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Der Israelit · 1935-08-22 · Heft 34 (22.8.1935) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 34 (22.8.1935)
Date
1935-08-22
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
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Seite 10 Nr. 34 D I 8 ,t a. © ÜLk 22. August 1935 Schwab an die Jugend. Er sagte: Die Erscheinun gen der Assimilation und des Abfalls sind Alterser scheinungen des jüdischen Volkes. Agudas Jisroel ist die Verjüngung, die das Volk zurück zur mw und Judentum führt. Wir müssen uns bemühen, auf die entfremdeten Brüder durch Liebe und 3"n» zu wir ken, um sie heimzubringen. Asdann referierte Herr Jacob Rosenheim über „ A g udi s t i s c h e Zeitprobleme". Die Problematik unserer Aufgaben," führte der Redner aus, liegt in der zwei fachen Forderung, die in der Idee des "Di ton»» 9üv und des "Ol Tna av Tm angedeutet ist, il'pVs "i buenw vnv nrm "i drückt die Idee der unendlichen,. weltentrückten, reinen Geistigkeit aus. Wiis^» *7«5 Bß> *pia dagegen bringt das im Materiellen Wurzelnde, Zeitbe dingte und Weltnahe zum Ausdruck. Jede Aufgabe wäre leicht zu lösen, wenn sie nur einen der bei den Forderungen gerecht zu werden brauchte. Da wir aber unsere Aufgaben so lösen müssen, daß sie sowohl der Idee des 9üV als auch der Idee des XW 1113 entsprechen, so entsteht jedesmal eine scharfe, aber auch fruchtbare Spannung. In diesem Sinne besprach der Redner fast sämtliche agudistischen Zeitprobleme (Rabb. Autorität, Landsmannschaften, Individuum und Gemeinschaft, politische Vertretung, Erfolg und Idee, Gemeindebildung im heiligen Lande, Kulturproblem, Poalim) und zeigte die Wurzel ihrer Problematik auf. Die Ausführungen wurden von allen Zuhörern mit ungeheurem Interesse verfolgt. Mit begeistertem Applaus dankten die Zuhörer dem Referenten, Da es nicht möglich ist, im Rahmen eines Berichtes die Einzelheiten dieses hervorragenden geistvollen Referates wiederzugeben, so wäre es sehr zu begrüßen, wenn das Ganze in diesen Blättern veröffentlicht würde, S, 0. ' Polen. Die Misrachi-Weltkonferenz, Krakau, 16. Aug. In der Eröffnungsrede betonte Rabbi Meier Berlin, daß die Konferenz über die Kongreßfrage hinaus sich auch mit inneren Problemen der Misrachibewegung zu beschäftigen hätte. Im Gegensätze zu allen übrigen zionistischen Parteien, die auf ephemeren Ideen aufgebaut sind, verfolge der Misrachi ewige Ziele, die im Boden von Thora und Mizwaus verankert sind. Rabbi A mi e 1, Antwerpen erkennt die Fortschritte seit* der letzten Konferenz an, muß aber zugeben, daß Erez Israel im geistigen Sinne nicht stärker, sondern sogar schwächer geworden ist. Er bedauert die Strömungen innerhalb des Misrachi, Die Konferenz in Krakau habe darüber zu wachen, daß <äer in Krakau geschaffene Schulchan Aruch in Luzern nicht beseitigt werde. Rabbi Neufeld, Warschau stellt es als Tragödie ohnegleichen hin, daß wir in Erez Jisroel vor unseren eigenen Söhnen als Bettler stehen müssen, um uns den Sabbat und die jüdischen Heiligtümer zu erbetteln. Am zweiten Verhandlungstag wurde im Anschluß an die Referate die Generaldebatte eröffnet, die teilweise stürmischen Verlauf nahm, Dem Permanenzausschuß gehören Vertreter sämtlicher Richtungen im Misrachi an; er wird von Rabb. Dr. Nurok geleitet. Rabbi Fischmann referierte über eine Statutenänderung des Misrachi-Weltverbandes, H. Farbstein über die Probleme des Zionistenkongresses. Ueber religiöse Alijah und die Einordnung religiöser Olim in Erez Jisroel referierte Rabbi Jizchok Nissenbaum. Es folgt ein Referat von Rabb. Nurok über die Lage der Juden in der Gola und der jüdische Weltkongreß. Nachdem aus dem Europäischen Minderheitskongreß die jüdischen Delegierten ausgetreten sind, hält Nurok die Schaffung,des Jüdischen Weltkongresses und die Beteiligung des Misrachi an ihm für unabweislich notwendig. Dieser solle sich ausschließlich mit Rechtsschutz und Wirtschaftsfragen befassen und alle religiösen Probleme außer Spiel lassen. Er behauptet, daß an dem „in Rußland in früheren Zeiten abgehaltenen jüdischen Kongressen" alle Thoragrößen des Ostens feilgenommen hat-, ten. Der Misrachi werde auf dem: Zionistenkongreß die Einberufung des Jüdischen Kongresses kategorisch fordern, in dem er die einzig angemessene Vertre tung, den einzig möglichen Rettungsanker sieht. Im weiteren Verlauf der Generaldebatte wurden die T h o r a W e a w o d a - B e w e g u n g und der Misrachi H a w a t i k behandelt. Es wurde scharfe Kritik an der zionistischen Organisation geübt, die Die WochC- Hannover, Der bekannte Oberkantor ' Alter in Hannover ist von der Jüdischen Gemeinde von Johannisburg (Südafrika) verpflichtet worden und wird Hannover bereits im Laufe dieses Monats verlasseh. Genf, Die in Chamby sur Montreux abgehaltene Konferenz der Weltvereinigung für internationale Freundschaft durch die Kirchen hat in eine Resolution erklärt, daß sie eich aufs Neue zu ihrer Aufgabe, mit'aller Kraft die rassischen, sprachlichen und religiösen Minderheiten zu schützen, bekenne. Von den Regierungen und vom Völkerbund wird die Verallgemeinerung der Minderheitenschutzverträge gefordert und die von der norwegischen Regierung in der Auswandererfrage ergriffene Initiative begrüßt. Am- . sterdamr Vom 9. bis 13. September findet in Amsterdam eine Weftkonferenz statt, auf der die Frage der Durchführung der J ü - *g en d a Ii j ah neben Deutschland auch in anderen Ländern, insbesondere Polen, erörtert werden wird. Das Hauptreferat hierüber wird Miß S z o 1 d als Vertreterin Palästinas halten. Warschau, Das hauptsächlich von Juden bewohnte Städtchen Sztszerzew: ist fast völlig abgebrannt, 105 Häuser, darunter 90 jüdische, wurden vernichtet. Fast 300 jüdische Familien blieben ohne Obdach- Der Schaden wird auf mehr als eine Million Zloty geschätzt, — Am 18. August fand auf dem Warschauer jüdischen Friedhof die feierliche Entnahme von Erde von den Heldengräbern der' jüdischen Freiheitskämpfer Polens zwecks Ueberführung auf den P i 1 s u d s k i - G r a bhügel in Krakau statt. Krakau. Am vergangenen Sonntag und Montag fand in Krakau eine Zusammenkunft des polnischen Brith Trumpeldor statt, die mit der Ueberbringung von Erde aus dem Grabe Joseph Trumpeldor s in Palästina für den Grabhügel des Marschalls P i 1 - sudski in Sowiniee verbunden war. Wilha. Dem Vorstand der Wilnaer jüdischen Gemeinde erstattete Dr. Diamant als Ex- perte einen Bericht über die Erhaltung der historischen Grabmäler auf dem alten Wilnaer Judenfriedhof, in dem er eine Reihe von Konservierungsmethoden vorschlägt und gleichzeitig darauf hinweist, daß die Mausoleen des Wilnaer Gaons und anderer berühmter Rabbiner durch fortschreitende Zerstörung arg gefährdet sind. Rom. Prof. Umberto Cassuto, der Inhaber der Lehrkanzel für hebräische Sprache an der Universität Rom, hat ein aus dem 15. Jahrhundert stammendes bisher unbekanntes Bildnis von Maimonides entdeckt. Das bekannteste bisherige Maimonides-Bild wurde in dem 1774 erschienenen „Thesaurus Antiquitatum Sacrarüm" reproduziert. Das jetzt aufgefundene Porträt ist farbig und stellt Maimonides in orientalischer' Tracht dar. — Am 15. August, dem' 50. Jahrzeitstag von Moses Montefiore fand in Leghorn bei Livorno, wo Montefiore geboren wurde, eine G e denkfeier statt, verbunden mit der Enthüllung einer Gedenktafel am Geburtshause, Jerusalem, An der Nordgrenze Palästinas wurden 50 Juden, in der Mehrzahl Frauen Und Kitt- ' der, als „illegale Einwanderer" verhaftet und ins Gefängnis von Haifa verbracht. ihr dem Misrachi gegebenes Wort nicht ' gehalten hätte. Aber auch die Misrachileitung selbst mußte scharfen Tadel über sich ergehen lassen. Sie wurde von Rabb. B r o d t der Untätigkeit und der Leistungsunfähigkeit_beschuldigt. Sie erschöpfe sich in der Polemik mit dem Misrachi Hawatik. Man wolle sich weder mit den Linksgruppen noch mit Rechtsradikalen auf Wohl und Wehe verbinden. Vom Misrachi Hawatik müsse man unbedingte Disziplin fordern. Schärfer geht Rabbi A m i e 1 mit dem Misrachi .Hawatik zu Gericht, der die Herrschaft der- Thora auf die zionistische Organisation übertrage, Rabbi Ostrowski gibt endlich die Erklärung - ab, daß ■ der Misrachi Hawatik bereit sei, sich in allen "Fragen der Mehrheitsdisziplin zu unterwerfen und keine selbständigen politischen - Aktionen zu unternehmen. Auch wolle der Misrachi Hawatik sein Möglichstes tun[ die Gruppen in Deutschland und^ Holland dem- Misrachi- Weltverband wieder zuzuführen. .. : Ein Vorschlag der „Initiativgruppe", der Misrachi möge sich der Neuen Zionistischen Organisation ansehließen,findet keinen Anklang. Die,, Permanenzkommission stellt in einem Beschluß fest, daß die Zugehörigkeit zum Misrachi nicht zum Kauf des Schekel und zur Mitarbeit an den zionistischen Fonds verpflichte. v Krakau, 18, Aug, Die soeben in Krakau abgehaltene Misrachi-Weltkonferenz hat eine Reihe politischer Beschlüsse gefaßt, in denen u, a. der Zionistenkongreß u l t i m ativ aufgefordert wird, die religiösen Forderungen des- Misrachi zu erfüllen und ihm einen entsprechenden Anteil an Einwanderung und- Ansiedlung zu. sichern. In einer der allgemeinen Resolutionen bringt der Misrachi seine entschiedene Gegnerschaft zur Schaffung eines Kulturfonds der Zionistischen Organisation zum Ausdruck. Es wird verlangt, daß die Einwanderung von Rabbinen zweck®VStärkung des religiösen Einflusses in Erez Israel ermöglicht werde. Die Palästina-Regierung wird . aufgefordert, W a 11 - fahrten von Juden nach Palästina anläßlich der jüdischen Feiertage , ebenso zu ermöglichen,, wie dies bei Wallfährten von Angehörigen anderer Bekenntnisse geschieht. In der vorletzten Sitzung der Konferenz hielt H. Färb stein ein ausführliches Referat über die Haltung des Misrachi auf dem XIX, Zionistenkongreß in Luzern, Er erklärte, die zionistische Exekutive verweigere dem Misrachi die Gleichberechtigung auf dem Gebiete der Einwanderung und der Kolonisation und zeige kein Verständnis für religiöse Forderungen, Trotzdem gehe der Misrachi zum Kongreß, aber mit den Losungen: Kampf für religiöse Forderungen, für politische, wirtschaftliche und kulturelle Mitarbeit, Farbstein s. c h i 1 d,e r t e die religiös e Lage in P a 1 ä s t in a , d i e sich i n er- M ei - nung nach während der letzten zwei Jahre.verschlechtert hat. Er forderte .die Beteiligung der Juden an der Palästihapolizei gemäß ihrer vollen Stärke. Er sprach sich , gegen die Präsidentenschaft Dr, Weizmanns aus, weil dieser niemals Verständnis für das religiöse Judentum gezeigt habe. . : Krakau, 15. August, In der Schlußsitzung der Krakauer Misrachi-Weltkonferenz wurde die Neuwahl der Leitung-durchgeführt. Der neuen Exekutive gehören an: Rabbi Gold, Dr, Feldmann, Prof. Pick, Rabbi-Neufeld,. Mosche Schapiro und A. M, Genachowski. Rabbi B e;r 1 i n , Fischmann und F a rb s t ei ri scheiden aus der Leitung aus. Ein Sitz in der Exekutive wurde für den Merkas Arzi in Erez Israel reserviert. Ferner wurde der Waad Haroschi (Zentralrat) gewählt, an dessen Spitze Rabbi "Fishman steht. Die Konferenz beschloß die Bildung eines Merkas Olami für Kultur- und Erziehungsfragen in Palästina und in den Galuthländern sowie die Schaffung einer Zentrale für den Keren Erez Israel unter Leitung von Rabbi Fishman. In der Frage des zionistischen Schekels wurde' kein -Beschluß; gefaßt,- sondern die endgültige Stellungnahme der Exekutive überlassen; doch wurde aus den Statuten; der Passus entfernt, in dem jedes Misrachi-Mitglied zum Kauf des Schekels verpflichtet wird. Hierzu gab Rabbi Ostrowski namens des Misrachi Hawatik die Erklärung ab, daß dieser keine Mitglieder aufnehmen werde, die nicht Schekelzahler sind.

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