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Der Israelit · 1935-08-22 · Heft 34 (22.8.1935) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 34 (22.8.1935)
Date
1935-08-22
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Nr. 34 Der I s r' a e 1 i. t 22. August 1935 gelegenheit Offenheit und Gradheit herrschen und die leidige — Taktik ausgeschaltet wird. Ihr mannhaft klarer Artikel diente der Gradheit und Offenheit. Er hätte eine weniger-taktische Ant-' wort verdient." Wir nehmen die Frage des Herrn Dr. Breuer auf: Warum bleibt das Oberrabbi - nat auf halbem Wege stehen? Die Erklärung des Oberrabbinats besagt ganz nebenher, man würde sich gefreut haben, etwaige, w e i - t e.r gehende — also über die rabbinischen Räte hinausgehende — agudistische Forderungen zu unterstützen. Das kann heute noch geschehen. Möge das Oberrabbinat sich vor allem dazu aufschwingen, das Lebensrecht der bestehenden orthodo x e n G e m e in den, wie es sich geziemt, anzuerkennen, 4as Recht des Austrittes und der Neubildung orthodoxer Gemeinden wenigstens fürden Fall der Not — öV ~fof> nö Snn K1? 'D — gesetzlich verankern zu lassen (Vorschlag der Rabbi Chajim Oser Grodzenski nahestehenden Zeitschrift „Das Wort" in Wilna) und alsdann dafür sorgen, daß, von den Steuerfeldern der Allgemeinheit wenigstens, kein Groschen dem systematisierten Abfall vom G'ttesgesetz zugute kommt. Dann — aber auch nur dann — würden sich Mittel und Wege finden, um einheitliche Bothe Diniin — im Sinne etwa der vorjährigen Regierungsvorschläge — zu schaffen, die wenig stens in allen nichf von vornherein prinzipiell strittigen Fragen eine einheitliche Spruch praxis sichern, soweit nicht eine volle Einheit im Sinne der Breuer'schen Vorschlage möglich ist. Wochenrundschau. Unberechtigte Kritik. Vor etwa fünf Wochen konnten wir unseren Lesern Mitteilung von der Gründung eines ,,K omitees für den relig i ö sen Aufbau Palästinas" machen, das im engsten Anschluß an den Keren hajischuw der Agudas Jisro'el das Werk dieses Fonds materiell fördern will, und dem außer Agudisten auch führende Persönlichkeiten aus den Kreisen des „Centralvereins" und des ,;Reichsbundes jüdischer »Frontsoldaten" angehören. Wir hatten damals der Hoffnung Ausdruck verliehen, daß jenseits aller parteipolitischen Interessen auch einsichtigere zionistische Kreise sich freuen würden, wenn durch das neue Komitee um so reichlichere Mittel in den Dienst der Mizwas Jischuw Erez Isroel gestellt würden. Diese Hoffnung hat sich nicht ganz verwirklicht. Das gelbe Misrachi-Organ läßt unter einer geistreich sein sollender ironischen Ueberschrift einen Artikel gegen das Komitee vom Stapel, der aubh inhaltlich jeden Ernst vermissen läßt, vielmehr in billiger Dialektik den angeblichen < Widerspruch herauszustreichen versucht, der in der allgemein ablehnenden Haltung der ,,Agudas Isroel" gegen organisierte Zusammen-, arbeit mit andersgesinnten Körperschaften, selbst dem Misrachi, liegt und der Bereitschaft, Person Mehrzahl in die dritte Person Mehrzahl übergeht. Es hätte ja heißen müssen: Ist es nicht Haschern, gegen den wir gesündigt haben und in dessen Wegen wir nicht gehen und dessen Thora wir nicht, hören wollten. Stattdessen heißt es plötzlich: in dessen Wegen sie nicht gehen wollten und dessen Thora s i e flicht hörten. Weil nun das Kind durch die Art und Weise, wie es den Satz vortrug, auf diesen tiefsten Sinn der jesa'janischen Zurechtweisung Hinwies, erklärte Rabbi Jehöschua: „Dieses Kind ist heute schon ein asiin min* d. h. ein „Wegweiser" für das jüdische Volk und es muß ihm eine große Zukunft als wahrhafter Wegweiserbevorstehen. Wochenkalender. Vom 25. Ab — 2. Öul 5695 Von. 24. — 31. August 1935 '»!' 1]1 .24 25 'ra N33 Samstag Sonntag 25 26 a Montag 26 27 sn Dienstag 21 28 3» Mittwoch Aug. 28 3S 29 a» Donnerstag 29 30 T» Freitag 30 b-bx 1 nn Samstag 31 2 itt vinn t>3">3» rim Maulcd: Donnerstag vorm. 10 Uhr 12'/2 Min i \vp nsa av •fypmi »in s?ri*t 's vrm vtm 'a t^ttSP •hier die Hilfe liberal gesinnter Männer für den v.Keren hajischuw" zu akzeptieren. Der Widerspruch existiert jedoch nur in;der parteipolitisch, gebundenen Phantasie des misrachistischen Kritikers. .. . i Niemals würde sich der „Kjeren hajischuw" dazu hergeben, in seine Verwaltung auch nur einen einzigen K'OfTian nil? ^nO' geschweige denn einen weltanschaulich überzeugt liberalen Vorkämpfer aufzunehmen oder, ihm den gering sten religiösen Einfluß. auf die praktische Aufbauarbeit zu gestatten.. ,., ,,. Ein solcher Einfluß ist von den Männern, die aus Centraiverein und RjF. das Werk des Keren hajischuw fördern wollen, auch niemals angestrebt oder gar verlangt worden. Es handelt sich hier n i c h t um Männer vom Schlage der Rabbiner der Berliner Reformgemeinde (wie ,,Misrachi" fälschlich unterstellt), nicht um militante Vorkämpfer der liberalen oder nationalen Assimilation, sondern um: solche Kreise, die — was auch ihre durch Erziehung und Milieu bestimmte religiöse Einstellung sein möge — den aufrichtigen Wunsch hegen, daß" «tuf dem Boden Erez Isroels auf alle Fälle das-alte, orthodoxe Judentum, wie es „Agudas Isroel" eindeutig vertritt, die Grundlage der Entwicklung sein solle, und die prinzipiell den religionslosen politischen Nationalismus für das Judentum ablehnen. Niemals ist von agudistischer Seite in den Verhandlungen der geringste Zweifel darüber gelassen worden, daß alle Gelder an den „Keren hajischuw" abgeführt und von ndiesem strikte und ausschließlich im Sinne der. von; den rabbinischen Autoritäten der Agudas Isroel vorgezeic brieten Zwecke verwendet werden. Wer das grundsätzlich nicht will, kann nicht mittun. Hatten die Zionisten, einschließlich des ,,Misrachi", sich in diesem Geiste jemals bereit gefunden, ihre Kraft und ihr Geld ohne alle parteimäßigen Eigenw ün sehe in den r Dienst eines thoragemäßen Aufbaues zu stellen,1 so würde die Orthodoxie keinen Anlaß 'gehabt haben, in das ungeheure, Kraft verzehrende Ringen mit den zerstörenden Elementen, die beute das Palästina-Werk beherrschen, einzutreten. Aber zu solcher Toleranz sind eben naturgemäß weder Zionistjen, noch Misrachisten, sondern nur diejenigen Kreise befähigt, die dem Aufbau Erez Isroels im wesentlichen ein rein m e n s c h 11 c hjüdisches und individuell religiöses Interesse zuwenden, und denen weder die nationale, noch die individuelle Emanzipation von Glaubenslehre und Lebensgesetz des Judentums ein ihre ganze Seele e r f ü 11 e n d e s , sich propagandistisch auswri r k eri des Prinzip geworden ist. „Agudas Isroel" weiß also sehr genau, warum sie ein so konstruiertes „Komitee für den religiösen Aufbau Palästinas" als religiös völlig einwandfrei und ungefährlich, eine Verwischung ihrer Prinzipien aber durch Liebäugeln mit misrachistischen Gedankengängen als ein gefahrvolles Narkotikum ihrer Jugend betrachtet. In einem Punkte muß allerdings ein tat-; sächlicher Irrtum berichtigt' werderi, der durch1 die.: Veröffentlichung des*- ,,Schild" unbeabsichtigter Weise hervorgerufen wurde. Das Abkommen des Keren hajischuw" mit Gentraiverein und RjF. sieht keineswegs vor, daß die'Mitglieder dieser Körperschaften aus dem Kontingent der „ Ag u d as Is r o e 1" mit Zertifikaten versorgt werden. Vielmehr können a gud i s t i s c h e Zertifikate nach wie vor natürlich nur Agudisten oder junge Leuter die Agudisten w e r d e n .erlangen; und /die, sowohl hinsichtlich ihrer ganzen r e 1 i g i Ösen L e b e n s f ü h r u n g , als auch des mindestens is l n jäh r igen' J e s c h i w-a - B e s u c h e s vor der Hachsc.har a den allgemeinen Bedingungen des „N o a r A.g u d a t i" entsprechen. M i t Re c h t hat der „Schild" indessen darauf hinweisen zu sollen geglaubt, daß — wie der Erfolg der agudistischen Bemühungen bei der palästinensischen Regierung in der Zertifikatfrage beweist die Jewish Agency, als Treu- .händerin des; g a nz. e n jüdischen Volkes in Alir jah - Angelegenheiten? keineswegs d;a s R e c h t hat, d i e T o r e E r e z I s r o e Ls für Nie h t - Z i o n i sten zu sperre n.- : Es Kann niemand, unmoralischer Weise gezwungen werden^ Zionist zu -werden oder auf ein Zertifikat zu verzichten. .;;;{: . Ceterum censeo: Der „Misrachi" ist wahrnaftig der letzte, der das Recht'hätte, der „"Agudas Isroel" religiöse, Strafpredigten zu halten und;ihre Führer der. „ u n;w ü r d i g e n V. e t - brüderung mit den assimilatorischen Feinden des Aufbaus" zu zeihen. Hier ist weder „Unwürdiges" geschehen, noch hat eine weltanschauliche Verbrüderung . stattgefunden, noch sind die Leute von RjF. und Centraiverein„Feinde; des Aufbaus". Erst die Geschichte wird dereinst das Urteil sprechen über die historische Schuld, die der „Misrachi" durch seine Trennung von dem Gesamtkörper der thoratreueh Nation und durch seine Assimilation an den religionslosen Nationalismus auf sich geladen, Es ist nur der Fluch dieser nun schon historisch gewordenen bösen Tat des „Misrachi", daß sie,, fortzeugend Böses gebärend, die Orthodoxie . zur * ewigen Zerspaltenheit und zur gegenseitigen Ehrenkränkung und Herabsetzung ihrer Gruppen vor dem gemeinsamen Gegner verurteilt. Dessen ist das gelbe Zionsheft wieder einmal .ein beredter Zeuge. •; ■ [iV;i[ ' Misrachi und der jüdische Kongreß, In der.Krakauer Weltkonferenz' des M is.ra.chi - V e r b a n d e s , die dem, Zionistenkongreß vorausging, ■wurde auf den Wunschzettel, den Misrachi in Luzern vorzulegen hat, auch die E i n b e r ü f u n g d e s j ü d i!ä c h e n W e 11- K o n g r e s s e s gesetzt. Vertreter und leidenschaftlicher Wortführer der Idee ^des jüdischen Kongresses war Rabb, N irr o k-, der damit die ^einzig gegebene Stelle geschaffen sehen möchte, die mit der ihr gegebenen moralischen Kraft alle Gäluthangelegenheiten zu behandeln und zu liquidieren legitimiert wäre." Die; Bedenken der religiösen Kreise gegen den Kongreß sucht der R-edner mit dem Hinweis auf den „in Rußland 1917 abgehaltenen Jüdischen Kongreß*' zii zerstreuen, auf dem alle jüdischen Parteien und Richtungen, neben dem Chofez Chajim und Rabbi Chajim Oser Grodzenski auch Vertreter areligiöser Gruppen, teilgenommen hätten. Unsere Meinung über die Zweckmäßigkeit des Welt-Kongresses in der geplanten Form haben wir oft genug ausgesprochen und die neueren Tätbestände haben unsere Argumente nicht widerlegt, sondern im Gegenteil so über.aus erhärtet, daß dem wiederholt Gesagten wenig zuzufügen ist. . Allein die historische Wahrhaftigkeit gebietet eine Richtigstellung, die den Lokkungen Nuroks den Boden entzieht. Nie hat in Rußland' ein jüdischer Welt-Kongreß stattgefunden,'." weder mit noch ohne.-Einwilligung der genannten Rabbinen^ und orthodoxen Vertreter. Wohl trifft es zu, daß nach der großen

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