Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 34 (22.8.1935)
- Date
- 1935-08-22
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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öeite 2 JNr. 34 D I s ] i r erkennung des Thoragesetzes als Grundlage'alles jüdischen Gememschaftswesens keinen anderen Standpunkt ein, wie der Zionismus. Diesallein genügt schon, um dem orthodoxen Juden" die Zugehörigkeit zu ihr und ihre Anerkennung unmöglich zu machen. Jeder Agudist, der der Neuen zionistischen Organisation beitritt, schließt sich damit von selbst aus der Agudas Jisroel aus, denn er handelt damit im Gegensatz zu ihren Hauptgrundlagen, die die Grundlagen des Judentums überhaupt sind.. Für religiöse Juden existiert nur eine Organisation, deren Ziel es ist, alle Fragen des jüdischen Volkslebens im Geiste unserer Emuno und auf den Grundlagen der Thorä und ihrer Mizwos zu lösen und dies ist die unabhängige agudistische Weltorganisation, die von den größten Tnoraautoritäten der vorigen.', Geheration gegründet wurde und an deren Spitze die größten Geäunim und Menschen unserer Zeit stehen. Zu dieser Organisation muß jeder religöse Jude gehören, er darf sich nicht verführen lassen durch lärmende Propaganda, gehe sie vom alten oder vom neuen Zionismus aus, denn beide stellen dieselbe weltliche nationalistische Bewegung dar ohne Anerkennung des Primates der Thora im jüdischen Gemeinschaftsleben. 22. August 1935 Um den Legislative Council für Palästina, Ein alarmierender „Times"-Artikel. L o n d o n , 16, August. „Times" veröffentlicht einen bemerkenswerten Artikel ihres Jerusalemer Korrespondenten, aus dem hervorgeht, daß die Frage des Legislative Council während der derzeitigen Urlaubsreise des High Commdssioner nach London zur Lösung gebracht werden soll. Der Verfasser erklärt, die Regierung werde den Legislative Council ohne Verzug und ungeachtet jeder Opposition' oder jeden .Boykotts verwirklichen! Während die Abneigung der Juden gegen das Projekt stärker sei als jemals zuvor, hätten sich die arabischen Führer jetzt damit abgefunden. Eines der Motive hierfür ist,, daß nach Ansicht der Mandatarmacht die Kompetenzen des Legislative Council nunmehr nicht begrenzt werden, sondern sich sogar auf Fragen wie die Festsetzung der jüdischen Einwanderungsquote oder den Boden verkauf an Juden erstrecken soll. Uebrig geblieben sei nur eine vage Bestimmung, daß Gesetze, die „mit dem Mandat in Widerspruch stehen" nicht bestätigt werden würden. Der „Times"-Kbrrespondent weist nachdrücklich auf die höchst ungünstigen Erfahrungen hin, die man mit den gesetzgebenden Körperschaften in Cypem, Aegypten und Syrien gemacht hat und erklärt, es bestehe wenig Aussicht, daß demokratische- Einrichtungen im nahen Osten ruhig würden arbeiten können. Der Council werde nur den a g g r e s s i v e n a r a b i s c h e n Nationalismus in ganz Palästina un d' im O s-t en, steigern. All dies, heißt es in dem Artikel weiter, sei vermutlich von der Mandatarmacht gebührend erwogen w.erderi;< das wiederholte Versprechen jedoch, Selbstverwaltung in steigendem Maß zu gewähren,' die Notwendigkeit, vorhandene Unzufriedenheit;! womöglich zu beseitigen, und der T r i u mp h d e r;H offnung übe r< die Erfahr un.g. würden wohl als ausreichender Grund erachtet, das Experimentzu rechtfertigen. D i e Jude;n wqII enden Council .bo.ykötti e'&e'n; -:- Kein Jude werde die Wahl anstreben und:ies sei .unwahrscheinlich, daß;,selbslj :die; gemäßigsten unter; .den jüdischen Führern eine Kandidatur für den Council annehmen; werden. Wenn auch die judenheit Palästinas soiist keineswegs einig sei, i n d i e s e r:F rage sei sie nur einer Meinung. Werde der Council somit ihrem Status an¬ Konzeption eines jene Konzeption» Arabern und Regierungsbeamteiti' bestehen, so müßten die Aufgaben d u r c h k r e u z tr werden, zu denen die englische Verwaltung v e r p f 1 i c .fite t ist. Der Artikel schließt wie folgt: ,: Die unmittelbare F o Lg e d er Ei nsetzung einer ver m u 11 ich feindseligen Legislative müßte der Zusammenbruch des nach der unheilvollen P eriod e v o n 10 3 0 .a 11 m ä h1 i c h geschaffenen Ver traue.ns.'un d v e r m u t- 11 e;h * d i 6" Z u r ü c k z iefoun g d e r g r..o ß e n Darlehen und Anlagen sein, die d u r c h dieses' V er tr au en m ö gli c h w u r d e n. Es sei nicht schwer, der Argumentation von jüdischer Seite zu folgen, daß die Schaffung eines solchen Legislative Council eine direkte Verletzung des M;a n d ats ist. Die Juden, heißt es in dem Artikel zum Schluß, haben nichts gegen eine parlamentarische Regierung an sich; sie sind jedoch der Ansicht, daß ein Councilin der?Art, wie er jetzt beabsichtigt ist, ihrens Status in Palästina von . all dem entkleiden würde,1 was ihn von derwärts unterscheidet. Die „Jüdischen Nätionalheim.«", die Hie Weltjudenheit zu ihren ^gewaltigen Anstrengungen veranlaßt hat, der Glaube, daß es wenigstens einen ei nzigen Ort in der Welt gibt, wo die- Juden nicht auf den Status einer, hilflosen Minderheit herafegedrückt werden können und wo sie die Last der Beherrschung von. aüßfeh ' und* meines ■ Minderwertigkeitskomplexes nicht tragen müssen, diese Konzeption wird z u - n i c h t e g e' rfl acht, sobald jedes sie betreffende Gesetz und jede Verwaltungsmaßnahme ihnen gegenüber von dem Willen einer feind-; seligen ' Mehrheit bestimmt Werden. Aber auch bei. dieser Sachlage kann die Einsetzung eines Legislative Council nicht lange hinausgeschoben werden; tnan behauptet, daß den jüdischen Beschwerden leicht Genüge getan werden kann. Vorausgesetzt, daß für den Council eine Form gefunden wird, d i e d i e Ane^kennungund;den Schutz der besonderen Art des jüdischen Status.'in Palästina '%Xp.- -mö glicht, indem - z. B;.: gewisse. Fragen von der Behandlung durch' ihn ausgeschlossen ^erden oder, noch' bessjer, 1 mdcija:;4<ei^e':'A^t; a;i» ib is c n; i j ü djiJglrÜhjeVhilh Gfjeflc h g e w i c#tsi oder eine1 Gleichberechtigung iestgese'tzt wird, üier die jüdischen Interessen und Bemühungen in; Pa-r Jästina genau entspricht,. wird .die, Jüdische C fegnerschaft gegen den Cöuncilplan schließlich mogausschließlich aus I licherweise zum Teil verschwinden. Rabbiner W. Jacobson Leiter des Keren Hathora. . .»» .;---? u n > . Wien,..22. August. An Stelle' des heimgegangenen!'Dr. Deutseh" länder, V'XT' wurde zunächst Rabbineij nWolf S ' -", i! ..j{ff -i P;'■ '; ,i ' »/»viü •! v -.I'-. U. ^--—. U'';n d J a c o b s o n , Kopenhagen mit der Leitung Geschäfte der fceren - HathorarWeltzentrale de&'/Beth Jaakäiuto-Schurnetzes ibetraut. . Eröffnung Luzern, August/ ':• yrfie ^u erwarten, wari dW Andrang zu der Eröffnungssitzung anr Dienstag abend;ungeheuer stark, 'Ganze Straßenviertel standen, im! Zeichen derün& u ■v ) jit -1-, W. i; W V Iii _ an .zahlreichen anderdrjl jriausejin der Umgebung weht die blauweiße ^zionistische-Flagge.; Ein großes Polizeiaufgebot hafte Mühe, den Verkehr; es Zionisiienkonöresses in Luzern. - ' ' ■ -° ■ ■ ■ f ,• .;i. . i ■_ ii| tfl&S: /Kongresses. Am, ijKongreßigebäude wie llJ jreytllriausekri M der UmgerJ| in den Zugangsstraßen ' zumv Kongfceßhause, in das schon Stunden vorher die Menschen stürmten, zu ordnen. Punkt 8 Uhr "abends eröffnete Nachum S o k o 1 o w. den Kongreß mit einer Ansprache, in der er unter Vermeidung der sonst üblichen hohen Worte einen ziemlich nüchternen Ueberblick über; die Leistungen seit dem letzten Kongreß gibt und ein. weiteres Bekenntnis zu Palästina ablegt. .;r ,; Die Reihe der Begrüßungen eröffnet Qin Vertreter der englisch e n Ge s an d t sc h a f t,, ihm folgen der Bürgermeister vön'Tel Äwiw-, M. D i z e n g off, Vertreter des Jüdischen. Gemeinde b und es der Schweiz und der Gemeinde L u z e r n , der Schwe i z e r Regierung und.der Stadt Luzern usw. Mit größter Spannung wird eine; Ansprache des- Völierbundskommissars für Ausw a n de rerfürsorge, James G, M ac d o - n a 1 d , angehört. Er dankt den zionistischen Zentralstellen für ihre Mitarbeit besonders zur Änsiedlung deutscher Juden in Palästina. „Alle sollten wir den Dank an G'tt in unser tägliches Gebet einschließen, daß er uns Palästina gegeben, hat, das in einer Zeit,- da , sich alle/Länder absperren, etwa 30.000 Juden aus: Deutschland aufgenommen hat und den anderen Hunderttausenden eine Hoffnung gibt." Er hat anerkennende: Worte für die Umstellung der deutschen Juden. zirr produktiven, körperlichen Arbeit in Palästina. Eine Gesamtlösung iür das Problem der deutschen Juden könne aber Palästina-nicht sein, somußte er sich auch noch nach anderen Ansiedlungsmöglichkeitenin überseeischen Ländern umsehen. Die Männer der englischen Regierung in. London und in Jerusalem ständen voller Sympathie dem jüdischen Problem gegenüber. Macdonald teilt mit, d a ß er r sein' Amt nun - m e h r w i e der dem V ö lk e rbund e in e H a n d 1 e g e , hoffe aber, vorher noch dasgroße Aufbauwerk in Palästina mit eigenen Augen zu sehen. Stürmischer Beifall folgt den Worten des Engländers-, dessen ehrliche Freundschaft zum jüdischen Volke undr zu Palästina aus jedem Worte sprach. Nach den Begrüßungen ergreift Nachum S okolow noch einmal das Wort zu seinem Referate über „Die Lage des jüdischen Volkes und der Zionismus". 'Er stellt fest, daß durch die neuesten Entwicklungen die Existenzgrundlage er Juden überall mehr denn je erschüttert seit trotzdem wolle sich der Zionistenkong-tfeß .mit den politischen Angelegenheiten der ^verschiedenen Völker wie mit den Fragen der internationalen Politik nicht befassen. Es gehe hier um. die Judenheit aler Galuthländer. r Der;aui Paästina eingestellte Zionismus ' ubersehe Bnifcht lie dringende Notwendigkeit,- der ' jüdischen Gleichberechtig um g ■■, in; -dfer Diaspora. Als guter Staatsbürger seines Landes könne 'der Jude, stolz auf seine Rasse, epst recht am Aufau des Heimatlandes in- Palästina mitarbeiten. Sokolow -bespricht die grenzenlose -'^m^tleEielle Not in P o 1 e n,.,.,,die aber die dortig^Hti|«liäen icht abhie.il;', Hervorragendes für die Alijälis;und '"H'if 't> t'Ä' 3 ■'•"il J **l ■ i t» tf <U±v n ' xr den l'alastinaauipau zu leisten, Jrala^trfja,: sei Jieut^;;für! P^ed)'däs^.wasrfnü-lier ^Amerika' 4ur die Ostländer .war. Unzählige Familien in Poljen lebten heute von der Unterstützung, die %sie: r-yon, ihren Kindern und Verwandten aus' Palästin'a erhalten. Den radikalen Stürmern müsse entgegengehalten werden, daß man die Hoffnunden nicht überspannen dürfe; sondern das Ziel auf dem Wege planmäßiger Entwicklung, mit kluger Mäßigung " undSelbstbeschränkung, v zu •. erreichen; suchen!"- Bei Besprechungder politischen Läget m^P.olfen gedenkt. Sokolow;imit ehrenden Wor^eijj. des,.j^ldma^schajl|s,.P^i 1 s Uid, ki.,-Aug^all., deril rändern der Not sei! die-Aussonderung Hach PaH lästitä, seh^größ." Trostd\äer ^Gl'Wtrmachjj biete das schon? jetzt von Zjo^r ausgehende- )bed scheidene Licht und - weiterer Trost lcönne aus dem Stadium der, jüdischen Geschichte geschöpft werden. . " - 7 -. -■ W wfc. tri,' AHMUW n>imiff'«,f »