Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 35 (29.8.1935)
- Date
- 1935-08-29
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Nr. 35 Der Israelit 29. August 1935 Zwecke der Kontrolle jederzeit Einblick in die Bücher zu gewähren. 6. Die dem Reichsverband angeschlossenen Organisationen sind verpflichtet, pro Mitglied einen Verwaltungsbeitrag 'von monatlich RM. 0,03 (lt. Vorstandsbeschluß) an den Reichsverband zu leisten; sie sind berechtigt, um diesen Betrag ihren Mitgliedsbeitrag zu erhöhen. Um bei den Veranstaltungen des Reichsverbandes und der ihm angeschlossenen Organisationen den Charakter geschlossener Veranstaltungen zu wahren, werden alle ausübenden Künstlet1, die im Rahmen des Reichsverbandes zur gelegentlichen Mitwirkung oder Fesfverpflich tung herangezogen werden, ihre Anmeldung beim Reiehsverband vollziehen/. Diese"■■' Anmeldung verpflichtet den Reichsverband nicht zu En gagements, gibt aber die generelle .Berechtigung, in sämtlichen dem Reichsverband angeschlossenen Organisationen Engagements anzunehmen Üeber die Beitragspflicht wird von Fall zu Fall entschieden. Wir bitten, die Anmeldung bis zum 30. September zu vollziehen. (Siehe auch Korre spondenz auf Seite 6,) : Einlenken des Misrachi in Luzern. Luzern, 28. August. Die Verhandlungen zwischen Vertretern der Arbeiterfraktion und des Misrachi, der bekanntlich seine Vertretung im Präsidium und sein Mitwirken im Kongreß von der Erfüllung seiner religiösen Wünsche abhängig machte, zogen sich den ganzen Montag hin, Prof. W e i zm a n n nahm an den Verhandlungen teil und suchte nach Kräften zu vermitteln. Es wurde schließlich eine Einigung dahin erzielt, daß der Misrachi auf seine Forderungen nach Sanktionen verzichtete und sich mit einem Beschluß einverstanden erklärte, nach dem die Verletzung der religiösen Vorschriften und ä er Sabbatruhe in den von d e n nationalen Fonds gegründeten Kolonien als ein Bruch der zionistischen Disziplin anzusehen und zu behandeln sei. Es wurde ein Komitee aus je vier Vertretern des Misrachi und der Arbeiterpartei gegründet, dem die Ausarbeitung der endgültigen Formulierung des Abkommens obliegt. Freilich muß das Abkommen noch dem Plenum des Kongresses vorgelegt werden, dessen Genehmigung es bedarf. Das Abkommen soll nach der Entscheidung des Kongresses für den gesamten Jisc.huw in Pal äs tin a ver bindlich sein. ': '': Die Beratung der Abmachung im Kongreß hat sich dadurch verzögert, daß Misrachi nach träglich darauf bestand, daß in der Formulie rung auch der Zeitpunkt des Inkrafttretens der Abmachung festgelegt werde. So hatte am Dienstag Misrachi von der Einladung, sich im Präsidium und an der. Debatte zu beteiligen, noch keinen Gebrauch gemacht. In der weiteren Debatte wurden eingehend die Erez Israel-Fragen behandelt. Es wurde Kritik an der Identifizierung der Exekutive mit der Arbeiterpartei geübt. Von leitender Stelle wurden die Grundsätze der Zertifikateverteilung bekanntgegeben. Auch Budgetfragen kamen zur Verhandlung. Den Bericht über die Verhandlungen bis Dienstag finden die Leser im Korrespondenzenteil auf Seite 9 und 10." / Die Zahl der nichtarischen Aerzte in Berlin. B e r 1 i n , 27. August. Das „Aerzteblatt für. Berlin", Nr. 34, schreibt über die rassenmäßige Zusammensetzung der Berliner Aerzteschaft u. a. das Folgende: „Rassisch setzt sich die Berliner Aerzteschaft zurzeit aus 3868 61,8 Proz. Ariern und 2393 38,2 Proz, Nichtariern zusammen, Der Anteil der arischen Aerzte Berlins hat sich demnach von 58,8 auf 61,8 Proz. (in der Zeit vom 31. Juli 1934 bis 1. Juli 1935 — ITA.) erhöht., . während der Anteil der nichtarischen Aerzte von 41,2 auf 38,2 Proz. gesunken ist. In der Zahl der Nichtarier sind 98 Aerzte oder Aerztinnen mit jüdischer Bindung enthalten, während 377 Aerzte und Aerztinnen, die größtenteils neu hinzugezogen sind und den Nachweis ihrer arischen Abstammung noch nicht durch Urkunden belegt haben, zu den Ariern gerechnet werden ... Der Abgang der Nichtarier ergibt sich aus einem Abgang von 162 und einem Zugang von 56 Aerzten, Im Laufe der letzten -elf Monate sind also immer noch 56 jüdische Aerzte nach Berlin zugewandert, das sind 2,3 Proz. der in Berlin ansässigen jüdischen Aerzte. Es ist: dringend zu wünschen und zu hoffen, daß diesem im Interesse der Gesundheit der Berliner Bevölkerung durchaus unerwünschten Zuwanderungsdrang der nichtarischen Aerzte nach Berlin durch die Maßnahmen, die gemeinsam von Partei, Stadtverwaltung und Polizeipräsidium unternommen werden, ein Riegel vorgeschoben wird." In dem Artikel wird die Zahl der Kassenärzte am 30. Juni 1935 mit 3019 angegeben. Gegenüber dem Vorjahre ist eine Verminderung um 22 zu verzeichnen. Von den 3019 Kassenärzten waren zu aein angegebenen Zeitpunkt 1697 oder'56,21 Proz, Arier und 1322 oder 43,79 Proz. Nichtarier, während^ vor einem Jahre das Verhältnis7 der Arier zu den Nichtariern 53,95 Proz. zu 46,05 Proz. betrug. * Der Aufsatz fährt fort: „Hierbei ist beachtlich: 1. daß der Hundertsatz der jüdischen Kassenärzte, wie auch im Vorjahre, erheblich höher ist als der Hundertsatz der Nichtarier unter den Aerzten Berlins überhaupt (nämlich 42.79: 38,2 Proz.); 2. daß die Zahl der nichtarischen Kassenärzte sich zwar auch'vermindert hat; aber die Abnahme bei diesen beträgt nur 26 Proz. gegenüber der Zählung im Vorjahre, während die Zahl der gesamten jüdischen Aerzteschaft sich um glatte 3 Proz. vermindert hat. Dieses Mißverhältnis des Rückganges nichtarischer Kassenärzte gegenüber den nichtarischen Äferzten. insgesamt! ist im Interesse desjenigen Teiles der Berliner Bevölkerung, der bei den reichsgesetzlichen Krankenkassen versichert ist, ganz besonders zu bedauern." Die Bezeichnung „Deutscher Kaufmann et F r a n k f u r t a. M., 27. August Die „Frankfurter Zeitung" meldet, die Industrie- und Handelskammer für Süd-Hannover teile mit, daß die Bezeichnung „Deutscher Kaufmann" und die Anbringung eines entsprechenden Schildes zu begrüßen sei. Pie Bezeichnung dürfe selbstverständlich nur von solchen Gewerbetrei-, benoen verwendet werden, auf die sie nach ihrer Zweckbestimmung und nach einer Prüfung von zuständiger Seite zutreffe. Unzulässig sei dagegen die Verwendung der Bezeichnung „Christliches .Spezialgeschäft" oder einer ähnlichen durch einen-getauften nichtarischen Geschäftsinhaber, Dies ergebe sich schön aus den Richtlinien des Weiberates der deutschen Wirtschaft. Im Interesse der Käufer sei es erwünscht, der Aufforderung der zuständigen ParteMienststellen zur Kennzeichnung der Geschäfte Folge zu leisten, München, 26. August. Der (Münchener Beobachter", die •Munchenei- Stadtbeiiage des Völkischen. Beobachters, meldet in Nr. 238 vom 26. August, daß das Münchener Handwerk am Samstag aus freiem Entschluß damit begonnen hat, „än den Türen der Werkstätten und an den Schaufenstern seiner Geschäfte Schilder anzubringen, die die Aufschrift tragen: „Juden sind "hier unerwünscht!" Diese Aufschrift bezieht sich, wie anschließend betont wird,; sowohl auf jüdische Lieferer als auch auf jüdische Kunden. " Zusammenarbeit vonJuden und Arabern in Palästina. London, 23." August. Der erste Vizebürgermeister' von Jerusalem Daniel Auster, gab anläßlich eines kurzen Aufenthaltes in London der ITA, ein Interview,, in dem er sich auf Grund seiner Erfahrungen im Stadtrat von Jerusalem über das Problem des Zusammenlebens von Juden und Arabern in Palästina äußerte. Vizbürgermeister Auster ist infolge seiner Stellung, die ihn dauernd in Kontakt mit den arabischen Bevölkerungskreisen hält, wie kaum ein Zweiter berufen, dieses heikle und angesichtsr der Absichten der Regierung in¬ Bezug auf den Legislative Council besonders aktuelle Problem au behandeln, Trotz wenig optimistischer Beurteilung der augenblicklichen Lage erwartet Daniel Auster, daß eine befriedigende Lösung mit der Zeit herbeigeführt werden wird. Die Beziehungen zwischen Juden und Arabern in Palästina, erklärte Vizebürgermeister Auster, seien heute bedeutend schlechter als vor zehn Mahren. Weder auf gesellschaftlichem noch auf wirtschaftlichem Gebiet gäbe es irgendeine Zusammenarbeit zwischen den beiden Volksgemeinschaften, ein Zustand, der tief bedauert werden müsse. Andererseits herrsche im Stadtrat von Jerusalem, der aus 6 Arabern unter der Leitung des Bürgermeisters Dr. Chalidi und 6 Juden unter meiner Leitung zusammengesetzt ist, vollste harmonische Kooperation, was ganz der Ehrenhaftigkeit Dr. Chalidis und seinem Gefühl für Fairness zu verdanken sei. Als ein Beispiel für die konziliante Gesinnung der arabischen Stadträte, und insbesondere des Bürgermeisters, wurde von Vizebürgermeister Auster die Tatsache angeführt,'" daß der letzte große öffentliche Arbeitsauftrag der Jerusalemer Städtgemeinde an eine jüdische Arbeitergrupp« vergeben wurde, - obwohl ihr Angebot keineswegs das niedrigste war. Gegen den Abschluß dieses Arbeitskontraktes wurde von den Arabern kein Einwand erhoben, weil grundsätzlich vereinbart worden war, daß die Arbeiten der Stadtgemeinde paritätisch an jüdische und arabische Arbeiter vergeben werden sollen, sei es in der Art, daß je die Hälfte der Arbeiten Arabern bezw. Juden direkt zugewiesen, sei es, daß die Unternehmer jedes Mal Verpflichtet werden, jüdische und arabische Arbeitskräfte . paritätisch zu verwenden. Der Grundsatz wird.., stets bei der Vergebung sämtlicher öffentlichen Arbeiten1 zur Anwendung kommen, wenn auch die Frage'ööch nicht •;entschieden isti in!' welcher der erwähnten beiden Formen es;geschehen soll. Ein anderes Beispief für diesen Geist der Zusammenarbeitfin: der Jerc rusalemer Stadtverwaltung ist der Umstand,' daß die freien Beamtenstellen z um größten T eil mit Juden besetzt werden, damit die gegenwärtige zahlenmäßige Ungleichheit der Juden und Araber in der. Beamtenschaft; allmählich ausgeglichen werde. Das Beilnden von Oberrabb. Kuk J; e r ü/sa.le m, 26. August, r Das Befinden des seit längerer Zeit erkrankten; Oberrabbiners, Rabbi Jizchak Hakohen Kuk hat. sich Wiederum v e r s c h l i m m e r t. Das Rabbinat von Jerusalem ordnete die Abhaltung von Bittgebeten am Vorabend des Roschchaudesch, anr 28. August, an.