dann wagen sie sich an mich nicht heran. Ich will es ihnen abeb doch zeigen Und in Zivilkleidung fahren. Sie' werden staunen, wenn sie hiritennäch erfahren, mit wem sie es zu tun haben ..." Der hohe Funktionär kalkulierte nicht schlecht. Kaum zeigte sich sein Auto auf der Straße von Bne Brak, als ihm das übliche „hohe Jaamöd" entgegenschallte. „Stehen bleiben; Sabbat! . ..." Sich einer In unserem Uerlage erschien soeben: Ein jüdisch-geschichtlicher Wegweiser uon Rabbiner Dr. £. Breslauer Steif broschiert 103 Seiten, Preis RW. 2.50 Gin Rrbeüsbuch für die reifere jüdische Jugend und für denkende Juden überhaupt £s hilft den Suchenden die jüdische 6 eschichte mit jüdischen Rügen zu sehen und sie als sittliche Ruf gäbe zu erfahren. £s bringt fruchtbare Besinnung über das ßolus - £s zeigt den Weg zur echten jüdischen ßemeinsmaft und ^Kulturarbeit. Eu beziehen durch alle besseren Buchhandlungen sowie direkt durch den Uerlag Verlag des Israelit u. Hermon G.m.b.H. Frankfurt a. TO, - Rechneigrabenstrasse T Postscheckkonto Tranhfurhnain Tlr. 19802 Üebermacht gegenübersehend, mit der Verhandlungen aussichtslos scheinen, wirft nun der Kazin die Maske vom Gesicht ab. „Ich bin kein gewöhnlicher Reisender, ein Polizeioffizier, auf einem Dienstwege in einer kriminellen Angelegenheit. Ihr macht euch strafbar. Widersetzlichkeit gegen die Regierungsgewalt! . . ." -Die jungen Leute lassen sich nicht irre machen, Sie dienen mit einem jesajanischen Satze: px? "f? nbnv )}'-? "nn „Zeige dein Gewand, deine Uniform, dann wirst du uns, ein Kazin sein!" Auch hier zogen sich die Verhandlungen, zum Teile sehr lebhaft, längere Zeit:hin, bis die erlösenden drei Sterne am Himmel auftauchten So werden wir demnächst einen interessanten. Prozeß in Tel Awiw erleben gegen junge Leute von Bne Brak, die einen jüdischen Kazin auf einem Dienstwege am Sabbat aufhielten. Vielleicht wird . bei der Verhandlung auch der erstere Fall zur Sprache kommen, der zeigt, daß zuweilen ein Engländer mehr Sinn und Verständnis für •dej» jüdischen Sabbat aufbringt, als ein Jude in. gleicher Position. (Aus dem in Tel Awiw erscheinenden, dem Misrachi nahestehenden „Hajessod" vom. 25. Tamus.j)i_. -.'.". . .. ', '• * ■ . ., , Die Frankfurter Woche. Synägögenplätze, Von der Kanzlei der Israelitischen Religionsgeselisehaft, Frankfurt ä. M., werden wir um Aufnähme folgenden Hinweises gebeten? . Die Frist zur Abgabe der Erklärung betr. Ermietung von Synagogenplätzen auf Grund des ermäßigten Platzmieten-Tarifs läuft Ende dieser Woche ab. Interesse der Gememdemitglieder, die dem Rüiid- IridivrduehV Wünsche auf Zuteilung eines bestimmten Platzes können nur bei Einhaltung des vorgesehenen Termins berücksichtigt werden. Es liegt daher im schreiben beigefügte Karte Umgehend ausgefüllt ein- : zusenden.; r'7 Das neue Geschäftsjahr des Kulturbundes. , Nachdem der Reichsverband der Jüdischen Kulturbünde, in Deutschland gegründet und von der Behörde genehmigt worden ist, haben alle Kulturbünde in Deutschland ihr Geschäftsjahr dem des Reichsyer- - bandes .angegliedert. Das Geschäftsjahr des Jüdischen Kulturbundes Rhein:Main : beginntdVhi'gemäß am 1. September 1935 un endet am 3L.Äugüst 1936. Die seit April 1935 ausgegebenen .grünen Mitglj,eds- und Äbonhementskarten behalten ihre' öiiltigkeit bis zum.3l. März 1936 und werden dahn für die zweite Hälfte des laufenden Geschäftsjahres verlängert. Die Monatsblätter des Jüdischen Kulturbundes Rhein-Main enthalten von jetzt an auch die Abendprogramme zu den Monatsveranstalturigen. mit allen Einzelheiten. - i. T. B. Das zweite Spiel der neugegijündeten J. T. B.¬ Herrenmannschaft, konnte trotz großen Bemühens-der Mannschaft nicht gewönnen werden. Die J. T, B.er griffen in der ersten Halbzeit mit großem Elan an und konnten durch Tore von Haas mit 2: 0 in Führung gehen. Bis zur Pause war das Spiel ausgeglichen. In der zweiten Hälfte zeigten sich Ermüdungserscheinungen bei den J. T. B.efri und gelang es dann-den Hariäuerh, einen verdienten Sieg zü erringen. Die Schüler siegten überlegen gegen ihre Hanauer Gegner. Am kommenden Sohntag spielen im Ostpark um 2 Uhr «f. T. B. Schüler gegen Schild Schüler, um 3.15 Uhr J. T. B. Jugend gegen Schild Jugend, um 4.45 Uhr J. T, B; Herren gegen RjF. .Darmstadt. „Liquidation des deutschen Judentums". Der Präsident der Staatszionistischen Organisation, Georg Kareski, ehemals Vorsitzender der Gemeinde Berlin, sprach am Mittwoch Abend, den 28. August, in der Loge Eschersheimerlandstr. vor nicht ganz besetztem Saale, der zu einem großen Teil von einem Publikum belegt war, das heutzutage gerne mal die Ansicht derer hört, die nicht" als die Sprecher oder Vertreter der seit langem "bestehenden größeren Organisationen gelten. . Mit erheblicher Verspätung eröffnete auf der mit dem^Herzl-Bild geschmückten Bühne Bethar-Jug e n d / fast militärisch diszipliniert, mit Sprüchen der Gründer des modernen Zionismus den Abend. Die Jüngeren dieser Jugend sangen „MaTauwu", der Leiter der Truppe sprach in rhythmischen Sätzen vom Ziel der Bewegung, und der Vorsitzende der Frankfurter Gruppe' begrüßte die Erschienenen. Herr Kareski sprach ungefähr la/4 Stunde und ließ an seinen zionistischen Freunden fast kein gutes Haar. Er warf ihnen vor, daß sie so gut wie widerspruchslos jeden Rechtsbrüch Englands gegenüber dem Mandat geschehen ließen, statt immer^wieder zu kämpfen fmv eine vielfache höhere Einwanderung. Der Luzerner Zionistenkongreß habe sich' die Botschaft des englischen Kolönialministers gefallen lassen, ohne ein einziges Wort des Protestes von sich zu geben. Wenn das die jüdische Politik sei) dann dürfe man sich nicht wundern« wenn man so mit uns verfahre; man führe eine Sprache, die normale Völker nicht verständen. Die Ziohisten — so führte der Redner weiter aus — würden mit den Geldmitteln verschwenderisch umgeben, die Zahlen, die man nenne für den Schekelverkäuf gelten für z w e i Jahre, und heute schon sei die Staatszionistische Gruppe in Erez Jisroel und in vielen, anderen Landern auf dem besten Wege, zu einem Machtfaktor ersteh Ranges 2Ü werden. Unter ändern! förderte Herr .Kareski, daß die besitzenden Juden Deutschlands ihren unvermögenden Brüdern darlehmsweise ihr Geld zur Verfügung stellen, um auch den armen Menschen die Eingliederung in Erez Jisroel zu ermöglichen. Um den. größten Teil der noch ümpflanzungsfähigen Juden die Au'swähderungsmöglichkeit zu beschaffen, bedürfe es; nach den Forderungen seiner Gruppe, der Verhandlungen mit den Instanzen; denn die allgemeinen Verhältnisse ließen eine überstürzte und planlose Abwicklung nicht zu. (Von den doch nicht zü leugnenden Emordhüngs- und Umschichtungsschwierigkeiten in E. J. sprach der Redner nicht.) , Schließlich geißelte Kareski dieHaltung.,der Kreise um den G. V., nannte sie illusionär — Und griff den Reichsbund jüdischer Fföhtsöldäien äh, der nach seiner .Meinung .zubestehen aufhören könne/ Die Verbindung' des RjF. mit der Aguda müßte der Redner auch in seine Betrachtuligen einflechten. Er meinte, daß die Agud >. 'die nun heue Bündesgelidssen gewinne doch stets intolerant gewesen sei; die .Vi?ü <a, über die er Gedanken habe, (welche?), die auf einem andernjBlatt ständenhabe sich-'mit Leuten verbunden, deren Büros, am Schabbqs,^vieileicht mit Ausnahme des Jaum Hakippüfim, streng geöffnet wären. Man habe in der Agud ein Maß von Großzügigkeit entwickelt um das er sie beneide. . . Der Redrier erwähnte da< .Fiasko der 'Bemühungen des Emigrantenkömmissars Ä^acdonald, dessen Spesen schweizerische Francs 920.000.— (in zwei' Jahren) verschlungen hätten Zum Schluß wandte er" sich gegen .Würdelosigkeit, gegen jede Hältung; die den Stand der Dinge rosig sehe, er ironisierte den Marxismus, der in einem nicht mal kapitalistischen Erez Jisroel ein Unding wäre. Seihe. Organisation wolle für alle Juden auf der

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