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Der Israelit · 1935-08-15 · Heft 33 (15.8.1935) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 33 (15.8.1935)
Date
1935-08-15
Page
– (sequence 9)
Language
German
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15. August 1935 Der Israelit Nr. 33 Seite 9 Die Konferenz trägt keinen politischen Charakter und will sich .vor allem mit den schwierigen wirtschaftlichen Problemen der polnischen Judenheit und der Möglichkeit, der unter den Juden Polens herrschenden Not abzuhelfen, befassen. Es werden auch Fragen der in Westeuropa lebenden und ausgewanderten polnischen Juden erörtert werden. Ferner wird «ich die Konferenz mit dem Plan der Bildung eines Weltverbandes der polnisch-jüdischen Landsmannschaften in den verschiedenen Ländern befassen. Palästina. Für eine Neuregelung der palästinensischägyptischen Handelsbeziehungen, Jerusalem, 6. August. Es wird mitgeteilt, daß die Palästina-Regierung sich offiziell an die ägyptische Regierung zu dem Zwecke der Herstellung einer gerechteren Basis für den Austausch von Industrieartikeln zwischen den beiden Ländern gewandt hat. Die Palästina-Regierung hat die ägyptische Regierung darauf aufmerksam gemacht, daß gewisse ägyptische Einfuhrvorschriften sich für Palästina schädlich auswirken, und verlangt, daß die ägyptische Regierung sich an der Festlegung eines Schlüssels zur Sicherung eines gerechten Vrehältnisses im palästinensisch-ägyptischen Warenaustausch beteilige. (ITA,} Niederlassung persischer Marranen in Palästina. Jerusalem, 8. August. In letzter Zeit begegnet man in Jerusalem häufig Einwanderern eines neuen Typs, persischen Juden, die in ihrer Heimat Mesched, der Hauptstadt von Chorqsan, jahrzehntelang als Scheinmohammedaner leben mußten. Vor hundert Jahren waren die Vorfahren dieser Juden unter Androhung des Todes zur Annahme des Islam gezwungen worden. Der größte Teil der Uebergetretenen blieb jedoch dem angestammten Glauben und den althergebrachten jüdischn Lebensformen im Geheimen treu. In Mesched leben heute noch etwa 500 Familien solcher Krypto- Juden. Diese ganze Gemeinde wartet auf die Möglichkeit, nach Palästina auszuwandern. Etwa 50 Familien ist es bisher unter großen Schwierigkeiten gelungen, ins Land zu kommen. Manche von ihnen sind ziemlich wohlhabend. Alle aus Persien nach Palästina eingewanderten Marranen haben sich in das jüdische Leben des Landes gut eingefügt. Mehrere Häuser in Jerusalem gehören aus Persien eingewanderten Scheinjuden, die nach und nach öffentlich zum Judentum zurückkehren. Derzeit leben in Jerusalem rund 8000 persische Juden, in Tiberias, Safed, Haifa, Tel Awiw und den Kolonien weitere 3000. Zwei neue Palästinasiedlungen für 200 jüdische Familien aus Deutschland, Jerusalem, 12. August. In der Nähe von Petach Tikwah wurde mit der Errichtung von zwei neuen Siedlungen, Maimonia und Kfar Syrkin, begonnen, in denen 200 jüdische Familien aus Deutschland auf landwirtschaftlicher Basis angesiedelt werden sollen, Die notwendigen Wohnbauten werden in drei Monaten fertiggestellt sein. Die 70.000 Pfund betragenden Kosten werden -zum Teil von den Siedlern, zum Teil von der Jewish Agency getragen. (ITA.) Jerusalemer Brief, Jerusalem, 8. August. Gemeindegesetz, — Die neue Poalim-Leitung.— Zeire Agudas Jisroel-Versammlung. — Landesrat. — Chinuch-Zentrale, — Ausschreitungen. Diese Woche .erhielt die Agudo-Zenträle ein Schreiben des stellvertretenden Obersekretärs in der Gemeindegesetzfrage. Es wird darin gesagt, daß die Regierung der Angelegenheit ihr fortgesetztes Interesse zuwende, daß aber infolge der Abwesenheit der führenden Persönlichkeiten des Waad leumi eine Vertagung habe eintreten müssen. Die Konferenz der Poale Agudas Jisroel hat ein sehr erfreuliches Ergebnis gehabt. Die neue Leitung ist aus Persönlichkeiten zusammengesetzt, die sich der engsten Verbundenheit mit der Agudas Jisroel bewußt sind und die nicht den Ehrgeiz haben, den Poale Agudas Jisroel eine eigene neue Ideologie zu geben, die von derjenigen der Agudas Jisroel selbst abweicht. Wie bereits mitgeteilt, besteht die Leitung aus 36 Mitgliedern. Am letzten Sonntag fand die erste Sitzung dieser neuen Leitung statt. Zum Leiter der Sitzung wurde Jacob Landau gewählt. Die Leitung beschloß, den Waad hapoel aus 9 Mitgliedern und 4 Stellvertretern zusammenzusetzen; letztere sollen zu allen Sitzungen eingeladen werden, damit sie mit den Geschäften vertraut bleiben. Ferner wurde eine engere Leitung von fünf Personen, von denen zwei Stellvertreter sind, gewählt. In geheimer Wahl wurden in den Waad hapoel gewählt die Herren Jacob Landau, Benjamin Münz, Seif Fischer- Schein, Hillel Liebermann, M. Schönfeld, Jacob Katz, Schlomo König, Lipmann Berkowitz, Salman Jenkelewitz, David Zwi Silberstein, Gerschon Judo König, S. S. Moses und Hillel Brockenthal. Die Genossen Münz und Schein erklärten, daß sie die Wahl in den Waad hapoel nicht annehmen und es wurden an ihrer Stelle die Herren Elias Münk, Petach Tikwah und Zwi Weinberg, G'edera gewählt. Nach Schluß der Sitzung traten die Mitglieder des Waad hapoel zur Wahl der engeren Leitung zusammen, die sieh nun zusammensetzt aus den Herren Salman Jenkelewitz, Vorsitzende, D. Z. Silberstein, Schriftführer, G. J. König, Schatz- . meister, S. S. Moses und Hillel Brockenthal. Wie ich bereits früher mitteilte, geschieht zur Zeit in den Kreisen der Zeire Agudas Jisroel viel für die Verstärkung und Erweiterung der Bewegung. Man bemüht sich auch sehr darum, die neuen Einwanderer, die aus den Zeire Agudas. Jisroel-Gruppen des Auslandes kommen, . zu erfassen. Man darf hoffen, daß diese Bestrebungen allmählich Erfolg haben werden. Am letzten Sabbat Abend, den 28. Tammus, fand eine große allgemeine Versammlung der orthodoxen Jugend im Lokale des Waad hair Aschkenasi statt. Die Tagesordnung lautete: 1. Die Lage des Thorastudiums. 2. Der zionistische Einfluß auf die Kreise der Orthodoxie. 3. Die aktuellen Aufgaben der orthodoxen Jugend. Es fand sich ein buntscheckiges Publikum aus allen orthodoxen Kreisen zusammen. Den Hauptbestandteil bildeten allerdings die jungen Leute der Jeschiwos und der loindischen Kreise. Rabbi Elia S 1 o t n i k eröffnet die Versammlung und erklärte, man habe sich zur Aufgabe gemacht, die orthodoxe Jugend aus ihrem Schlafe zu wecken, um sie zu aktivieren und widerstandsfähig gegen die Strömungen der Umwelt zu machen. Er fordert die Leiter der Agudas Jisroel auf, sich von jeder Gemeinsamkeit und jedweder Art von Uebereinkommen mit den Zionisten oder Misrachisten zurückzuhalten, denn jedes solches Zusammenwirken verwische den wahren Charakter der Agudas Jisroel und ihrer Bestrebungen. Man könne sich auch auf die Einhaltung von solchen Uebereinkünften niemals verlassen. Hierauf hielt Rabbi Zwi Michel Heller eine flammende Rede über die Lage des Thorastudiums, worin er den Lomde Thora, insbesondere den jugendlichen, die große Verantwortlichkeit einschärfte, die heute auf ihren Schultern ruhe. Mitten in der Rede von Rabbi Heller traten Störungen ein. In der letzten Zeit wurde in Jerusalem ein Institut zur Erlernung der Handslswissenschäft und fremder Sprachen unter dem Namen „Merkantil" gegründet. Dieses Institut, in dem Jünglinge und Mädchen zusammen unterrichtet werden, hat sein Netz auch in den Kreisen der jungen Leute der Jeschiwos ausgebreitet und viele haben sich gewinnen lassen. Die Zeire Agudas Jisroel-Gruppe hat eine Gegenaktion begonnen und eine Aufforderung an die Eltern der Schüler des Instituts gerichtet, ihre Kinder davon fernzuhalten. Die Schüler des Instituts mit seinen Leitern sind deswegen natürlich sehr erbittert gegeii die Zeire Agudas Jisroel und veranstalteten Demonstrationen, als Rabbi Heller das Institut „Merkantil" angriff. Schließlich wurden die Ruhestörer von der Polizei &niiemi und Herr Heller konnte seine Rede ungestört fortsetzen. Rabbi Ahron Katzenellenbogen verbreitete sich eingehend über den zionistischen Einfluß, der immer mehr in die Kreise der Orthodoxie eindringe und schilderte die Verwüstungen, die der Nationalismus in den Herzen der Jugend anrichtete. Der Redner suchte in einer geschichtlichen Darstellung nachzuweisen, welche Verantwortlichkeit für den Niedergang des religiösen Lebens auf dem Zionismus und Mdsrachismus. ruht und spricht über die der orthodoxen Jugend obliegende Verpflichtung, durch eine durchgebildete und tatkräftige Organisation sich dem Gegner gewachsen zu zeigen. Auf der einen Seite gelte es, sich immer mehr im Lernen und in der Verwirklichung der Thora im Leben zu vervollkommnen, auf der anderen Seite den Mut zu haben, sich gegen die der Thora feindlichen Strömungen der Zionisten und Misrachisten zu wehren. Rabbi Amram Blau (ein Neffe von R. Mosche Blau) spricht über die Lage innerhalb der Agudo und gibt seiner lebhaften Unzufriedenheit darüber Ausdruck, daß die Agudas Jisroel von dem gebahnten Wege abweiche. Die Konsequenzen dieser kompromißlerischen Haltung der Agudas Jisroel seien unabsehbar. Die Schlußrede hielt Rabbi Hillel Schlesinger. Er gab ein Resume der vorangegangenen Referate und wendete sich mit einem flammenden Appell an die Jugend, sich in den Reihen der Zeire Agudas« Jisroel zusammenzuschließen. Er kritisiert scharf die Aenderungen in der Unterrichtsmethode in manchen neuen agudislischen Erziehungsanstalten im Lande und appelliert an die Führer der Agudas Jisroel, ein wachsameres Auge für den Chinnuch zu haben. Am Mittwoch vergangener . Woche fand eine Sitzung der Landeszentrale der Agudas Jisroel mit den neu eingetretenen Mitgliedern statt. Man beschloß eine verstärkte Propaganda zur Gründung und Erweiterung von Ortsgruppen." Weitere Beschlüsse galten den Sammlungen für den Keren Hajischuw im Lande, mit denen in den nächsten Tagen begonnen werden soll. Es wurde auch der zentrale Waad hachinnuch aus Vertretern aller agudistischen Erziehungsanstalten zusammengesetzt, dem außerdem Bevollmächtigte der Landeszentrale und der Agudas Jisroel angehören sollen. Aufgabe des Waad soll die geistige und materielle Fürsorge für die Erziehungsanstalten sein. Der Waad trat gestern Abend bereits -zu seiner ersten Sitzung zusammen. Alle Mitglieder waren anwesend. Im Anschluß an ein Einleitungsreferat von Rabbi Mosche Blau fanden lebhatfe Diskussionen über einzelne aktuelle Fragen siatt. Die Vertreter der Erziehungsanstalten der Agudas Jisroel in den Kolonien äußerten ihre besondere Befriedigung über die Gründung des Waad. Man könne mit seiner Hilfe bei energischer Arbeit vieles für die Rettung des echten jüdischen Chinnuch in den Kolonien erreichen. Im Auftrage der Agentur der Welt-Agudo wird sich Herr Benjamin Münz zu der am 10. Aw in Telschi stattfindenden Landesversammlung der litauischen Zeire Agudas Jisroel begeben. Die Leitung der Agudas Jisroel-Zentrale in Jerusalem veröffentlicht eine Erklärung, daß sie jede Verantwortlichkeit ablehnt für die schändlichen Vorkommnisse, die sich an dem Tage, der zu Gebeten um die Genesung von Oberrabbiner Kuk festgesetzt war, an einigen Orten ereigneten und die keineswegs von Agudisten ausgegangen sind. Agudas Jisroel verurteilt jede persönliche Verunglimpfung aufs entschiedenste, and soweit sich Agudisten solcher Entweihungen des g'ttlichen Namens schuldig machen, werden sie gemäß der strikten Weisung der Exekutive der Welt- Agudo rücksichtslos aus den Reihen der Agudas Jisroel ausgeschlossen. Diese Haltung entspricht auch dem - ausgesprochenen Willen des Herrn Oberrabbiner Duschinski, der vor dem mt »«' des falschen ftiKip wiederholt dringend gewarnt hat. Die Stimme des Sabbat auch in Rechowöth, — Wahlniederlage des Misrachi. Jerusalem, 10. August. Es dürfte nicht unbekannt sein, daß vor einiger Zeit siebzig Familien aus Marmarus mit Zertifikaten des Landwirteverbandes in Rechowoth angesiedelt wurden, die sich zu den Poale Agudas Jisroel bekennen. ^Daß diese Juden nicht allein dem Namen nach sich zur Agudas Jisroel zählen, bewiesen sie am letzten Sabbat, als die ganze Marmarus-Gemeinde in Talith gehüllt aus der Synagoge auf die Straße hinaus ging, um gegen ein mit Juden voll besetztes durchfahrendes Auto zu demonstrieren. Alles gütliche Zureden war umsonst. Eine flammende An-

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