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Der Israelit · 1935-08-29 · Heft 35 (29.8.1935) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 35 (29.8.1935)
Date
1935-08-29
Page
– (sequence 11)
Language
German
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29. Auglist 1935 D e r I s r a. e I i t Nr. 35 Seite 11 des Misrachi <und seiner Rabbiner anzukämpfen, die eine Propaganda führen gegen die Kehillos der Agu das Jisroel, - Die arabische Zeitung ,,Islami" erzählt, daß in Kfar fölkija, einem Dorfe von: 4000 Einwohnern, in den letzten Wochen starke epidemische Krankheiten wüteten. Die Zeitung berichtet, daß kein arabischer Arzt. es für nötig hielt, das Dorf auch nur einmal in der- Woche zu besuchen. Demgegenüber began Hen zwei jüdische Äerzte sich der Betreuung des Dorfes zu widmen, ,-Die Tatsache ist sehr interessant Aber wer glaubt, daß das Blatt, indem es. diese Tatsache berichtet, nun auch ein menschliches Gefühl wenigstens insoweit wälteü ließe, daß es die Hetze £?gen die Juden unterläßt, der würde sich irren. In der gleichen Nummer bei man sich über ata- "bisclie Pardesbesitzer, die mit Juden ein Ueberein- Icöhimen. getroffen haben zürn Schlitze ihrer Pardes sim vor Bäumkfankheiteti, und richtet scharfe Worte und die Aufforderung an sie, ihre Beziehungen zu den Juden zu lösen. Dies ist die rechte Art von Dankbarkeit. Wie 'ich höre, fand gestern eine vertrauliche Be .ratung zwischen den politischen Leitern der Agudas -Jisröil in Jerusalem iriit der politischen Leitung der Jewisli Agehcy stätt. Wie verlautet, bezögen sich - die Besprechungen auf das Projekt des Legislative" 'Council. P. Jüdische Einwanderung nach Amerika im ersten Halbjahr 1935. New York, 12. Aug. Wie ans dem Hälbjahrasberichte der Gesellschaft für Einwandere/fürsorge „Hias" hervorgeht, sind vom 1. Januar bis zum 1. Mal 1935 3222 Juden in die Vereinigten Staaten* eingewandert. Von diesen wurden 1815 Personen als reguläre Immigranten und 1407. als Nicht-Immigranten registriert. 759 Personen waren teils direkt aus Deutschland, teils ans Ländern, in /die sie sich von Deutschland aus begeben "hatten, gekommen. Die Weiterleitung aus diesen Xänderri war mit Hälfe des Verbandes Hicem erfolgt. In der Berichtszeit wurden .an Hias 3751 Gesuche -um Ausforschung von Angehörigen gerichtet. In sehr -vielen Fällen gelang es, auseinandergerissene Familien wieder zw vereinigen oder in Amerika ansässige Angehörige zu bewegen, ihre in Europa zurückgebliebenen Verwandten zu unterstützen. Die Nachforschung nach Angehörigen wird in zahlreichen Fällen weiter fortgesetzt. , Durch die Hias-Emigrantenbank sind im ersten Halbjahr 1935 von 26.851 amerikanischen Juden -477.243.21 Dollar an Angehörige in verschiedenen Ländern überwiesen Wörden. .. Karlsruhe, 24. Aug. Vor kurzem ging Frau L. Samuel yon uns, eine Frau von tiefer stiller Fföni- TTiigkeit und , einem. Wohltätigkeit§sinii.er der . sie stets zu Werken, der Liebe trieb. Wo Elend zu mildern gab, -War 'Fr., Samueldabeiv,eine nönr rtp» flölin/s^chte «ie jede Gelegenheit, Anderen Gutes' zu\ erweisen. Sie wird uns unvergeßlich bleiben. n^a&ifv Brückenau, 25. Aug. Am Freitag, den 17. Aw verschied hier liäCli mehl wöchentlicher Krankheit im 74. Lebensjahre Frau Rosa Adler geb. Strauß. Eine -wahrhaft Fromme ist mit ihr aus unserer Mitte geschieden. Imnahegelegenen Geroda geboren, war sie, noch im jugenaiu&en' >t!(£r'- stehend, m'reri Geschwistern Miterzieherin, Stütze und Halt. Die Pflichttreue, •die sie im Elternhäuse geübti die ihr Hier, im eigenen Heim Lebenselement gewesen* war der Inhalt ihres gesegneten Lebens. Vier Kinder erzog sie für Thora -und Judentum. Nun ist ihre reine, starke Seele/ dem scheinbar schwächhclfen Körper entwichen und unsere Gemeinde betrauertmit den Angehörigen den' Verlust einen ihrer Besten. Bei der nahm Herr Lehrer Strauß, Mittelsinn, in innigen 'Worten Abschied von der vereHrten Tante und zeichnete an Handeines Ausspruchs unserer Weisen ein Lebensbild der Heimgegangenen. Im Trauerhause gedachte Lehrer Gün d ersh. e i - iHfif in einem Hesped der Entschlafenen, zeigte der versammelten Gemeinde den Adel ihrer Gesinnung. Nicht nur in ihrem Familienkreise, auch in unserer Gemeinde , hat ihr Heimgang eine fühlbare Lücke "hinterlassen.! n*aX3rc Groß-Eichholzheim (Baden)., 18. Aug. Am 1. Sep tember begeht rt^R Herr Lehrer David S c h e u er mann in bewundernswerter geistiger Frische und körperlicher Rüstigkeit. das 50jährige Amtsjubiläunfals Lehrer und Kantor. Der Jubilar gilt in Lehrerkreisen als vortrefflicher Midraschkenner. Auch ist er ein treuer Pfleger den alten Chasonus. •nw onffyi HKS 17 Oscher Sternbuch Vst« - London, 26. Aug. Aus London erreicht uns die erschütternde Kunde, daß der älteste Sohn von Familie Sternbuch in St. Gallen und Schwiegersohn von Familie Pines in Zürich, im Alter von kaum. 44 Jahren nach schwerer Krankheit verschieden ist. In jungen Jahren kam Herr Sternbuch mit seinen Eltern nach Basel, wo er seine jüdische und weltliche Bildung genoß und in seinem mit geistigen Gütern reich begnadeten Elternhause jene Eindrücke empfing, die ihn befähigten, in seinem, ihm zur zweiten Heimat gewordenen London eine Musterstätte von wahrer Jüdischkeit zu gründen. In glücklicher Ehe mtt Dora Pines verbunden, einer Frau aus jüdischem Edelhause öffnete der Verstorbene sein gastliches Haus äll denen, die seine Hilfe ■in -Anspruch nahmen, übte in wunderbarer Weise „Hachnosas Orchhn"", nahm Anteil an allen jüdischen Gemeindeangelegenheiten. So wurde er auch in den Vorstand der Londoner Gemeinde Adaß Jisroel berufen. Unsägliches Leid trifft die junge Gattin und die neun unmündigen Waisen, welche, zum Teil noch gar nicht ermessen können, was ihnen mit dein Heimgang des treusorgenden Vaters verloren ging. Aber auch die Eltern und Geschwister haben ihren besten Sohn und Bruder verloren. Es ist ungeheuer schwer, bei solch tragischem Verluste Trost zu finden. Möge fvapff .der jungen Witwe die Kraft geben, die neun Waisen zu guten frommen Jehudim großzuziehen, und möge der Verblichene in den Sphären der Ewigkeit für seine zurückgelassene Familie ein Meiliz Jauscher sein. ' fT'aSjn. Vermischtes. Trauerfeiern für Leo Deutschländer ^"JJT* Berlin, 26. Aug. Die hiesige Ortsgruppe veranstaltete am 21. August in der Schulaula Siegmundshof eine Trauerfeier für .Dr. Leo .Deutschländer ^si, die durch' ihren starken Besuch "schon äußerlich einen Eindruck von der Beliebtheit vermittelte, deren sich der Dahingegangene in allenv Lagern der thoratreuen Judenheit erfreut hat. In seinen einleitenden Worten erinnerte Herr Jacob Levy daran, daß Deutschländer, der in Berlin aufgewachsen-war, und schon in jungen Jahren. an der Religionsschule Gelegenheit, hatte, seine pädagogischen Fähigkeiten und sein menschengewinnendes Wesen zu zeigen, auch später stets gern seinen Weg Über Berlin genommen hat, um die Fühlung mit unserer Kshillo aufrecht zu erhalten. Um so empfindlicher treffe gerade uns der Verlust dieses" mxisn fcs'a bxiw geschätzten Menschen und es werde s von unserer Gruppe dankbar begrüßt, daß Herr Räbb. Dr. Pinchas K o h n trotz angegriffenen Gesundheitszustandes sich bereitgefunden habe, vor uns noch einmal, die Seeiengröße dieses Mannes aufzuzeigen, die doch gerade er wie kaum ein anderer in jahrelanger Zusammenarbeit kennenlernen konnte. In tiefgefühlten Worten legte sodann Herr Rabbiner Kohh dar^ .wie nach dem Vorbild unserer Alten wir beim jähen Hinscheiden eines so trefflichen Freundes nur dadurch der Verzweiflung über dieses schwere Geschick Herr werden, daß wir uns seih segensreiches Leben in seinem ganzen Umfang zu vergegenwärtigen suchen. Wir würden uns dannN zu einem Gefühl der Dankbarkeit gegenüber dem na« jn durchringen, daß unser armes Geschlecht, wenigstens über eine kurze Strecke des Lebens ein so vorbildlicher Weggenosse .begleiten durfte. Nur «6 sei der lähmende Schmerz zu überwinden, der uns bei der Betrachtung jedes einzelnen seiner vielen Arbeitsgebiete 'ergreifen, muß;| auf welchen er wie kein anderer sieh als Vorkämpfer bwährt hat. Öie Triebkraft für seine fast übermenschliche Leistung war V«hü*> ns»n. die ihn zu der Ueberzeugüng gebrächt hatte, daß es möglich seih müsse, alle Unterschiede zwischen Ost und West, zwischen älter und jünger Generation zu überbrücken, wo es üiri das Ziel gehe, für Erhaltung und Ächtung unserer heiligen Thora zu sorgen. .Eine glückliche Fügung Hatte ihn nach Litauen geführt, und ihn dort eHeben lassen, welche herrlichen Blü-' ten intensives Thoralernen in den JescKiwaus zeitigt und welcne dhgeheure Wichtigkeit andererseits der Errichtung eines Mädchenschnlwerkes in den öiteuröpäisefien Ländern beizumessen sei. Als deshalb die Gründung des JCeren Hathora beschlössen war. dä-wäriDeütschlähder der Mann, dein man die fast unlösbar erscheinende Aufgäbe anvertrauen "konnte, ein derart grandioses Werk aus dem Nichts heruas zü schaffen. Und als durch die unvergeßliche Frau Sara Scheiiirer H^t die Vorbedingungen für das Erziehungs- Werk der Bes Jäakaüto.-Scnulen geschaffen waren, war es ebenfalls Deutscnländer, der es verstand, insbesondere durch die meisterhafte Art seitrfer Teriach- Erklärungen, das bisher auf weltliche Literatur eingestellte geistige Interesse der jüdischen Mädchen umzuwandeln in flammende Begeisterung für die unvergleichlichen Worte unserer Ueberlieferung. Man merkte ihm die außerordentlichen Sorgen um die finanzielle Erhaltung des Keren Hathora nicht an. Er war von der Wahrheit seiner großen Aufgabe SO durchdrungen, daß er durch keinen Mißerfolg, durch keine materielle Enttäuschung jemals schwankend wurde. In seiner Selbstlosigkeit achtete er nicht der Schwäche seiner körperlichen Kräfte, stellte seine eigene Person ganz zurück, da er nur für ein einziges Ziel kämpfte, dieses hat er erreicht und dafür ist ihm der Lohn sicher: wVnu sm 'n- Den Worten von Herrn Dr. Kohn, die allen, welche das Glück gehabt haben, den Dahingegangenen zu kennen, aus dem Herzen gesprochen waren, folgte noch eine kurze Würdigung der Bedeutung dieses so jung vollendeten, und doch so reif gestalteten Lebens durch Herrn Rabb;. Dr. Esfa Münk. Herr Dr. Münk knüpfte an den Beriöht de* Gemoro über das Ableben von vvtpp tt'al an. Auch bei Deutschländer haben die Himmlischen den Sieg über die Irdischen davongetragen. Einem apy» gleich, hat Deutschländer allein mit ungewöhnlichen Kräften den " riesigen Block von der Oeffnung des D^n n>ö IM der min gewälzt, um ihn der Jugend zugänglich zu machen. Wenn uns dieser Mann jetzt fehlt; so müssen alle Hirten sich vereinigen, um gemeinsam diese schwere Aufgabe zu vollbringen. Doch gelte es nicht nur, den Brunnen zu öffnen, sondern auch für die Nachtzeit wieder zuzudecken, damit das klare Wasser der nicht von außen her getttibt und verunreinigt werben kann. Diese stete Wachsamkeit sei das Vermächtnis, welches der Heimgegangene uns überantwortet. Mit dem Vortrag des "l 'n '8 durch Herrn Oberkanfor S p i t z fand die ergreifende Gedenkfeier ihren Abschluß. Wien, 27.. Aug. Im überfüllten Saale des Hotels „Bayrischer Hof" fand am Montag, den 19. d. M. die große Trauerkundgebung des orthodoxen Wien für Dr. Deutsch 1 ander ^"ST statt, die durch den mehr als einstündigen Hesped des vorläufigen Nachfolgers des Verewigten, Rabb. Wolf S. Jacobson, ihr besonderes Gepräge erhielt. Nach dem Maäriwgebete betritt Rabb. W. S. J a - cobson die Tribüne. In bewegten Worten schildert der Redner den Lebenslauf des Heimgegangenen. Es ist förmlich ein plastischer Bilderstreifen, der an uns vorbeizieht: Schmuel Deütsehländer, der Sohn eines ungarischen Talmid Chbchom, Schmuel-Deutschländer, der, rfühzeitig verwaist, bereits mit 15 Jahren unterrichtet, mit 18 Jahren Erzieher von Menschen ist, Schmuel Deutschländer in Berlin, in Polen, in Litauen, in Wien; Schmuel Deutschländer, der unermüdliche Helfer und Tröster, der gigantische Wegbereiter für die Tauroh — und der gütige, bescheidene Mensch! ... Der Redner erinnert besonders an das Wirken Schmuel Deutschländers in Litauen: Große Gedolim säßen dort Tag und Nacht bei T'nach und Gemoroh, aber die Jugend weilte ferne von ihnen, ferne von der Tauroh. Da hat Deutschländer mit bewundernswerter Energie das Bahner der Tauroh hochgerissen, hat dafür gesorgt, daß ein neues Geschlecht von G'ttesdienern in Litauen wach geworden ist . Sein höchstes, unvergängliches Wirken entfaltete Schmuel Deutscnländer jedoch, als er dem Rufe der Aguda, den Keren Hatauroh zu schaffen und zu leiten, Folge schenkte. Dann: ,,Beth Jaakauw!" Diese Schöpfung ist zu seinen Lebzeiten bereits Geschichte geworden. Dr. Leo Deutschländer hat eine ungeheure Doppelleistung vollbracht; er hat den Geist seines Volkes, die, Tauroh, in Keren Hatauroh, in Beth Jaakow, in T'hillimschiurim gestärkt, er hat den Körper der Agudas Jisroel wirtschaftlich gekräftigt. Sein Andenken wie das Andenken, der verdienstvollsten jüdischen Frau um Beth Jaakow, Sarah Schenirer r~i~v wird niemals ,V?rjsessen werden. Am Schlüsse erwähnt Rabb. Jacobson die beiden letzten Wünsche, die der Heimgegangene von seinem Tode geäußert hat: „Sorget, daß ich. neben einem Frommen zu liegen komme." (Dieser Wunsch ist erfüllt worden, Deutschlähder ,ruht neben dem Czortfcower Rebben V-pist.) Und dann: „Rettet mein Werk!" Dieses letzte Wort des großen Verewigten darf nicht verhallen. Ein ungeheures jüdisches Werk ist verwaist. Für den einen müssen Zehntausende Hunderttausende in die Bresche springen und ihre schwachen Kräfte aufbieten. „Dies soll die Ehre und das Andenken Deutschländers sein!". Mit inniger Stimme verrichtet Öberkantor Braun das Totengebet. Mediznialrat Dr. R einiger leitete die Traueryersammlühg ein -und schloß sie nach dem Hesped mit ergreifenden Worten. Frankfurt a. M„ 23. Aug. Die „Frankfurter Zeitung" berichtet in ihrer Morgenausgabe vom 23. Aug.: „Ein jüdisches Erziehungsheim in Diez an der Lahn, in welchem vor allem Waisenkinder und Halbwaisen untergebracht waren, wurde, nachdem es vor dem Gebäude zu Sprechchören und Demonstrationen gekommen war, von der Polizei geschlossen und die etwa 50 Insassen zu ihrem Schutz unter polizeilicher Bedeckung nach auswärts abtransportiert."

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