Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 33 (15.8.1935)
- Date
- 1935-08-15
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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- Beirut 1× ep/1047833
- Herat 1× ep/1047496
- Safed 1× ep/1046078
- Tiberias 1× ep/1048138
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Seite 10 Nr.. 33 -D e r.j, I s r a e 1 i t JL 15. August 1935 spräche eines Mitgliedes wurde mit Spott beantwor tet. Die Sabbatentweiher, die sich in der freigeistigen Kolonie auf einen solchen Zwischenfall nicht gefaßt machten, reagierten auf die „Störung" mit Beschimp fungen. und Beleidigungen. Die aus den anderen Tei len der Kolonie hinzukommenden Menschen verur teilten in ihrer Mehrheit das Vorgehen der Sabbat Schänder, kamen aber .den Demonstranten nicht zur Hilfe. Immerhin muß es als Novum verzeichnet werden, daß auch in der Kolonie Rechowoth sich Stimmen für den Sabbat, und für die'Emunah erheben daß Rufe "wie „Techi Agudas Jisroel!", „Hoch der Sabbat, hoch die Thora!" gehört worden sind, die ihren Eindruck auch auf die „Neutralen" nicht ver fehlten. Die vom Misrachi bei den Kongreßwahlen erreichten Resultate wirken nicht. sehr erhebend. In Petach Tikwah hat Misrachi nur 52 Stimmen zu verzeichnen, in Safed 2 und in Tiberias gar keine Stimme. Nach diesen „Erfolgen" besonders in Petach Tikwah, das 16.000 jüdische Seelen ^zählt, dürfte es dem Misrachi nicht leicht fallen, sich auf dem'-Kon gresse als Vertreter des thoratreuen Palästina zu legi timieren. Am letzten Donnerstag besuchten Rabbi Mosclje Blau und'Rabbi Mosche Glückmann - Po r u s c K das Einwanderungsamt der Regierung in Jaffa, um,in Sachen der Rabbinerzertifikate, über die der Behörde ein Memorandum der Agudas Jisroel zugegangen ist, zu intervenieren- Bei dieser Gelegenheit wurde die ganze Zertifikatenfrage und die Frage der Beteiligung der Agudas Jisroel an der jeweiligen Schedule aufgerollt. M. G. P. Ein Verband der Kibbuzim der Poale Agudas Jisroel. Jerusalem, 29. Juli. Entsprechend der in der Konferenz von Gedera gegebenen Anregung fand eine. Sitzung des vorbereitenden Ausschusses zur Gründung eines Verbandes der Kibbuzim der Poale Agudas Jisroel statt. Es beteiligten sich die Herren Jeidel und Oppenheimer aus Gedera, Hillel Brockenthal aus Kfar Saba, J. A. Ardienst aus Machane Jisroel, Traube aus Raanana, Seida aus Pardes Channa und Benjamin Münz. Der neu geschaffene Verband soll folgende Aufgaben haben; a) Gegenseitige Hilfe und Anleitung der Kibbuzim. b) Propaganda in den Hachscharastätten des Auslandes und unter den neuen Einwanderern für den Kibbuz-Gedanken. cj Vertretung der Kibbuzim- Interessen gegenüber dem Keren Hajischuw und der Zentrale der Poale Agudas Jisroel. d) Auswahl geeigneten Menschenmaterials für die Kibbuzim und seine Verteilung auf sie. ' e) Gründung neuer Kibbuzim im Lande. Am 27. Tammus fand dann die endgültige Grün-' dung des Verbandes statt. Es wird den Namen, führen: „His.tadruth Poale Agudas Jisroel . b'Erez Jisroel Chewer Kibbuzim". Die ganze Arbeit wird durch ein Sekretariat geführt werden, das aus je einem Vertreter der Kibbuzim und Münz besteht. Die Zentrale ist in Gedera bei der Chawufath Chofez Chajim. Es soll ein monatliches Bulletin herausgegeben werden. . .. Syrien. Maßnahmen in Syrien gegen das japanische Dumping, Beirut, 9. August. In den Verhandlungen über einen Handelsvertrag zwischen Syrien und Japan hat der Oberkommissar von "Syrien gefordert, daß die Handelsbeziehungen zwischen den beiden Ländern auf der .Grundlage der Kompensation aufgebaut werden. Falls Japan diese Bedingung nicht annimmt, sollen auf japanische Waren die höchsten Einführzölle erhoben werden. Die Industriellen von Syrien und Libanon verlangen ein vollständiges Einfuhrverbot für die den Markt überschwemmenden japanischen Waren. Die Forderungen des syrischen Oberkommissars sind im Hinblick auf die ähnlich gelagerten Verhältnisse im benachbarten Palästina von besonderem Interesse. Afghanistan. Die Lage der Juden! in Afghanistan. Bombay, 8. August, Der afghanische Konsul in Bombay, A. Rahman tritt in einer dem ITA-Vertreter üb ergebenen Erklä rung den in letzter Zeit verbreiteten Meldungen über eine Zurücksetzung der Juden in Afghanistan entgegen. Alle afghanischen Untertanen ohne Unterschied des Glaubens, Hindus, Siks, Iranier oder Juden würden völlig gleich behandelt.; An der Ausübung ihrer Religion würden sie in keiner Weise gehindert. Sie hätten vollkommene Gewissens- und Gebetsfreiheit im Lande herrsche allgemeine Duldsamkeit. Die Regierung bekümmere sich nur um die Staatsange hörigkeit der Einwohner, Juden, die afghanische Staatsangehörige sind, erfreuen sich derselben Rechte wie mohammedanische Afghanen. Wenn auch. Afgha nistan verfassungsmäßig ein mohammedanisches Land ist, seien alle Untertanen gleichberechtigt und es gäbe keine religiöse Intoleranz. Die wirtschaftliche Lag? der jüdischen Bevölkerung sei im allgemeinen günstig Die Regierung ,wisse den Anteil der Juden an der wirtschaftlichen Entwicklungi des Landes zu schätzen. Afghanistan würde unter dem etwaigen Verlust sei ner jüdischen Bürger schwer zu leiden haben. -Es gäbe reiche jüdische . Kaufleute, die Grundbesitz und Häuser haben; in Herat stehensolche unmittelbar neben Moscheen* ohne daß es zu Störungen kommt. Nur russische Flüchtlinge .seien Beschränkungen in Bezug auf Dauer und Ort des Aufenthaltes unterworfen, (ITA.) Vermischtes. Frankfurt a. M., 14. Aug.. Aus H a n a u^ wird der „Frankf, Ztg." berichtet: Der Bürgermeister der rund 7000 Einwohner zählenden großen Landgemeinde Langenselbold (Landkreis Hanau) gibt im dortigen Lokalblatt folgende Anordnung bekannt: ,*Auf Grund der von dem Gemeinderat in Langenselbold gestellten und einstimmig vertretenen Anträge bezüglich der berechtigten Abwehr gegen das anmaßende Verhalten der Juden im Deutschen Reiche sehe:, ich mich veranlaßt, zur Vermeidung von Störungen der öffentlichen Ordnung und Sicherheit folgende. Anordnungen zu treffen: In Zukunft wird den Juden der Zu zu g i n unsere G e meinde untersagt. Ebenso ist den Juden der Neuerwerb von Haus- und Grü n dbesitz innerhalb der Gemeinde zu verweigern. Zur Benutzung der Gemeindewage und des Zuchtviehstalles können Juden nicht mehr zugelassen werden. Gleichfalls werden Juden von der Teilnahme an Verpachtungen gemeindeeigener Grundstücke rund Hölzvers leigerung en Im Gemeindewald ausgeschlossen. Ferner können die Gemeindebackhäuser Juden nicht mehr zur'Verfügung gestellt werden. Wer von der deutschen. Bevölkerung (einschl. der im Haushalt lebenden Familienangehörigen) mit Juden geschäftlich oder privat Verbindungen unterhält, wird von der Vergebung gemeindlicher Aufträge für die Zukunft ausgeschlossen. Gleichgültig ist es, ob die betreffende Person bei Juden kauft oder Aufträge erteilt'"oder aber Aufträge von Juden zur Ausführung bringt oder Verkäufe an dieselben tätigt. Bauern, die mit Juden Geschäfte abschließen "oder sonstige Beziehungen unterhalten, werden ebenfalls von der Benutzung » der Gemeindewage, des Zuchtviehstalles, von Lieferurigen an die Gemeinde oder Fuhrleistüngen usw. ausge-' schlössen, ebenso von Verpachtungen und Holzversteigerungen. Diejenigen Unterstützungsempfängeri^die mit Juden irgendwie in Verbindung stehen oder treen, verlieren de« Anspruch auf Unterstützung durch die Gemeinde." ■ ' ■ Frankfurt a. M., IL . Aug. Die „Frankfurter ^Zeitung" berichtet: Vor der dritten Kämmer des Arbeitsgerichtes Frankfurt wurde über, die Klage verhandelt, die ein M u s i k e r d e s Frankfurter S e nders der Deutschen Reichsrundfunkgee I is c h a f t angestrengt hatte. Ihm war Mitte Mai mit Wirkung zu Ende September g e k ü n d i g t worden, weil er mit einer Jüdin verheiratet ist; Er yer.r angte. den Widerruf der Kündigung und machte geltend, daß für Frontkämpfer im Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums Ausnahmen ^zugelassen worden seien., . Die RundfunkgeseHschait seieine private Gesellschaft, wenn ihrev Geschäftsanteile auch samtlich im Besitze des Reiches seien, und; sie . dürfe nicht mit strengerem Maße messen als die 'Reierung bei den Beamten, . Die Beklagte hob demgegenüber hervor, essei;, besondere. Aufgabe des, Rundfunks; die Aufklärung in der Rassenfrage, und da könne der Rundfunkgesell- ' schäft unmöglich zugemutet werden, selbst] :Mifar^bei- *er zu beschäftigen, die mit nichtarischen Fraüeh' verheiratet seien und so bewiesen hätten;, daß sie es an rassischem ^Bewußtsein: fehlenließen. Daher könne die Beklagte auch nitfht auf die Eigenschaft des Klägers als Frontkämpfer Rücksicht nehmen. - Den Bemühungen des Vorsitzenden gelang ein Vergleich, wonach der Kläger eine Abfindung von RM, 2600.— erhält und das Dienstverhältnis mit Ende Juli als beendigt gilt« \ :;,;,, Frankfurt a. M., 12. Äug. Die, hessischen Schulbehörden sind' auf. einen Erlaß des ■Reichserziehungsministers hingewiesen worden, in dem es u. a. heißt: „Ich habe Anlaß, nachdrücklich darauf hinzuweisen, daß die Hauptaufgabe auch des Schulü^terrichteis; die Erziehung zu nationalsozialistischer Weltanschauung und Staatsgesinnung, durch Rücksicht auf Angehörige anderer Anschauungen niemals'gehemmt werden darf. Wieweit etwa Nichtärier von Fall zu Fall von einzelnen Unterrichtsstunden; und - Schulfeiern befreit werden sollen, überlasse ich dem pflichtmäßigen Ermessen der Schulleiter." ' Berlin* 10. Aug. Anläßlich der Jahrzeit von Räbb. Dr.- Meier H i l d es heim e r .V"»^ veranstalteten das Dozentenkollegium und. das Kuratorium des R a b b iner seminars eine Gedenkfeier im Auditorium I des Seminars. Der Rektor der. Anstalt, Rabb. Dr. J. Weinberg, eröffnete die Reihe der; D»"WBn, indem er den zahlreich . anwesenden Hörern r und Freunden des;:Seminars für. ihr Erscheinen dankte.; Er.,erblicke darin einen leb endigen; 'Beweis: für die; Popularität des Verblichehen; Die ni'nB von Dr. M.- Hildesheimer — 'führte .'er, aus sei von symbolischer "Bedeutung.. - -ivpV«ri^nbWtw p'j?ni nh?n n!?m Durch die Zerstörung des tt?*rp»»n n>a . wurde der jüdischen Gesamtheit wie' dem einzelnen-:die Möglich-.> keit 'genommen, die Stätte weiter aufzusuchen, an der Ti'öst un<J Sühn«, für ihr lsiderfülltes Schicksal gefunden hatten. Auch für uns gilt eis nun, Abschied zu nehmen von einem Stück Vergangenheit deutschjüdischer Geschichte, die der Verstorbene in hervorragender Weise repräsentierte. —: Redher schloß mit; dem Wunsch, die Erinnerung an diese durch tiefes; G'ttvertrauen und grenzenlosen Optimismus ausgezeichnete Persönlichkeit möge jedem von uns" die Kraft verleihen, die Last des Schicksals leichter zu ertragen. — Nach ihm schilderte Dr. Emil Hirsch in warmen Worten das innige Verhältnis > des Heimgegangenen zum Kuratorium, vor allem seine Charaktergröße, die ihn im andern immer den Fraund, im Gegner nur den gleichstrebehderi Helfer erkennen ließ. Im Anschluß an die. Worte .03">D3tfi> 'fjmn Dmaji t^Mn '"»a« oaV . stellte er dar, wie Meier Hildesheimer der auserlesene Führer seines Volkes war, vor allem dadurch, daß er mit scharfem Urteilsvermögen große Menschenkenntnis und Menschenliebe verband. — Plastisch erstand vor den Augen der Hörer das Bild des Twa> als Rabb. Dr. Arthur L e v i das Wort ergriff, um in großangelegtem, tiefempfundenem nson noch einmal die ganze Größe des Lehrers und Freundes ins Gedächtnis zurückzurufen. An Hand der Erklärung einer ■w» zeigte er, wie das Wirken einer großen Persönlichkeit nicht verstanden werden kann aus der Summe einiger Einzelheiten,; aus der Betrachtung einzelner besonderer Leistungen, sondern nur aus einem Begreifen der Gesamttätigkeit und dem Erfassen der Gesamthaltung und -Tendenz des Wirkenden. Man kann Meier Hildesheimer nicht gerecht werden, wenn man nur. seine unermeßlichen Leistungen fürs Seminar kennt, ihn nicht verstehen, wenn man. nur sein -freundschaftliches Verhältnis, zur Gemeinde, aus der er ausgetreten war, beurteilt; man muß ihn als Vater und Freund, als Ratgeber und Helfer, in allen Situationen kennengelernt haben, um „die Geschlossenheit seines Charakters, die Reinheit und Uneigennützigkeit seiner Handlungsweise zu würdigen. — Ergänzt wurde das Bild durch den Nachruf, den Dr. S a 1 o m o n o - w i c z dem tiböI im Namen . seiner nnarii der Höf er des Seminars, widmete. Tief ergriffen zeichnete er in kurzen Umrissen die unerreichbare. Ss-rer r-nns' die aus jedem Wort und jeder Tat des dahingegangenen Freundes —- denn das war seine wahre Beziehung zu jedem einzelnen Seminaristen 'sprach, die der einzige Maßstab . seines ganzen Tuns gewesen ist; durch, die er zum unvergeßlichen Vorbild für das Seminar tind zum Leitstern all dererigeworderi ist* die verstanden-haben, worum es den a^aan - gegangen -ist,; wenn sie über die Frage gestritten haben iR-^vu YiaVn Vni rwyra, um zu dem Ergebnis zu gelangen Vvtt ninVn xwta- 'tV wxav- -. y ' \ Herrenalb, 9. Aug. Wie uns mitgeteilt wird, ist in Herre.nalb kein Schild angebracht, wonach Juden unerwünscht wären. •'-•'.;.' .-,'-'.;; '■ Rom, 12; Aug. Der bei dem Flugzeugunglück in der. Nähevon Kairo zusammen mit" dem italienischen Arbeitsminister Razza umgekommene Baron R ä i - m o n d o - F f a nchet t=i, ein berühmter italienischer Forscher und besonderer Fachmann in äbpssinischen Fragen, war J u d e und mit den: Rothschilds verwandt. Er war ein Sohn des 'Komponisten:Baron Alberto Franchetti, dessen Mutter Baronin Louise. Roth Schild^ war. Franchetti hat: seinerzeit die .von ihm auf einer/ seiner gefährlichen Förs^huiigsreiseh;;-aufgefündenen. sterblichen Ueberfeste desitalienischen Forschers Kapitän Giuletti nach Erythräa gebracht.