Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 35 (29.8.1935)
- Date
- 1935-08-29
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 12 Nr. 35 Der I s r a e 1 i t .29. August 1935 Berlin, 15. Aug. Am Sonntag, den 12. Aw fand in der Synagoge Siegmundshof im Anschluß an das nma und a?iyn-Gebet die offizielle Gedächtnisfeier der Adaß Jisroel-Gemeinde zur ersten Jahrzeit von Dr. Meier Hildesheimer fc"5tr statt. Herr iRabbiner Dr. Klein ließ hier die wundervolle harmonische Persönlichkeit Dr. Meier Hildesheimers S^xi in einer tiefschürfenden Rede wieder auferstehen. Die oft geäußerte Ansicht des Verstorbenen, daß seine Güte und Hilfsbereitschaft kein besonderes Verdienst bedeuteten, da sie angeborene Eigenschaften wären, wurde unter die Lupe des scharfsinnigen, psychologisch geschulten Talmidchochoms genommen und unter fesselnder Ausdeutung von Stellen aus Gemoroh und Mischle bewiesen, wie groß das Verdienst'einer so selbstlosen und in .seiner Menschenfreundlichkeit unbeirrbaren Persönlichkeit, wie sie Dr. Meier Hildesheimer V"st darstellte, sein müsse. Nach Beendigung der Rede begaben sich die An wesenden in die Aula der Schule. Hier sprach als "Vertreter des Vorstandes, der Gemeinde Herr Dr, Markus Birnbaum. Er ließ in kurzen Worten die segensreiche Tätigkeit des Dahingeschiedenen für die Gemeinde und . insbesondere für das Schulwerk an uns vorüberziehen und pries ihn als einen Pädagogen von hohem Format, der dank seines Verständnisses für die Freuden und Sorgen der Jugend in seltener Ein mütigkeit verehrt wird;-Von seiner engen Verbunden heit mit dem heranwachsenden Geschlecht sol,l eine von dem Bildhauer Weise gestiftete Marmdrtafel Zeugnis ablegen, die an der Ostwand derJ Aula anläßlich der ersten Jahrzeit angebracht worden ist Nachdem Herr Dr. Birnbaum die Erinnerungstafel enthüllt hatte, übernahm sie Herr Direktor Schlesin ger in die Obhut der Schul Verwaltung und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Erinnerung an die Wirk- . samkeit dieser wahrhaft guten, immer aktiven'Füh rer- und Lehrerpersönlichkeit unseren Geist,' unsere Ausdauer stärken wird, alle Hindernisse der Gegenwärt und 'Zukunft fi'a zu überwinden. Das Schlußwort sprach Herr Rabbiner Dr, Münk In musterhafter Weise verstand er es auch unter Heranziehung eigener Erlebnisse aus dem Wirkungs kreis des Verstorbenen dessen. Persönlichkeit schlag lichtartig zu beleuchten. Aus den mosaikartig zusammengefügten, wenigen, aber charakteristischen Anekdoten entstand ein lebens- und liebevolles Bild Dr. Meier Hildesheimers V"St. Möge die Erinnerung an sein Wirken uns allen zum Leitstern .unseres eigenen Handelns werden, damit sich auch än;:üns jener Vers bewahrheite, den Rabbiner Dr. Klein an den Anfang und das Ende seiner Rede setzte: •ovn osio D"n na'p^s 'na nopain nnun r s. Butzbach, 26. Aug. Am Samstag rnn 's sind 40 Jahre verflossen, daß die von Familie E n ge 1 gestiftete Sefer Thora von Rabbiner Dr. Hirschfeld 5>"xt, eingeweiht wurde. Zum Andenken an diese Feier vor 40 Jahren wurde am verflossenen na«? diese Sefer Thora mit ihrem Feiertagsschmuck beim Morgeng'ttesdienst ausgehoben, und wie bei der Feierlichkeit s. Z. die Sidre nsn daraus vorgelesen. Randegg, 26.-Aug. In unserer. Synagoge^ fand eine Gemeindeversammlung statt, in. der unser Synodalabgeordneter, Herr Dr. Heilb'runn, Gailingen ein Referat über die kürzlich stattgefundene Synodalsitzung, des Oberrätes hielt. In meisterlicher Darlegung gab er uns ein packendes Bild von der großen und tatkräftigen Arbeit des Oberrates und der SynodaWersammlung für das Wohl des badischeh Judentums. Herr Prof. Darmstädter, Mitglied des Oberrates, welcher Inkognito hier war, mahnt mit warmen Worten zur Einigkeit in der Gemeinde und ging sodann auf die Kleinarbeiten ein, die der Oberrat zu leisten hat, um uns die Härten der Zeiten leichter ertragen zu lassen und. um die Jugend zu einem Stamm , neuer, tatkräftiger und .religiöser Juden zu erziehen. Die packenden Worte haben in der Ge-. meinde großen Widerhall gefunden. Hierauf setzte uns Herr Prof. B i H i gh e'i'hi e r , Mannheim auseinander, wie. auch liberale :Schichten im'iiJuilefituni; sich durch die Qesphehnisse der Zeit zum überlieferten Judentum zurückfanden. Zum Schlüsse sprach Herr. Rabbiner Dr. Bohrer, warm und wirkungsvoll wie _ immer. Der Vorsteher dankte den Rednern für ihre" schönen und zu Herzen gehenden Worte' und dem Oberrat für die Zuweisung des. neuen Lehrers, Herr Kahn, früher in Ihringen. M. B. SprechsaaL Kulturdünger? Eine Antwort. r, ■ .*'-■■ Sehr geehrter Herr! Wenn ich richtig vermute, sind Sie Rechtsanwalt, oder Arzt ohne Praxis oder Rabbiner einer kleinen Provinzgemeinde, jedenfalls in schwerer wirtschaftlicher Notlage. Sie halten sich für Berufsumschichtung für ungeeignet und sind auch — mit . Recht —. der Meinung, daß der Abstieg der deutschen Thorajuden vom westauf das osteuropäische Zivflisationsniyeau .ein schwerer Schlag für-das Thorajudentum überhaupt wäre! Sie sind anscheinend, so wieich der Meinung, daß <|das heutige, weltliche Palästina auch wenn esauf dem BÖden -von '"K aufgebaut wird, nicht viel mehr Anspruch auf unsre »"»-Liebe hat als die Omarmoschee, dietauf dem allerheiligsten Boden des Vavt steht. Sie halten es für eine irrt» der Agudas Jisroel gegenüber ^sn tn *nöWi k5" wenn sie aus Furcht vor den Zionis.ten ihre geringen Mittel dazu, benutzt, die Araber reich zu machen, statt sich mit der Erhaltung ihrer palästinensischen Po sitionen/zu begnügen^ und im iübrigen ihr Geld dort zu verwenden, wo es einer möglichst großen Seelenzahl von .lereim hilft. Sie: meinen und hoffen, dies mal mit Unrecht, daß der Notlage durch Wohltätig keit begegnet werden könnte, 200 Familien zu vier Köpfen, . die eine Mark pro Köpf und Tag Zuschuß erhalten, erfordern jährlich 300,000 Mk. ä fonds perdu vergleichen Sie diese Summe mit dem Etat der Agudas Jisroel! Ich beschäftige mich seitüdem Umsturz — von dem ich materiell nicht betröffen bin —, .eigentlich sogar seit der Zeit, als den Thorajüden durch die . Kalenderreform schwerster wirtschaftlicher Schaden drohte, mit dem Problem, ein Jawne zu suchen, Heute, wo Armut und Not nicht drohen, . sondern Tatsache geworden sind, ist die Hilfe schwieriger geworden, aber durchaus noch möglieh. Ich will Ihnen meinen Plan, der sich auf das Studium "zahlreicher neuester Literatur" über Südamerika und auf eigene Reisebeobächtungen unter der primitiven Bevölkerung der Balkanhalbinsel und Kleinasiens stützt, in Stich Worten darlegen; zahllose Einezlheiten sind wohl h'e dacht, können aber aus Raummangel hieinicht erörtert werden, . . ,! I, Ansiedlungsziel: Ecuador, Bolivien oder Zeh-, tralbrasilien. Dort stellte die Regierung passendes Land umsonst oder gegen geringe Gebühr (in Bolivien 10 cts. für den Hektar) zur Verfügung. II, Finanzierung: Man darf wohl voraussetzen, daß 200 in Betracht kommende Familien (zu vier Köp fen) je 5000 Mk. im Durchschnitt aus dem wirtschaftlichen Zusammenbruch gerettet haben, - das macht zusammen einen Fonds von 1.000.000 Mk. aus. S e 1 b 5 t v & { ä n dl i c h müssen iS i c h die Ansprüche dem geringen Vermögen du r'c'h aus anpassen. Alle Ausgaben, von. denen weiter die Rede ist, "werden aus dem Fonds bestritten. Werübriges Vermögen hat, kann sich die, Ueberfahrt oder das Leben an Ort und Stelle besser gestalten. . III, Uebersiedlung; Die Fahrt erfolgt unter 'möglichster Schonung des Fonds auf unter Ballast nach Südamerika fahrenden Frachtschiffen, .oder es wird ein' kleines . Schiff für die Reise gechartert. Schlafgelegenheiten sind-Hängematten im Zwischendeck und Frachtraum, "Verpflegung Reis, Hülsenfrüchte oder Kartoffeln mit etwas Fleisch aus einer Feldküche. Die Auswanderer helfen je nach ihren Kräften ohne.,besondere Vergütung der Schiffsbesatzung, die diese Freundlichkeit ihrerseits den Passagieren vergelten wird. Mitgenommen werden zusammenklappbare Möbel, Hausrat, soweit er in Kisten verpackt werden kann, auch Bücher, Radioapparate, Kinderspielzeug, Tennisschläger u. ä., ärztliche Instrumente, Mikroskope, Fahrräder, kleine Ackergeräte, 'Segeltuchleihwand für die provisorischen Zelte, Als gemeinschaftliches Gut werden mitgeführt ein Lastkraftwagen-mit sehr kräftigem Holzgasmptor, der auch zum Antrieb des elektrischen Generators dient, eine Akkumulatorenbatterie (für Schäbbosbeleuchtungi), Oelmühle" und Mehlmühle für Handbetrieb, Klavier, Lehrmittel aus aufgelösten Schulen, Bibliotheken aufgelöster Institute u, a. Die Reise nach Ecuador müßte von der brasilianischen Küste aus den Amazonas stromaufwärts gehen. Reise bis ans Ziel und die Gemeinschaftsaufwendungen brauchten den Fonds nicht' 'mit mehr als 120^00 Mk, zu belasten. : i .„-.•• . •! . IV. Nach der Ankunft: a) Wohnung:' Man wohnt in Zelten, bis nach und nach" Holzblockhäuser aufgestellt werden. Das Leben spielt sich ohnedies hauptsächlich im Freien ab. Es wird das ganze Jahr über gegen 6 Uhr hell"'Und gegen 18' Uhr dunkel. Die Beleuchtung wird elektrisch/ b) Kleidung: Gute Sachen werden nur Schäbbos und Jomtow angelegt. Inder Woche werden Drillichanzüge und -kleider getragen. Drei Mädchen werden vor der Abreise nach Südserbien oder Bulgarien geschickt, wo sie die Handhabung des Spinnrades und des Handwebstuhls erlernen, c) Nahrung: Der , einzelne Siedler, der weder Vorkenntnisse noch Körperkräfte mitbringt, muß den Anbau von Mandioka betreiben, der bei sehr reichem Ertrag wenig Mühe macht, und Schafe, Ziegen und Hühner betreuen. Die Tiere werden aus dem Fonds beschafft; Eingeborene, werden zum Anlernen gemie-, tet, Aufgabje der Frauen ist es, /schmackhafte Koch-i rezepte aus den neueu vMaterialien zu entdecken.. Bis zur ersten Ernte werden die Siedler'aus der Feldküche verpflegt. >Elwas: üemüise iwird auch' der unerfahrene Siedler ziehen); können: Inn-übrigen sorgt ein;: großer,, der Geemin&chaft gefhöriger- Be,trjeb,:; in deni-landwirtschaftlich vorgebildete Siedler arbeiten, für Bereitstellung von Produkten, deren Erzeugung Fachkenntnis erfordert. Liegt die Siedlung'an einem Fluß, , so ergänzen Fische die |S^eiseriaus\|ahl. r d] Äerztliche Versorgung: Schwierigkeiten wird^nur die Bereithaltung leicht verderblicher Medikamente machen, ej Wirtschaftliches Fortkdrnmehj, Darüber lassen sich keinerlei V»raussageh machen. Mit der Mög- :lichke|t ~muß. ,man.tvje,denialls. rechnen; daß" auf^ine Reihe von Jahren der wirtschaftliche Fortschritt nur in der autarken Hebung des Lebensstandards besteht; f)-Geistige Kultur.:; In dieser Heziehung : brauchten wenig Wünsche unerfüllt zu bleiben. An imitgeb*ft<&- tvö Büchern jüdischen und;, profanen."Inli'älts^-'lfaiin Ueberflüß} herrschen,. Ein eigenes Gebäude. 'dientV'als Kindergärten, Volksschule, höhere jSchÜIgy; Universität und Jeschiwoh. Wem. körperliche Arbeit nicht besondre _ liegt, hat .täglich nicht-mehr - als vier Stünden?u tun und kann sich beim Viehhüten' geistig beschäftigen. Unter den Auswanderern werden sicher-- lich Kindergärtnerinnen, Lehrer Usw.- sein, die dieeigentlichen Schulen betreuen. An der Universität arbeiten Aerzte und Studienräte an \ der Erforschung des Landes und an der .Zivilisierung der Eingeborenen-und stellen ihre Arbeit der Regierung zur Verfügung als Dank für ^;'Ber^s%eUiing;-:^e1s5'^tf^deSr Ihr Gehalt besteht darin, daßihnen' ein Tell'derv•Ar1» beit auf;! ihrer Seidlüng von Hilfskräften., abgenommen wird. Bei den: günstigen Verhältnissen kann die Jeschiwoh große ' Bedeutung erlangen. Tennis-;und anderer' Sport, Radio/ Liebhabertheater, Musik' verschönern das Leben. < g) Beziehungen zur übrigen Jüdenheit: Die, Siedlung betrachtet sich als kulturelle Kolonie der orthodoxen jüdischen Organisation in; der z. B. das Recht zur. Bestätigung des Rosch Je- „schiwa eingeräumt wird und ähnliche Rechte, auch das Recht, eine kleine Anerkennungssteuer zu fordern. Gedeiht die Siedlung, so kann sie durch geregelte Auswanderung geschulter Chaluzim nach .Palästina Wertvolles für ' die Entwicklung des Landes leisten, die zur Zeit augenscheinlich unsolide weil zu künstlich und ungestüm ist. ■■• Die Predigt für die Herbst-Feiertage. * Die ernsten Feste stehen vor der Türe, noGhyeinige Wochen und eilen , in diesem Jahre wieder mehr Besucher ins G'tteshaus, um neuen 'Mut zu schöpfen — Trost für ein weiteres Jahr aus' dem G'ttesdienst mitzunehmen. Der Hauptteil des G'ttesdienstes bildet' wie,,üblich die. Predigt, alles ist. gespannt, was der Rabbiner — in den kleinen Gemeinden der Lehrer —-für die weitere Zukunft mitgibt.* Im letzten Jahre sind! viele Gemeinden aufgelöst — aus Gründen der wirtschaftlichen1-Not der Landjuidenheit — oder wegen Wegzuges.. Der Lehrer der Lanidgemeinde bereitet sich vor, seiner Gemeinde Trost an solchen Tagen mit nach Hause zugeben. Zuweilen aber ist es so, daß man die vorbereitete'Predigt nicht halten kann. Für den Prediger ^— auf dem Lande auch der'Vorbeter — ist. es schwierig, im letzten Augenblick sich ganz, umzustellen und passende Worte seiner Gemeinde zu bringen. Die Freie Vereinigung für die. Interessen des orthodoxen Judentums hat seit Jahren eine wunderbare Einrichtung getroffen, allen Gemeinden, die: ihr zuständig sind, bezw. dem . Halberstädter Landesverband angehören, erhalten zu jedem Feste eine wunder schöne Predigt, die entweder -vom Lehrer —'- in Gemeinden, wo' kein Lehrer ist — vom Vorbeter vorgetragen und dadurchwird der ■: G'ttesdienst lebendig,;d, h. \man hört Worte, die, von berufener Seitergeschrieben sind. -— Der Grund meines Schreibensist: Der Preußische Landesverband hat in den letzten Jahren,' besonders in den Jahren; als unsere Prüfung" begonnen hat, Trostpredigten au, alle Gemeinden verschickt. Die Zuhörer waren dem Landesverband dankbar für solche wunderbare, trostvolle Worte. - Der Landesverband ist bestrebt, die Landgemeinden und" deren G'ttes'dienst zu fördern, darum richte ich im Namen der gleichgesinnten Kollegen die Bitte, der Landesverband möge besonders in diesem: Jahre allen. Gemeinden.;eine e i.nh e i t.l j.c^h e . T ro vst'p r e,di g.t versenden, damit wir eine Reservepredigt in Händen' haben,' falls solche ' Umstände : eintreffenvsollten' wieim vorigen Jahr.')!/■ 'iiiiA. . ii fj;?) M- Amsterdam', Battenfeld - (EderJ. WoGhenkalender. Von. 31. August — 7. September 1935 / Vom 2. — 9. Elul 5695 * I * "' * J * , *BTp S|T Samstag A«g. 31 •2. rna san lö Sonntag ■ 1 3 - m -.- Montag 2 .4 '--na Dienstag ß ..i,.: 5 -»»- Mittwoch Sept, 4 bib« 6 i- Donnerstag 5 7 83 Freitag 6 8 33 Samstag 7 9 3.1 -TV; D'ösiy. SSn-'3;'