Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 35 (29.8.1935)
- Date
- 1935-08-29
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2446951-2450858-2450892--81508-2539406- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
29. August. 1935 Der Israelit Nr. 35 Seite 7 Einen erheblichen Rückgang hat auch die Zahl der religionslosen Schulkinder erfahren, während die Zahl der evangelischen und katholischen Schüler und Schülerinnen in Preußen sich nur wenig verändert hat; Sitzung der Repräsentanten der Berliner; Jüdischen Gemeinde,-; IL, Berlin., 20. Aug. "Am 18. Juli fand unter dem Vorsitz von Rechtsanwalt Stern eine Repräsentanten-Versammlung statt, in der fast'40 Punkte zur Beratung standen. Die Genehmigung zur Festsetzung der vom Vorstand vorgeschlagenen S teuer quo te für das Jahr 1935 wurde nach längerer Beratung in den Fraktionen und im Plenum einstimmig erteilt; hierbei wies; Herr Rechtsanwalt Dr. K1 e e für den J ü - d i s c h en V 6 1 k s b und und die Z i o n istische F r a k t i o n darauf hin, daß dies kein Verzicht auf die bekannten Forderungen des Jüdischen Volksbundes^ und der Zionistischen Fraktion , nach" Gleichberechtigung bedeuten, während Herr Dr. F 1 e i s c h e r für die religiös-liberale Fraktion erklärte,- daß die Liberalen die Bewilligung der für dehrFö'r'tgäng der 'Gemeindearbeit nötigen Mittel über die sachlichen und politischen Parteidiffere'nzenhervorzuheben wünschen. Nach dem' Beschluß "sind an Gemeindesteuern: 25 Proz. der Reichseinkörnmensteuer und 30 Pröz. der Reichsvermögenssteuer zu zahlen. Für die früheren Siedleriamilien aus Gr o ß - G ag'lo w wurden Mietsbeihilfen bewilligt mit der Maßgabe/daß durch die Wirtschaftshilfe Hie Bedürftigkeit der einzelnen Siedlerfamilien festgestellt wird; Nach Erledigung einer Reihe von Personalvorlagen wurde die Anstellung von 12 vom Gemeindevorstand vorgeschlagenen Lehrkräften beschlossen. Eine mit den Vertretern der Beamten- und Angestelltenschaft getroffene Abmachung bezüglich der Ergänzung der Besoldungsordnung wurde genehmigt. Zum Nachfolger des Herrn Salman Schocken im Rat des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden wurde Herr Dr. Siegfried Moses gewählt. Es wurden zuletzt einige^- angesuchte Subventionen bewilligt. ' " i ■'• Hl-- Das Ferienlager für die Führer der Esra-Pirche Agudas Jisroel-Gruppen. ■''"-■■'■• >v-.'s Berlin, 25. Aug. Vom 29. Juli bis zum 20.; August ^veranstaltete die Bundesleitung der Esra-Pirche A. Jw-Gruppen in der Jugendherberge -der» Deutsch-Israelitischen Gemeinde Hamburg!; em Ferienlager: für die Führerschaften , des Bundes'. AEtwa 45 Führer-aus. 10 .Gruppen1 des Bundes nahmen am. Ferienlager "teil. Der Erholungsaufenthalt konnte 'zur-vVetiarbeitung der Hauptprobleme unserer Arbeit Wichtiges leisten. Das Lager stand unter-Leir tung von-Willy Wolf, Frankfurt,. Dr. K. Kahan, Fulda, Ad.- Köhn, Nürnberg und Abr. Wolf* Berlin.- -„v." Das Interesse der orthodoxen Oeffentliehkeit•.. an der Arbeit der Jugendkunde hat in.den letzten":.Jahren zugenommen/ Dies ■ist - vor allem der; Einrichtung der Hachsch'arah'-Zentren-durchdie Jugendbünde -zu- - zuschreiben-;:indem die Jugendkutidei hier; eins;-.wich- - tige wirtschaftliche - Funktionerfüllten^. Das, Wesen der,'a,gudistischen:Jugendarbeifriist aber, von hier. au,s t in der'Tat ^nicht'^zu erfassen, .>auteh wird^nso aufg«t- , faßt, der Sinn der Hachscharah nicht erkannt* Die . praktischen Institutionen---dienen vielmehr alle einem k 1 tcu T{.e LL^n >Z i eJ^ Dieses/ Ziel selber jersqh^öpft. sich aber durchaus nicht in der Heranbiläuflg tnora-. treuer4 Menschen im landläufigen Sinne des Wortes, sondern-'geht-darüb^ri hinaus. , .;?• Wie könnte es auch bei der Jugend der Agudas Jisroel anders sein! Das organisatorische. Grundprinzip der Agudas Jisroelbesagt,: daß Arbeit -nach innen noch bedeutsamer ist als Arbeit nach, außen, Arbeit - nach innen''bedeutet aber Erhaltung des; rfchoratrieuen.; Nachwuchses' und Vertiefang de? Tjüdischen; Person-- lichkeit, 'zwei-untrennbare . Aufgaben« JJinser.- Agudis- . mus; 'der 'uns 'auf 'Jidie Gescihlossenh.ejitii'deE;:jgr)Qß6n(l. "thofätreuen -Gemeinschaft-.' hinweist rüekt.» dasT Prop-fj lemvder V Vr t i e f uMg-id^r j ud-ir-s c h e n?*er,s,ö h-. 1 i e'bt&ei t in;den^Mittelpunkt der. Erzifchungsaufgäbe. ■ Somit''knüpfen nwir aaber -tan - die , besten .Traditionell" der deutschen -Orthodoxie.. an^iBereits--Rabbiner , HifsfcK Verwartete!!von der? Vertiefung der , Jüdischens Persönlichkeit die Erhaltung der Thora7 bereits Rabbiner Hirsch forderte und förderte::das Nachdenken über die innere Struktur der Thora." Er nannte diese geistige Arbeit im Vorwort zum 'Chaurew „Aggadah". Aggadah bedeutete für ihn nicht „nur Aggadah", sondern ©in Gebiet geistiger Arbeit, Idas uns ernsthaft verpflichtet, Wir greifen den 1JGedanken von der V e rpflichtung zur Agg ad ah auf und erkennen in ihm eine ewige Idee, die stets von den Großen der jüdischen Geschichte verwirklicnt wurde. Aggadah ist die Lehre von dem Gehalte''der Mizwaus und der grundlegenden Tatsachen der Thora. Persönlichkeiten von halachischem und aggadischem Wissen, Können und Streben, schweben Uns als Zielgestalten unsrer Arbeit vor. Wir sind Schüler von Rabbiner Hirsch, Wir wollen die Aggadah erforschen. Hier wird das Problem .der Methode akut. Denn Aggadah ist uns ein Gebiet ernster Arbeit. Wir treten mit Erwartungen, voraussetzungslos, an sie neran. Aber wie kann sie objekfiv erforscht werden? Als Quelle für Aggadah'dient Tenach und besonders die Thora selbst, und .dient die talmudische Aggadah/ Und das ,Wie? Wenn wirV.auf unserm;Kurs der Erörterung des Wie näher kamen,: dann , sind wir im Kerne unsrer Ar-; : ' •' ,"■ , beit fortgeschritten. Die~ agudistische Organisation gilt uns als Schutz vor "Verbrämung und als Förderer im Verständnis für die tiefe Einheit der Charedim. So will unser Kreis, eine Gemeinschaft Gleichstrebender;sein,' in der-jeder jeden erzieht und bildet, lassen sich doch Bilden und Erziehen nicht voneinander scheiden. Die kraftvollste und umfassendste. Wirkung hat aber die Gemeinschaft dort, wo; sie auch das Leben, - das wirtschaftliche Leben eiribegreift: auf der Hachscharah und dem- Kibbuz. Droht aber nicht von hier aus Beeinträchtigung der Geistigkeit, die nus unverrückbares Ziel'ist? Wird nicht die Härte des Berufes gerade das Aggadische verschwinden machen? Zum Teil ist es eine Frage der Erziehung, zum Teil eine Frage der wirtschaftspolitischen Möglichkeiten in kulturellem Interesse. Auf jeden Fall wird Hachscharah der Weg der Jugend sein, und gerade, wer zur Erhaltung des geistigen Wollens beitragen kann, hat in solcher Gemeinschaft starke Wirkungsmöglichkeit. Es galt also, auch die Frage des chaluzischen Berufes vom Mittelpunkt unsres Strebens aus zu erkennen und sich unter keinen Umständen mit dem Schlagwort zu begnügen. Wenn die Frage nach Sinn und Möglichkeit und Grenzen der bündischen Idee und Form für die agu^ distische Jugend erörtert wurde, wenn politische Entschlüsse der agudistischen Organisation diskutiert wurden, wenn die Eigengesetzlicihkeit der Halacha be^ handelt -worden ist, unsre kulturpolitische Haltung, unsre Pflicht den; Rückstrebenden gegenüber und vieles andre zur Debatte stand, so gab es stets einen Ausg an g s p u n k t ,-. eine Grundhaltung, eine Zielsetzung, unter.; deren Gesichtswinkel die Fragen des •Tages kritisiert wurden. Das Ziel ist ein Kreis von Menschen,;die nach charakterlicher und geistiger jüdischer Selbstvervollkommnung zu streben, bereit und -befähigt sind,; Die Frage kann immer nur lauten, Welche Schwierigkeiten und Möglichkeiten beim Erstreben unseres - Zieles ergeben .sich aus .der Gesamt-;betrachtung;:der Gegenwarislage;? Nie.kann nach,dem Ziel gefragt werden ^d^np, ,diefjagudistisch^ fugend, i$t _ ■sich ihces Zieles. , in Aqk.nüphmg an die^ ^^nj, Traditionen jüdischer, Qeistesgeschichte bewufll. _,»;. } ., , . K '. A w * i 'II*,'. ^7 T; KS - . L-^i^Wf.'t. : > <- 32. ,rr—: 1*6- \ .; V; \ ~ '''''' VS'chwräiz. '- :x I : Der Zionistenkongreß in LuzernV ..... ■ "'Luze-ru23. Aug.; Vor Beginn der ersten öffentlichen Plenarsitzung am Mi,ttwocii;Jvormittag wird belcannt, daß auf dringendes Ansuchen des A.-C. /Prof. Chajfrii' Weizm a nijt,sichbereit erklärt hat,"", als e r s t e r P r ä d e n fc^ die Kongreßyerhandlungen zu leiten. Ihm stehen als, Vizepräsidenten" zur Seite Reiß, K a p -' Lan.j8^i und Sprinzäk .ypjm Ärbeiterflügel, Dr. Mossinsohn von den Alt gemeinen Ziohisteh undein Vertreten der „Weltyereinigung". Misrachi hat vorers,^, eine Vertretung im Präsidiüm abgelehnt. | '1 , - j jAUgemeine Zionistengcuppe' (A) und Weltverbandgruppe' (B) operieren als zwei, getrennte; Faktoren,"" ■ •}■'; iU; da die erstrebte Vereinigung nicht zustande gekommen ist. 1 Es werden noch bekanntgegeben Begrüßungsschreiben des englischen Minister für die K o - 1 o n i e n Malcolm Macdonald, eine Grußbotschaft von Lloyd Georges, wie vom englischen Parlamentarischen Palästina-Komitee. Die Verhandlung beginnt mit dem politischen Referate Ben Gurions über das Thema „Probleme der Verwirklichung des Zionismus", Er gibt einen Ueberblick über die Lage der Juden in der Weltbund hält sich!besonders bei dem Judenproblem in Sowjetrußland auf. . Das Referat gipfelt in einer scharfen Verurteilung der Einwanderungspolitik der Mandatarmacht. Die Sicherheitsverhältnisse in Palästina seien jetzt so gut wie noch nie, was ein Verdienst des derzeitigen Hochkommissar sei, aber man Müsse von dieser . Stelle vor der Welt Klage erheben, daß England in diesen schweren Notjahren der Weltjudenheit" "durch Aufrichtung künstlicher Schranken die Möglichkeit zur Eniwanderung nach \ Palästina raubt. :• "'"'--•Es folgt das zweite politische Referat von Prof. Sl B-ro deti2?ki, in dem er alle. Maßnahmen der Exekutive schildert und das Verhältnis der Organisation zur Mandatarmacht klarlegt. Es 'gebe heute keinen Zweifel mehr in Bezug auf die. Möglichkeit der Verwirklichung der zionistischen Ziele. Alle wieder erwachten territorialistischen Bestrebungen außerhalb Palästinasdie an sich kleine Teillösungen bedeuten könnten,'dürfen uns-von Palästina, nicht ablenken. Man habe heute auch in englischen Kreisen eingesehen, daß das Palästinamandat nicht allein zur Regelung der Dinge in Palästina da sei, sondern auf die Lösung der Judenfrage insgesamt abzielen müsse. Redner bespricht die Einwanderungs- und die Bodenfrage,;.jdie bei weitem noch, nicht nach 'Maßgabe der jüdischen ' Not und , im Sinne' der jüdischen Förderungen, gelöst sind. .Ein" großes Ereignis bedeute die Erwerbung der H u 1 e h k b n z e s s i ornV Freilich hätte man vor 'acht oder 'zehn-. Jähren den Bodenkomplex für die Hälfte des heutigen Preises haben können. Der weiter •anhaltende Bodenhünger zwinge, auch nach Transjordanien auszuschauen. Die wirtschaftliche Gleichberechtigung Palästinas sei noch nicht vollkommen. Das Bürgerre cht der Juden in Palästina müsse unwiderruflich sein. Redner -präzisiert und begründet die'ablehnende Haltung des Zionismus zum geplanten Legislative Council, der heute, nach Läge der Dinge, eine Entrechtung des jüdischen Palästina bedeuten müßte. , Mittwoch nachmittag erfolgt die W a h L. des Präsidiums, die das obenstehende. Resultat ergab. Weizmanri gibt in seiner .Antrittsrede der .Hoffnung Ausdruck, daß" M'i s r a c hi den ihm im Präsidium bereitstehenden Platz Bald; einnehmenwerde. Darauf erklärte Rabbi Brod; daß: nach diesen versöhnenden Worten Misrachi hoffen dürfe; daß seine Forderungen Erfüllung; finden, sein Platz im Präsidium müsse aber vorerst unbesetzt bleiben. Nach einem Vortrag Kaplans über die Finanzlage dw Agency und die Arbeiter e-x e k ut i y ,e versammelt sich der Kongreß UM neun Uhr. abends zur-iT.r a.jie r- "f e i e r -für die seit -'dem.-letzten Kongresse heimge- 'g'angenen' führenden': Pera.önlichkeitenifi Jin ■eindrucksvoller'5 Gedenkrede»^eicRnete' Nachum S o;k.o 1 OjW das 'LeDenffdie7- Bedefctuäg -Und;udien.Verdienste [von ' Leo Mp^kih, Chacjim Nachman;<B i a I i k , Dr. SchmarjahüvfE e w i n'V'- Dr.1, -Vidtör , Jia;cörb.s o n , , Ji?;.K r e - -m e n'*t z,k;y und^zületzt Baron Edmohd de Rat hs'c h^'ld; ii;So;v^erS"chied«^n'* all. diese Männerin ihrer Art und ihren^Leistungen waren, so einte sie doch alle die Liebe zum jüdischen Volke und zu. Palästina Und der Wille, ihr Bestes ihrem. Volke und Erez Jisroel zu geben. In"' der1 Verhandlung von? Donnerstag vormittag gab Dr. A. R'u p.p in einenr Ueberblick; über ,25 Jahre ) ü dTs dh e r^^^'Kb l'oH i s ation .in Palästina. Seine ' Ausführungen decken sich . im> :Gänzen mit fi dem im Drucke vorliegenden Berichte^ dessen Zahlen wir an anderer Stelle wiedergeben. . Nach dem Referat Ruppins teilte, der Präsident mit, daß ein Antrag vorliege) in Palästina eine neue Kolonie auf den =Nämen von Miß .S z o l,d zu errichten. Diese Mitteilung gab Anlaß zu: einer Rauschenden Ovktibn für Miß Henrietta Szold.. ' : : ■ . iu!:f ii, " , ■; . (i .....