Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 34 (22.8.1935)
- Date
- 1935-08-22
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2450858-2450891--81495-2539392- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
22. August 1935 D e r I s r a e 1 i t Nr. 34 Seite 9 daß sie mit dieser Entwicklung durchaus einverstanden seien und die geschaffene Lösung als billig und gerecht anerkennen, Auch die kleine Minderheit, die immer noch unsinnigen Ehrgeiz auf getarnte Beteiligung am deutschen Kulturleben habe, würde bald einsehen lernen, daß ihr richtiger Platz im Rahmen der jüdischen Kulturverbände sei, wo man freilich auch für. internationale Elemente rein parasitären Charakters wenig Verständnis habe. Die Welt muß wissen, schloß Hans Hinkel, daß die deutsche Lösung des kulturellen Judenprbblems total und unveränderlich, naturgemäß und vorbildlich sei. Reichswirtschaftsminister Dr. Schacht gegen Einzelaktionen. ' Königsberg i. Pr., 19. Aug. Die Deutsche Ostmesse wurde in der Stadthalle feierlich eröffnet. Im Mittelpunkte der Feier stand eine Rede des Reichswirtschaftsministers Dr. S c h a c h t. in der er, nach Schilderung der geschichtlichen Aufgaben des Deutschen Reiches auf wirtschaftlichem Gebiete, nach dem Berichte des D. N. B., ungefähr sagte: „Von dieser geschichtlichen Aufgabe ist die gesamte Staatspolitik beherrscht; alle Zweige dieser Staatspolitik, zu denen in. erster Linie die Finanz- und Wirtschaftspolitik gehört, sind auf dieses eine Ziel ausgerichtet. Wer in diese Wirtschaft s- und Finanzpolitik! unbefugt' und störend eingreift, ist ein Schädling. Die Politik unseres Führers kann nur gelingen, wenn das Volk in einmütiger Geschlossenheit in einer einzigen Willenskonzentration sich dahinter stellt. Genau wie der Soldat in der Wehrmacht eine Pflicht tut, so muß jeder Volksgenosse auch in der Wirtschaft das Gefühl haben, daß er im Dienst des Ganzen steht. Der Wehrpflicht und dem Wehrwillen, entspricht die Wirtschaftspflicht und der Wirtschaftswille. Dr. Schacht warnte dann die 10 -Prozent der Unbelehrbaren, die bewußten Opponenten und Saboteure, an deren Adresse der Führer jüngst sehr deutliche Worte gerichtet habe. Er empfahl, nicht eigene Schritte zu unternehmen, und führte dazu aus: Für Geheimbünde, auch wenn sie harmlos sind, ist kein Platz im Dritten Reich. Die Pfarrer und Kapläne sollen Seelsorge treiben und keine Politik machen. Die Juden müssen sich damit, abfinden, daß ihr Einfluß bei uns ein für allemal vorbei ist. Wir wünschen unser Volk und unsere Kultur rein« und eigen zu erhalten, wie es die Juden seit dem Propheten Esra für ihr Volk als Forderung jederzeit aufgestellt haben. Aber .die Lösung aller dieser Aufgaben muß unter staatlicher -Führung geschehen und kann nicht ungeregelten Einzelaktionen überlassen bleiben, die eine schwere Beunruhigung der Wirtschaft bedeuten und die deshalb auch immer wieder von den staatlichen wie von den Parteiorganen verboten worden sind. Dr. Schacht fuhr dann fort: Da unsere Wirtschaft auf da» engste mit derjenigen des Auslandes verflochten ist, so kann es keinem von uns und besonders mir^nicht, als dem für die Inganghaltung der deutschen Wirtschaftsmaschinerie verantwortlichen Minister, gleichgültig sein, welche Folgen die erwähnten Störungen für uns im In- und Auslande haben. Es ist für die Führung unserer Wirtschaftspolitik unerläßlich, daß das Vertrauen in Deutschland als einen Rechtsstaat unerschüttert, bleibt. Niemand in Deutschland ist rechtlo«." Oesterreich. Vom. Gründungskongreß der Neuen zionistischen Organisation. Wien, 15. Aug. Nach den Mitteilungen des Kongreßbüros für den konstituierenden Kongreß der Neuen Zionistischen Organisation, der vom 7. bis 12. September im Wiener Konzerthaus tagen wird, werden an dem Kongreß 310 Delegierte und — ohne Berücksichtigung etwaiger weiterer Anmeldungen — etwa 3700 Gäste teilnehmen. Aus Polen kommen 100 Delegierte und 1000 Gäste, aus Ostgalizien 20 Delegierte- und 200 Gäste, aus Westgalizien 11 Delegierte und 100 Gäste, aus Rumänien 28 Delegierte und 200 Gäste, aus der Tschechoslovakei 15 Delegierte und 400 Gäste, aus Palästina 25 Delegierte und 300 Gäste. Die. restlichen Kongreßmandate wurden den einzelnen Ländern zugeteilt. - , Schweiz. Die jüdisch-arabischen Beziehungen vor der Mandatskommission« G e n f , 15. Aug. In dem jetzt veröffentlichten Protokoll der Frühjahrssession der Mandatkommission spielt die Frage der j ü d i s c h - a r a b i s c h e n Beziehungen und der illegalen Ei n w anderung vor allem aus Transjordanien und Syrien eine große Rolle. Die Mitglieder der Kommission zeigten sich höchst unzufrieden darüber, daß die jüdisch-arabischen Beziehungen keine Ansätze zur Besserung zeigten. Auch die Schweigsamkeit der Regierung in dieser Hinsicht wurde kritisiert. Hinsichtlich der illegalen Einwanderung erklärte der Vertreter der Mandatarmacht die• Behauptung, es hätten sich 35 000 Hauranier in Palästina angesiedelt, für übertrieben. Auch hinsichtlich der Frage der Ansiedlung von Juden in Transjordanien nahm die Regierung ihre bekannte ablehnende Haltung ein. Belgien. Die westeuropäische Agudas Jisroel-Konferenz in Antwerpen. Antwerpen, 19. Aug. Sie haben bereits in Ihrer letzten Ausgabe einen vorläufigen Bericht über die hier am Sonntag und Montag stattgehabte Konferenz der westeuropäischen Landesorganisationen der Agudas Jisroel veröffentlicht, so daß es nur noch gilt, einige Ergänzungen nachzutragen und den Wortlaut der gefaßten Beschlüsse wiederzugeben. An die Eröffnungsansprache des Vorsitzenden der belgischen Agudas Jisroel, Oberrabbiner Rettenberg,' die in einem ergreifenden Nachruf auf .Dr. Leo Deutschländer t ausklang, schlössen sich warme Begrüßungsworte des Präsidenten der Maohsike Hadaß-Gemeinde, S. Richter. Die Gemeinde freue sich, so führte er aus, die prominenten Führer der Agudas Jisroel in ihrer Mitte zu sehen und sie halte es für eine S'chio, daß die Beratungen in den Räumen der Gemeinde stattfinden. Der Bericht der Exekutive, den Jacob Ro Senheim erstattete, erörterte in ausführlicher Weise „die politische Lage der Agudas Jisroel in den Golusländern und in Erez Jisroel. Von politischen Fragen erörterte der Redner die Stellung der Agudas Jsroel zum Weltkongreß, den sie nach wie vor ablehnt, die Beziehungen zum Misrachi und zum Revisionismus, zum Legislative Council und die politische Stellung der Agudas Jisroel in Palästina überhaupt. Gegenüber dem revisionistischen Liebeswerben könne man nur sagen, daß Agudas Jisroel aus religiösen wie aus politischen Gründen die Zugehörigkeit zur neuen zionistischen Organisation für ebenso verboten erachte wie die zur alten, was nicht ausschließe, daß gegenüber der Linken im Einzelfall ein Zusammenwirken möglich sei. Hinsichtlich 'des Legislative Council werde Agudas. Jisroel die jüdische Einheitsfront wahren. In der Nachmittagssitzung, die unter dem Vorsitz des Herrn Oberrabbiner Dr. L e w e n s t e i n, Zürich stattfand, entwickelte sich eine lebhafte Debatte über den Bericht der Exekutive, in der eine Reihe wertvoller Vorsehläge. und Anregungen seitens der Delegierten gegeben wurde. .Folgende Resolution über die Bildung einer westeuropäischen Arbeitsgemeinschaft wurde gefaßt: * 1. Die Länder England, Holland, Schweiz, Belgien, Frankreich und Skandinavien bilden einen west- | europäischen Verband: ^a^aa wsuw nvnnon bv Tin'»"/ „Union of Agudath Jisroel of Western Europe". 2. Der Sitz dieses Verbandes ist London. Zum Leiter wird Herr Harry A. Goodman bestimmt. 3. Jedes der angeschlossenen Länder ernennt ein Exekutiv- Mitglied und dessen Vertreter. 4. Die Einzelsparten des Büros sind: a} Organisation und Propaganda"; b) Keren Hatorah und Chinnuch; c) Keren Hajischuw und Erez Jisroel; d) Chisuk Hadaß. 5. dem Büro wird ein Jugendamt angegliedert. 6. Für jede der einzelnen Sparten ernennt jedes der angeschlossenen Länder Mitarbeiter. 7. Das Büro ebenso wie die einzelnen Abteilungsleiter arbeiten im engsten Konnex mit dem G. A. resp. mit den einzelnen Ressorts der Weltagudo. 8. Das Budget wird in den ersten sechs Monaten durch die einzelnen Länder mit je Lst. 25.— gedeckt. 9. Die Konstituierung hat vorläufig für ein Jahr Gültigkeit. Alsdann tritt eine Konferenz der Länder des westeuropäischen Verbandes zusammen, die weitere Beschlüsse faßt." Am Abend fand auch eine Besprechung der Jugend statt, in der über die Aufgaben des neugegründeten Jugendamtes beraten wurde und in der folgender Beschluß gefaßt wurde: Die Vertreter der auf der Konferenz versammelten Jugend der westeuropäischen Länder schlagen die Schaffung eines Jugendamtes vor. Dieses' Jugendamt hat zwei Aufgabengebiete. a) Die organisatorischen Arbeiten und die ideologische Vertiefung der ihr angeschlossenen einzelnen agudistischen Jugendverbände zu überwachen und anzuregen. b) Den Chinuch der gesamten agudistischen Jugend in all seinen Zweigen entsprechend dem Programm der Weltaguda, einheitlich zu gestalten, d. h. ohne den Derech haohinuch in den einzelnen Ländern zu bestimmen, das Ziel des agudistischen Chinuch zu erreichen. Der Sitz des Jugendamtes wird nach Uebereinkunft der Jugendvertreter der Länder bestimmt. Ihm gehören fünf Mitglieder an, die am gleichen Ort wohnen müssen, und ferner entsendet jedes Land je einen Vertreter ins Jugendamt. Die einzelnen Länder schaffen in ihrem Land gleichfalls ein Jugendamt, dessen Leiter, Mitglieder der Exekutive des Jugendamtes sind. Die Jügendvertreter der einzelnen Länder Westeuropas treten einmal jährlich zu einer Konferenz zusammen. Einzelne Anregung für das Jugendamt gehen diesem direkt zur Bearbeitung zu. Das Jugendamt steht im engsten Konnex mit dem Büro der Arbeitsgemeinschaft der westeuropäischen Länder und dem G. A. Es* ist berechtigt, sich jeweils beratend mit ihm gegeignet erscheinenden Persönlichkeiten in einzelnen Fragen in Verbindung zu setzen. Jedes der angeschlossenen Länder zahlt für sechs Monate zunächst je einen Betrag von 1 Lst. per Monat. Die Ernennung des Leiters erfolgt durch die Leitungen der Jugendorganisation der einzelnen Länder. Sie bedarf der Zustimmung de« G. A, In der Montags-Sitzung die auch der Oeffentlichkeit zugänglich war, berichtete Herr Dr. Ehrmann über die neugebildete Arbeitsgemeinschaft und Herr Uli mann über das Jugendamt. Alsdann erfolgten Berichte der Delegierten der einzelnen Länder und es wurden eine Anzahl Begrüßungsschreiben verlesen. Ueber die 'Nachmittagssitzung mit den Referaten Oberrabbiner. Rottenbergs, Rabbiner Rabinowitz, Harry Goodman, Dr. Ehrmann und Dir. Rabinowitz, Jerusalem wurde bereits berichtet. Die ganze Konferenz zeigte den starken Willen aller Beteiligten, die agudistische Arbeit in den Ländern Westeuropas sowohl in geistiger, als auch in materieller Beziehung mit allen Kräften zu unterstützen und man schied mit der festen Ueberzeugung, daß die neugebildete Arbeitsgemeinschaft die auf sie gesetzten Hoffnungen nicht enttäuschen wird. Am Dienstag besuchten die Delegierten gemeinsam die Weltausstellung in Brüssel. Dienstag abend fand zum Abschluß in Antwerpen eine große öffentliche Versammlung statt. Der „Rubenspalais", einer der größten Säle Antwerpens, war — trotz der ungünstigen Ferienzeit — bis auf den letzten Platz gefüllt. Es sprachen die Herren Jacob Rosenheim, H. Goodman und Rabb, Schwab, Ichenhausen. Zuerst sprach Herr Goodman begeisternde Worte über die Ideologie und Aufgaben der Agudas Jisroel. Er führte aus: „Wir haben für alle Probleme nur eine Lösung, die Lösung der mv>- Jedes Beginnen ohne min ist von vornherein zum Scheitern verurteilt, "üi litt rmi &b '3 Q« Hierauf sprach Herr Rabb.