Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1935-08-29 · Heft 35 (29.8.1935) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 35 (29.8.1935)
Date
1935-08-29
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2450858-2450892--81511-2539409
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 10 Nr. 35 De r Israelit , 29. August 1935 sehder jüdischer Erziehung vermitteln. Durch Beschränkung der Schülerzahl und hierdurch ermöglichte weitestgehende Individualisierung im Unterricht dürfte die Schule dazu bestimmt sein, Fuhrerpersönlichkeiten für das französische Judentum heranzubilden. Der allgemeine Unterrichtsplan muß sich natürlich dem der entsprechenden französischen Schulen anpassen. Als jüdische Fächer sind vorgesehen: Bibel, Talmud, klassische und neuzeitliche jüdische Geschichte und Literatur, Neuhebräisch und jüdische: Philosophie. Das Unterrichtsprinzip entspricht den heutigen pädagogischen Forderungen und sieht alle ihre Hilfsmittel vor. Ganz besonders wertvoll für die Formung echt jüdischer Persönlichkeiten dürfte das mit der Schule verbundene Internat sein, das Lehrer- und Schülerschaft, nach den Worten des -Programms, zu ein er großen Familie werdeH lassen soll. Selbstverständlich wird auch auf die körperliche Ertüchtigung und auf die Ueberwachung der Gesundheit der Schüler großer Wert gelegt. .;, . Schulgeld und Pension sind in mäßiger Höhe festgesetzt. Die Schule wird am 23. Oktober eröffnet werden. Alle . gewünschten Auskünfte erteilt Herr Direktor Cohn, 60, rue Claude-Bernard, Paris 5 eme. Es ist von Herzen zu wünschen, daß das" mutvolle Unternehmen auch die Würdigung finde, die es verdient und daß es zu einem vollen Erfolge geführt werde. Es wird dann einen Markstein bilden in der jüdischen Erziehungsgeschichte Frankreichs. Palästina. Keine Verwandten-Zertifikate mehr iür Palästina. Jerusalem, 16. Aug. Das Einwanderungsdepartement der Jewish Agency teilt mit, daß die Zertifikate für Angehörige von in Palästina lebenden Personen erschöpft seien. Bis die Regierung die Schedule für das nächste Halbjahr (Oktober 1935 bis März 1936) bestätigen werde, würden Anträge auf Gewährung eines Verwandten-Zertifikats nicht mehr bearbeitet werden. Beilegung des Arbeiterkoniliktes im Emek Sebulun. Jerusalem, 16. Aug. Der im Emek Sebulun ausgebrochene Konflikt zwischen Arbeitern der Histadruth Haowdim und der misrachistischen Arbeiterorganisation ist durch ein Schiedsverfahren beigelegt worden, zu dem die beiden Parteien von dem Distriktsgouverneur für den Norddistrikt, Major Keith Roach, veranlaßt worden waren. Es wurde eine Vereinbarung getroffen, durch die# die Poale Misrachi sich bereit erklären, in Zukunft gemeinsam mit der Histadruth ZU arbeiten, , „Aerztesperre in Palästina". Jerusalem, 18. Aug. Man schreibt uns aus Jerusalem: Zu der Veröffentlichung über die beabsichtigte Zulassungs sperre für Aerzte ist darauf hinzuweisen, daß das Gesetz bis zur Stunde noch nicht in Kraft getreten ist. Bislang liegt lediglich ein Gesetzentwurf vor, der gemäß den Bestimmungen der palästinensischen Verfassung zur öffentlichen Kenntnisnahme veröffentlicht worden ist. Diese Veröffentlichung bedingt noch keineswegs, daß ein solcher Gesetzentwurf auch Gesetz werden muß. So z. B. hat der 1934 veröffentlichte Gesetzentwurf, der verschiedene Beschränkungen in der Zulassung zur Anwaltschaft vorsah, bis heute keine Gesetzeskraft erlangt. Arbeitermangel in den Kolonien der Scharon- Ebene. Jerusalem, 20. Aug. Die Arbeitsbüros von Tel Mond, Nathania und an=- deren Kolonien in der Scharon-Ebene haben sich an die landwirtschaftliche Abteilung der Histadruth und das Einwanderungsdepartement der Jewish Agency mit der Forderung gewandt, ihnen Arbeiter zur Verfügung zu stellen. Es herrsche ein fühlbarer Mangel an Arbeitskräften, so daß verschiedentlich dringende Arbeiten nicht ausgeführt werden können. Auf dem Jerusalemer Friedhof fand unter großer Beteiligung eine Gedenkfeier für die Opfer der palästinensischen Unruhen im Jahre 1929 statt; Rabbi Aaronson aus New Britain hielt die Gedenkreder außerdem sprach ein' Zeuge der Unrhuen.; ,Die zum Friedhof führenden Wege waren durch Polizeikräfte gesichert. : mV;>■ Ein Appell an die orthodoxen Arbeitgeber. J e r u s a 1 e m , 14. Aug. Die Histadruth Poale Agudas Jisrbel- Ortsgruppe Jerusalem, veröffentlicht durch Maueranschlag einen warmen Appell an die otrhodoxen Arbeitgeber in Jerusalem, mehr als bisher jüdische Arbeiter und insbesondere thoratreue Arbeiter zu beschäftigen. Es heißt in dem Aufruf: ,,Gerade an der Stätte des Heiligtums in der heiligen Stadt mit Ihrer; großen Zahl thoratreuer Bewohner jener Thora, die das. "pv l'ns '»ni und das in nptnmuns als Pflicht auferlegt hat und die jdie brüderliche Hilfsbereitschaft des einen gegen den anderen als Grundlage des Gemeinschaftslebens betrachtet, gerade hier müssen die jüdischen Arbeiter und insbesondere die orthodoxen Arbeiter eine furchtbare Enttäuschung erleben, Jerusalem wird G. 1. aufgebaut, aber zu unserem Schmerze und zu unserer großen Schande werden zahlreiche Häuser nicht durch jüdische Arbeiter und insbesondere nicht durch orthodoxe thoratreue Arbeiter gebaut. Es gibt Arbeitgeber, denen ihre Pfennige lieber sind als das Leben der jüdischen Arbeiter. Sie beschäftigen ausschließlich nichtjüdische Arbeiter, ohne damit zu rechnen, daß mit jedem Tage die Einwanderer aus der Gola sich vermehren, deren ganzes Leben der Thora gewidmet war und die nun in unser heiliges Land kommen, um an dem Aufbau des Landes mitzuarbeiten auch durch Schwarzarbeit, auch durch Fronarbeit — mit größter Befriedigung, und wir müssen Zeuge seih, daß in Jerusalem, der heiligen Stadt es eine Unmenge Unternehmer und Arbeitgeber gibt, ja-sogar auch berühmte Institutionen, deren Gebäude nur durch Nichtjuden errichtet werden, ohne daß man daran denkt, daß man später die Mieten aus den hier zu erbauenden Häusern ausschließlich von Juden bekommen wird. Den orthodoxen Arbeitgebern ilegt die Pflicht ob, ausschließlieh orthodoxe Arbeiter zu beschäftigen und schließlich beschäftigen sie sogar Nichtjuden. Wir beschwören Euch im Namen von Hunderten von orthodoxen Arbeitern und im Namen des reinen Gewissens eines geläuterten Judentums und im Namen unserer heiligen Pflicht; die Zeit ist gekommen, um diese Schmach von der heiligen Stadt abzuwälzen . Wir sind sicher, daß Ihr Euch Rechenschaft ablegen und Eure Verantwortlichkeit in dieser Zeit erkennen und dadurch Euch selber unddas Land, das Ihr auferbauen w >llt, ehren werdet." Jerusalemer Brief. J e r u 5 a 1 e m, 14, Aug, Die Tischobeawnacht an der Köthel. — Verurteilung illegaler Einwanderer. — Sitzung der Arbeiterführer mit der AgudorLeitung. — Poale Agudas Jisroel-Angelegenheiten__Zwei jüdische Aerzte fetten die Araber von Kiar Kilkijo aus Lebensgefahr. — Vertrauliche Konferenz der Agudo-Fuhrer mit der zionistischen Exekutive, Seit ui alter Zeit besteht in Jerusalem die Tradition, in der Tischobeawnacht zur Köthel Maarowi zu wallfahren, wo man lV)3*j? sagt und weint und betet um das „Gblus der Schechino" und um die Zerstörung unseres Heiligtums. Diese Stunden der Tischobeawnacht an der Köthel Maarowi, dem einzigen Rest unseres Heiligtums, sind in der Tat von unbeschreiblichem Charakter, und die Erregung, die einen dort überkommt, übersteigt alle Grenzen. Seit einigen Jahren veranstalten die zionistischen Organisationen, besonders die Mitglieder der Histadruth hoowdim, in dieser Nacht einen Zug um die-Mauer des alten Jetus&l&m und kommen dabei auch 2ur Köthel Maarowi/ Schon an und für sich ist dieser Besuch gerade.in der Tischobeawnacht, während man dort sitzt und weint um den Churban, nicht angemessen. Was aber am meisten schmerzt, ist-der Leichtsinn; den man dort wahrnimmt. Da stehen die jungen Leute 'zusammen mit den Mädchen, treiben Scherze und Spottmit denen, die auf der, Erde sitzen und nwp: sägen;und von Zeit: zu Zeit hörtman Lachen und «pöttische Bemerkungen. - - . - ,\Es -ist interessant, bier wörtlich wiederzugeben, was im „Haarez" in der.;Tischobeaw-Morgennummer irr der Rubrik „Chronik" über diesen Besuch' gesagt v/jrd;„Eine große Menge beteiligte Sich auch arp den Umzügen um die Mauer, welche durch die -Kulturkommission der Histadruth hoowdim und durch andere Organisationen veranstaltet wurden. Den< gewaltigen Eindruck dieser Teilnahme an der Volkstrauer veidanb ein Teil der Zeiirim, die Ibei; der (Rückkehr von der Mauer die Cafes und Gä&sostüben der Araber füllten, die geöffnet -waren!" DieserGhroniknötiz Ist' nur hinzuzufügen, daß. die Araber .'die Tischobeawnacht „Illigassos" nennen, das bedeutet das Gassosfest, bei dem man kommt, um Gassos zu trinken. Unbeschreiblich ist der Chillul Haschern, der in dieser Nacht, von den Mitgliedern der zionistischen Organisationen verübt wird. Nur eines muß man dabei fragen: wenn in diesen .Menschen schon jeder Funice von Thora und religiösem Empfinden erloschen ist, wo bleibt ihr nationales Gefühl? Wo bleibt die nationale Ehre, die sie angeblich auf ihre Fahne geschrieben haben? ' : Die Jagd nach „illegalen" jüdischen Einwanderern geht weiter, zwar nicht mit solcher Schärfe, wie vor einiger Zeit, aber aufgehört hat sie nicht/ Wer die arabischen Blätter liest, stößt fast jeden Tag auf eine Nachricht über die Festnahme von Juden, die ungesetzlich ins Land gekommen sind. In dem arabischen Blatte „Islanri" von gestern findet man zwei kurze Notizen.' eine, daß zwei britische Polizisten vorgestern in der Umgebung-des Tel Awiwer Strandes zehn Juden verhafteten, die ungesetzlich ins Land kamen, und dasselbe Blatt berichtet, daß der britische Friedensrichter in Safed 67 ~Mann wegen des gleichen , Vergehens zu je drei Monaten Gefängnis verurteilt habe. Das Blatt fügt hinzu, daß unter den Verurteilten auch Araber sind, die aus Syrien gekommen waren. - Vorige Woche fand in dem Agudo-Bürö in Jerusalem eine gemeinsame Sitzung der neuen Leitung der Poale Agudas- Jis r o e 1 mit der Agentur der W e 11 - A g u d o statt. Rabbi Mosche Blau begrüßte die neue Leitung der Poale Agudas Jisroel mit Segenswünschen und sprach die Hoffnung auf ein . intimes Zusammenwirken aus. Alsdann begannen Beratungen über die verschiedenen zur Zeit auf der Tagesordnung stehenden Arbeiten der Poale Agudas Jisroel. Zur Zeit sind bereits fünf Kibbuzim der Agudas Jisroel vorhanden: Klar Saba, Gedera, Machane Jisroel, Raanana, Pardes Channa, Die Entwicklung dieser Kibbuzim ist erfreulich sowohl in geistiger als auch in wirtschaftlicher Hinsicht. In der Sitzung wurden auchde Richtlinien für die Arbeit des vor kurzem gegründeten Verbandes der agudistischen Kibbti- . zim ausgearbeitet. Der Verband wird ein Bulletin über die Entwicklung der Kibbuzim herausgeben. Die Arbeitsverteilung innerhalb der Poale Agudas Jisroel- Leitung ist wie folgt vorgenommen worden; S> Jenkelewifz, Vorsitzender und Leiter der Arbeitsabteilung, D. Z. Silberstein, Sekretär und Leiter der geistigen Arbeit, S. J. König, Schatzmeister, S. S. Moses, Leiter der Propaganda-Abteilung, Hillel Brockenthal, Leiter def Kibbuaim-Abteilung. Insbesondere entfaltet der- Leiter der Propaganda-Abteilung, Herr Moses, in den letzten Wochen bereits eine/lebhafte und erfolgreiche Tätigkeit. Er besuchte, die Abteilungen Kfar Saba, Bne Brak, Rechoboth und ist nun im Begriffe, eine regelmäßige Besuchstournee; der Leitungen in allen Abteilungen und Kibbuzim zu arrangieren. Wie ich höre, sollen dieser Tage Abteilungen def Poale Agudas Jisroel in Ramatgan; _ Herzlia und vielleicht auch in Chedera gegründet werden. Die Leitung, der Poale Agudas Jisroel, die am vorigen Donnerstag in Petach Tikwah zusammentraf, nahm -einen Protestbeschluß an gegen den Versuch der Rabbinen des Waad leumi, das Recht des Orthodoxen Judentusm, sein Gemeinschaftsleben auf Grand der Thora selbständig aufzubauen,* zu verhindern. In der Sitzung wurde auch die Notwendigkeit, erkannt, in den Kreisen der Poale Agudas Jisroel; gegen den Einfluß

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.