Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 35 (29.8.1935)
- Date
- 1935-08-29
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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jff5g*y^;3^4^^:iB^3ti3^1ft*J^ Ein Centraiorgan für das orthodoxe Judentum / Begründet von Dr. Lehmann in Mainz Frankfurt a. M. 29. August 1935 30. Ab 5695 Nummer 35 Die Anmeldungen bei dem Reichsverband der Jüdischen Kulturbünde in Deutschland. Berlin, 28. August. Der „Reichsverband der Jüdischen Kulturbünde in Deutschland" veröffentlicht nun die von Herrn Staatskommissar Hinkel im Einvernehmen mit der Geheimen Staatspolizei ausgearbeiteten Richtlinien für die Anmeldungen. I. Von dem Zusammenschluß im Reichsverband der Jüdischen Kulturbünde in Deutschland werden erfaßt: 1. Kulturbünde, 2. Theatervereine, 3. Gesangvereine; 4. Freie Chöre, 5. Orchstervereinigungen, 6. Kulturausschüsse, bei den Syna- Jogengemeinden und Künstlerhilfen (soweit diese durch künstlerische Veranstaltungen jeder- Art produktive Hilfe-für" notleidende Künstler, leisten oder überhaupt künstlerische Veranstaltungen durchführen.) 7. Vereine jeder Art, die laufend künstlerische Veranstaltungen durchführen. II. Dem Zusammenschluß im Reichs verband der Jüdischen Kulturbünde in Deutschland unterliegen nicht; <■ ä) Institutionen der Juden in D e u t s c h 1 a n d : Reichsvertretung der deutschen Juden und deren Einrichtungen, Zentralausschuß-der deutschen Juden für Hilfe und Aufbau und dessen EinrichtungenLandesverbände der jüdischen Gemeinden und deren Einrichtungen. Jüdische Gemeinden, unbeschadet der Ziffer 1/6, Rabbinerbildungsanstalten,1 Lehrhäuser und Volkshochschuln, Reichsausschuß der jüdischen Jugendverjbände und die ihm angeschlossenen Organisationen, Schulvereine. b) Weltans c h a u liehe O r g a n i s a t i o n e n : Centraiverein deutscher -Staatsbürger jüdischen Glaubens, Zionistische Vereinigung für Deutschland, Reichsbüttd jüdischer Frontsoldaten, Vereinigung für das religiös-liberale Judentum, Die Vereine zur Pflege des gesetzestreuen Judentums, c) F r au e rib ü nd e , deren hauptsächlicher. Zweck Zusammenschluß der jüdischen Frau und^ deren Erziehung zu jüdischem Gemeinschaftsbewüßtsein und zur sozialen Betätigung in der jüdischen Gemeisnehaft ist,-die aber ihre Veranstaltungen des öfteren mit künstlerischen Darbietungen umrahmen; -d) G r o ßloge U, O. B. B., Ferner: e) Synagogen- und Religionsvereme,' Standesof gani-* sationen, Sportvereine. Soziale Hilfsorganisationen. — Organisationen, die dem Zusammenschluß im Reichsverband nicht unterliegen, können gelegentlich eine weltanschauliche oder gesellige Veranstaltung durch künstlerische Beiträge umrahmen lassen. Für diesen Fall sind sie verpflichtet, dem Reichsverband 14 Tage vorher das Programm sowie den Terminder Veranstaltung anzumelden. Um den Charakter des Gelegentlichen zu wahren, entscheidet der Reichsverbahd über die Gnehmigung.- , . , III. 1. Die zu I aufgeführten Organisationen haben bis spätestens 15. September 4935 Anträge auf Aufnahme in den Reichsverband bei dessen Verwaltung, Berlin SW. 68, Charlottenstraße 9.0/92 zu stellen. — 2. Der Reichs verband entscheidet über die Aufnahme, — 3. Ueber die Anschlußpflicht und eventuelleAblehnung von Or^ ganisätionen entscheidet der Reichsverband im Einvernehmen mit dem Sonderbeauftragten. — 4. Die dem Reichsverband angeschlossenen Organisationen sind verpflichtet: a) die Richtlinien des Herrn Sonderbeauftragten korrekt durchzuführen. Dem .Reichsverband liegt die Beaufsichtigung hierüber ob. b) Bis zum 15. eines jeden Monats dem Reichsverband das nächstmonatliche Programm zur Genehmigung vorzulegen, c) Abänderungen \Aes Programms sind spätestens 8 Tage vor der ^Veranstaltung dem Reichsverband zur Genehmigung vorzulegen. — 5. Die dem Reichsverband angeschlossenen Organisationen sind verpflichtet, Monatsbezw. Jahresabrechnungen über, i den- Mitgliederstand einzureichen und einem Beauftragten des Reichsverbandes zum (Fortsetzung siehe Seite 2.) Aus dem Inhalt: Anmeldungen beim Reichsverband Juden und Araber in Palästina . . . Seite 2 Austrittsgemeinde in Warschau? . . Seite 3 Aschkenasisch oder Sephardisch? . . Seite 4 . Seite 5 . Seite 6 Der Zionistenkongreß in Luzern Seite 2, 7, 8 u. 9 Landeskonferenz der Z. A. J. in Litauen Seite 9 Seite 9 Palästinaberichte...... Seite 10 EINE VERPFLICHTUNG ZUR GANZHEIT. Von B. Cohen, --ppVs "I D» "Hfl D'»n „Ganz sei mit G'tt, deinem G'tte". (M. V, Kap. 18, 13.) Im Midrasch heißt es: Von der .Mitte des Monats Ab an, wenn die Sonnenkraft nachläßt und die Nächte länger werden, muß auch die nächtliche Beschäftigung mit der Thora, die im Hochsommer unterbrochen war, von Neuem beginnen, und .wer von da an „nicht zunimmt" in der Thora; der „schwindet hin" von dieser Welt. Und ferner: Jedes Haus, in welchem nachts Thoraworte gehört werden, wird nie zugrunde gehen, wie in Job gesagt ist: „Und nie mußte der, welcher Lieder in der Nacht erklingen läßt, fragen: Wo ist G'tt, mein Schöpfer?" Mit den „Liedern" aber sind die Klänge des Thorastudxums gemeint. :■ Wir wissen, daß sehr oft der Ausdruck „Nacht" in den Worten unserer Weisen ein Sinnbild für Zeiten der Not Israels ist, wie auch „Tag" für Zeiten des Glückes. Es ist schon'ein arger Undank, in Zeiten des Glückes die Thora zu vernachlässigen. Das lehrt uns R. Jonatan (Aboth 4, 9), Aber noch verwerflicher ist es, die Thora nicht in verstärktem Maße zu erforschen, wenn „die Nächte länger" werden, d. h. wenn die Sonnenstrahlen des Glückes verblassen und die Schatten der Not sich über uns breiten. Wer in solcher /Zeit nicht arii-Thoraliehe und Thorawissen zunimmt,, ist sicherlich auf dem Abwege. Wenn wir in solchen Zeitläuften geängstigt fragen, womit wir denn den Bestand der Familienhäuser sichern können, die wir stetig erbauen,, oder wenn es uns scheint als sei das große „Haus" der Institutionen der Judenheit eines Landes im Einstürze und wenn wir fragen, wo denn der allgütige Schöpfer bleibt, dem zu Ehren es errichtet wurde, — dann antwortet uns R. Jirmeja: das Haus, in welchem auch in nachtgleicher, unglückerfüllter Zeit die Thoraworte nicht verstummen, sondern wie Lieder des G'ttvertrauens weiter erklingen, — wird nie in Trümmer sinken. Die „Sonnenkraft" läßt heutzutage in vielen Ländern nach: Das Glück, die Prosperität, die Gleichachtung aller, der Friede, die schon scheinbar messianische Weltverbrüderung, — es ist alles überall im Abdämmern. Im stillen Kämmerlein des Juden wird wieder das Licht der Lehre früh entzündet, das für uns in unseren Häusern die Weltennacht schon in früheren Jahrhunderten erleuchtete. Auch damals sind jüdisches Glück gebrochen und jüdische Seelen geknickt worden, aber das Lied der Lehre ist nicht verstummt und ihre Häuser nicht verschwunden. Wie soll es heute werden? Soll alle Frucht des gar zu frühen Herbstes den Bünden/ Bewegungen und „Ismen" zugute kommen? Oder haben wir es aus Erlebnis und Prophetenwort inne, daß „Blüte dorrt, Pflanze welkt und G'ttes Wort allein ewig besteht?" Die Herbstschauer springen und eilen auf uns und reifen vorzeitig die Herzensblüte unserer (Fortsetzung siehe Seite 3.)